D3 - Abfallaufkommen

1) 1) Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle (Haus- und Sperrmüll), einwohnerbezogen

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: D, Einheit: [kg/(E*a)])

2) 2) Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle (Haus- und Sperrmüll sowie getrennt erfasste Wertstoffe aus Haushalten und Bioabfälle), einwohnerbezogen

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: D, Einheit: [kg/(E*a)])

Stand: 31.01.2022

Definition und Berechnungsverfahren:

Siedlungsabfälle bestehen aus verschiedenen Fraktionen. Sie werden im öffentlichen Auftrag (öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger) vor Ort in den Kommunen von Entsorgungsunternehmen mit jeweils geeigneten Erfassungssystemen gesammelt und einer ordnungsgemäßen Entsorgung, d. h. einer Verwertung oder einer Beseitigung zugeführt.

Die Verordnung über das europäische Abfallverzeichnis - Abfallverzeichnisverordnung (AVV) vom 10.12.2001- ist Grundlage für die Zuordnung (Bezeichnung) eines Abfalls zu einer im Verzeichnis aufgeführten Abfallart (Abfallschlüssel). Auf dieser Grundlage werden die Teilindikatoren wie folgt gebildet.

zu 1) Siedlungsabfall im Sinne dieser Definition ist die Summe der Fraktionen Hausmüll (20 03 01 01) und Sperrmüll (20 03 07).

zu 2) Siedlungsabfall im Sinne dieser Definition ist die Summe der Fraktionen Hausmüll (20 03 01 01), Sperrmüll (20 03 07) sowie folgender Abfallarten:

Die statistischen Ämter des Bundes und der Länder führen auf der Grundlage des Umweltstatistikgesetzes (§ 3 Abs. 2 UStatG) jährlich eine Erhebung über Art, Menge und Verbleib der Haushaltsabfälle durch, die der öffentlich-rechtlichen Entsorgung angedient wurden, einschließlich der Verpackungen, die von Rücknahmesystemen gemäß § 6 Abs. 3 der Verpackungsverordnung eingesammelt wurden. Diese Erhebung ist Datengrundlage für den Indikator. Für Bundesländerdaten (mit Quelle OERE-Erhebung) handelt es sich nicht ausschließlich um Wertstoffe aus Haushalten, sondern um die "getrennt erfassten Wertstoffe". Die Einwohnerzahl wird zum 31.12. des jeweiligen Jahres festgestellt. Eine Rückberechnung der Bevölkerung auf Grundlage des Zensus 2011 wurde vorgenommen und bei den Indikatorwerten berücksichtigt. Die Indikatordaten werden vom Arbeitskreis Umweltökonomische Gesamtrechnung der Länder (AK UGR dL) der LIKI zur Verfügung gestellt.

Bedeutung:

Der Verbrauch natürlicher Ressourcen ist ein globales Problem mit regionalen Ursachen und Folgen. Ein beständig zu hoher Verbrauch an Ressourcen (z. B. Rohstoffe, Energie), deren zu wenig effiziente Nutzung bei wirtschaftlichen Aktivitäten und nicht optimierte Stoffkreisläufe können bei gleichzeitig zu geringer Substitutions- oder Regenerationsrate zu Ressourcenmangel führen. Mit der Herstellung und der Verteilung von Produkten werden insbesondere Rohstoffe wie Erdöl und Metalle sowie Energie verbraucht. Nach dem Gebrauch der Produkte sind diese als Abfall zu entsorgen (Sammlung, Verwertung, Beseitigung). Das Aufkommen an Siedlungsabfällen beschreibt den Bereich des Konsums und den daraus resultierenden Entsorgungsbedarf, der von jedem Einzelnen unmittelbar beeinflusst werden kann. Teilindikator 1) berücksichtigt keine Wertstoffe, 2) schließt dagegen noch wichtige Wertstofffraktionen ein und hat damit einen Bezug zum wichtigen Handlungsfeld „Abfallvermeidung“.

