© lanuv/KNSYphotographie
Sie sind hier: Startseite LANUV » Verbraucherschutz » Marktüberwachung » Saatgut » Untersuchungsergebnisse

Untersuchungsergebnisse

Auch in 2009 konnte das LANUV, trotz globaler Kürzung der Haushaltsmittel, durch die Risikoanalyse eine effektive Überwachung gewährleisten. Die notwendige Reduzierung von Probenanzahl und Anzahl von Betriebs-/Buchprüfungen wurde durch die Risikoanalyse und damit durch effektivere Kontrollen aufgefangen.

Das LANUV kontrollierte bei 86 Prüfungen die geschäftlichen Aufzeichnungen (2007: 141, 2006: 199) und zog im Handel 273 Proben (2000: ca. 1.000 Proben, 2005: ca. 500 Proben) aus Saatgutpartien.

Erfreulich: Die Ergebnisse der Analysen und Kontrollen zeigen weiterhin stabile, wenn nicht sogar  rückgängige Beanstandungsquoten. Zurückzuführen ist dies auf die gezielte Auswahl von Betrieben und Saatgutarten sowie die kontinuierliche Informationsarbeit, die mit den Kontrollen einhergeht. Die Risikoanalyse hat sich damit bewährt.

Die Saatgutwirtschaft selbst unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, der sich auch in der sinkenden Zahl der Betriebe zeigt. Zusammenschlüsse und Firmenschließungen haben dazu geführt, dass von den ca. 750 Betrieben in NRW zu Beginn des Jahres 2000 heute (Stand: Februar 2010) nur noch ca. 460 Betriebe am Markt tätig sind.

Bis zum Jahr 2005 war dem LANUV lediglich die Zahl der Saatgutbetriebe bekannt. Eine systematische Erfassung weiterer Betriebseigenschaften, die zur gezielten Auswahl der Überprüfungen beitragen kann, gab es nicht. Um die risikoorientierte Steuerung der Betriebsprüfungen weiter zu optimieren, hat das LANUV einen Evaluierungsbogen zur genaueren Erfassung der Betriebseigenschaften an die Betriebe versandt. In Verbindung mit den Vor-Ort-Erkenntnissen können diese Angaben nun aktuell als gezieltes Steuerungsinstrument bei den Kontrollen (Betriebsauswahl) im Sinne einer Risikoanalyse genutzt werden.

Gentechnisch verändertes Saatgut

Europaweit wird gentechnisch verändertes Saatgut eingesetzt, das besondere Zulassungsverfahren durchläuft und spezielle Kennzeichnungsvorgaben erfüllen muss. Routinemäßig überprüft das LANUV die Kennzeichnungen und Aufzeichnungen bei den Händlern. 2009 ergaben sich zu diesem Punkt keine Beanstandungen.

Ein bundesweites Monitoring, in NRW unter Federführung des MKULNV, spürt gentechnische Verunreinigungen in konventionellen Saatgutpartien, die ausländische Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben, auf. Dazu entnimmt das LANUV in NRW Proben von insbesondere Mais-, Senf- und Rapssaatgutpartien, die im Labor auf zugelassene und nicht zugelassene Gensequenzen untersucht werden. Im Jahr 2009 mussten keine Maßnahmen (Rückruf bzw. Rücknahme des Saatgutes, Umbruch von Ackerflächen) veranlasst werden.

In Deutschland anerkannte Partien werden unter Federführung des MKULNV von der Anerkennungsstelle, der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, kontrolliert.

Da bereits mengenmäßig geringe Verunreinigungen zu einer Verbreitung des kontaminierten Saatgutes in großem Ausmaße führen können,  ist das o.g. bundesweite Monitoring notwendig und sinnvoll.

Die Kontrolle und Probenahme erfolgt in der Regel zeitnah nach dem Eintreffen des Saatgutes beim Handel und vor der Auslieferung an die Landwirte, um im Beanstandungsfall ein Eingreifen noch vor der Aussaat durchführen zu können.

Ergebnisse zum Monitoring für NRW können wie folgt eingesehen werden:

 

Beizgrad-Untersuchungen

Die umweltschonendste Art und Weise, junge Samenpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen, ist die Anwendung so genannter Beize. Ein Pflanzenschutzmittel wird unmittelbar auf den Samen aufgebracht, um ihn so in der ersten Phase seines Pflanzenlebens zu schützen. Zur Verbesserung der Saatgutqualität führt die Saatgutwirtschaft (Sortenschutz, Vermehrung, Anerkennung, Vertrieb) bundesweit jährlich 150 bis 200 Beizgrad-Untersuchungen auf freiwilliger Basis durch. Betreut werden diese Untersuchungen auf privatrechtlicher Grundlage durch den Gemeinschaftsfond Saatgetreide (GFS). Der Schutz des Saatgutes - vor Schädlingen und Krankheiten - kann durch eine zu geringe Menge des Beizmittels (ab ca. 80 % und weniger) beeinträchtigt werden und im schlimmsten Fall gar nicht erfolgen. Nach den veröffentlichten Ergebnissen traf dies auf 10 % der untersuchten Proben zu.

Die Kontrollen des LANUV konnten diese recht positiven Werte bis zum Jahr 2005 nicht bestätigen: Die Beanstandungsquote von ungenügend gebeiztem Getreide (deutlich weniger als 80 % Beizgrad) lag bei 30 bis 50 % der untersuchten Proben.
Ein Grund für diese deutliche Differenz kann in der Freiwilligkeit des GFS-Projektes liegen. Denn nur Firmen, die sich freiwillig dem GFS-Projekt angeschlossen haben, unterliegen auch der Kontrolle - nicht aber die gesamte Branche. Die Zahlen können aber auch auf eine nicht repräsentative Auswahl der GFS-Proben hindeuten. Sie spiegeln damit nicht die Qualität des tatsächlich am Markt gehandelten Saatgutes wider.

Aus diesem Grund wurde die Beizqualität in Nordrhein-Westfalen vom LANUV in den Jahren 2005 bis 2008 verstärkt kontrolliert (bis 100 kontrollierte Partien pro Jahr). Auffällig gewordene Betriebe standen und stehen dabei besonders im Fokus. Da die Ergebnisse der letzten Jahre die Vermutung nahe legten, dass aus wirtschaftlichen Gründen am Beizmittel gespart wurde (Einsparpotential: 1 bis 2 € pro 100 kg), ist der Verbraucherschutz hier besonders wichtig.

Die Beanstandungsquote sank ab dem Jahr 2005 bis 2008 auf weit unter 10 %. Dieser im Vergleich zu den Vorjahren erfreulich niedrige Wert lässt darauf schließen, dass die beharrlichen Kontrollen und die eingeleiteten Sanktionen zu einem Umdenken bei den Marktbeteiligten geführt haben.

Im Jahr 2009 wurden 27 Saatgutpartien auf Beizgrad überprüft; in lediglich drei Fällen wurde eine erhebliche Unterbeizung (< als 80 %) ermittelt.