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Treibhausgas-Emissionsinventar Nordrhein-Westfalen 2017/2018

Nordrhein-Westfalen unterhält ein Treibhausgas-Emissionsinventar, das sich an den Vorgaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC 2006) orientiert. Die Treibhausgase (THG) Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas sowie HFC, PFC, SF6 und NF3 werden darin nach den IPCC-Sektoren Energie, Industrieprozesse, Landwirtschaft, Abfall und Sonstige detailliert dokumentiert.

Treibhausgasemissionen NRW für das Jahr 2017

Im Jahr 2017 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 274,7 Mio. t CO2-Äquivalente emittiert. Dies bedeutet eine Abnahme der Emissionen gegenüber dem Vorjahr um ca. 3 % und eine Minderung von 25 % gegenüber dem Bezugsjahr 1990.

50,3 % der THG-Emissionen entstanden im Jahr 2017 im Sektor Energiewirtschaft (Abbildung 1). Weitere bedeutende Emissionssektoren sind die Industrie (19,9 %), der Verkehr (12,3 %) sowie Haushalte und Kleinverbraucher (11,6 %). Die Bereiche Landwirtschaft und Abfall verursachen 2,8 % bzw. 0,2 % der nordrhein-westfälischen Treibhausgas-Emissionen. Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, z. B. aus Steinkohlezechen und der Öl- und Gaswirtschaft, machen etwa 1,5 % der Emissionen aus. Durch Produktanwendungen wie beispielsweise Pkw-Klimaanlagen und Gebäudekälte entstehen ebenfalls etwa 1,4 % der THG-Emissionen.

Die Zeitreihe ab 1990 (Tabelle 1 und Abbildungen 2/3 und 4) zeigt folgende Entwicklung:

Zwischen 1990 und 2005 sind erhebliche Minderungen der THG-Emissionen um ca. 40 Mio. t CO2eq zu verzeichnen, die im Wesentlichen in den Sektoren Industrie (technische Maßnahmen/Strukturwandel), Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen (Grubengas aus Steinkohlezechen) und Abfall (Reduzierung/Erfassung von Deponiegasen) stattfinden. Im weiteren Verlauf zeigt sich im Jahre 2009 ein deutlicher, durch die Wirtschaftskrise verursachter Rückgang der Emissionen. Die folgenden Jahre bis 2013 bringen insgesamt einen Anstieg auf Grund der konjunkturellen Erholung. Im Jahre 2014 folgt eine deutliche Reduzierung, die zu einem großen Teil auf die milde Witterung zurückzuführen ist. Es ist aber in NRW auch eine Reduzierung der Emissionen im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke und der Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke liegt. Im Jahr 2015 setzt sich diese Tendenz noch fort.

Dies gilt allerdings nicht mehr für das Jahr 2016, in dem nur wenige Kraftwerksblöcke abgeschaltet wurden und auch neue Gaskraftwerke in Betrieb gingen. Im Jahr 2017 sind die Emissionen in der Energiewirtschaft erneut gesunken. Die Reduzierung beträgt ca. 12 Mio. t CO2eq, dies entspricht einer Minderung von 8 % und geht auf Emissionsreduzierungen im Sektor 1A1a Öffentliche Strom und Wärmeversorgung zurück. Diese Reduzierung wird nahezu vollständig durch Steinkohlekraftwerke erbracht. Geringe Beiträge liefern Braunkohle- und Erdgaskraftwerke sowie sonstige Energieerzeugungsanlagen. Im Sektor Industrie sind die Emissionen nahezu konstant geblieben.

Im gesamten Verkehrssektor sind die Emissionen um ca. 1 % gestiegen. Diese Emissionssteigerung ist wesentlich auf den Straßenverkehr zurückzuführen.

Im Sektor 1A4-5 Haushalte und Kleinverbrauch ist im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung der Emissionen um rund 6 % (1,7 Mio. t CO2eq) zu verzeichnen. Ein emissionssteigernder Aspekt ist der vermehrte Absatz von Erdgas und leichtem Heizöl, der zum einen auf den stetigen Zubau an Wohnfläche und zum anderen auf das Umrüsten bestehender Heizsysteme zurückzuführen ist. Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen profitieren vom starken gesamtwirtschaftlichen Wachstum. Der Temperatureinfluss spielt nur eine untergeordnete Rolle: gemessen an den Gradtagszahlen war 2017 im Durchschnitt nur wenig wärmer als 2016, sodass der Heizenergiebedarf eher geringer war.

Es ergeben sich insgesamt Emissionen von 274,7 Mio. t CO2eq. Sie liegen damit um 3 % niedriger als im Vorjahr. Die THG-Minderung zwischen 1990 und 2017 beträgt 25 %.

