B8 - Ökologischer Zustand oberirdischer Binnengewässer

1) 1) Anteil der Wasserkörper der Fließgewässer mit gutem oder sehr gutem Zustand an der Gesamtanzahl der bewerteten Wasserkörper

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%])

2) 2) Anteil der Oberflächenwasserkörper der Seen mit gutem oder sehr gutem Zustand an der Gesamtanzahl der bewerteten Wasserkörper

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%])

Stand: 19.05.2016

Definition und Berechnungsverfahren:

Mit Einführung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG vom 23.10.2000; WRRL) wird ein ganzheitliches Schutz- und Nutzungskonzept für die europäischen Oberflächengewässer verfolgt. Ein Ziel ist das Erreichen des mindestens guten ökologischen Zustandes, der definiert ist als "geringfügige Abweichung von den typspezifischen natürlichen Bedingungen". Der ökologische Zustand eines Wasserkörpers wird hauptsächlich auf der Grundlage der Zusammensetzung der aquatischen Lebensgemeinschaft (Artenzusammensetzung und Häufigkeiten) bestimmt, da diese die Gesamtheit aller Einflussfaktoren und Störgrößen widerspiegelt.

Die WRRL legt für morphologisch erheblich veränderte und "künstliche" Gewässer als Ziel das sogenannte gute ökologische Potenzial fest. Dieses weniger anspruchsvolle Ziel nimmt darauf Rücksicht, dass aufgrund der Nutzung in solchen Gewässern nicht alle natürlicherweise vorkommenden Habitate wieder hergestellt werden können.

Die räumliche Bezugsebene der Gewässerbewertung nach WRRL stellen die Wasserkörper dar. Ein Wasserkörper ist ein einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines Oberflächengewässers.

Die Bewertung erfolgt in den fünf Klassen (1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mäßig, 4 = unbefriedigend, 5 = schlecht). Die biologische Qualitätskomponente mit der schlechtesten Bewertung bestimmt die ökologische Zustandsklasse („Worst-Case-Prinzip“).

Zur Zustandsbewertung werden grundsätzlich die biologischen Qualitätskomponenten Phytoplankton (im Wasser freischwebende Algenarten und Cyanobakterien), Makrophyten und Phytobenthos (Wasserpflanzen und auf dem Substrat aufwachsende Algenarten), Makrozoobenthos (mit bloßem Auge erkennbare Tiere der Gewässersohle) sowie Fische genutzt, soweit sie für den jeweiligen Fließgewässertyp relevant sind. Informationen zu den Untersuchungsverfahren der biologischen Qualitätskomponenten sind zu finden unter: http://www.wasserblick.net/servlet/is/42489/.

Dargestellt werden Bewertungsklassen, denen die Zustands- und Potenzialbewertungen der Wasserkörper zu Grunde liegen. Für die biologischen Qualitätskomponenten Makrozoobenthos und Fische liegen Potenzialbewertungen für 2015 vor.

Daten zum ökologischen Zustand aller bewerteten Oberflächenwasserkörper in Deutschland liegen beginnend mit 2009 alle 6 Jahre aktualisiert vor. Als Datenbasis werden die von den Bundesländern an das Bund/Länder Berichtsportal WasserBLIcK übermittelten Daten zum ökologischen Zustand der untersuchten Oberflächenwasserkörper herangezogen. Die nächste Fortschreibung erfolgt 2022 auf Grundlage der Daten aus dem Wasserblick. Sowohl die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz (Referat M4) als auch die Fachansprechpartner sind zur Datenbereitstellung anzusprechen.

