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Blauzungenkrankheit

Aktuelles

Neu:

Finanzielle Entlastung für Rinderhalter in den BT-Restriktionsgebieten in NRW:

Zukünftig werden bis zum 31.12.2019 die Gebühren für virologische Untersuchungen von BT-Proben, die in Restriktionsgebieten in NRW genommen werden und an den CVUÄ in NRW untersucht werden, vom Land NRW übernommen.

Die Kosten, die durch die Probenahme entstehen, sind auch weiterhin von den Tierhaltern, bzw. den Personen, die die Untersuchungen in Auftrag geben, zu tragen.

 

BTV8 - neue Verbringungsregelungen ab 18.05.2019

Das Friedrich-Löffler-Institut hat am 26.04.2019 eine neue Risikobewertung zur Verschleppung der Blauzungenkrankheit veröffentlicht. Dies hat dazu geführt, dass Bund und Länder die geltenden Verbringungsregelungen, die von der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 abweichen, neu bewerten und formulieren mussten.

Die Optionen, die ab dem 18.05.2019 für das Verbringenempfänglicher Tiere aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands gelten, sind der „Zusammenfassung der Optionen ab dem 18.05.2019 beim Verbringen empfänglicher Tiere aus der Restriktionszone in freie Gebiete innerhalb Deutschlands“ zu entnehmen.

Demnach ist ab dem 18.05.2019 das Verbringen von Zucht-/Nutztieren, die älter als 90 Tage und nicht geimpft sind, nicht mehr möglich. Eine Ausnahme besteht nur für Schlachttiere.

Das innerstaatliche Verbringen von Kälbern im Alter von unter 90 Tagen, die aus einer Restriktionszone in freie Gebiete verbracht werden sollen, ist nur noch bei Einhaltung nachfolgender Bedingungen möglich:

  1. Sie stammen von Muttertieren, die vor der Belegung wirksam gegen den entsprechenden BTV-Stamm (derzeit BTV-8) geimpft wurden, wobei die zweite Impfung der Grundimmunisierung mindestens 300 Tage vor der Geburt des Kalbes erfolgt sein muss, und sie haben unmittelbar nach der Geburt die Biestmilch des eigenen Muttertieres erhalten. Die Impfungen des Muttertieres gegen den entsprechenden BTV-Stamm sind in der HIT-Datenbank zu erfassen. Die Bestätigung dieser Voraussetzungen erfolgt durch den Tierhalter durch die „Tierhaltererklärung Kälber – Grundimmunisierung vor Belegung“.
    oder
  2. Sie stammen von Muttertieren, die während der Trächtigkeit wirksam gegen den entsprechenden BTV-Stamm (derzeit BTV-8) geimpft wurden, wobei die zweite Impfung der Grundimmunisierung mindestens 28 Tage vor der Geburt des Kalbes erfolgt sein muss, und sie haben unmittelbar nach der Geburt die Biestmilch des eigenen Muttertieres erhalten.
    Zusätzlich sind die Kälber innerhalb von 14 Tagen vor dem innerstaatlichen Transport mit negativem Ergebnis auf den entsprechenden BTV-Stamm untersucht worden. Die Impfungen des Muttertieres gegen den entsprechenden BTV-Stamm und das negative Ergebnis der Untersuchung des Kalbes auf BTV sind in der HIT-Datenbank zu erfassen. Die Bestätigung dieser Voraussetzungen erfolgt durch den Tierhalter durch die „Tierhaltererklärung Kälber – Grundimmunisierung während Trächtigkeit“.

Für Kälber im Alter von unter 90 Tagen, die aus Sperrgebietenin die Niederlande verbracht werden sollen, gelten weiterhin die Vorgaben des mit den Niederlanden geschlossenen Memorandums.

Unter 90 Tage alte Kälber aus Sperrgebieten, die über eine Sammelstelle, die in einem BTV-freien Gebiet in Deutschland liegt, in die Niederlande verbracht werden sollen, müssen ab dem 18.05.2019 die Bedingungen für das innerstaatliche Verbringen von Kälbern und zusätzlich die im Memorandum definierten Bedingungen erfüllen.

Allgemeines

Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige, virusbedingte Tierseuche, die von blutsaugenden Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) auf Schafe, Ziegen, Rinder und eventuell auch andere Wiederkäuer sowie Neuweltkameliden übertragen werden kann.

Menschen und andere Tiere sind nicht betroffen! Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten ist unbedenklich.

Die ursprünglich aus Afrika stammende Tierseuche hat sich weltweit verbreitet. In Europa gibt es seit 2006 Ausbrüche in verschiedenen Ländern. Genaue Angaben zur Verbreitung bietet das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hier:

Nach umfangreichen Bestandsimpfungen galt Deutschland zwischen Februar 2012 und Dezember 2018 als offiziell frei von der Blauzungenkrankheit.

Bisherige Entwicklung

Im Dezember 2018 und Januar 2019 wurde das Blauzungenvirus (Serotyp 8, BTV-8) in Baden-Württemberg im Rahmen von Routineuntersuchungen bei mehreren klinisch unauffälligen Kälbern und Rindern verschiedener Bestände nachgewiesen. Wenn der Erreger im Blut gefunden wird, kann er über die Mücken auch weitergegeben werden und die Krankheit sich ausbreiten. Daher gilt dieser Nachweis als Ausbruch, auch wenn keine klinischen Symptome vorliegen.

Nach amtlicher Feststellung des Ausbruchs hat die zuständige Behörde eine Restriktionszone mit einem Radius von mindestens 150 km eingerichtet. In dieser Sperrzone müssen alle gehaltenen Wiederkäuer an die jeweils zuständige Behörde gemeldet werden. Zudem gelten Verbringungs- und damit Handelseinschränkungen.

Betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland  sowie Gebiete in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Ausbruch in Rheinland-Pfalz betrifft auch NRW

Am 11. Januar 2019 wurde im Rahmen von Handelsuntersuchungen ein Ausbruch von Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV 8) im Kreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz amtlich bestätigt. Klinische Erkrankungen liegen nicht vor.

Die im Radius von 150 km um diesen Ausbruchsbetrieb auszuweisende Restriktionszone erfasst damit gesamt Rheinland-Pfalz und auch Teile von NRW:

  • Kreis Euskirchen
  • Städteregion Aachen
  • Kreis Düren
  • Rhein-Erft-Kreis
  • Rhein-Sieg-Kreis
  • Bundesstadt Bonn
  • Stadt Köln
  • Kreis Heinsberg die Städte Übach-Palenberg und Geilenkirchen

Erweiterung der Restriktionszone nach weiteren Ausbrüchen in Rheinland-Pfalz

Aufgrund eines weiteren bestätigten BTV8 Ausbruchs am 18.01.2019 in Seibersbach im Kreis Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz werden in Absprache mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz nachfolgende Städte und Kreise gemäß § 5 Abs. 4 der Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit zusätzlich zum Sperrgebiet erklärt:

  • Rhein-Kreis Neuss
  • Kreis Siegen-Wittgenstein
  • Hochsauerlandkreis
  • Kreis Olpe
  • Märkischer Kreis
  • Hagen
  • Wuppertal
  • Ennepe-Ruhr-Kreis
  • Kreis Mettmann
  • Düsseldorf
  • Leverkusen
  • Remscheid
  • Solingen
  • Oberbergischer Kreis
  • Rheinisch-Bergischer Kreis

Für Fragen zu Verbringungen oder den Restriktionsgebieten wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Kreisveterinärbehörde.

Tierseuchenkasse NRW gewährt Beihilfe zu den Impfstoffkosten bei Rindern

Eine regelmäßige Impfung gegen die Blauzungenkrankheit ist wichtig, denn nur so können die Schafe, Ziegen und Rinder vor möglichen gesundheitlichen Schäden geschützt und weiterhin freier Handel betrieben werden. Die Impfung kann jederzeit begonnen werden. Vor dem Hintergrund des sich ebenfalls ausweitenden BTV-4-Geschehens in Frankreich wird die Impfung gegen beide Virustypen (BTV-4 und BTV-8) dringendst empfohlen.

NEU: In Nordrhein-Westfalen gibt es seit dem 22.01.2019 von der Tierseuchenkasse für die Impfung gegen BTV 8 eine Beihilfe in Höhe von 1,-€ je Impfdosis/je Rind.

Voraussetzungen für die Gewährung der Beihilfe sind:

  • Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen der tierseuchenrechtlichen Vorgaben
  • Eintragung der Impfung in HIT durch den Tierarzt
  • Abrechnung der Impfung über die HIT-Impfliste durch den Tierarzt
  • Impfung der Rinder im Bestand nach Vorgabe der Impfstoffhersteller

Bei Nichteinhaltung der vorgenannten Voraussetzungen kann die Beihilfe von der Tierseuchenkasse versagt werden, bereits gezahlte Leistungen für die Impfung können zurückgefordert werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Kosten für die Impfdurchführung, den HIT-Eintrag oder evtl. auftretende Impfschäden weder entschädigungs- oder beihilfefähig sind.

Zusätzlicher Hinweis der TSK:

Die Impfstoffkostenbeihilfe BTV 8 dient der Gesunderhaltung der Rinderbestände – ausdrücklich nicht der Vermarktung (EU-Recht!).

Für die Gewährung der Beihilfe wird die Impfung des Gesamtbestandes (mindestens aller weiblichen Rinder, ab impffähigem Alter nach Angaben des Impfstoffherstellers) vorausgesetzt.

Sofern auf Grund der begrenzten Verfügbarkeit von Impfstoffen zuerst nur die Kuhherden geimpft werden sollen, ist dies als Teilbestandsimpfung möglich, unter der Voraussetzung, dass die Jungrinder/Nachzucht bei ausreichender Verfügbarkeit von Impfstoffen zeitversetzt geimpft werden.

Die Impfung von männlichen Rindern ist wünschenswert und in der Beihilfe enthalten, jedoch keine zwingende Voraussetzung.

Geplante Impfmaßnahmen besprechen Sie bitte mit Ihrer betreuenden Tierarztpraxis.

Bei Fragen zur Impfstoffkostenbeihilfe wenden Sie sich bitte an die Tierseuchenkasse NRW.

Symptome

Bei der akut verlaufenden Erkrankung zeigen vor allem Schafe deutliche Symptome: Etwa eine Woche nach Ansteckung treten Fieber und Apathie auf, die Maulschleimhäute und die Zunge röten sich und schwellen an. Eine Blaufärbung der Zunge ist nur bei besonders empfindlichen Schafen gelegentlich zu sehen. Weiterhin kann es zu Lahmheiten oder Aborten kommen.

Bei Rindern auffällig sind Entzündungen der Zitzenhaut und der Schleimhäute im Bereich der Augenlider, Maulhöhle und Genitalien. An Maul und  Zunge kann es zu Schleimhautablösungen kommen, am Klauenkronsaum sind gelegentlich Blasen zu sehen. Die Krankheit ist nicht tödlich, nach Genesung sind die Tiere weitestgehend immun. Allerdings ist der Verlauf schmerzhaft, und mit wirtschaftlichen Einbußen muss gerechnet werden.

Sobald die Temperaturen steigen, kann es durch die dann aktiv werdenden Gnitzen zu einer weiteren Verbreitung der Krankheit kommen. Eine Impfung wird daher dringend empfohlen!