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Hydrologischer Monatsbericht Juni 2020

01. Juli 2020

Zusammenfassung

Im Juni herrschte wechselhafte Witterung mit durchschnittlichen Niederschlagsmengen von 75 mm (langjähriger Vergleichswert von 1881 bis 2017 ca. 75 mm). Die Böden sind weiterhin trocken, insbesondere in den tieferen Bodenzonen. Besonders betroffen von der außergewöhnlichen Dürre sind die Mittelgebirge. Im Vergleich zum langjährigen Verhalten im Juni stärker abnehmende Grundwasserstände. Ca. 40 % aller Grundwassermessstellen zeigen sehr niedrige Grundwasserstände. Flüsse und Bäche in den Mittelgebirgen weisen weiterhin niedrige Wasserstände auf. Die Talsperrensysteme sind stark beansprucht.

Niederschläge

Der Juni 2020 zeichnete sich in allen Landesteilen durch den wiederholten Wechsel zwischen trockenen und regnerischen Phasen aus. Die niederschlagsarme Periode des April und Mai setze sich somit im Juni nicht fort. Die Monatssumme des Niederschlages im Juni betrug im Mittel für NRW 75 mm, was ziemlich genau dem langjährigen Mittel seit 1881 mit 74 mm Niederschlag im Juni entspricht.  seit Insgesamt lagen die Niederschläge in Teilen des Münsterlandes und Ostwesfalens oberhalb des Durchschnitts, im Ruhrgebiet und am Niederrhein darunter. An insgesamt 8 Tagen im Juni hat es in ganz NRW nicht geregnet.

Monats-
summen
 AprMaiJunJuliAugSepOktNovDezJanFebMrzJahr
  gemessen201846,152,44725,542,541,331,223,3126,5104,341,2102683
201929,462,745,842,85862,2101,482,283,447,9153,669,9839
202020,518,375*          114*
    Mittelwert1881-
2019
566475878267697280746060846
1961-
1990
627284827367627988775871875
1971-
2000
566882776874707889805774873
1981-
2010
557178817978758189866877918
Übersicht über die gemessenen Monatssummen der Niederschläge [mm bzw. l/m² in NRW seit April 2018 im Vergleich zu den mittleren Monatssummen verschiedener Referenzperioden, Jahresstart jeweils zum Beginn der Vegetationsperiode im April; Datenquelle DWD, LANUV; *vorläufiger Wert

Bodenfeuchte

Die Niederschläge im Juni führten in einigen Landesteilen zu einer Entspannung der Situation im Oberboden. In den tieferen Bodenschichten stellt sich die derzeitige Situation vergleichbar mit dem Vorjahr dar. Die Geschwindigkeit des Austrocknens wurde durch die Niederschläge abgemildert, konnte aber nicht gestoppt werden. Besonders betroffen sind derzeit die nordrhein-westfälischen Mittelgebirge.

Grundwasser

Fast 80% der Ende Mai / Anfang Juni gemessenen Grundwasserstände befinden sich unterhalb der langjährigen Vergleichswerte (Messstellen-Median) in diesem Zeitraum. Dabei nimmt der Anteil signifikant zu niedriger Grunwasserstände deutlich zu, d. h. die abfallende Tendenz hin zu niedrigeren GW-Ständen als üblich ist weiterhin vorhanden. Diese Tendenz korreliert mit niederschlagsarmen Zeitraum seit Mitte März bis Ende Mai.

Im Vergleich zum Vorjahr (Mai/Juni 2019) zeigt der Grundwasserstand eine ähnliche Situation. Rund die Hälfte der Grundwasserstände liegt oberhalb bzw. unterhalb der Werte aus dem Vorjahr. Im Vergleich zum Mai/Juni 2018, vor Beginn der Dürreperioden 2018 und 2019, wurden Ende Mai/Anfang Juni 2020 in rd. drei Viertel der Grundwassermessstellen niedrigere GW-Stände gemessen. Dies korreliert mit dem seit April 2018 aufgebauten Niederschlagsdefizit, welches sich auf die Grundwasserneubildung auswirkt.

Fließgewässer

Durch die Niederschläge im Juni entspannte sich die Situation in den Gewässern im Vergleich zum Mai, zeigt aber weiterhin in vielen Einzugsgebieten eine deutliche Niedrigwassersituation. Diese verschob sich zum Monatsende von den Mittelgebirgen in den Norden Nordrhein-Westfalens.

An den beiden Bundeswasserstraßen Rhein und Weser sind durch weitere Niederschläge im Juni vor allem außerhalb NRW die Wasserstände gestiegen und befinden sich derzeit teilweise deutlich oberhalb des langjährigen mittleren Niedrigwassers. Weitere Informationen zu Rhein und Weser bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

 

Talsperren

Im Juni 2020 nahmen die Füllstände vieler Talsperren bedingt durch die Trockenheit des Frühjahrs weiterhin überdurchschnittlich ab. Die Niederschläge haben die Entwicklung der Füllstandsituation nicht maßgebend beeinflusst, allenfalls um einige Tage verzögert. 

Die Füllstände sind nun Anfang Juli meist etwas unterhalb des langjährigen Mittels bei überdurchschnittlich hoher Abgabe pro Tag, d.h. einem sogenannten überdurchschnittlichen „steilem“ Abfall. Dies ist wegen der im Juni räumlich unterschiedlich gefallenen Niederschläge regional unterschiedlich.

Der Gesamt-Füllgrad der größeren Talsperen liegt aktuell zum Ende des Monats bei ca. 77% des Vollstaus. Zum Beginn des Monats betrug er 82%. Im letzten Jahr betrug er zum Vergleich ca. 88% zu Beginn und 84% zum Ende des Monats.

Einordnung und Ausblick

Der Juni zeigte nach der niederschlagsarmen Periode von Mitte März bis Ende Mai ein durchschnittliches Niederschlagsgeschehen. Diese Niederschläge konnten maximal eine Verzögerung der Dürreprozesse, nicht aber eine effektive Reduktion der annhaltenden Trockenheit bewirken. Die Inanspruchnahme der Wasserressourcen im Boden durch die Vegetation, in den Gewäsern und Talsperren durch das Niedrigwassermanagement sowie im Grundwasser durch die ausbleibende Versickerung aus dem Boden ist weiterhin hoch.

Für den Juli wird derzeit eine Fortsetzung des derzeitigen Witterungsverlaufes mit durchschnittlichen Niederschlägen vorhergesagt. Diese können gemeinsam mit gemäßigten Temperaturen zu einer geringeren Belastung des Systems führen, so dass eine kurzfristige Zunahme der Auswirkungen der Dürre nicht auszugehen ist. Eine echte Entspannung der Situation ist im Juli nicht zu erwarten. Ob sich im anschließenden Hoch- und Spätsommer wieder trockene Wetterlage einstellt oder eher feuchte Monate zu erwarten sind, ist aus den derzeitigen Wettervorhersagen nicht erkennbar.

Datenquellen

Bei den verwendeten Daten handelt es sich um automatisch validierte Messdaten. Sie entsprechen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Hydrologische und meteorologische Daten können sich aufgrund von neuen Erkenntnissen, erweiterten Prüfungen oder veränderten Berechnungsverfahren ändern.