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Geflügelpest in Nordrhein-Westfalen

Aktuelles (Stand 18. Mai 2021)

Seit Mitte April gibt es in Nordrhein-Westfalen keine neuen Geflügelpest-Ausbrüche mehr unter Hausgeflügel. Die im Umfeld dieser Ausbrüche verhängten Restriktionszonen sind am 17.05.2021 beendet worden. Da zudem die Zahl erkrankter Wildvögel deutlich rückläufig ist, hat das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz NRW das generelle Aufstallungsgebot für die Regierungsbezirke Münster, Detmold und Arnsberg zum 17.05.2021 aufgehoben. Den Kreisordnungsbehörden bleibt es unbenommen, die Aufstallung von Hausgeflügel in eigener Zuständigkeit regional und risikoorientiert aufrechtzuerhalten bzw. neu anzuordnen. Die jeweiligen Regelungen in den betroffenen Kreisen sind in den amtlichen Bekanntmachungen zu finden:

Kreis Gütersloh

Kreis Paderborn

Kreis Minden-Lübbecke

Kreis Warendorf

Hochsauerlandkreis

Märkischer Kreis

Kreis Unna

Kreis Olpe

  • Bisherige Entwicklung

    Ähnlich dem Seuchengeschehen 2016/2017 kamen die ersten Fälle von HPAI (besonders H5N8) im Oktober 2020 in Russland und Kasachstan bei Wildgeflügel und gehaltenem Geflügel auf. Es wird vermutet, dass Zugvögel das Virus nach Europa eintragen.

    Ausbrüche bei Wildvögeln und Hausgeflügel gibt es seit Ende Oktober in den Niederlanden, in Großbritannien, und seit Mitte November auch in Frankreich.

    In Deutschland sind vor allem die Küstenregionen an Nord- und Ostsee mit über 6000 verschiedenen verendet aufgefundenen Wildvögeln betroffen (seit dem 30.10.2020). Besonders viele positive Funde werden bei Nonnengänsen, Pfeifenten und Greifvögeln festgestellt. Es wird vor allem H5N8, aber auch H5N5 und H5N1 Virus gefunden.

    Menschen und andere Tiere sind nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) derzeit nicht von der Geflügelpest bedroht.

    Mittlerweile wurde in allen Landkreisen Schleswig-Holsteins die Aufstallung angeordnet. Auch mehrere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen sind von der Stallpflicht betroffen.

    Wildvogel-Geflügelpest in NRW

    Seit Beginn des Seuchenzuges 2020 / 2021 sind folgende Fälle von Geflügelpest unter Wildvögeln nachgewiesen worden:

    13.11.2020: Wildgans in Emmerich (Kreis Kleve)

    13.11.2020: Wildgans in Emmerich (Kreis Kleve)

    18.12.2020: Wildgans in Sonsbeck (Kreis Wesel)

    18.12.2020: Drossel in Hamminkeln (Kreis Wesel)

    13.01.2021: Greifvogel in Xanten (Kreis Wesel)

    17.02.2021: Wildgans in Kreis Kleve

    03.03.2021: Wildgans Stadt Münster

    15.03.2021: Vier Wildgänse in Sendenhorst (Kreis Warendorf)

    15.03.2021: Wildgans Stadt Bielefeld

    16.03.2021: Graureiher in Enger (Kreis Herford)

    17.03.2021: Wildgans in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke)

    27.03.2021: Sperber in Bad Salzuflen (Kreis Lippe)

    27.03.2021: Höckergans in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden Lübbecke)

    29.03.2021: Eule in Steinhagen (Kreis Gütersloh)

    08.04.2021: Mehrere Wildgänse und Schwäne sowie ein Graureiher in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden Lübbecke)

    08.04.2021: Graureiher in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke)

    09.04.2021: Mehrere Wildgänse in Finnentrop (Kreis Olpe)

    20.04.2021: Schwan in Petershagen (Kreis Minden Lübbecke)

    20.04.2021: Wildgans in Porta Westfalica (Kreis Minden Lübbecke)

    03.05.2021: Greifvogel in Billerbeck (Kreis Coesfeld)

    06.05.2021: 2 Schwäne im Kreis Wesel

    Die betroffenen Kreise verstärken das Seuchen-Monitoring und intensivieren die Suche nach verendeten Wildvögeln. Alle Geflügelhalter sind zu besonderer Vorsicht aufgerufen.

