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Treibhausgas-Emissionsinventar Nordrhein-Westfalen 2018/2019

Nordrhein-Westfalen unterhält ein Treibhausgas-Emissionsinventar, das sich an den Vorgaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC 2006) orientiert. Die Treibhausgase (THG) Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas sowie HFC, PFC, SF6 und NF3 werden darin nach den IPCC-Sektoren Energie, Industrieprozesse, Landwirtschaft, Abfall und Sonstige detailliert dokumentiert.

 

Treibhausgasemissionen für das Jahr 2018

Im Jahr 2018 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 261,2 Mio. t CO2-Äquivalente emittiert. Dies bedeutet eine Abnahme der Emissionen gegenüber dem Vorjahr um rund 5 % und eine Minderung von 29 % gegenüber dem Emissionsniveau von 1990.

 

Mit 49,8 % entsteht 2018 fast die Hälfte der der THG-Emissionen im Sektor Energiewirtschaft (Abbildung 1). Weitere bedeutende Emissionssektoren sind die Emissionen der Industrie (20,9 %), der Verkehr (12,5 %) sowie Haushalte und Kleinverbraucher (10,8 %). Die Bereiche Landwirtschaft und Abfall verursachen 2,9 % bzw. 0,2 % der nordrhein-westfälischen Treibhausgas-Emissionen. Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, z. B. aus Steinkohlezechen und der Öl- und Gaswirtschaft, machen etwa 1,3 % der Emissionen aus. Durch Produktanwendungen wie beispielsweise Pkw-Klimaanlagen und Gebäudekälte entstehen ebenfalls etwa 1,6 % der THG-Emissionen.

 

Die Zeitreihe ab 1990 (Tabelle 1 und Abbildungen 2/3 und 4) zeigt folgende Entwicklung:

Zwischen 1990 und 2005 sind erhebliche Minderungen der THG-Emissionen um ca. 40 Mio. t CO2eq zu verzeichnen, die im Wesentlichen in den Sektoren Industrie (technische Maßnahmen/Strukturwandel), Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen (Grubengas aus Steinkohlezechen) und Abfall (Reduzierung/Erfassung von Deponiegasen) stattfinden. Im weiteren Verlauf zeigt sich im Jahre 2009 ein deutlicher, durch die Wirtschaftskrise verursachter Rückgang der Emissionen. Die folgenden Jahre bis 2013 bringen insgesamt einen Anstieg auf Grund der konjunkturellen Erholung. Im Jahre 2014 folgt eine deutliche Reduzierung, die zu einem großen Teil auf die milde Witterung zurückzuführen ist. Es ist aber in NRW auch eine Reduzierung der Emissionen im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer Reduktion der Verstromung fossiler Brennstoffe liegt. Im Jahr 2015 setzt sich diese Tendenz noch fort. Dies gilt allerdings nicht mehr für das Jahr 2016, in dem nur wenige Kraftwerksblöcke abgeschaltet wurden und auch neue Gaskraftwerke in Betrieb gingen. Im Jahr 2017 sind die Emissionen in der Energiewirtschaft erneut gesunken. Auch im Jahr 2018 ist eine fortschreitende Emissionsminderung im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke und der Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke liegt. Die Reduzierung beträgt ca. 8 Mio. t CO2eq, dies entspricht einer Minderung von 6 % gegenüber dem Vorjahr.

Die Emissionen im Sektor Industrie bewegen sich seit 2010 auf etwa gleichbleibendem Niveau. Auch im Jahr 2018 ist in Nordrhein-Westfalen nur eine leichte Emissionsminderung von 0,3 % auf 54,5 Mio. t CO2eq zu beobachten.

Obwohl der Fahrzeugbestand in NRW weiter ansteigt, sind die Emissionen im Verkehrssektor 2018 um ca. 3 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Straßenverkehr sind Emissionsminderungen von etwa 2,5 % zu verzeichnen. Die Verkehrs-Emissionen liegen damit 2018 bei rund 32,7 Mio. t CO2eq. Gründe für die bilanzierten Emissionsminderungen sind in motortechnischen Verbesserungen infolge der kontinuierlichen Verschärfung der zulässigen Abgaswerte sowie durch verbesserte Kraftstoffqualitäten zu suchen. Auch die Zahl der zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge hat sich im Jahr 2018 deutlich gesteigert.

Im Sektor 1A4-5 Haushalte und Kleinverbrauch sind die Emissionen im aktuellen Bilanzjahr um rund 12 % gegenüber dem Vorjahr gesunken und liegen bei 28,3 Mio. t CO2eq. Die Emissionsminderungen sind auf einen gesunkenen Energieverbrauch, gestiegene Energiepreise, eine milde Witterung sowie Verbesserungen bei der Energieeffizienz zurückzuführen. Emissionssteigernde Faktoren wie Konjunktur und Bevölkerungswachstum spielten 2018 nur eine untergeordnete Rolle.

Im Bereich Produktanwendung/Sonstige ist 2018 ein Emissionsanstieg um etwa 13 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Gründe hierfür sind im vermehrten Einbau von PKW- und Gebäudeklimaanlagen zu suchen.

Die Emissionen der Sektoren Landwirtschaft und Abfall sind weitestgehend konstant geblieben.

Insgesamt ergeben sich 2018 Gesamtemissionen in Höhe von 261,2 Mio. t CO2eq. Sie liegen damit um 5 % niedriger als im Vorjahr und 29 % unter dem Emissionsniveau von 1990.