Folgende Abbildung gibt einen Überblick über die den ökologischen Zustand bestimmenden Parameter:

Übersicht über biologischen Qualutätskomponenten


zu 1) Die Fließgewässer werden ab einem Einzugsgebiet von mindestens 10 km2 bewertet. Die Flüsse und Bäche in Deutschland sind in 9.000 Wasserkörper untergliedert. Zur Zustandbewertung in Fließgewässern können weitere unterstützende Qualitätskomponenten für die Bewertung entscheidende Hinweise liefern. So sollten beispielsweise die Werte für physikalisch-chemische Parameter, wie Nährstoffgehalte, Temperatur oder Salzgehalte in einem Bereich liegen, der die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gewährleistet. Ferner kann der ökologische Zustand bestenfalls mit „mäßig“ bewertet werden, wenn die Umweltqualitätsnorm eines regional bedeutenden Schadstoffes (flussgebietsspezifische Schadstoffe) nicht eingehalten wird.


zu 2) Die Seen werden erst ab einer Größe von mindestens 0,5 km2 bewertet. In Deutschland gibt es 710 Oberflächenwasserkörper für natürliche und künstliche Seen sowie Talsperren, sie haben zusammen eine Fläche von insgesamt 2003,6 km2. Die Bewertung der Seen und Talsperren stützt sich zurzeit hauptsächlich auf die Komponenten Phytoplankton und Makrophyten/Phytobenthos. Da der Hauptbelastungsfaktor bei den Seen die zu hohen Nährstoffeinträge sind, ist eine gesicherte Bewertung anhand dieser beiden trophiebeschreibenden Lebensgemeinschaften möglich. Natürliche Seen werden in einigen Bundesländern auch anhand der Fischfauna bewertet. Das Makrozoobenthos wird ggf. später in die Bewertung integriert.

Zur Zustandsbewertung der Seen können weitere unterstützende Qualitätskomponenten für die Bewertung entscheidende Hinweise liefern. So sollten beispielsweise die Werte für physikalisch-chemische Parameter, wie die Nährstoffgehalte und insbesondere die Phosphorkonzentationen in einem Bereich liegen, der die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gewährleistet. Ferner kann der ökologische Zustand bestenfalls mit "mäßig" bewertet werden, wenn die Umweltqualitätsnorm eines regional bedeutenden spezifischen Schadstoffes nicht eingehalten wird.

Bedeutung:

zu 1) Die häufigste Ursache für das Nicht-Erreichen des guten ökologischen Zustands / Potenzials in Fließgewässern sind die Veränderungen der Hydromorphologie einschließlich der fehlenden Durchgängigkeit und die hohen Nährstoffbelastungen, die sich in einer zum Teil deutlichen Veränderung der natürlichen Lebensgemeinschaft niederschlagen.

zu 2) Die häufigsten Ursachen für das Nicht-Erreichen des guten ökologischen Zustands in Seen und Talsperren sind hohe Nährstoffeinträge, was sich in Veränderungen der natürlichen Lebensgemeinschaften niederschlägt.

Landesspezifika / Stand:

Die Datenlage zu Teilindikator 1) und 2) folgt dem Monitoring zur WRRL

 

Datenlage

Zielstellungen

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 159; "sehr gut" und "gut": 0

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 880; "sehr gut" und "gut": 133

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 22; "sehr gut" und "gut": 0  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 1364; "sehr gut" und "gut": 75  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 12; "sehr gut" und "gut": 0  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 23; "sehr gut" und "gut": 0

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 404; "sehr gut" und "gut": 19

Hessische Biodiversitätsstrategie (2016):
Erreichen eines ökologisch günstigen Zustands der hessischen Gewässer, wesentliche Herstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer für wandernde Fischarten (gemäß WRRL bis zum Jahr 2027) und Verbesserung des Zustands der an Wasser gebundenen Biologischen Vielfalt

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 839; "sehr gut" und "gut": 29  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 1562; "sehr gut" und "gut": 24  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 1657; "sehr gut" und "gut": 146

zu 1) Nachhaltigkeitsstrategie NRW (2016): gemäß Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) sollen bis 2027 alle Wasserkörper der oberirdischen Fließgewässer einen guten ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potenzial erreichen.

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 332; "sehr gut" und "gut": 101

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 113; "sehr gut" und "gut": 8

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 616; "sehr gut" und "gut": 20  

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 304; "sehr gut" und "gut": 5

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 589; "sehr gut" und "gut": 37

 

1) Anzahl der Oberflächenwasserkörper/Fließgewässer 2015: 124; "sehr gut" und "gut": 7

 

 

1) und 2) Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) 2000: Gemäß den Vorgaben der WRRL sollen bis zum Jahr 2015 grundsätzlich alle Wasserkörper der Fließgewässer mindestens einen guten ökologischen Zustand erreichen. Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer gilt als Ziel das gute ökologische Potenzial. Es ist zu beachten, dass die WRRL Fristverlängerungen bis 2027 und andere Ausnahmen von der Zielsetzung zulässt.

