Standardized Precipitation Index

Grundlagen

Beim „Standardized Precipitation Index“ (Standardisierter Niederschlagsindex, SPI) handelt es sich um einen der am häufigsten angewandten Niederschlagsindizes, die Aussagen zu Niederschlagsüberschüssen und -defiziten (Dürren) ermöglichen (Edwards & McKee, 1997).

Zur Berechnung des SPI werden von ca. 180 deutschlandweit verteilten DWD-Stationen gleitende Niederschlagsmittel über 3, 6 und 12 Monate gebildet, um statistische Aussagen über unterschiedlich lange Zeiträume (Quartal, Halbjahr, Jahr) treffen zu können. Hierfür werden Niederschlagszeitreihen als Referenzperiode (1961-1990) in monatsweise gebildete Häufigkeitsverteilungen getrennt und dann in eine standardisierte Normalverteilung überführt. Dadurch wird die Häufigkeit der monatlichen Niederschlagssumme in eine Eintrittswahrscheinlichkeit transformiert und schließlich als SPI angegeben. Die flächenhafte Interpolation der an den Stützstellen berechneten SPIs erfolgt dann in einem 1 km-Raster. Die Einteilung des SPI in Klassen und die Kategorien der Feuchtigkeitsverhältnisse sind in Tabelle 1 dargestellt:
 

Tabelle 1: Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher SPI-Bereiche und Kategorien der Feuchtigkeitsverhältnisse (DWD, 2015)

Wahrscheinlichkeit in %

SPI

Stärke der Anomalie

2,3

<= -2,0 

Extreme Dürre 

4,4

-2,0 bis -1,5 

Schwere Dürre

9,2

-1,5 bis -1,0

Mäßige Dürre

34,1

-1,0 bis 0,0

Fast normal (leichte Dürre)

34,1

0,0 bis 1,0

Fast normal (etwas zu feucht)

9,2

1,0 bis 1,5

Mäßig zu feucht

4,4

1,5 bis 2,0

Deutlich zu feucht

2,3

>= 2,0

Extrem zu feucht

 

Je nach betrachteter Zeitskala, liefert der SPI Hinweise für Anwender auf land- bzw. forstwirtschaftlich relevante Dürren (<= 6 Monate), während hydrologisch relevante Dürren (z. B. für die Grundwasserneubildung) längere Zeiträume umfassen (> 6 Monate). Ein Zeitraum wird dabei als Dürre bezeichnet, wenn eine negative SPI-Periode vorliegt, d.h. der SPI den Wert -1 erreicht oder unterschreitet (vgl. Tabelle 1).

Datenbasis und Kartenerstellung

Der SPI wird durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) für Deutschland flächendeckend in einem 1 km-Raster bereitgestellt und liegt monatsweise aktuell und bis ins Jahr 2017 zurückliegend vor. Die Daten sind ebenfalls für Nordrhein-Westfalen verfügbar und werden jeweils für die unterschiedlichen Nutzergruppen Land- und Forstwirtschaft bzw. Wasserwirtschaft jeweils mit dem 3- und 6-Monatsmittel als kurzem Zeitraum und mit dem 12-Monatsmittel einem längeren Zeitraum dargestellt (SPI 3, 6 Monate 12 Monate). Die aktuellen Karten zeigen immer den Vormonat. Die SPI-Karten werden in der Regel bis spätestens zum 4. eines Monats vom DWD geliefert. Ein Beispiel für die deutschlandweite Verbreitung des SPI für den sehr trockenen Zeitraum April bis Juni 2015 (3-Monatsmittel) mit größtenteils extremer bis schwerer Dürre zeigt Abbildung 1:

Kartenbeschreibung anhand von Beispielkarten

Die folgenden Karten zeigen Beispiele für das 3-, 6- und 12-Monatsmittel des SPI für Nordrhein-Westfalen für den Mai 2020. Der Februar 2020 lag bei der Niederschlagssumme mit einem Mittel von 153 mm weit über dem Mittel von 58 mm der Referenzperiode 1961-1990. Im März waren es mit 70 mm noch fast 100 %, während es im April mit 20,5 mm nur ein Drittel und im Mai mit 15 mm etwa ein Viertel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 1961-1990 waren (DWD 2020).

