Sie sind hier: Startseite LANUV » Landesamt » Veröffentlichungen » Verbraucherwarnungen » Aktualisierte Verzehrempfehlungen für Fische des Ruhreinzugsgebiets

Aktualisierte Verzehrempfehlungen für Fische des Ruhreinzugsgebiets

Nach bekannt werden der PFC (Perfluorierte Verbindungen)-Problematik im Raum Arnsberg und Soest wurden dort bereits in den Jahren 2006 bis 2008 Wildfische untersucht. Auf Grundlage dieser Untersuchungsergebnisse ist eine Verzehrempfehlung veröffentlicht worden, die sich an dem im jeweiligen Gewässerabschnitt am stärksten belasteten Fisch orientierte. Hierfür berechnete man, wie oft Wildfisch pro Monat aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich konsumiert werden kann.

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat Ende 2018 neue tolerierbare wöchentliche Aufnahmemengen (TWI) für PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroktansäure) abgeleitet. Die neuen, noch vorläufigen TWI betragen für PFOS 13 ng pro kg Körpergewicht pro Woche und für PFOA 6 ng pro kg Körpergewicht pro Woche. Dies bedeutet im Vergleich zu den bisherigen tolerierbaren Aufnahmemengen der EFSA aus 2008 eine Reduzierung um den Faktor 80 für PFOS bzw. 1875 für PFOA.

Bei den PFC handelt es sich um Stoffe, die eine hohe Persistenz besitzen und somit sehr lange in der Umwelt verbleiben können. Einige PFC (z.B. PFOS) reichern sich in der Nahrungskette an und gelangen so in den menschlichen Körper, aus dem sie nur sehr langsam wieder ausgeschieden werden. Die Konzentrationen in der Umwelt nehmen aufgrund der in der Vergangenheit bereits ergriffenen Maßnahmen zwar ab. Aufgrund der Persistenz von PFOS und PFOA in der Umwelt ist aber von einer langjährigen Belastung verschiedener Umweltmedien und somit auch des Menschen auszugehen.

Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) hat eine Stellungnahme (Nr. 032/2019) zu der vorläufigen Bewertung der EFSA veröffentlicht. Es weist auf die Unsicherheiten in der Bewertung hin, empfiehlt die TWI-Werte zur Risikobeurteilung von Lebensmitteln dennoch heranzuziehen. Auch aus diesem Grund ist die Aktualisierung der bestehenden Verzehrempfehlungen für Wildfische aus NRW angezeigt. Nach Einschätzung des BfR bedeuten kurzfristig erhöhte Aufnahmemengen, die im Bereich der TWI-Werte liegen, nicht zwangsläufig, dass gesundheitsgefährdende Konzentrationen im Blut vorliegen.

Da aufgrund der in der Vergangenheit eingeleiteten Maßnahmen zur Reduzierung des PFC-Eintrags in die Umwelt davon auszugehen ist, dass die PFOS- und PFOA-Konzentrationen in Oberflächengewässern und damit in den Wildfischen in den letzten Jahren weiter rückläufig sind, werden kurzfristig neue Fischuntersuchungen durchgeführt. In Abhängigkeit der Ergebnisse wird ggf. eine weitere Anpassung der Verzehrempfehlung vorgenommen. Bis dahin ist die aktualisierte Verzehrempfehlung als vorläufig zu betrachten.

Es resultieren folgende vorläufige aktualisierte Verzehrempfehlungen:

GewässerMessstelleEmpfohlener max. Fischverzehr
(300g je Mahlzeit)
Möhne oberhalb des Möhnesees

Möhne/Meisterwald
Möhne/Sichtigvor

4 x pro Jahr
26 x pro Jahr

Möhne unterhalb des Möhnesees und Möhnesee

Möhnetalsperre
Möhne/Wasserwerk

2 x pro Jahr
8 x pro Jahr

Untere Ruhr/Baldeneysee

Pegel/Bachum(R26)
Baldeneysee
Ruhr (R68)

11 x pro Jahr
7 x pro Jahr
5 x pro Jahr

Die Empfehlungen basieren auf Messdaten aus 2015 und dem vorläufigen TWI-Wert der EFSA (2018) in Höhe von 13 ng/kg Körpergewicht. Aus Vorsorgegründen wurde das 95. Perzentil der untersuchten Fische als Berechnungsgrundlage für die maximale Fischverzehrmenge herangezogen. Das 95. Perzentil bezeichnet den Wert, oberhalb dessen nur 5 Prozent der untersuchten Fische höhere PFOS Belastungen aufweisen, d.h. 95% der untersuchten Fische weisen geringere (oder gleich hohe) PFOS Belastungen auf.