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Meldungen zu gesundheitlich nicht erwünschten Stoffen


Verunreinigung von Futtermitteln mit nicht-dioxinähnlichen PCB

Auf einem Schlachtbetrieb in Ostwestfalen wurde im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) eine Probe Geflügelfett (Masthähnchen) von einem Geflügelhof im Kreis Paderborn hinsichtlich einer Überschreitung des Höchstgehalts für nicht dioxinähnliche PCB (ndl-PCB) beanstandet.

Daraufhin eingeleitete amtliche Kontrollen und Probennahmen ergaben als Ursache für die Belastung des Masthähnchens ein mit Lackabsplitterungen aus Verladezellen (Lagerbehältern)  kontaminiertes Futter eines Futtermittelherstellers aus Nordrhein-Westfalen. Die landwirtschaftlichen Betriebe, welche das kontaminierte Futter erhalten haben, wurden ermittelt und vorerst gesperrt. Weitere Funde von kontaminiertem Schlachtgeflügel führten bislang zu einer unschädlichen Vernichtung von rund 30.000 Masthähnchen. Parallel wurden Höchstgehaltsüberschreitungen von ndl-PCB in Hühnereiern in den Kreisen Gütersloh und Paderborn mitgeteilt. Die Eier werden nicht mehr in den Verkehr gebracht. Bereits in Verkehr gebrachte Eier wurden vom Markt genommen.

Seit dem 14.11.2018 befasst sich das Landeskontrollzentrum für Lebensmittel und Futtermittel - eine Sondereinheit  im LANUV - mit der Aufklärung des Ausmaßes der Verunreinigungen.

Von verunreinigten Futtermittel-Lieferungen betroffene Betriebe

Die fortlaufenden  Futtermittelanalysen im Auftrag des LANUV haben ergeben, dass weitere Verladezellen der Futtermittelfirma von Verunreinigungen betroffen sind. Aus Vorsorgegründen werden Futtermittellieferungen des letzten halben Jahres überprüft.

Die Anzahl der in Nordrhein-Westfalen liegenden Betriebe, die mit Futtermitteln aus den aktuell betroffenen Verladezellen beliefert wurden, sind in der folgenden Tabelle aufgeführt. Als Betrieb gilt eine Einheit, der eine eigene Nummer nach Viehverkehrsverordnung zugeteilt worden ist.

Aufgrund der weiten Verteilung sowohl von Futtermitteln als auch damit gefütterten Junghennen sind weitere Bundesländer betroffen.

Alle zuständigen Landes- und Kreisordnungsbehörden sind informiert und haben die Sperrungen der entsprechenden Betriebe veranlasst.

Kontrollen von Futtermitteln und Lebensmitteln

Die Kreisordnungsbehörden sind zuständig für die Überwachung der Tierhalter und haben umfangreiche Proben von restlichen Futtermitteln, Eiern und zum Teil auch von Schlachtgeflügel genommen.

Ob und wenn ja, welche Menge an verunreinigtem Futter von den Tieren aufgenommen wurde, und ob daraus eine Belastung von Lebensmitteln resultiert, kann erst nach Auswertung der Analysenergebnisse festgestellt werden.

Der Zeitpunkt der Probennahme variiert je nach Nutzungsart: Während Eier sofort beprobt werden können, wird Schlachtgeflügel kurz vor der Schlachtung untersucht, da erst dann die endgültige Belastung des Tierkörpers feststeht. Deshalb können Mastbetriebe nicht sofort „frei“ gemeldet werden. Sind die Tiere gerade erst aufgestallt worden, kann es mehrere Wochen dauern, bis Proben genommen werden und Ergebnisse vorliegen.

Neben den amtlichen Kontrollen durch die Behörden werden auch Eigenkontrollen der Unternehmer durchgeführt. Die Analysen der Eigenkontrollen werden ebenso in geprüften und anerkannten Laboren durchgeführt und können bei der Bewertung der Gesamtsituation berücksichtigt werden.

Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, werden die endgültigen Ergebnisse veröffentlicht.

FAQ - Fragen und Antworten zur Verunreinigung von Futtermitteln und Lebensmitteln mit nicht-dioxinähnlichen PCB

Was ist ndl-PCB?

Nicht-dioxin-ähnliche Polychlorierte Biphenyle (ndl-PCB) sind weniger giftig (nicht genotoxisch, nicht karzinogen) als dioxin-ähnliche PCB. Sie sind Bestandteil von chemischen Stoffgemischen in nicht-brennbaren Flüssigkeiten für Transformatoren, in Dichtungsmassen, Anstrichstoffen und ähnlichem. In den 1980er Jahren wurden PCB in den meisten Ländern verboten aufgrund ihrer Anreicherung in Fettgewebe und gesundheitsschädigender Wirkungen. Die Verbindungen sind sehr langlebig, werden nur langsam abgebaut und sind in der Umwelt als Kontaminanten zu finden.

Was ist der Nationale Rückstandskontrollplan?

