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Umweltindikatoren NRW

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 12 - Treibhausgasemissionen

Einheit: [Mill. T CO2 eq. pro Jahr]
Stand: 05.03.2019

Hintergrund / Bedeutung

Treibhausgase (THG) behindern durch ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften die Abstrahlung von Wärme ins Weltall und tragen somit zur Erwärmung der Atmosphäre bei. Da die verstärkte Emission von Treibhausgasen im 20. und 21. Jahrhundert auf den Menschen zurückgeführt werden kann, wird hierbei auch von einem anthropogen bedingten Treibhauseffekt gesprochen. Durch diesen anthropogenen Treibhauseffekt wird der natürliche Treibhauseffekt der Erdatmosphäre verstärkt und beschleunigt. So konnten in den letzten Jahren bereits Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie eine zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen festgestellt werden und auch die Dauer der Vegetationsperiode hat sich geändert. Die Ausbreitung wärmeliebender Arten aus dem mediterranen und submediterranen Raum nach Mitteleuropa in den letzten drei Jahrzehnten zeigt beispielhaft, dass Änderungen der klimatischen Verhältnisse deutliche Auswirkungen auf das komplexe Ökosystem haben können. Durch eine Zunahme der extremen Wetterereignisse wie etwa starke Gewitter, Stürme sowie Dürre- und Hitzeperioden ist jedoch auch der Mensch direkt vom Klimawandel betroffen.

Die wichtigsten Treibhausgase sind Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) sowie eine Reihe von fluorierten und halogenierten Gasen (HFC/PFC/SF3). In der Fortführung der Treibhausgas-Berichterstattung nach dem Kyoto-Zeitraum gehört ab 2013 noch Stickstofftrifluorid (NF3) zu den zu bilanzierenden Stoffen (IPCC 2006). Dieser Stoff wird in der Elektronikindustrie (Herstellung von Flachbildschirmen, Solarindustrie) eingesetzt, spielt in Deutschland aber eine untergeordnete Rolle. Die Emissionen für NRW liegen in der Größenordnung von wenigen Tausend Tonnen CO2-Äquivalenten.

Kohlendioxid sowie ein Teil der N2O-Emissionen entstehen bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) in den Sektoren Energie, Industrie, Verkehr und private Haushalte. Die energiewirtschaftlichen Kohlendioxid-Emissionen tragen in Nordrhein-Westfalen mit über 50 % den größten Anteil zum anthropogen bedingten Treibhauseffekt bei. Methan stammt vorwiegend aus dem Steinkohlebergbau und der Landwirtschaft. Letztere verursacht auch den größten Teil der N2O-Emissionen. Die fluorierten und halogenierten Gase werden vorwiegend bei den vielfältigen Anwendungen dieser Stoffe, z.B. in Kühl- und Klimaanlagen, emittiert.

Das Treibhauspotenzial dieser Gase ist unterschiedlich hoch und unterscheidet sich teilweise deutlich von der Klimawirksamkeit des bekanntesten Treibhausgases CO2. Zur besseren Vergleichbarkeit werden die Emissionsmengen der unterschiedlichen Gase deshalb in die Einheit „Tonnen CO2-Äquivalente“ umgerechnet und diejenigen Gase mit einer größeren Wirkung auf den Treibhauseffekt somit stärker gewichtet.

Ziele

Die Bundesrepublik Deutschland hatte sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichtet, ihre THG-Emissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 um 21 %gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken. Im Dezember 2015 haben sich in Paris bei der UN-Klimakonferenz 197 Staaten auf ein neues, globales Klimaschutzabkommen geeinigt, mit dem Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C, wenn möglich auf 1,5°C, über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Abkommen trat am 4. November 2016 in Kraft, nachdem es von 55 Staaten, die mindestens 55 Prozent der globalen Treibhausgase emittieren, ratifiziert wurde. Unter den Staaten, die das Abkommen ratifiziert haben, befinden sich die Europäische Union (EU) und die Bundesrepublik Deutschland (Ratifikation am 5. Oktober 2016).

