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Treibhausgas-Emissionsinventar Nordrhein-Westfalen 2019/2020

Nordrhein-Westfalen unterhält ein Treibhausgas-Emissionsinventar, das sich an den Vorgaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC 2006) orientiert. Die Treibhausgase (THG) Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas sowie HFC, PFC, SF6 und NF3 werden darin für die IPCC-Sektoren Energie, Industrieprozesse, Landwirtschaft, Abfall und Sonstige detailliert dokumentiert.

 

Treibhausgasemissionen für das Jahr 2019

 

Im Jahr 2019 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 228,5 Mio. t CO2-Äquivalente emittiert. Dies bedeutet eine Abnahme der Emissionen gegenüber dem Vorjahr um rund 13 % und eine Minderung von ca. 38 % gegenüber dem Emissionsniveau von 1990.

 

Mit 44,7 % entstand 2019 fast die Hälfte der THG-Emissionen im Sektor Energiewirtschaft (Abbildung 1). Weitere bedeutende Emissionssektoren sind die Emissionen der Industrie (22,4 %), der Verkehr (13,8 %) sowie Haushalte und Kleinverbraucher (12,5 %). Die Bereiche Landwirtschaft und Abfall verursachen 3,2 % bzw. 0,2 % der nordrhein-westfälischen Treibhausgas-Emissionen. Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, z. B. aus Steinkohlezechen und der Öl- und Gaswirtschaft, machen etwa 1,5 % der Emissionen aus. Durch Produktanwendungen wie beispielsweise Pkw-Klimaanlagen und Gebäudekälte entstehen ebenfalls etwa 1,8 % der THG-Emissionen.



Die Zeitreihe ab 1990 (Tabelle 1 und Abbildungen 2/3 und 4) zeigt folgende Entwicklung:

Zwischen 1990 und 2005 sind erhebliche Minderungen der THG-Emissionen um rund 40 Mio. t CO2eq zu verzeichnen, die im Wesentlichen in den Sektoren Industrie (technische Maßnahmen/Strukturwandel), Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen (Grubengas aus Steinkohlezechen) und Abfall (Reduzierung/Erfassung von Deponiegasen) stattfinden. Im weiteren Verlauf zeigt sich im Jahre 2009 ein deutlicher, durch die Wirtschaftskrise verursachter Rückgang der Emissionen. Die folgenden Jahre bis 2013 bringen insgesamt einen Anstieg auf Grund der konjunkturellen Erholung. Im Jahre 2014 folgt eine deutliche Reduzierung, die zu einem großen Teil auf die milde Witterung zurückzuführen ist. Es ist aber in NRW auch eine Reduzierung der Emissionen im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer Reduktion der Verstromung fossiler Brennstoffe liegt. Im Jahr 2015 setzt sich diese Tendenz noch fort. Dies gilt allerdings nicht mehr für das Jahr 2016, in dem nur wenige Kraftwerksblöcke abgeschaltet wurden und auch neue Gaskraftwerke in Betrieb gegangen sind. In den Jahren 2017 und 2018 sind die Emissionen in der Energiewirtschaft weiter gesunken. Auch im Jahr 2019 ist eine fortschreitende Emissionsminderung im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke und der Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke liegt. Die Reduzierung beträgt ca. 28 Mio. t CO2eq, dies entspricht einer Minderung von 21,4 % gegenüber dem Vorjahr.

Die Emissionen im Sektor Industrie bewegen sich seit 2010 auf etwa gleichbleibendem Niveau. Im Jahr 2019 sind die Industrieemissionen in Nordrhein-Westfalen um ca. 3 Mio. t CO2eq auf 51,1 Mio. t CO2eq gesunken. Dies entspricht einer Minderung von 6,2 %.

 

Obwohl der Fahrzeugbestand in NRW weiter ansteigt, sind die Emissionen im Verkehrssektor 2019 um ca. 4 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Im Straßenverkehr sind Emissionsminderungen von etwa 3,4 % zu verzeichnen. Die Verkehrsemissionen liegen damit 2019 bei rund 31,4 Mio. t CO2eq. Gründe für die bilanzierten Emissionsminderungen sind in motortechnischen Verbesserungen infolge der kontinuierlichen Verschärfung der zulässigen Abgaswerte sowie durch verbesserte Kraftstoffqualitäten zu suchen. Auch die Zahl der zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge hat sich im Jahr 2019 noch einmal deutlich gesteigert.