In großen Teilen NRWs ist aufgrund der geringen Niederschläge im Frühjahr 2020 ein SPI mit den Kategorien „Schwere Dürre“ und „Extreme Dürre“ für das 3-Monatsmittel, d.h. den Zeitraum März bis Mai 2020 (Abb. 2) vorhanden. Besonders sind davon die Westfälische Bucht, das Niederrheinische Tiefland und die Niederrheinische Bucht betroffen. In Teilen des Bergischen Landes, des Sieger- und Sauerlands, des Niederrheinischen Tieflands und dem westlichen Teil der Niederrheinischen Bucht sowie der Eifel ist die Niederschlagssituation im Vergleich zur Referenzperiode etwas feuchter („Mäßig Dürre“).


In der Karte zum 6-Monatsmittel (Dezember 2019 bis Mai 2020) des SPI wird deutlich, dass durch die Hinzunahme der relativ feuchten Wintermonate zum gleitenden Mittelwert für Teilgebiete im Bergischen Land, dem Sauer- und Siegerland sowie westliche Teile des Niederrheinischen Tieflands, der Niederrheinischen Bucht und der Eifel die Niederschlagssituation deutlich feuchter ist („Fast normal, etwas zu feucht“). Allerdings ist für eine große Fläche NRWs der Zustand „Fast normal, leichte Dürre“ vorhanden. Am trockensten ist es im Bereich der Zülpicher Börde in der Niederrheinischen Bucht sowie dem Nordosten der Eifel (Abb. 3).


Das 12-Monatsmittel des SPI für Mai 2020 deckt einen noch größeren Zeitraum (Juni 2019 bis Mai 2020) ab, d.h. Monate im Sommer und Herbst des Vorjahres sind im Mittelwert enthalten. Für den Großteil der Fläche NRWs ist eine leichte Dürre festzustellen. Teilbereiche des Weserberglandes, des Sauer- und Siegerlandes, der Niederrheinischen Bucht und der Eifel zeigen bereits eine mäßige Dürre. In wenigen Bereichen, vor allem ein Streifen im Westen, ist es dagegen etwas zu feucht (Abb. 4).

Fazit

Der SPI ist eine klimatologische Größe, um räumlich differenzierte Zustände von Niederschlagssituationen/Dürrephasen darzustellen und im zeitlichen Verlauf vergleichbar zu machen. Dabei wird lediglich der Niederschlag berücksichtigt, sodass keine Aussage zur Wasserverfügbarkeit im Boden für Pflanzen getroffen werden kann. Hierfür sind die tagesaktuellen Karten zum pflanzenverfügbaren Bodenwasser (Bodenfeuchte in Prozent nFK) des UFZ-Dürremonitor Deutschland (NRW) geeignet.

Literatur

UFZ-Dürremonitor Deutschland (NRW)

Grundlagen

Der Dürremonitor Deutschland des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) stellt tagesaktuelle (zum Ende des vorletzten Tages), flächendeckende Karten zum modellierten Bodenfeuchtezustand in Deutschland dar (www.ufz.de/duerremonitor). Es wird zwischen dem Dürrezustand des Gesamtbodens (mittlere Bodentiefe über Deutschland ca. 1,8 m Tiefe) und Oberbodens sowie dem pflanzenverfügbaren Bodenwasser (jeweils bis 25 cm Tiefe) unterschieden. Neben den Deutschlandkarten sind ebenfalls die Karten zu einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen verfügbar.

Das Schema in Abbildung 1 zeigt die einzelnen methodischen Schritte des UFZ-Dürremonitors:


Grundlage für die Berechnung der Karten im UFZ-Dürremonitor ist das mesoskalige hydrologische Modell mHM (Samaniego et al. 2010, Kumar et al., 2013). Meteorologische Eingangsdaten zu Niederschlag und Lufttemperatur werden täglich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) von ca. 2500 Wetterstationen in Deutschland zur Verfügung gestellt. Nach einer Konsistenzprüfung werden diese Daten mittels External Drift Kriging in die Fläche interpoliert, um eine Auflösung von 4×4 km2 für die Fläche Deutschlands zu erhalten. Zurzeit wird die Folgeversion des Dürremonitors mit einer räumlichen Auflösung von ca. 1×1 km² getestet, die voraussichtlich bis Ende 2020 die aktuelle Version ablösen wird. Die höhere Auflösung wird vor allem durch die Verbesserung der Bodendaten (BÜK200) möglich (Zink et al. 2016; UFZ 2020).