Auf nationaler Ebene hat sich die Bundesrepublik mit dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und dem Klimaschutzplan 2050 Ziele zur Reduktion von Emissionen gesetzt: Bis zum Jahr 2020 sollen die Emissionen um mindestens 40 Prozent, bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 gemindert werden. Ferner soll im Jahr 2050 in Deutschland die weitgehende Treibhausgasneutralität erreicht werden.

Im Jahr 2013 hat das Land Nordrhein-Westfalen ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Ziel des Klimaschutzgesetzes für NRW ist es eine Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 25 % und bis 2050 um mindestens 80 % (im Vergleich zu 1990). Für 2030 orientiert sich die Landesregierung an Szenarioberechnungen im Rahmen des Klimaschutzplans, nach denen die Emissionen bis 2030 um rund 44 % sinken, inklusive des Wirkungsbeitrages des europäischen Emissionshandels.

Definition

Der Indikator stellt die jährlichen Treibhausgasemissionen in Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten dar.

Grafische Darstellung


Abb.:
Treibhausgasemissionen

Der aktuelle Indikatorwert für 2016 liegt bei Treibhausgasemissionen von 285,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Dies bedeutet eine gegenüber dem Vorjahr praktisch unveränderte Emission (+0,1 %) und eine Minderung von 22,4 % gegenüber dem Bezugsjahr 1990. Für das Jahr 2017 ergeben sich vorläufige Emissionen von 275,7 Mio. t CO2eq, eine Minderung um knapp 10 Mio. t CO2eq bzw. 3,5 % gegenüber 2016. Die Reduzierung gegenüber 1990 liegt damit bei ca. 25 %. Folglich wird das durch das Klimaschutzgesetz NRW für 2020 vorgesehene Minderungsziel im Jahre 2017 voraussichtlich bereits in etwa erreicht.

Die Trendanalyse der letzten Jahre zeigt einen leicht fallenden Trend in NRW.

Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen um ca. 82 Millionen Tonnen zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist das Bruttoinlandsprodukt deutlich gestiegen und die Bevölkerungszahl in etwa gleich geblieben. Der beobachtete Rückgang um knapp 22 % ist somit in erster Linie eine Folge von Effizienzsteigerungen bei der Energienutzung sowie von strukturellen Veränderungen der Wirtschaft. Auffällig ist das Jahr 2009, in dem aufgrund der Wirtschaftskrise die Treibhausgasemissionen besonders niedrig waren.

Datenquellen, Berechnung und Einheit

Angegeben werden die Treibhausgasemissionen in Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Sie werden im Sinne einer Quellenbilanz vom LANUV NRW aus anlagenbezogenen Informationen (Industrie, Energiewirtschaft) und einer Vielzahl statistischer Daten (z.B. vom Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW)) ermittelt. Weitere Grundlage ist der Nationale Inventarbericht (NIR) des Umweltbundesamtes zum Deutschen Treibhausgasinventar im Rahmen der Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

Bei der Umrechnung in die Einheit „Tonnen CO2-Äquivalente“ werden die Emissionsmengen von Gasen mit einer größeren Wirkung auf den Treibhauseffekt stärker gewichtet als andere. Methan wird beispielsweise mit dem Faktor 28 multipliziert, das extrem klimawirksame Gas N2O sogar mit dem Faktor 265. Die Kohlendioxidemissionen gehen mit dem Faktor 1 ein. Für die einzelnen fluorierten Stoffe gelten jeweils unterschiedliche Äquivalenzfaktoren.

Weiterführende Informationen

Länderinitiative Kernindikatoren: CO2-Werte anderer Bundesländer

LANUV NRW: Das Treibhausgas-Emissionsinventar NRW

OpenData Stellung

Der Datensatz steht als OpenData unter der "Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0", zur Verfügung.

Die Daten 2017 sind vorläufig.

 Datentabelle:

  1990 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009
Treibhausgasemissionen 367,9 360,3 338,5 328,7 334,7 329,7 326,0 289,8
Trend --- --- --- --- --- --- 313,3 309,7

  2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Treibhausgasemissionen 306,1 299,8 300,9 306,7 293,9 285,4 285,6 275,7
Trend 306,1 302,4 298,8 295,2 291,6 287,9 284,3 280,7

 © LANUV NRW 2017

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