     

    Geflügelpest unter Hausgeflügel in NRW

    Folgende Fälle unter Hausgeflügel wurden in NRW amtlich bestätigt:

    01.03.2021: Entenhaltung in Versmold (Kreis Gütersloh)

    02.03.2021: Gemischte Geflügelhaltung in Lichtenau (Kreis Paderborn)

    02.03.2021: Putenhaltung in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke)

    20.03.2021: Putenhaltung in Eslohe (Hochsauerlandkreis)

    20.03.2021: Hühnerhaltung in Beelen (Kreis Warendorf)

    20.03.2021: Hühnerhaltung in Delbrück (Kreis Paderborn)

    23.03.2021: Putenhaltung in Münster

    24.03.2021: Hühnerhaltung in Menden (Märkischer Kreis)

    02.04.2021: Masthähnchenhaltung in Delbrück (Kreis Paderborn)

    03.04.2021: Gemischte Geflügelhaltung in Menden (Märkischer Kreis)

    10.04.2021: Junghennenhaltung in Delbrück (Kreis Paderborn)

    13.04.2021: Laufvogelhaltung in Delbrück (Kreis Paderborn)

    14.04.2021: Gemischte Geflügelhaltung in Drensteinfurt (Kreis Warendorf)

    Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilte, handelte es sich in den ersten zwölf Fällen um die hochpathogene Geflügelpest des Typs H5N8, lediglich beim letzten Ausbruch in Warendorf ist die Variante H5N1 nachgewiesen worden. Alle Tiere der betroffenen Betriebe sind aus Tierschutz- und Vorsorge-Gründen umgehend unter behördlicher Aufsicht getötet worden.

    Zum Schutz des Hausgeflügels gilt in den Regierungsbezirken Detmold, Münster und Arnsberg ein Aufstallungsgebot.

    Gemäß der Geflügelpest-Verordnung wurden Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete um die jeweiligen Betriebe angelegt. In diesen Bereichen gelten weitere Maßnahmen wie Verbringungsverbote und bestimmte Hygieneregeln für alle geflügelhaltenden Betriebe.

     

    Gesamtentwicklung der Geflügelpest in Nordrhein-Westfalen seit November 2020

     

  • Informationen zur Geflügelpest

    Die Geflügelpest, im Volksmund auch Vogelgrippe genannt, gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Sie wird durch aviäre Influenzaviren (AI-Viren) übertragen, die nach verschiedenen Merkmalen unterschieden werden.

    Es gibt stark krankmachende (high pathogenic, HP) und weniger krankmachende (low pathogenic, LP) Grippeviren. Nur die hochpathogenen führen zur klassischen Geflügelpest, also HPAI.

    Die Oberflächen der Viren haben verschiedene Eigenschaften, sie können bestimmte Eiweiße bilden wie Hämagglutinin (H), das Blutkörperchen verklebt, oder Neuraminidase (N), welches Zellwände von Wirtszellen schädigt. Da diese Eigenschaften variieren, werden sie in Zahlen unterteilt (H1–16, N1–9), so entstehen die Namen von Virus-Untertypen, zum Beispiel H5N1 oder H5N8.

    In der Natur gibt es bei Wassergeflügel vor allem niedrig pathogene Varianten, an denen die Tiere nicht sterben, das ist ein natürliches Reservoir. Allerdings können sich die Viren spontan verändern (mutieren) und zu hochpathogenen Formen werden, welche sich schnell weiterverbreiten und so zu einer Tierseuche werden. Besonders gefährdet ist daher das Wirtschaftsgeflügel. Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt wie etwa über Ausscheidungen.

    Andere Tiere als Vögel sind in der Regel nicht betroffen. In Asien gab es in 2003 durch Virusmutationen erstmals Infektionen mit dem Erregertyp H5N1 bei Menschen, welche intensiven Kontakt zu erkranktem Nutzgeflügel hatten. Weltweit sind seitdem rund 850 Menschen an diesem besonderen Untertyp der Vogelgrippe erkrankt. An dem Untertyp H5N8 haben sich bislang nur einige Mitarbeiter einer Geflügelfarm in Rußland infiziert. Diese zeigten jedoch nur leichte Grippesymptome.