 

Im Sektor 1A4-5 Haushalte und Kleinverbrauch sind die Emissionen im aktuellen Bilanzjahr leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen und liegen bei 28,5 Mio. t CO2eq. Ursächlich für die Emissionssteigerung sind das Bevölkerungswachstum und folglich eine Erhöhung der Anzahl der Haushalte, ein deutlich erhöhter Absatz von leichtem Heizöl in Folge gesunkener Preise und ein erhöhter Erdgasverbrauch in Folge der zeitweise deutlich kühleren Witterung in der ersten Jahreshälfte 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2018. Abgemildert werden diese Steigerungen durch fortschreitende Effizienzverbesserungen (Einsatz moderner Öl-Brennwertheizungen) sowie durch Substitution ölbefeuerter Heizungsanlagen (z. B. Wärmepumpen oder Erdgas-Brennwertgeräte) (AG Energiebilanzen e.V. 2020).

Im Bereich Produktanwendung/Sonstige ist im Jahr 2019 eine Emissionsminderung um etwa 4,5 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Emissionen dieses Sektors entstehen u. a. in Pkw- und Gebäudeklimaanlagen. Die Entwicklung der Emissionen in diesem Bereich unterliegt in Abhängigkeit von der Einführung neuer Technologien jährlichen Schwankungen.

 

Die Emissionen des Sektors Landwirtschaft sind leicht gesunken, auf 7,2 Mio. t CO2eq. Im Sektor Abfall sind die Emissionen weitestgehend konstant geblieben.

 

Insgesamt ergeben sich im Jahr 2019 Gesamtemissionen in Höhe von 228,5 Mio. t CO2eq. Sie liegen damit um 13 % niedriger als im Vorjahr und ca. 38 % unter dem Emissionsniveau von 1990.

 

 

Treibhausgasemissionen für das Jahr 2020 – Ausblick

Aus den bisher vorliegenden Daten, insbesondere den Emissionsberichten des Emissionshandels, ergibt sich folgendes Bild für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Jahr 2020:

 

In der Energiewirtschaft setzt sich die Entwicklung aus den Vorjahren weiter fort. In diesem Sektor sinken die Emissionen um ca. 15,6 Mio. t CO2eq. Dies entspricht einer Reduzierung um ca. 15 %. Der zu erwartende Rückgang der Emissionen im Jahr 2020 lässt sich überwiegend mit einer Reduzierung der Kohleverstromung, u. a. in Folge der erfolgreichen Reform des europäischen Emissionshandels, der Stilllegung großer Kraftwerke wie dem Steag Kraftwerk Lünen oder dem Heizkraftwerk Elberfeld sowie einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke, vor allem durch einen durch die Lockdown-Maßnahmen bedingten Rückgang des Bruttostromverbrauchs, erklären (DEHSt 2021, UBA 2021). Das Umweltbundesamt (UBA) sieht zudem einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch als wichtige Ursache für die zu erwartenden Emissionsminderungen.

Weiterhin sind für das Jahr 2020 folgende Tendenzen erkennbar:

  • Das UBA hat für den Sektor Haushalte und Kleinverbraucher eine Emissionsminderung von 2,8 % ermittelt. Eine Ursache für diese Entwicklung ist ein geringerer Brennstoffverbrauch im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Im Bereich der privaten Haushalte sind die Emissionen trotz einer im Vergleich zum Vorjahr milderen Witterung und einer weiter voranschreitenden Modernisierung von Heizungsanlagen leicht angestiegen (UBA 2021). Die AG Energiebilanzen (2021) sieht diesen Emissionsanstieg in der erhöhten Anwesenheit in der eigenen Wohnung (Lockdown/Homeoffice) sowie in Bestandsaufstockungen von Heizöl in Folge niedriger Preise begründet. Auf Nordrhein-Westfalen übertragen entspricht dies einer Emissionsminderung von rund 1,0 Mio. t CO2eq.
  • Für den Verkehrssektor hat das UBA eine Emissionsminderung von 11,4 % ermittelt. Den größten Anteil dieser Minderung führt das UBA auf den ersten Lockdown zurück. In dieser Zeit verkehrten deutlich weniger Pkw, insbesondere auf Langstrecken. Beleg dafür sind geringere Absatzzahlen für Kraftstoffe und Daten von Zählstellen an Autobahnen und Bun­desstraßen. Ein weiterer, jedoch deutlich kleinerer Anteil der Emissionsminderung ist auf niedrigere CO2-Emissionen neuer Pkw zurückzuführen. Hier sei auf den Anstieg der Neuzulassungen von Elektro-Pkw sowie einen erhöhten Anteil an Biokraftstoffen verwiesen (UBA 2021). Für den Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen entspricht dies einer Minderung von 3,2 Mio. t CO2eq auf insgesamt 24,9 Mio. t CO2eq.
  • Eine viel deutlichere Emissionsreduktion ist im Bereich des Flugverkehrs zu beobachten. Als Folge der Reiseeinschränkungen auf Grund der Corona-Pandemie gingen die Treibhausgas-Emissionen um ca. 62 % zurück, Passagierzahlen sowie Frachtaufkommen an den NRW-Flughäfen verringerten sich gemäß Destatis (2021) deutlich. Dies entspricht in Nordrhein-Westfalen einer Minderung um 0,3 Mio. t CO2eq auf insgesamt rund 0,2 Mio. t CO2eq.
  • Die Emissionen im Sektor Industrie sind von 51,1 Mio. t CO2eq im Jahr 2019 auf schätzungsweise 46,9 Mio. t CO2eq im Jahr 2020 zurückgegangen. Dies entspricht einer Emissionsminderung von 4,2 Mio. t CO2eq. Bei der Emissionsentwicklung ist zwischen energiebedingten- sowie Prozessemissionen zu unterscheiden: Die energiebedingten Emissionen der Industrie sind konjunkturell bedingt um rund 4,3 Mio. t CO2eq, bzw. um ca. 10 % im Vergleich zu 2019 gesunken. Bei den Prozessemissionen ist insbesondere in der Chemischen Industrie (Ammoniakproduktion) eine Emissionssteigerung um 11,9 % sowie in der Metallproduktion (Aluminiumherstellung) eine Steigerung um 12,9 % zu verzeichnen. Absolut gesehen sind diese Emissionssteigerungen jedoch mit zusammen ca. 0,02 Mio. t CO2eq von untergeordneter Bedeutung.
  • Im Sektor Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen macht sich die Stilllegung der letzten Steinkohlezechen Deutschlands kaum bemerkbar. Die Emissionen aus der Kohleförderung bleiben voraussichtlich auf dem Vorjahresniveau.
  • Im Sektor Landwirtschaft sinken die Emissionen vom Jahr 2019 in Höhe von 7,2 Mio. t CO2eq auf 6,5 Mio. t CO2eq im Jahr 2020 (-10,5 %). Ursächlich sind laut Thünen Institut fortschreitende Verbesserungen in der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger sowie rückläufige Tierzahlen in der Viehhaltung.
  • In den Sektoren Produktanwendungen/Sonstige und Abfall sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten.