Landesspezifika / Stand:

 

Datenlage 1)

Datenlage 2)

Zielstellungen

Baden-Württemberg

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan (2015):
Ziel ist die Verringerung des durchschnittlichen einwohnerbezogenen Haus- und Sperrmüllaufkommens. Gleichzeitig sollen die Erfassungsmengen von Bioabfall und von Wertstoffen erhöht werden.

Bayern

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsgesetz (1996):
zu 2) Oberster Grundsatz ist es, den Anfall von Abfällen so gering wie möglich zu halten (Abfallvermeidung).

Berlin

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

keine Angabe

Brandenburg

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

kein Ziel

Bremen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan (2017):
In beiden Städten (Bremen und Bremerhaven) wird nur noch eine geringe Reduzierung des Abfallaufkommens prognostiziert. Die getrennte Wertstofferfassung kann noch etwas verbessert werden,

Hamburg

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Umweltprogramm (Jahr):
zu 1) bis 2030 sollen die Recyclingquoten im Bereich der Siedlungsabfälle (Altpapier, Altglas, Metalle, Kunststoffe, Bio- und Grünabfälle) auf 65 % erhöht sowie im Bereich Bauabfälle auf gutem Niveau weit über den rechtlich gebotenen 70 % gehalten werden.

Hessen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan 2021:
Zielwerte 2031: für Hausmüll 120-150 kg/Ew*a, für Sperrmüll 25 kg/Ew*a, für Abfälle aus der Biotonne 90-110 kg/Ew*a, für Garten- und Parkabfälle 40-65 kg/Ew*a, für Verpackungsabfälle 84 kg/Ew*a, für grafische Papiere 47-53 kg/Ew*a, für sonstige Wertstoffe 15-22 kg/Ew*a.

Mecklenburg-Vorpommern

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

kein Ziel

Niedersachsen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan 2019:
Ziel ist es bei Abfallarten mit bereits hohen Verwertungsquoten (z. B. Bioabfällen sowie Wertstoffen wie Altglas, Altpapier, Altmetalle), das erreichte Niveau für die Zukunft sicherzustellen. Bei den übrigen Abfallarten wird angestrebt, weitere zumutbare und umweltverträgliche Verwertungsmöglichkeiten zu ermitteln und auszuschöpfen.

Nordrhein-Westfalen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Rheinland-Pfalz

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan (2013):
zu 1) 140 kg/E*a bis 2025
zu 2) 500 kg/E*a bis 2025

Saarland

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Entwurf Abfallwirtschaftsplan (2021):
zu 1) Hausmüll- und Sperrmüll: 174 kg/E*a bis 2024 sowie 160 kg/E*a bis 2029
zu 2) Hausmüll- und Sperrmüll, Wertstoffe aus Haushalten und Bioabfälle: 402,5 kg/E*a bis 2024 sowie 397 kg/E*a bis 2029

Sachsen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Nachhaltigkeitsstrategie 2018:
zu 1) Verringerung des Abfallaufkommens; Verringerung des Einsatzes primärer Rohstoffe; Weiterentwicklung der sächsischen Abfallwirtschaft zu einer ressourcenschonenden Material- und Stoffwirtschaft; Erhöhung der Mengen an getrennt erfassend und hochwertig verwerteten Bioabfällen entsprechend den Zielvorgaben des Abfallwirtschaftsplanes.

Abfallwirtschaftsplan, Fortschreibung 2016:
zu 2) Ziel ist es, bis 2020 eine weitere Steigerung der erfassten Bioabfallmengen, mindestens jedoch 65 Kilogramm je Einwohner, zu erreichen. Für das Jahr 2025 ist ein landesweiter Zielwert von 100 Kilogramm je Einwohner für die getrennte Erfassung von Bioabfällen erreichbar und wird deshalb angestrebt.

