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Geflügelpest

Aktuelles (Stand: 19.11.2020)

Geflügelpest bei einem Wildvogel in NRW bestätigt

Am 18.11.2020 hat das Friedrich Loeffler-Institut bei einer verendeten Wildgans im Kreis Kleve den Nachweis des Geflügelpestvirus HPAI H5 bestätigt.

Der Kreis Kleve verstärkt daher das Seuchen-Monitoring und intensiviert die Suche nach verendeten Wildvögeln. Hausgeflügel ist in NRW nicht betroffen, alle Geflügelhalter sind zu besonderer Vorsicht aufgerufen.

Geflügelpest in Deutschland

Seit dem 30.10.2020 sind in Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mehrere Fälle von hochpathogener Geflügelpest (HPAI H5) bei Wildvögeln aufgetreten, in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind auch Hausgeflügelbestände betroffen.

Europaweit meldeten das Vereinigte Königreich die Niederlande sowie Frankreich Ausbrüche von Geflügelpest bei Wildvögeln und / oder in Hausgeflügelbeständen.

  • Bisherige Entwicklung

    Ähnlich dem Seuchengeschehen 2016/2017 kamen die ersten Fälle von HPAI (besonders H5N8) im Oktober 2020 in Russland und Kasachstan bei Wildgeflügel und gehaltenem Geflügel auf. Es wird vermutet, dass Zugvögel das Virus nach Europa eintragen.

    Ausbrüche bei Wildvögeln und Hausgeflügel gibt es seit Ende Oktober in den Niederlanden, in Großbritannien, und seit Mitte November auch in Frankreich.

    In Deutschland sind vor allem die Küstenregionen an Nord- und Ostsee mit über 6000 verschiedenen verendet aufgefundenen Wildvögeln betroffen (seit dem 30.10.2020). Besonders viele positive Funde werden bei Nonnengänsen, Pfeifenten und Greifvögeln festgestellt. Es wird vor allem H5N8, aber auch H5N5 und H5N1 Virus gefunden.

    Menschen und andere Tiere sind nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) derzeit nicht von der Geflügelpest bedroht.

    Mittlerweile wurde in allen Landkreisen Schleswig-Holsteins die Aufstallung angeordnet. Auch mehrere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen sind von der Stallpflicht betroffen.

  • Informationen zur Geflügelpest

    Die Geflügelpest, im Volksmund auch Vogelgrippe genannt, gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Sie wird durch aviäre Influenzaviren (AI-Viren) übertragen, die nach verschiedenen Merkmalen unterschieden werden.

    Es gibt stark krankmachende (high pathogenic, HP) und weniger krankmachende (low pathogenic, LP) Grippeviren. Nur die hochpathogenen führen zur klassischen Geflügelpest, also HPAI.

    Die Oberflächen der Viren haben verschiedene Eigenschaften, sie können bestimmte Eiweiße bilden wie Hämagglutinin (H), das Blutkörperchen verklebt, oder Neuraminidase (N), welches Zellwände von Wirtszellen schädigt. Da diese Eigenschaften variieren, werden sie in Zahlen unterteilt (H1–16, N1–9), so entstehen die Namen von Virus-Untertypen, zum Beispiel H5N1 oder H5N8.

    In der Natur gibt es bei Wassergeflügel vor allem niedrig pathogene Varianten, an denen die Tiere nicht sterben, das ist ein natürliches Reservoir. Allerdings können sich die Viren spontan verändern (mutieren) und zu hochpathogenen Formen werden, welche sich schnell weiterverbreiten und so zu einer Tierseuche werden. Besonders gefährdet ist daher das Wirtschaftsgeflügel. Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt wie etwa über Ausscheidungen.

    Andere Tiere als Vögel sind in der Regel nicht betroffen, lediglich bei Katzen konnte eine Erkrankung nachgewiesen werden. In Asien gab es in 2003 durch Virusmutationen erstmals Infektionen von Menschen, welche intensiven Kontakt zu erkranktem Nutzgeflügel hatten. Weltweit sind insgesamt etwa 850 Menschen an diesem besonderen Untertyp der Vogelgrippe gestorben. An erkranktem Wildgeflügel bzw. dem Untertyp H5N8 hat sich bislang kein Mensch infiziert.

  • Was tun, wenn man einen toten Vogel findet?

    Einzelne tote Spatzen oder Amseln sind nichts Unnormales. Sie können zum Beispiel an Altersschwäche gestorben sein oder an Parasiten. Von Singvögeln geht nach bisherigem Kenntnisstand kein besonderes Risiko der Übertragung der Vogelgrippe aus.

    Verendete Vögel sollten in der Natur belassen werden oder können, wenn sie auf einem Privatgrundstück gefunden werden, im Hausmüll (in der Restmülltonne) entsorgt werden.

    Wenn man viele tote Vögel an einem Ort oder einzelne oder mehrere tote größere Vögel wie Gänse, Schwäne, Enten oder Greifvögel findet, sollte man diese nicht anfassen, sondern das Veterinäramt/die Kreisverwaltung oder das örtliche Ordnungsamt informieren. Diese können dann die Untersuchung auf AI einleiten. Ob ein verendeter Vogel am Vogelgrippe-Virus gestorben ist, kann nur im Labor geklärt werden.

  • Wie kann ich mein Geflügel vor der Geflügelpest schützen?

    Hausgeflügel darf keinen Kontakt zu Wildvögeln haben!

    Allgemeine Hygieneregeln und besonders Biosicherheitsmaßnahmen müssen beachtet werden:

    • Besuche soweit wie möglich vermeiden
    • Für unvermeidbaren Besuch betriebseigene Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung bereitstellen
    • Wechseln des Schuhwerks vor Betreten der Stallungen und die Nutzung von Desinfektionsmatten/-bädern unmittelbar vor den Eingängen für Stiefel etc.
    • Desinfektion der Reifen von Fahrzeugen, die Einstreumaterial u. ä. in die Ställe bringen
    • Vor Tierkontakt: Hände waschen und desinfizieren
    • Futter und Einstreu vor Vogeleinflug und Verunreinigungen wirksam schützen
    • Fütterung nur in geschützten Stallbereichen, zu denen Wildvögel keine Zugangsmöglichkeit haben
    • Auslaufbereiche unattraktiv für Wildvögel gestalten (kein Oberflächenwasser)
    • Oberflächenwasser niemals zum Tränken verwenden
    • Regelmäßige gründliche Kontrolle des Gesundheitszustandes der Herde