Der Nationale Rückstandskontrollplan für Lebensmittel tierischen Ursprungs ist ein seit 1989 durchgeführtes EU-weites Programm, das die Untersuchung dieser Lebensmittel auf Rückstände unerwünschter Stoffe definiert und in Deutschland vom BVL koordiniert wird. Das Ziel ist der vorbeugende Gesundheitsschutz der Bevölkerung.

Was ist ein Höchstgehalt?

In der EU-Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 werden Höchstgehalte bestimmter Kontaminanten in Lebensmitteln festgelegt.  Die Höchstgehalte sind so niedrig festgelegt, wie dies durch eine gute Landwirtschafts-, Fischerei- und Herstellungspraxis vernünftigerweise erreichbar ist, unter Berücksichtigung des mit dem Lebensmittelverzehr verbundenen Risikos. Bei ndl-PCB liegen keine spezifischen toxikologischen Daten vor,  aus Gründen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sollte die Belastung mit ndl-PCB aber so weit wie möglich minimiert werden.

Welche Futtermittel sind betroffen?

Nur die Futtermittel, die in bestimmten Verladezellen des Futtermittelherstellers gelagert wurden, sind betroffen. Das Futter wurde von da aus in großen Einheiten an bereits informierte landwirtschaftliche Betriebe verteilt. Zwischenzeitlich wurde das kontaminierte Futter ausgetauscht.

Ist das kontaminierte Futter im Einzelhandel erwerblich?

Nach Auskunft des Herstellers ist keine Sackware betroffen.


Dioxin/PCB - Meldepflichten nach der Mitteilungs- und Übermittlungsverordnung (MitÜbermitV)

Infolge des Dioxingeschehens Dezember 2010/Januar 2011 wurde das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) um den Paragraphen 44a ergänzt, der eine Meldepflicht für Untersuchungsergebnisse aus Eigenkontrollen zu Dioxinen und PCB der Lebensmittel- und Futtermittelunternehmer beinhaltet. Diese Ergebnisse werden in einem Datenpool des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erfasst und ausgewertet, um potentielle Probleme früher erkennen zu können.

Zur Konkretisierung dieser Meldepflichten wurde eine Verordnung zu Mitteilungs- und Übermittlungspflichten zu gesundheitlich nicht erwünschten Stoffen (MitÜbermitV) erlassen, deren Bestimmungen am 01. Mai 2012 in Kraft getreten sind. Mitteilungspflichtig sind demnach alle Untersuchungsergebnisse der in § 1 der MitÜbermitV genannten Stoffe.

Wie hat die Meldung zu erfolgen?

Die Mitteilung muss elektronisch erfolgen und alle Daten nach Anlage 4 der MitÜbermitV enthalten. Für die Mitteilungen sind elektronische Muster im Excel-Format zu verwenden (in der MitÜbermitV „digitale Datei" genannt). Das Format darf hierbei nicht geändert werden! Die nach dieser Verordnung zu verwendenden elektronischen Vorlagen (Excel-Datei für Lebensmittelunternehmer, Exceltabelle für Futtermittelunternehmer) stehen nachfolgend zum Download bereit, ebenso wie ein "Ausfüllhinweis" (PDF-Dokument) zu diesen Vorlagen.

Darüber hinaus können Untersuchungsberichte als elektronisches Dokument im PDF-Format beigefügt werden. Im Ausnahmefall kann die zuständige Behörde auf Antrag die Schriftform zulassen.

An wen ist die Meldung zu richten?

Mitteilungen der Futtermittelunternehmer aus NRW, welche sich nicht auf der Stufe der Primärproduktion befinden, sind an das LANUV NRW an folgende Emailadresse zu senden: Mitteilung44a-LFGB(at)lanuv.nrw.de

Mitteilungen der Futtermittelunternehmer auf der Stufe der Primärproduktion, als auch alle
Mitteilungen der Lebensmittelunternehmer, sind an die jeweils zuständige Kreisordnungsbehörde zu senden. Die entsprechenden Adressen sind im PDF-Dokument Ausfüllhinweis zu finden.

Die Kreisordnungsbehörden leiten diese Daten anschließend anonymisiert an das LANUV NRW bis zum 10. eines jeden Monats an folgende Emailadresse weiter: Mitteilung44a-LFGB-at-lanuv.nrw.de

Die übermittelten Daten werden vom LANUV NRW gesammelt, anonymisiert und monatlich elektronisch an das BVL übermittelt.

Welche Fristen sind zu beachten?

Die Daten sind innerhalb von vierzehn Tagen abzugeben, nachdem der Unternehmer Kenntnis von dem Untersuchungsergebnis hat. Dies ist erst der Fall, wenn das Untersuchungsergebnis endgültig vorliegt. Die Mitteilung hat allerdings unverzüglich zu erfolgen, wenn ein Höchstgehalt überschritten worden ist, der im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB), einer auf Grund des LFGB erlassen Verordnung oder in einem unmittelbar geltenden Rechtsakt der Europäischen Gemeinschaft oder der Europäischen Union festgesetzt ist.

Hinweis:

Ein Verstoß gegen die Pflicht zur Mitteilung der Untersuchungsergebnisse (nicht erfolgte, unrichtige, unvollständige oder nicht rechtzeitige Mitteilung) stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einem Bußgeld von bis zu 20.000,- Euro geahndet werden.