 

Hinweise zur Interpretation

Die Jahresangaben zu den Daten sind Angaben zu den Meldejahren an zentrale Register. Die Ergebungen erfolgten jeweils in den davorliegenden Jahren und fanden in den Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten statt. Die in den Datentabellen dargestellten Veränderungen der Zustandsbewertungen zwischen dem ersten und zweiten Bewirtschaftungsplan sind nicht zwangsläufig auf tatsächliche Verbesserungen bzw. Verschlechterungen des ökologischen Zustands der Oberflächenwasserkörper zurückzuführen. Vielmehr sind hierfür in der Regel methodische Gründe verantwortlich zu machen.

"Verwandte" Indikatoren im Set:

B9 Gewässerstruktur

Literatur:

Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik

Ansprechpartner:

 

Susanne Herzig
susanne.herzig@lubw.bwl.de
Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Griesbachstr. 1
76185 Karlsruhe
Tel.: 0721-5600-1549

 

Renate Semmler-Elpers
renate.semmler-elpers@lubw.bwl.de
Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Griesbachstraße 1
76185 Karlsruhe
Tel.: 0721-5600-2261

 

Gudrun Plambeck
gudrun.plambeck@llur.landsh.de
Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein
Hamburger Chaussee 25
24220 Flintbek
Tel.: 04347-704429

 

LAWA-AO (Ständiger Ausschuss Oberirdische Gewässer und Küstengewässer)




Tel.:

Datentabelle:

%-Anteil der Wasserkörper der Fließgewässer mit erreichtem Zielwert guter ökologischer Zustand oder besser bzw. gutes ökologisches Potenzial im Verhältnis zur Gesamtanzahl der bewerteten Wasserkörper

 

2009

2015

Baden-Württemberg

0,0

0,0

Bayern

20,9

15,1

Berlin

0,0

0,0

Brandenburg

6,1

5,5

Bremen

0,0

0,0

Hamburg

0,0

0,0

Hessen

5,7

4,7

Mecklenburg-Vorpommern

1,0

3,5

Niedersachsen

4,0

1,5

Nordrhein-Westfalen

12,0

8,8

Rheinland-Pfalz

27,2

30,4

Saarland

4,0

7,1

Sachsen

3,7

3,2

Sachsen-Anhalt

4,1

1,6

Schleswig-Holstein

1,9

6,3

Thüringen

4,0

5,6

Deutschland

8,3

6,7

 

Datentabelle:

%-Anteil der Oberflächenwasserkörper der Seen, die sich in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand mit gutem ökologischen Potenzial befinden, an der Gesamtanzahl aller bewerteten See-Wasserkörper.

 

2009

2015

Baden-Württemberg

27,0

46,0

Bayern

50,0

55,0

Berlin

0,0

0,0

Brandenburg

16,0

13,0

Bremen

9999,0

0,0

Hamburg

0,0

0,0

Hessen

25,0

67,0

Mecklenburg-Vorpommern

72,0

17,0

Niedersachsen

36,0

33,3

Nordrhein-Westfalen

46,0

65,0

Rheinland-Pfalz

13,0

13,0

Saarland

0,0

0,0

Sachsen

38,0

43,0

Sachsen-Anhalt

50,0

38,0

Schleswig-Holstein

15,0

16,0

Thüringen

25,0

46,0

Deutschland

39,0

26,0

 



Abb.: Anteil der Wasserkörper der Fließgewässer mit erreichtem Zielwert guter ökologischer Zustand oder besser bzw. gutes ökologisches Potenzial im Verhältnis zur Gesamtanzahl der bewerteten Wasserkörper


Abb.: Anteil der Oberflächenwasserkörper der Seen, die sich in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand befinden, an der Gesamtanzahl aller bewerteten See-Wasserkörper