©panthermedia
Sie sind hier: Startseite LANUV » Verbraucherschutz » Tiergesundheit » Tierseuchenbekämpfung » Tierseuchen » Blauzungen-krankheit

Blauzungenkrankheit

Aktuelles (Stand 28.06.2021)

Seit dem 21. April 2021 gilt die Verordnung (EU) 2016/429 (Tiergesundheitsrechtakt / Animal Health Law - AHL).

Mit Geltungsbeginn des AHL ergeben sich u.a. Änderungen in Bezug auf die Verbringungsregelungen aus nicht BT-freien Gebieten in BT-freie Gebiete. Ebenso verlieren alle bisherigen bilateralen Abkommen mit anderen EU-Mitgliedstaaten ihre Gültigkeit. Eine Übersicht zu den nunmehr aktuell geltenden Verbringungsregelungen wird derzeit erarbeitet. 

Am 22. Juni 2021 wurde die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 2021/1008 der Kommissionim EU Amtsblatt veröffentlicht.

Die Gebiete in NRW, die gemäß Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 noch den BTV Freiheitsstatus erlangt hatten, aber bisher noch nicht nach AHL als frei anerkannt waren, erlangen den Freiheitsstatus mit Inkrafttreten der o.g. Durchführungsverordnung. Dies betrifft die folgenden Städte/Kreise/Gemeinden in NRW:

  • Ennepe-Ruhr-Kreis
  • Hochsauerlandkreis
  • Märkischer Kreis
  • Kreis Olpe
  • Stadt Hagen
  • folgende Gemeinden und Städte im Kreis Mettmann: Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath
  • folgende Gemeinden und Städte im Oberbergischen Kreis: Bergneustadt, Radevormwald
  • folgende Gemeinden und Städte im Kreis Siegen-Wittgenstein: Netphen, Kreuztal, Hilchenbach, Erndtebrüch, Bad Laasphe, Bad Berleburg

Somit unterliegen die aufgeführten Gebiete nunmehr keinen Verbringungsbeschränkungen hinsichtlich BTV mehr.

Eine Liste der vor von der BTV Sperrzone betroffenen Gebieten in NRW findet sich hier.

Die Europäische Kommission hat wichtige Informationen zur neuen Gesetzgebung, zur Verbreitung der BTV-Serotypen und zu den Restriktionszonen auf ihrer Internet-Seite zusammengestellt.

Neben einer aktuellen Karte ist dort auch eine tabellarische Übersicht der Restriktionszonen in der EU zu finden, ebenso die Ausnahmen von den BT-Verbringungsregelungen der Mitgliedstaaten der EU.

 

    Von der BTV-Sperrzone betroffene Städte und Kreise in NRW

    • Allgemeines

      Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige, virusbedingte Tierseuche, die von blutsaugenden Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) auf Schafe, Ziegen, Rinder und eventuell auch andere Wiederkäuer sowie Neuweltkameliden übertragen werden kann.

      Menschen und andere Tiere sind nicht betroffen! Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten ist unbedenklich.

      Die ursprünglich aus Afrika stammende Tierseuche hat sich weltweit verbreitet. In Europa gibt es seit 2006 Ausbrüche in verschiedenen Ländern. Genaue Angaben zur Verbreitung bietet das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hier:

      Nach umfangreichen Bestandsimpfungen galt Deutschland zwischen Februar 2012 und Dezember 2018 als offiziell frei von der Blauzungenkrankheit.

    • Bisherige Entwicklung

      Im Dezember 2018 und Januar 2019 wurde das Blauzungenvirus (Serotyp 8, BTV-8) in Baden-Württemberg im Rahmen von Routineuntersuchungen bei mehreren klinisch unauffälligen Kälbern und Rindern verschiedener Bestände nachgewiesen.

      Wenn der Erreger im Blut gefunden wird, kann er über die Mücken auch weitergegeben werden und die Krankheit sich ausbreiten. Daher gilt dieser Nachweis als Ausbruch, auch wenn keine klinischen Symptome vorliegen. Nach amtlicher Feststellung des Ausbruchs richtet die zuständige Behörde eine Restriktionszone mit einem Radius von mindestens 150 km ein. In dieser Sperrzone müssen alle gehaltenen Wiederkäuer an die jeweils zuständige Behörde gemeldet werden. Zudem gelten Verbringungs- und damit Handelseinschränkungen.

      Am 11. Januar 2019 wurde im Rahmen von Handelsuntersuchungen ein Ausbruch von Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV 8) im Kreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz amtlich bestätigt. Klinische Erkrankungen liegen nicht vor.

      Die im Radius von 150 km um diesen Ausbruchsbetrieb auszuweisende Restriktionszone erfasste damit gesamt Rheinland-Pfalz und auch Teile von NRW: Kreis Euskirchen, Städteregion Aachen, Kreis Düren, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Bundesstadt Bonn, Stadt Köln, Kreis Heinsberg die Städte Übach-Palenberg und Geilenkirchen.

      Aufgrund eines weiteren bestätigten BTV8 Ausbruchs am 18.01.2019 in Seibersbach im Kreis Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz wurden in Absprache mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz nachfolgende Städte und Kreise gemäß § 5 Abs. 4 der Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit zusätzlich zum Sperrgebiet erklärt: Rhein-Kreis Neuss, Kreis Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis, Kreis Olpe, Märkischer Kreis, Hagen, Wuppertal, Ennepe-Ruhr-Kreis, Kreis Mettmann, Düsseldorf, Leverkusen, Remscheid, Solingen, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis.