Das prozess-basierte Modell mHM simuliert für alle Rasterzellen alle Wasserhaushaltskomponenten. Dabei werden hydrologische Prozesse wie z.B. Interzeption, Schneeakkumulation und -schmelze, Infiltration, potentielle und tatsächliche Verdunstung, Bodenwasserdynamik sowie Grundwasserneubildung und -speicherung berücksichtigt. Zur Berücksichtigung von Bodeneigenschaften (z. B. Textur, Bodentiefe) wird zurzeit noch die Bodenübersichtskarte BÜK 1000 im Maßstab 1:1.000.000 und für weitere Informationen (z.B. gesättigte hydraulische Leitfähigkeit) die Hydrogeologische Karte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Maßstab 1:1.000.000 genutzt, die jeweils für Deutschland vorliegen. Informationen zur Bodenbedeckung wurden u.a. aus den Corine Landcover Datensätzen für unterschiedliche Zeitscheiben verwendet (Samaniego et al. 2013).

Das Modell mHM berechnet schließlich unter Nutzung der verfügbaren Klima- und Bodendaten die Bodenfeuchte in drei verschiedenen Tiefen, d.h. bis 5 cm, bis 20 cm und bis in eine räumlich variable dritte Tiefe, die durchschnittlich bei 1,80 m in Deutschland liegt. Die Bodentiefe bis 25 cm wird als Oberboden definiert, während der Gesamtboden mit ca. 1,80 m Tiefe angenommen wird. Die täglich aktualisierte Bodenfeuchte ist dabei aus den durchschnittlichen Bodenverhältnissen der vorherigen 30 Tage berechnet (Zink et al. 2016). Die vertikale Struktur der nächsten Dürremonitor Generation wurde angepasst und erweitert, um den Bedarf von Anwendern besser abdecken zu können.  

Dürre bezeichnet die Abweichung der aktuellen Bodenfeuchte vom Normalzustand, d.h. in diesem Fall der Bodenfeuchte eines zurückliegenden Zeitraums. In einem weiteren Schritt wird deshalb mit dem Soil Moisture Index (SMI) ein Bodenfeuchteindex berechnet, indem die tagesaktuelle Bodenfeuchte, gemittelt jeweils über die letzten 30 Tage, per Perzentilansatz zu einer statistischen Referenz der simulierten Bodenfeuchte einer 65-jährigen Periode (1951 bis 2015) in Beziehung gesetzt wird (Samaniego et al. 2013; UFZ 2020). Der SMI besitzt eine Wertespanne zwischen 0 und 1 und wird in fünf Dürreklassen kategorisiert (vgl. Tab. 1), wobei die langjährigen Erfahrungen des US drought monitor (Svoboda et al. 2002) seit 1999 genutzt wurden. Es liegt eine Dürre vor, wenn die aktuelle Bodenfeuchte unterhalb dem langjährigen 20-Perzentil (SMI < 0,2) liegt und somit in nur 20 % der Jahre der Zeitreihe 1951 bis 2015 am selben Ort und zur selben Zeit innerhalb des Jahres erreicht wird.
 

Tabelle 1: Klassifizierung von Dürren des UFZ-Dürremonitor Deutschland auf Basis des Bodenfeuchteindex (SMI) (nach Zink et al. 2016, basiert auf Svoboda et al. 2002)

SMI Klasse

Bodenfeuchtezustand

Beschreibung potenzieller Wirkungen

0,3 <= SMI < 0,2

ungewöhnliche Trockenheit

Bedingungen vor oder nach einer Dürre

0,2 <= SMI < 0,1

moderate Dürre

Schäden für Feldfrüchte und Grasland möglich

0,1 <= SMI < 0,05

schwere Dürre

Verluste bei Feldfrüchten und Grasland wahrscheinlich

0,05 <= SMI < 0,02

extreme Dürre

Hohe Wahrscheinlichkeit für große Verluste bei Feldfrüchten und Grasland

SMI <= 0,02

außergewöhnliche Dürre

Hohe Wahrscheinlichkeit für außergewöhnlich hohe Verluste bei Feldfrüchten und Grasland

Datenbasis und Kartenerstellung

Der SMI für den Oberboden und den Gesamtboden sowie das pflanzenverfügbare Bodenwasser im Oberboden (in Prozent der nutzbaren Feldkapazität nFK) wird durch das UFZ für Deutschland flächendeckend in einem 4 km-Raster bereitgestellt. Für NRW werden die tagesaktuellen Daten (zwei Tage Verzug zum aktuellen Datum) automatisch bereitgestellt und mehrere vorherige Tage sind ebenfalls verfügbar. Die Darstellung im FIS Klimaanpassung erfolgt jeweils automatisiert für das aktuellste Datum. Beispiele für den SMI im Ober- und Gesamtboden und das pflanzenverfügbare Bodenwasser in % nFK im Mai 2020 zeigen die Abbildungen 2-4.