Ausblick 2018

Aus den bisher vorliegenden Daten, insbesondere den Emissionsberichten des Emissionshandels, ergibt sich folgendes Bild für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Jahr 2018 (siehe Tabelle 1/Abbildung 4):

In der Energiewirtschaft setzt sich die Entwicklung aus den Vorjahren weiter fort. Im Sektor 1A1a Öffentliche Strom- und Wärmeversorgung sinken die Emissionen um ca. 7 Mio. t CO2eq. Dies entspricht einer Reduzierung um ca. 6 %. Diese Reduzierung betriff den überwiegenden Teil der Energieerzeugungsanlagen. Einige wenige Anlagen haben mehr emittiert als im Vorjahr, einige Anlagen wurden stillgelegt (Kraftwerk Voerde, Kraftwerk Elverlingsen, Kraftwerk Bochum, Heizkraftwerk I Duisburg, Kraftwerk Lünen, Heizkraftwerk Wuppertal-Elberfeld, Heizkraftwerk Köln-Südstadt) oder in die Sicherheitsbereitschaft (Kraftwerk Frimmersdorf Blöcke P und Q) überführt. Dadurch sind die Emissionen der vorgenannten Anlagen gesunken bzw. weggefallen.

Weiterhin sind für das Jahr 2018 folgende Tendenzen erkennbar:

  • Der Energieverbrauch in Deutschland im Sektor Haushalte und Kleinverbraucher ist laut Abschätzung der AG Energiebilanzen e.V. im Jahr 2018 um 3,5 % gesunken. Es ist eine Abnahme der Emissionen um ca. 5 % zu erwarten. Dies entspricht für Nordrhein-Westfalen etwa 1,5 Mio. t CO2eq.
  • Entsprechend der vom Umweltbundesamt (UBA) für Deutschland erwarteten Tendenz werden sich auch in Nordrhein-Westfalen die Emissionen aus dem Straßenverkehr aufgrund des steigenden Kraftstoffverbrauchs voraussichtlich um gut 2 % erhöhen.
  • Die Emissionen im Sektor Industrie werden in etwa gleichbleiben.
  • In den Sektoren Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, Produktanwendungen/Sonstige, Landwirtschaft und Abfall sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten.

Insgesamt ergeben sich daraus für Nordrhein-Westfalen vorläufige Emissionen für 2018 von 265,3 Mio. t CO2eq, eine Minderung um rund 9 Mio. t CO2eq bzw. 3,4 % gegenüber 2017. Die Reduzierung gegenüber 1990 liegt damit bei rund 28 %, d. h., dass das für 2020 vorgesehene Minderungsziel des Klimaschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen voraussichtlich bereits im Jahre 2018 überschritten wird.

Tabelle 1: Zeitreihe der Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen nach Sektoren (Quellen: WI 2005 und LANUV NRW 2019)

 

1990

1995

2000

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

159,4

164,8

159,2

174,4

179,4

185,6

176,2

157,6

167,2

Industrie

94,3

80,1

70,8

62,7

63,5

62,4

60,3

47,5

57,0

Verkehr

36,2

38,3

39,8

36,7

36,1

35,1

35,0

34,5

32,6

Haushalte / Kleinverbrauch

37,3

43,6

40,9

35,7

37,8

29,7

37,5

34,8

33,4

Fl. Emissionen aus Brennstoffen

23,4

17,6

14,1

7,1

6,4

6,2

6,1

4,5

4,3

Produktanwendungen/Sonstige

3,5

4,3

3,6

3,6

3,7

3,6

3,6

3,6

3,6

Landwirtschaft

8,6

7,9

7,7

7,1

6,8

6,9

7,1

7,2

7,0

Abfall

5,2

3,7

2,4

1,8

1,5

1,2

1,1

1,0

0,9

Gesamtemissionen

367,9

360,3

338,5

329,1

335,3

330,6

326,9

290,7

306,1

 

 

 

 

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

vorl.

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

167,2

166,6

168,9

170,3

160,9

150,9

150,4

138,3

130,1

Industrie

57,0

55,3

53,6

54,6

54,5

54,7

54,4

54,7

54,5

Verkehr

32,6

33,0

33,1

31,9

32,2

32,3

33,4

33,7

34,1

Haushalte / Kleinverbrauch

33,4

28,6

28,6

32,0

29,0

29,9

30,3

31,9

30,4

Fl. Emissionen aus Brennstoffen

4,3

4,1

4,8

5,0

4,1

4,5

3,8

4,0

4,0

Produktanwendungen/Sonstige

3,6

3,7

3,7

3,7

3,7

3,8

3,9

3,8

3,8

Landwirtschaft

7,0

7,3

7,2

7,4

7,5

7,6

7,6

7,7

7,7

Abfall

0,9

0,9

0,8

0,7

0,7

0,6

0,6

0,6

0,6

Gesamtemissionen

306,1

299,6

300,7

305,5

292,6

284,2

284,3

274,7

265,3