      Am 09.10.2020 wurde im Kreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz ein weiterer BTV8 Ausbruch amtlich bestätigt. Das 150 km Sperrgebiet um den betroffenen Betrieb in Rheinland-Pfalz reicht bis nach NRW und schneidet unter anderem vier Städte/Gemeinden im Kreis Heinsberg, die bisher noch nicht von den Sperrgebietsregelungen betroffen waren.

      Daraufhin wurde das bestehende Restriktionsgebiet erweitert und nachfolgende Städte und Gemeinden im Kreis Heinsberg mit Wirksamkeit vom 13.11.2020 zusätzlich zum Sperrgebiet erklärt: Stadt Erkelenz, Gemeinde Gangelt, Stadt Heinsberg und Stadt Hückelhoven.

    • Finanzielle Entlastung für Rinderhalter in den BT-Restriktionsgebieten in NRW wird auch in 2021 fortgesetzt

      Auch in 2021 werden die Gebühren für virologische Untersuchungen von BT-Proben, die in Restriktionsgebieten in NRW genommen und an den CVUÄ in NRW untersucht werden, vom Land NRW übernommen.

      Die Kosten, die durch die Probenahme entstehen, sind auch weiterhin von den Tierhaltern, bzw. den Personen, die die Untersuchungen in Auftrag geben, zu tragen.

    • Verbringungsregelungen ab 21.04.2021 - wird bearbeitet

    • Tierseuchenkasse NRW gewährt Beihilfe zu den Impfstoffkosten bei Rindern

      Eine regelmäßige Impfung gegen die Blauzungenkrankheit ist wichtig, denn nur so können die Schafe, Ziegen und Rinder vor möglichen gesundheitlichen Schäden geschützt und weiterhin freier Handel betrieben werden. Die Impfung kann jederzeit begonnen werden. Vor dem Hintergrund des sich ebenfalls ausweitenden BTV-4-Geschehens in Frankreich wird die Impfung gegen beide Virustypen (BTV-4 und BTV-8) dringendst empfohlen.

      NEU: In Nordrhein-Westfalen gibt es seit dem 22.01.2019 von der Tierseuchenkasse für die Impfung gegen BTV 8 eine Beihilfe in Höhe von 1,-€ je Impfdosis/je Rind.

      Voraussetzungen für die Gewährung der Beihilfe sind:

      • Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen der tierseuchenrechtlichen Vorgaben
      • Eintragung der Impfung in HIT durch den Tierarzt
      • Abrechnung der Impfung über die HIT-Impfliste durch den Tierarzt
        Achtung, Neuerung: ab 01.01.2020 erfolgt die Abrechnung direkt zwischen Rinderhalter und Tierseuchenkasse NRW auf Antrag des Tierhalters bei der Tierseuchenkasse
      • Impfung der Rinder im Bestand nach Vorgabe der Impfstoffhersteller

      Bei Nichteinhaltung der vorgenannten Voraussetzungen kann die Beihilfe von der Tierseuchenkasse versagt werden, bereits gezahlte Leistungen für die Impfung können zurückgefordert werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Kosten für die Impfdurchführung, den HIT-Eintrag oder evtl. auftretende Impfschäden weder entschädigungs- oder beihilfefähig sind.

      Zusätzlicher Hinweis der TSK:

      Die Impfstoffkostenbeihilfe BTV 8 dient der Gesunderhaltung der Rinderbestände – ausdrücklich nicht der Vermarktung (EU-Recht!).

      Für die Gewährung der Beihilfe wird die Impfung des Gesamtbestandes (mindestens aller weiblichen Rinder, ab impffähigem Alter nach Angaben des Impfstoffherstellers) vorausgesetzt.

      Sofern auf Grund der begrenzten Verfügbarkeit von Impfstoffen zuerst nur die Kuhherden geimpft werden sollen, ist dies als Teilbestandsimpfung möglich, unter der Voraussetzung, dass die Jungrinder/Nachzucht bei ausreichender Verfügbarkeit von Impfstoffen zeitversetzt geimpft werden.

      Die Impfung von männlichen Rindern ist wünschenswert und in der Beihilfe enthalten, jedoch keine zwingende Voraussetzung.

      Geplante Impfmaßnahmen besprechen Sie bitte mit Ihrer betreuenden Tierarztpraxis.

      Bei Fragen zur Impfstoffkostenbeihilfe wenden Sie sich bitte an die Tierseuchenkasse NRW.

    • Symptome

      Bei der akut verlaufenden Erkrankung zeigen vor allem Schafe deutliche Symptome: Etwa eine Woche nach Ansteckung treten Fieber und Apathie auf, die Maulschleimhäute und die Zunge röten sich und schwellen an. Eine Blaufärbung der Zunge ist nur bei besonders empfindlichen Schafen gelegentlich zu sehen. Weiterhin kann es zu Lahmheiten oder Aborten kommen.

      Bei Rindern auffällig sind Entzündungen der Zitzenhaut und der Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. An Maul und Zunge kann es zu Schleimhautablösungen kommen, am Klauenkronsaum sind gelegentlich Blasen zu sehen. Die Krankheit ist nicht tödlich, nach Genesung sind die Tiere weitestgehend immun. Allerdings ist der Verlauf schmerzhaft, und mit wirtschaftlichen Einbußen muss gerechnet werden.

      Sobald die Temperaturen steigen, kann es durch die dann aktiv werdenden Gnitzen zu einer weiteren Verbreitung der Krankheit kommen. Eine Impfung wird daher dringend empfohlen!