Kartenbeschreibung anhand von Beispielkarten

In den Jahren 2018 und 2019 hat es durch erhebliche Niederschlagsdefizite eine großflächige Dürre und Trockenheit in den Ober- und Gesamtböden in Deutschland gegeben. Die ausgetrockneten Bodenwasserspeicher können sich allerdings erst durch langanhaltenden und in ausreichender Menge vorhandenen Niederschlag wieder erholen.

Nach der Dürre 2019 lag zum Jahresanfang 2020 in NRW im Mittel immer noch ein Niederschlagsdefizit von 237 mm (seit April 2019) vor, sodass die Wasserspeicher im Gesamtprofil des Bodens bisher nicht wieder vollständig aufgefüllt wurden. Die Daten der Simulation vom 02.02.2020 des UFZ-Dürremonitors zeigten zwar, dass die Wasservorräte der Oberböden (pflanzenverfügbares Bodenwasser) in NRW nach einigen trockenen Monaten wieder relativ gut gefüllt waren und in einigen Gebieten die Oberböden nur noch ungewöhnlich trocken waren und manche Bereiche nicht von einer Trockenheit betroffen waren (SMI Oberboden), während eine immer noch weitgehende Austrocknung von Böden in den unteren Bodenschichten in NRW vorhanden war, wenn man das gesamte Bodenprofil bis 1,80 m betrachtet (SMI Gesamtboden). Betroffen von der außergewöhnlichen bis extremen Dürre waren insbesondere Regionen am Niederrhein, im Münsterland und in Ostwestfalen.

Der Februar 2020 war vergleichsweise feucht und lag bei der Niederschlagssumme mit einem Mittel von 153 mm weit über dem Mittel von 58 mm der Referenzperiode 1961-1990. Im März waren es mit 70 mm noch fast 100 %, während es im April mit 20,5 mm nur ein Drittel und im Mai mit 15 mm ein Viertel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 1961-1990 waren (DWD 2020). Die zunehmende Trockenheit aufgrund verringerter Niederschläge zeigt sich auch bei den Karten des UFZ-Dürremonitors zum Dürre- und Bodenfeuchtezustand vom 25.05.2020 (vgl. Abb. 2-4).


In große Teilen NRWs ist das pflanzenverfügbare Bodenwasser (in % nFK) unterhalb von 30 %, was Trockenstress für die Vegetation bedeutet. Im Niederrheinischen Tiefland, der Niederrheinischen Bucht und dem Bergischen Land liegt der Wert vielfach sogar unter 10 % nFK. Lediglich punktuell liegt keine Trockenheit bei den Böden in NRW vor (Abb. 2). Bei Betrachtung der Oberböden liegt für das gesamte Gebiet von NRW eine schwere bis außergewöhnliche Dürre vor, jedoch sind in einigen Gebieten die tieferen Bodenschichten noch nicht von einer Trockenheit in gleichem Ausmaß betroffen (Abb. 3 und 4).

Fazit

Das Thema Dürre ist in den letzten Jahren aufgrund der zunehmenden Trockenheit der Böden infolge der hohen Niederschlagsdefizite und der überdurchschnittlich hohen Temperaturen über lange Zeiträume und damit höheren Verdunstung deutlich in den öffentlichen Fokus gelangt. Gerade auf schlechten Böden, die das Wasser schlecht halten können, sind damit Ernteausfälle in der Landwirtschaft und Baumschäden in der Forstwirtschaft entstanden. Der Dürremonitor Deutschland des UFZ stellt tagesaktuell (mit zwei Tagen Verzug) und flächendeckend modellierte Daten als 4 km-Raster in Kartenform zum Dürrezustand und dem pflanzenverfügbaren Bodenwasser in Deutschland dar. Diese Karten sind dabei für die einzelnen Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen verfügbar. Sie bilden eine geeignete Möglichkeit für den Anwender, um sich über den aktuellen Feuchte- und Dürrezustand der Böden zu informieren.

