© panthermedia.net/Deerphoto
Sie sind hier: Startseite LANUV » Verbraucherschutz » Tierschutz » Tötung und Schlachtung » Rituelles Schlachten

Rituelles Schlachten - nicht gleichbedeutend mit Schächten

Das islamische Opferfest, auch Kurban Bayrami oder Id al-Adha genannt, findet im Jahr 2018 vom 21. bis 24. August statt. Zu diesem Brauch werden in vielen deutschen Schlachthöfen Tiere einer rituellen Schlachtung zugeführt.

Was ist der Unterschied zwischen Schlachten und Schächten?

Unter Schlachtung versteht man die „Tötung von Tieren zum Zweck des menschlichen Verzehrs“ (Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 Art. 2 Buchstabe j).

Tiere müssen in Deutschland hierzu vor dem Beginn des Blutentzugs betäubt worden sein (§ 4a Abs. 1 Tierschutzgesetz).

(c)panthermedia/fotovincek

Schächten hingegen ist das Schlachten von Tieren durch einen Kehlschnitt, und damit durch Blutentzug, ohne vorherige Betäubung. Diese Art des Tötens ist nach deutschem Recht grundsätzlich zunächst nicht erlaubt.

Eine Ausnahmegenehmigung  zum betäubungslosen Schlachten unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen kann schriftlich bei der zuständigen kommunalen Veterinärbehörde beantragt werden. In Nordrhein-Westfalen ist bislang keine Erlaubnis zum betäubungslosen Schlachten ausgesprochen worden.

Was ist eine rituelle Schlachtung?

Bei einer rituellen Schlachtung werden Tiere unter Berücksichtigung religiöser Riten so geschlachtet, dass sie für die Gläubigen zum Verzehr geeignet sind. Der Verzehr von Fleisch und Blut von bereits vor der Schlachtung gestorbenen Tieren ist ihnen aus religiösen Gründen nicht gestattet. Nach einigen Gelehrten ist eine Betäubung vor dem Schlachten jedoch zulässig.

Eine vielfach akzeptierte Möglichkeit stellt die Elektrobetäubung von Schafen, Ziegen und Rindern mittels reiner Kopfdurchströmung (Elektrokurzzeitbetäubung) dar. Für die Betäubung nach diesem Verfahren ist rechtzeitig eine Ausnahmegenehmigung beim örtlich zuständigen Veterinäramt zu beantragen.

Bei der Elektrobetäubung mit Kopfdurchströmung handelt es sich um ein Betäubungsverfahren, das vorübergehend zu einer Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit des Tieres führt. Es werden zwei Elektroden seitlich am Kopf des Tieres so angesetzt, dass der kurz andauernde Stromfluss das Gehirn durchströmt. Dieses wird dadurch stark stimuliert und kann nicht mehr auf Reize reagieren.

Da es sich hierbei nur um einen vorübergehenden, circa 40 Sekunden andauernden Zustand handelt, kommt es ohne direkt im Anschluss stattfindende Schlachtung nach kurzer Zeit zur Wiedererlangung des Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögens. Somit führt die elektrische Kurzzeit-Kopfdurchströmung keinesfalls zum Tod des Tieres vor der Schlachtung. Dieser wird erst durch die anschließende Entblutung herbeigeführt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um den Kehlschnitt durchzuführen?

Zu Kurban Bayrami werden in vielen deutschen Schlachthöfen rituelle Schlachtungen nach erfolgter Elektrokurzzeitbetäubung angeboten.

Soll der Kehlschnitt von einer nicht am Schlachthof beschäftigten Person - also z.B. durch den Gläubigen selbst oder einen Religionsgelehrten - durchgeführt werden, so ist hierfür ein Sachkundenachweis erforderlich. Dieser wird vom örtlich zuständigen Veterinäramt ausgestellt. Voraussetzung hierfür ist, dass die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten im Rahmen der Teilnahme an einer Schulung erworben und mit einer erfolgreich abgelegten theoretischen und praktischen Prüfung nachgewiesen wurden. Da es bisher nur wenige solcher Schulungen gibt, sollten Interessierte sich rechtzeitig um den Erwerb dieser Sachkunde kümmern.