Sachsen-Anhalt

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

Abfallwirtschaftsplan(2017):
zu 1) Reduktion Hausmüll von 155 kg/E*a (2014) auf 147 kg/E*a bis 2025. Unterstützend hierzu: konkrete Erhöhungsziele für Wertstoffe, Bio- und Grünabfälle festgelegt.

Schleswig-Holstein

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

kein Ziel

Thüringen

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 2004 - 2019

kein Ziel

Bund

Zeitreihe 1990 - 2019

Zeitreihe 1990 - 2019

Abfallvermeidungsprogramm (2020):
zu 2) Ziel der Umweltpolitik ist die Vermeidung von Abfällen.

Hinweise zur Interpretation

Beide Indikatoren sind auf Einwohner normiert. Bei einer länderübergreifenden Interpretation sind Unterschiede in der Bevölkerungs- und Konsumstruktur (z. B. Lebensstil) und ggf. der Abfallentsorgungsstruktur, insbesondere für Bioabfälle und getrennt gesammelte Wertstoffe zu berücksichtigen.

Klärungsbedarf, Weiterentwicklung, weitere Schritte:

Im Hinblick auf die Handlungsfelder Abfallvermeidung und nachhaltigen Konsum ist der Teilindikator 2 deutlich aussagekräftiger als 1. Geprüft wird daher, inwieweit künftig letzterer ersetzt werden kann durch einen aussagekräftigen neuen Rohstoffindikator. Geprüft wurde bereits die Datenverfügbarkeit zum Elektroschrott über das Elektroaltgeräteregister (EAR). Demnach werden auf der Ebene der Einlieferer keine Daten erfasst, sondern lediglich auf der Ebene der Erstverwerter, so dass eine Zuordnung zu den einzelnen Ländern nicht möglich ist. Daten für Deutschland werden vom UBA hier publiziert: www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/elektroaltgeraete

"Verwandte" Indikatoren im Set:

D6 Rohstoffproduktivität

Ansprechpartner:

 

Hans Frieß
hans.friess@lfu.bayern.de
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Bürgermeister-Ulrich-Str. 160
86179 Augsburg
Tel.: 0821-9071-5208

 

Birgit John
birgit.john@stala.bwl.de
Statistisches Landesamt Baden Württemberg
Böblinger Straße 68
70199 Stuttgart
Tel.: 0711-641-2418

Datentabelle:

Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle [kg/(E*a)] (Haus- und Sperrmüll)

 

1990

1993

1996

2000

2003

2004

2005

2006

Baden-Württemberg

266

201

167

162

150

153

149

151

Bayern

264

204

181

172

165

165

165

167

Berlin

337

383

347

327

288

299

300

290

Brandenburg

479

353

335

255

231

220

223

226

Bremen

385

380

287

272

254

254

250

253

Hamburg

399

403

386

409

377

381

374

363

Hessen

335

281

238

219

210

212

210

215

Mecklenburg-Vorpommern

478

399

302

257

241

239

237

234

Niedersachsen

349

277

260

208

207

210

202

202

Nordrhein-Westfalen

353

285

258

260

228

232

230

230

Rheinland-Pfalz

347

229

226

201

195

198

200

198

Saarland

367

346

337

258

253

257

258

250

Sachsen

348

364

282

195

166

164

162

158

Sachsen-Anhalt

334

380

339

253

247

253

239

222

Schleswig-Holstein

359

334

266

245

242

246

234

233

Thüringen

285

366

293

221

212

214

205

208

Deutschland

333

284

249

224

207

209

206

206

 

 