Literatur

  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) (2020): Dürremonitor Deutschland. Stand: 12.03.2020. www.ufz.de/duerremonitor
  • Samaniego, L., Kumar, R., Attinger, S. (2010): Multiscale parameter regionalization of a grid-based hydrologic model at the mesoscale. In: Water Resources Research 46, W05523.
  • Samaniego, L., Kumar, R., Zink, M. (2013): Implications of Parameter Uncertainty on Soil Moisture Drought Analysis in Germany. In: Journal of Hydrometeorology 14: 47-68.
  • Svoboda M. et al. (2002) The drought monitor. Bull. Am. Meteorol. Soc. 83: 1181–90.
  • Kumar, R., Samaniego, L., Attinger, S. (2013): Implications of distributed hydrologic model parameterization onwater fluxes at multiple scales and locations. In: Water Resources Research (49): 360-379.
  • Zink, M., Samaniego, L., Kumar, R., Thober, S., Mai, J., Schäfer, D., Marx, A. (2016): The German drought monitor. In: Environmental Research Letters 11 (7), 074002.

Dürreempfindlichkeit

Grundlagen

In der Karte zur Dürreempfindlichkeit der forstlichen Standorte vom Geologischen Dienst NRW (GD NRW) wird die Empfindlichkeit von Waldstandorten gegenüber meteorologischer Dürre dargestellt. Eine meteorologische Dürre (klimatologische Trockenheit) entsteht, wenn unterdurchschnittlich viel Niederschlag über einen längeren Zeitraum fällt.

Datenbasis und Kartenerstellung

Die Auswertung der Dürreempfindlichkeit von Forststandorten basiert auf den Gesamtwasserhaushaltsstufen der Forstlichen Standortkarte im Maßstab 1 : 50.000 (FSK50) (GD NRW 2020). Für die FSK50 wurden folgende Datensätze ausgewertet:

  • Bodenkarte 1 : 50.000 (BK50)
  • Klimadaten des DWD, aufbereitet durch das LANUV, für den Zeitraum 1981-2010: Monatswerte für Niederschlag und klimatischer Wasserbilanz sowie Tagesmitteltemperaturen (1 km-Raster); Dauer der forstlichen Vegetationsperiode (Anzahl Tage > 10 °C, 5 km-Raster)
  • Reliefanalysen auf Basis des digitalen Höhenmodells (DGM10)

Der Gesamtwasserhaushalt eines Standortes bildet sich aus den berechneten Indexpunkten, die maßgeblich auf der berechneten nutzbaren Feldkapazität (nFK) eines Bodens und seiner klimatischen Wasserbilanz in der Vegetationsperiode basieren. Die nFK wird speziell für Waldböden flächenspezifisch und tiefengewichtet bis in zwei Meter Tiefe berechnet. Die klimatische Wasserbilanz wird für die forstliche Vegetationsperiode bestimmt, die sich als zusammenhängende Periode aller Tage mit Mitteltemperatur über 10 °C ergibt. In einem weiteren Schritt erfolgen für reliefabhängige Parameter Zu- und Abschläge auf die Indexpunkte. Die durch Grund- und Stauwasser geprägten Standorte werden unabhängig von der nFK und Wasserbilanz eingestuft.

Die Dürreempfindlichkeit wird anhand der Gesamtwasserhaushaltsstufe (tw. zusätzlich unterteilt nach Indexpunkten der Fläche für die Klassen mäßig frisch, mäßig wechselfeucht, grundfrisch, -feucht der forstlichen Standortkarte) in fünf Werteklassen unterschieden: hoch, (sehr) trocken (1), hoch (2) mittel bis hoch (3), gering bis mittel (4), gering (5).

Die Karte zur Dürreempfindlichkeit für die forstlichen Standorte in Nordrhein-Westfalen liegt flächendeckend im Rasterformat im Maßstab 1 : 50.000 vor.

Kartenbeschreibung

Die Karte zur Dürreempfindlichkeit der forstlichen Standorte in Nordrhein-Westfalen zeigt unter anderem die Großlandschaften Sauer- und Siegerland, Bergisches Land sowie Eifel mit Siebengebirge mit dem höchsten Waldanteil (40 – 60 %) an der Gesamtfläche. Während die Dürreempfindlichkeit der Waldstandorte in den beiden erstgenannten Großlandschaften überwiegend (> 73 %) gering ist, deckt das räumliche Muster in der Eifel das gesamte Spektrum der Dürreempfindlichkeitsklassen gering bis hoch, (sehr) trocken ab (Abb. 1, Tab. 1).


Tabelle 1: Flächenanteile (in %) der forstlichen Standorte in den Dürreempfindlichkeitsklassen in den einzelnen Großlandschaften in Nordrhein-Westfalen.