  • Was tun, wenn man einen toten Vogel findet?

    Einzelne tote Spatzen oder Amseln sind nichts Unnormales. Sie können zum Beispiel an Altersschwäche gestorben sein oder an Parasiten. Von Singvögeln geht nach bisherigem Kenntnisstand kein besonderes Risiko der Übertragung der Vogelgrippe aus.

    Verendete Vögel sollten in der Natur belassen werden oder können, wenn sie auf einem Privatgrundstück gefunden werden, im Hausmüll (in der Restmülltonne) entsorgt werden.

    Wenn man viele tote Vögel an einem Ort oder einzelne oder mehrere tote größere Vögel wie Gänse, Schwäne, Enten oder Greifvögel findet, sollte man diese nicht anfassen, sondern das Veterinäramt/die Kreisverwaltung oder das örtliche Ordnungsamt informieren. Diese können dann die Untersuchung auf AI einleiten. Ob ein verendeter Vogel am Vogelgrippe-Virus gestorben ist, kann nur im Labor geklärt werden.

  • Wie kann ich mein Geflügel vor der Geflügelpest schützen?

    Hausgeflügel darf keinen Kontakt zu Wildvögeln haben!

    Allgemeine Hygieneregeln und besonders Biosicherheitsmaßnahmen müssen beachtet werden:

    • Besuche soweit wie möglich vermeiden
    • Für unvermeidbaren Besuch betriebseigene Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung bereitstellen
    • Wechseln des Schuhwerks vor Betreten der Stallungen und die Nutzung von Desinfektionsmatten/-bädern unmittelbar vor den Eingängen für Stiefel etc.
    • Desinfektion der Reifen von Fahrzeugen, die Einstreumaterial u. ä. in die Ställe bringen
    • Vor Tierkontakt: Hände waschen und desinfizieren
    • Futter und Einstreu vor Vogeleinflug und Verunreinigungen wirksam schützen
    • Fütterung nur in geschützten Stallbereichen, zu denen Wildvögel keine Zugangsmöglichkeit haben
    • Auslaufbereiche unattraktiv für Wildvögel gestalten (kein Oberflächenwasser)
    • Oberflächenwasser niemals zum Tränken verwenden
    • Regelmäßige gründliche Kontrolle des Gesundheitszustandes der Herde
  • Zur Vermarktung von Geflügel und Eiern aus Ökolandbau und Freilandhaltung bei Aufstallungspflicht

    Zur Vermarktung von Geflügel und Eiern aus Ökolandbau und Freilandhaltung bei Aufstallungspflicht

    Die Erzeugnisse in Aufstallungsgebieten können weiterhin als Produkte aus Freilandhaltung bzw. Ökolandbau vermarket werden. Bei Geflügel aus Freilandhaltung ist dies auf 12 Wochen beschränkt, Eier aus Freilandhaltung können trotz Aufstallungsanordnung für maximal 16 Wochen weiterhin als Freilandeier vermarktet werden. Bei Fortdauer der Stallpflicht muss die Auslobung nach 12 (Geflügel) bzw. 16 Wochen (Eier) auf Bodenhaltung geändert werden. Im Ökolandbau gibt es keine zeitliche Beschränkung; bei Aufstallungsanordnung können diese Produkte weiter als „Öko“ vermarktet werden.

    Für Betriebe außerhalb der Aufstallungsgebiete gilt die Verpflichtung zur Auslaufgewährung im Hinblick auf die Vermarktungsmöglichkeiten "Freiland" und "Öko-Landbau" unverändert. Wenn ein Betriebsleiter sich entschließt, seinen Bestand vorsorglich aufzustallen, können die Erzeugnisse nur als Bodenhaltungserzeugnisse vermarktet werden; denn in diesen Fällen liegt keine zwingende Voraussetzung einer veterinärrechtlichen Beschränkung zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier vor. Öko-Betriebe müssen diesen Wechsel in die (konventionelle) Bodenhaltung vorher ihrer Öko-Kontrollstelle anzeigen. Legehennenbetriebe, die ihre Haltungsform vorsorglich und freiwillig ändern wollen, müssen dies dem LANUV im Hinblick auf die Verwendung der Printnummer nach dem Legehennenbetriebsregistergesetz anzeigen.