 

Insgesamt ergeben sich daraus für Nordrhein-Westfalen vorläufige Emissionen für das Jahr 2020 von 203,5 Mio. t CO2eq, eine Minderung um 25,0 Mio. t CO2eq bzw. rund 11 % gegenüber dem Jahr 2019. Im Jahr 2020 wird mit einer Emissionsreduktion von rund 45 % gegenüber 1990 ein weiterer Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele des Bundes und des Landes geleistet.

 

Tabelle 1: Zeitreihe der Treibhausgasemissionen in Nordrhein-Westfalen nach Sektoren (Quellen: WI 2005 und LANUV NRW 2021)

 

1990

1995

2000

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

159,4

164,8

159,2

174,4

179,4

185,6

176,2

157,6

167,2

Industrie

94,3

80,1

70,8

62,7

63,5

62,4

60,3

47,5

57,0

Verkehr

36,2

38,3

39,8

36,7

36,1

35,1

35,0

34,5

32,6

Haushalte /

Kleinverbrauch

37,3

43,6

40,9

35,7

37,8

29,7

37,5

34,8

33,4

Fl. Emissionen

aus Brennstoffen

23,4

17,6

14,1

7,1

6,4

6,2

6,1

4,5

4,3

Produktanwendungen / Sonstige

3,5

4,3

3,6

3,6

3,7

3,6

3,6

3,6

3,6

Landwirtschaft

8,9

8,1

7,9

7,2

7,0

7,0

7,3

7,3

7,2

Abfall

5,2

3,7

2,4

1,8

1,5

1,2

1,1

1,0

0,9

Gesamtemissionen

368,1

360,5

338,7

329,2

335,5

330,8

327,0

290,8

306,4

 

 

 

 

 

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

2020

vorl.

Mio. t CO2-Äquivalente

Energiewirtschaft

166,6

168,9

170,3

160,9

150,9

150,4

138,3

130,1

102,2

86,5

Industrie

55,3

53,6

54,6

54,5

54,7

54,4

54,7

54,5

51,1

46,9

Verkehr

33,0

33,1

31,9

32,2

32,3

33,4

33,7

32,7

31,4

27,8

Haushalte /

Kleinverbrauch

28,6

28,6

32,0

29,0

29,9

30,3

31,9

28,3

28,5

27,7

Fl. Emissionen

aus Brennstoffen

4,1

4,8

5,0

4,1

4,5

3,8

4,0

3,3

3,5

3,5

Produktanwendungen / Sonstige

3,7

3,7

3,7

3,7

3,8

3,9

3,8

4,2

4,0

4,0

Landwirtschaft

7,4

7,4

7,6

7,7

7,7

7,8

7,7

7,6

7,2

6,5

Abfall

0,9

0,8

0,7

0,7

0,6

0,6

0,6

0,5

0,5

0,5

Gesamtemissionen

299,8

300,9

305,7

292,9

284,4

284,5

274,7

261,2

228,5

203,5