Großlandschaft

Dürreempfindlichkeitsklasse

hoch, (sehr) trocken

hoch

mittel bis hoch

gering bis Mittel

gering

Bergisches Land

1,1

3,1

6,1

17,2

72,5

Eifel (mit Siebengebirge)

5,7

18,2

24,1

10,2

41,8

Niederrheinische Bucht

1,0

7,4

17,4

14

60,1

Niederrheinisches Tiefland

0,2

18,8

18,3

13,5

49,2

Sauer- und Siegerland

1,1

7,2

2,0

8,6

81,0

Weserbergland

2,6

11,6

8,7

9,5

67,5

Westfälische Bucht

0,4

10,9

10,4

12,1

66,1

Westfälisches Tiefland

1,5

21,7

10,6

3,3

62,9

 

Diese räumlichen Unterschiede in NRW sind vor allem aufgrund der Gebirgslagen (großräumige Luv- und Lee-Effekte) und den damit verbundenen klimatischen Bedingungen gekennzeichnet. Die Wetterlagen in NRW sind meist aus West bis Südwest geprägt, sodass sich die Luftmassen an den (Süd-)westhängen des Bergischen Landes stauen und zum Aufstieg gezwungen werden. Dies führt zu ergiebigen Niederschlägen an der windzugewandten Seite (Luv-Effekt) im Bergischen Land und Sauer-/Siegerland, während auf der windabgewandten Seite (Lee-Effekt), z.B. in der Zülpicher Börde in der Niederrheinischen Bucht und im nördlichen Teil der Eifel deutlich weniger Niederschläge entfallen und die klimatische Wasserbilanz in der Vegetationsperiode für die Klimanormalperiode 1981-2010 teilweise negativ ausfällt (Abb. 2).


Der beispielhafte Detailausschnitt aus der Karte für die Eifel (Abb. 3) zeigt die kleinräumige Differenzierung bei der Dürreempfindlichkeit der Standorte in dieser Großlandschaft. Die Bandbreite der Dürreempfindlichkeitsklassen erstreckt sich dabei zwischen gering und hoch. Hier spiegeln sich, neben der klimatischen Wasserbilanz, die große Vielfalt und der kleinräumige Wechsel der Gesamtwasserhaushaltsstufen der sehr unterschiedlichen Standorte wieder. Waldstandorte mit geringer Empfindlichkeit gegenüber Dürre sind in der Eifel (42 %) wie in den anderen Großlandschaften am häufigsten vertreten. Die Eifel besitzt allerdings mit rund 24 % der Waldfläche die größten prozentualen Flächenanteile in NRW an Standorten mit den beiden höchsten Dürreempfindlichkeitsklassen hoch (sehr) trocken bzw. hoch (Tab. 2). Diese sind teils in höheren Lagen mit stärker reliefiertem oder auch erodiertem Gelände anzutreffen, mit häufig geringer nFK sowie fehlendem Stau- und Grundwassereinfluss. Die Standorte mit geringer bis mittlerer Dürreempfindlichkeit (ca. 24 %) befinden sich dagegen häufig in den Tälern und Niederungen (z.B. in Bachtälern und Auengebieten), in denen Böden aufgrund hoher nFK und stauenden Schichten Wasser besser und länger speichern können oder auch Wassernachlieferung durch Grundwassereinfluss stattfindet. Zudem paust sich in der Eifel leicht ein West-Ost Gefälle bei der klimatischen Wasserbilanz (Abb. 2) mit einer positiven Bilanz im westlichen Teil gegenüber dem trockenen (Nord)osten durch, sodass vermehrt Standorte mit geringer Empfindlichkeit gegenüber Dürre im Westen der Eifel vorhanden sind (Abb. 3).

Fazit

Mit der Dürreempfindlichkeitskarte für forstliche Standorte im Maßstab 1 : 50.000 kann sich der Anwender über die potenzielle Gefährdung einzelner Standorte gegenüber witterungsbedingter Dürre informieren. Die Karte gibt allerdings keine Informationen zum aktuellen Bodenfeuchte- bzw. Dürrezustand der Böden an. Hierfür kann der Parameter UFZ-Dürremonitor Deutschland (NRW) verwendet werden.

Literatur

GD NRW (2020): Forstliche Standortkarte im Maßstab 1 : 50.000 (FSK50). WMS Dienst: https://www.wms.nrw.de/gd/fsk050