 

Treibhausgasemissionen für das Jahr 2019 – Ausblick

Aus den bisher vorliegenden Daten, insbesondere den Emissionsberichten des Emissionshandels, ergibt sich folgendes Bild für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Jahr 2019:

In der Energiewirtschaft setzt sich die Entwicklung aus den Vorjahren weiter fort. In diesem Sektor sinken die Emissionen um ca. 27,9 Mio. t CO2eq. Dies entspricht einer Reduzierung um ca. 21 %. Der zu erwartende Rückgang der Emissionen im Jahr 2019 lässt sich nahezu vollständig mit einer Reduzierung der Kohleverstromung und der Stilllegung großer Kraftwerke erklären. Die Überführung von Braunkohlekraftwerken in die Sicherheitsbereitschaft (z.B. mehrere Blöcke des Kraftwerks Niederaußem) hat an der erwarteten Emissionsminderung einen Anteil von 71 %, die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken wie dem Kraftwerk Elverlingsen trägt zu rund 33 % zu der Minderung bei (DEHSt 2019, 2020).

Weiterhin sind für das Jahr 2019 folgende Tendenzen erkennbar:

  • Der Energieverbrauch in Deutschland im Sektor Haushalte und Kleinverbraucher ist laut vorläufigen Abschätzung der AG Energiebilanzen e.V. (2020) im Jahr 2019 trotz kühlerer Witterung um 2,5 % gesunken. Für den Verbrauchsrückgang sorgen weitere Verbesserungen bei der Energieeffizienz, Substitutionen im Energiemix sowie ein konjunkturell bedingter Rückgang des Energieverbrauchs in der Industrie. Es ist eine Abnahme der THG-Emissionen um ca. 7 % zu erwarten (AG Energiebilanzen 2020). Dies entspricht in NRW einer Emissionsminderung von rund 2,0 Mio. t CO2eq.
  • Entsprechend der von der AG Energiebilanzen e.V. (2020) erwarteten Tendenz werden sich in NRW die Emissionen aus dem Straßenverkehr voraussichtlich um rund 2 % bzw. 0,6 Mio. t CO2eq erhöhen. Der Absatz von Diesel- und Ottokraftstoff sowie die Anzahl an PKW-Neuzulassungen verzeichnen 2019 einen leichten Anstieg.
  • Die Emissionen im Sektor Industrie bewegen sich auf gleichbleibendem Niveau.
  • Im Sektor Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen macht sich die Stilllegung der letzten Steinkohlezechen Deutschlands bemerkbar. Die Emissionen aus der Kohleförderung reduzieren sich 2019 voraussichtlich um 1,7 Mio. t CO2eq.
  • In den Sektoren Produktanwendungen/Sonstige, Landwirtschaft und Abfall sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten.

Insgesamt ergeben sich daraus für NRW vorläufige Emissionen für 2019 von 227,0 Mio. t CO2eq, eine Minderung um rund 34,2 Mio. t CO2eq bzw. rund 13 % gegenüber 2018. Das für das Jahr 2020 vorgesehene Minderungsziel des Klimaschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen wurde 2017 mit einer Reduktion von 25 % gegenüber 1990 bereits erreicht. Im Jahr 2019 wird mit einer Emissionsreduktion von rund 38 % gegenüber 1990 ein weiterer Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele des Bundes und des Landes geleistet.

 

Tabelle 1: Zeitreihe der Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen nach Sektoren (Quellen: WI 2005 und LANUV NRW 2020)

 

1990

1995

2000

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

159,4

164,8

159,2

174,4

179,4

185,6

176,2

157,6

167,2

Industrie

94,3

80,1

70,8

62,7

63,5

62,4

60,3

47,5

57,0

Verkehr

36,2

38,3

39,8

36,7

36,1

35,1

35,0

34,5

32,6

Haushalte / Kleinverbrauch

37,3

43,6

40,9

35,7

37,8

29,7

37,5

34,8

33,4

Fl. Emissionen aus Brennstoffen

23,4

17,6

14,1

7,1

6,4

6,2

6,1

4,5

4,3

Produktanwendungen/Sonstige

3,5

4,3

3,6

3,6

3,7

3,6

3,6

3,6

3,6

Landwirtschaft

8,7

8,1

7,2

7,2

7,0

7,0

7,3

7,3

7,2

Abfall

5,2

3,7

2,4

1,8

1,5

1,2

1,1

1,0

0,9

Gesamtemissionen

368,1

360,5

338,7

329,2

335,5

330,8

327,0

290,8

306,4

 

 

 

 

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

vorl.

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

166,6

168,9

170,3

160,9

150,9

150,4

138,3

130,1

102,2

Industrie

55,3

53,6

54,6

54,5

54,7

54,4

54,7

54,5

51,2

Verkehr

33,0

33,1

31,9

32,2

32,3

33,4

33,7

32,7

33,3

Haushalte / Kleinverbrauch

28,6

28,6

32,0

29,0

29,9

30,3

31,9

28,3

26,3

Fl. Emissionen aus Brennstoffen

4,1

4,8

5,0

4,1

4,5

3,8

4,0

3,3

1,6

Produktanwendungen/Sonstige

3,7

3,7

3,7

3,7

3,8

3,9

3,8

4,2

4,2

Landwirtschaft

7,4

7,4

7,6

7,7

7,7

7,8

7,7

7,6

7,6

Abfall

0,9

0,8

0,7

0,7

0,6

0,6

0,6

0,5

0,5

Gesamtemissionen

299,8

300,9

305,7

292,9

284,4

284,5

274,7

261,2

227,0