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Baden-Württemberg

147

146

149

149

148

145

143

142

Bayern

165

165

166

166

167

165

166

165

Berlin

284

275

279

272

265

255

253

250

Brandenburg

223

203

215

217

218

213

210

209

Bremen

250

246

248

243

245

229

231

226

Hamburg

363

353

345

332

321

300

290

284

Hessen

210

207

210

209

205

198

196

189

Mecklenburg-Vorpommern

237

231

235

234

237

233

231

232

Niedersachsen

201

197

196

194

195

191

189

189

Nordrhein-Westfalen

229

227

230

228

227

218

213

216

Rheinland-Pfalz

194

191

194

195

192

187

186

185

Saarland

244

243

244

245

190

188

188

189

Sachsen

158

156

157

155

156

150

150

149

Sachsen-Anhalt

221

212

213

216

211

203

206

204

Schleswig-Holstein

231

227

229

226

234

230

224

234

Thüringen

190

185

192

188

191

183

187

183

Deutschland

203

200

202

201

199

193

191

191

 

Datentabelle (Fortsetzung):

Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle [kg/(E*a)] (Haus- und Sperrmüll)

 

2015

2016

2017

2018

2019

Baden-Württemberg

141

140

138

139

139

Bayern

165

166

166

167

166

Berlin

247

248

247

241

236

Brandenburg

210

210

213

211

212

Bremen

225

226

225

224

230

Hamburg

279

274

267

262

255

Hessen

180

179

177

177

175

Mecklenburg-Vorpommern

228

226

225

229

228

Niedersachsen

187

188

189

186

187

Nordrhein-Westfalen

211

212

212

213

213

Rheinland-Pfalz

181

182

181

177

176

Saarland

187

189

187

192

191

Sachsen

148

150

151

150

150

Sachsen-Anhalt

201

196

197

192

195

Schleswig-Holstein

230

229

228

226

227

Thüringen

182

184

184

183

184

Deutschland

188

188

188

187

187

 

Datentabelle:

Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle [kg/(E*a)] (Haus- und Sperrmüll, Wertstoffe und Bioabfälle)

 

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Baden-Württemberg

350

352

358

357

355

360

358

360

Bayern

364

369

376

375

373

377

375

383

Berlin

435

441

433

429

417

420

412

408

Brandenburg

360

366

372

369

347

358

360

362

Bremen

436

420

420

418

411

408

400

404

Hamburg

499

487

477

483

475

466

455

459

Hessen

424

421

437

429

428

437

431

430

Mecklenburg-Vorpommern

407

400

401

404

391

390

390

395

Niedersachsen

420

416

421

422

415

415

414

423

Nordrhein-Westfalen

429

426

435

435

427

432

430

434

Rheinland-Pfalz

431

435

440

435

433

441

439

442

Saarland

432

432

431

433

421

416

411

379

Sachsen

332

324

320

316

307

310

306

310

Sachsen-Anhalt

435

417

408

401

393

398

403

407

Schleswig-Holstein

464

451

457

457

455

457

454

468

Thüringen

388

377

378

354

344

354

350

355

Deutschland

402

400

405

403

397

401

399

403

 

 

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

Baden-Württemberg

357

356

354

350

353

352

353

354

Bayern

376

377

378

376

381

380

382

383

Berlin

393

385

380

376

377

379

368

372

Brandenburg

351

348

347

348

353

363

363

372

Bremen

384

385

383

381

381

382

377

381

Hamburg

444

441

437

431

426

422

413

410

Hessen

421

415

417

406

411

409

400

400

Mecklenburg-Vorpommern

386

387

392

379

387

388

388

392

Niedersachsen

418

414

422

417

421

424

413

418

Nordrhein-Westfalen

428

420

430

421

424

422

416

416

Rheinland-Pfalz

434

431

434

426

435

430

427

428

Saarland

377

404

408

400

405

405

411

410

Sachsen

299

300

300

301

306

316

314

318

Sachsen-Anhalt

392

399

403

401

402

404

397

397

Schleswig-Holstein

460

448

463

467

468

473

466

469

Thüringen

343

348

346

344

348

352

352

353

Deutschland

396

393

396

391

395

395

391

393

 



Abb.: Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle (Haus- und Sperrmüll)


Abb.: Aufkommen ausgewählter Siedlungsabfälle (Haus- und Sperrmüll sowie Wertstoffe)