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Umweltindikatoren NRW

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 49 - Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Einheit: Grad der Zielerreichung in [%]
Stand: 12.03.2019

Hintergrund / Bedeutung

Der Indikator "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" ist auf der Basis der Bestandsentwicklung charakteristischer Brutvogelarten entwickelt worden um den Zustand von Natur und Landschaft insbesondere unter dem Einfluss von Nutzungen zu erfassen, zu bewerten und in Zeitreihen zu dokumentieren. Vögel eignen sich gut als Indikatoren, weil sie auf Veränderungen der Landschaftsqualität empfindlich reagieren. Verbessert sich die Lebensraumqualität, nehmen lebensraumtypische Arten zu bzw. zeigen im umgekehrten Fall Bestandsabnahmen. Da sich die Verbesserung der Lebensräume auch auf andere Tier- und Pflanzenarten positiv auswirken kann, sind die Bestandstrends der Indikatorarten repräsentativ für die gesamte Artengemeinschaft. Es wurden solche Vogelarten für den Indikator ausgewählt, die auf Veränderungen von Flächennutzungen sensibel reagieren und daher Aussagen zur Nachhaltigkeit dieser Nutzungen zulassen.

Ziele

Die Indikator-Vogelarten zeigen die Qualität der verschiedenen darin zusammengefassten Biotoptypen wie auch die Qualität der Landschaft ganzheitlich als Lebensraum an. Steigen oder sinken die Bestandszahlen dieser Arten, deren Entwicklung vorwiegend nicht durch Artenschutzmaßnahmen beeinflusst wird, so ist dies in der Regel auf die Veränderung der Qualität der Lebensräume, im positiven Fall die Folge umgesetzter Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen bzw. eine Verringerung von Belastungen zurückzuführen. Der Indikator spiegelt diese Entwicklungen wider. Somit übernimmt er eine zentrale Funktion als wichtiger Naturschutzindikator und dient der Erfolgskontrolle der Entwicklung der Biodiversität in NRW.

Der Naturschutz verfolgt das Ziel, durch geeignete Programme und Maßnahmen negative Bestandsentwicklungen von Arten, z. B. aktuell im Bereich des Agrarlandes, zu stoppen bzw. umzukehren. Werden geeignete Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt, reagiert der Indikator positiv.

Definition

Für jeden der Hauptlebensraumtypen "Wälder", "Agrarland", "Siedlungen" und "Binnengewässer" wurde ein Teilindikator gebildet (gewichtetes arithmetisches Mittel der Indices der einbezogenen Arten). Die aktuellen Bestandsgrößen der Indikator-Vogelarten werden dabei ins Verhältnis gesetzt zu einem Zielwert für das Jahr 2030. Der Gesamtindikator setzt sich entsprechend der Anteile an der Landesfläche aus den Teilindikatoren zusammen.

Folgende bundesweite Festlegungen wurden landesweit umgesetzt:

  • Der Indikator wird auf der Basis von vier Teilindikatoren für die in NRW vorkommenden Hauptlebensraumtypen Wald, Agrarland, Siedlung und Gewässer berechnet..
  • Die Teilindikatoren gehen gewichtet nach ihrem Flächenanteil in den Gesamtindikator ein..
  • Für die Berechnung des Indikators werden "sensibel reagierende" Vogelarten ausgewählt..
  • Die bundesweit für jeden Hauptlebensraumtyp vorgeschlagenen fünf Kernarten, die auch im bundesweiten Indikator enthalten sind, wurden immer dann in den Indikator aufgenommen, wenn diese in NRW regelmäßig verbreitet sind..
  • Die Artenauswahl wird durch weitere landesspezifisch geeignete Arten ergänzt ..

Des Weiteren wurden zur Bestimmung der Indikatorarten für NRW folgende landesweiten Grundsätze festgelegt:

  • Die Vogelarten müssen eindeutig einem Hauptlebensraumtyp zuzuordnen sein (ggfs. einem Hauptlebensraumtyp als Bruthabitat und einem zweiten als Nahrungshabitat während der Brutzeit wie z. B. bei der Schleiereule: Siedlung und Extensivgrünland des Agrarlandes).
    Arten mit mehreren Hauptlebensraumtypen sind als Indikatorarten ungeeignet (z.B. Amsel)..
  • Die Vogelarten sollen Repräsentanten der Normallandschaft, also allgemein verbreitet sein bzw. häufig vorkommen und nicht ausschließlich auf Schutzgebiete beschränkt sein (z. B. Bekassine)..
  • Charakterarten von Sonderstandorten wie Heideflächen oder Weihnachtsbaumkulturen entfallen (z. B. Heidelerche)..
  • Die Vogelarten müssen einerseits auf Naturschutzmaßnahmen sensibel positiv, andererseits bei gegenläufigen Entwicklungen negativ reagieren, wobei Vogelarten mit gegensätzlichen Reaktionen ausscheiden (z. B. Tannenmeise mit Bestandsabnahme bei Erhöhung des Laubholzanteils)..
  • Neozoa werden grundsätzlich nicht berücksichtigt (z. B. Nilgans)..
  • • Die für jeden Teilindikator vorgegebenen 5 Kernarten werden um mindestens 5 weitere landesspezifische Arten aufgestockt, wobei eine Obergrenze entfällt..

Teilindikator "Agrarland": 14 Brutvogelarten Bluthänfling, Feldlerche, Feldsperling, Goldammer, Kiebitz, Neuntöter, Rebhuhn, Schleiereule, Star, Steinkauz, Stieglitz, Turmfalke, Turteltaube, Wiesenpieper

Teilindikator "Wald": 19 Brutvogelarten Baumpieper, Buntspecht, Gartenbaumläufer, Grauspecht, Hohltaube, Kernbeißer, Kleiber, Kleinspecht, Mittelspecht, Nachtigall, Pirol, Schwarzspecht, Sumpfmeise, Trauerschnäpper, Waldbaumläufer, Waldkauz, Waldlaubsänger, Waldschnepfe, Weidenmeise

Teilindikator "Siedlung": 16 Brutvogelarten Bachstelze, Dohle, Elster, Feldsperling, Girlitz, Grünfink, Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Schleiereule, Star, Stieglitz, Türkentaube, Turmfalke

Teilindikator "Binnengewässer": 12 Brutvogelarten Blässhuhn, Eisvogel, Gebirgsstelze, Graugans, Haubentaucher, Reiherente, Rohrammer, Stockente, Teichhuhn, Teichrohrsänger, Wasseramsel, Zwergtaucher

Abweichend von den Bundes-Kernarten wird in NRW das Braunkehlchen für den Teilindikator "Agrarland" nicht übernommen. Diese Art ist in NRW weitgehend auf Schutzgebiete beschränkt und kommt in der Normallandschaft praktisch nicht mehr vor. Zudem wird der Gartenrotschwanz nicht als Charakterart der dörflichen Siedlungen übernommen, da er in Nordrhein-Westfalen schwerpunktmäßig in Heidelandschaften und (Sand)-Kiefernwäldern vorkommt.

Die Darstellung des Indikators erfolgt mittels Säulendiagramm, wobei jede Säule für das jeweilige Jahr den Zielerreichungsgrad in Prozent darstellt.

Grafische Darstellung


Abb.:
Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Der Indikator weist im Jahre 2018 insgesamt einen Zielerreichungswert von 70  % auf und stagniert auf einem nicht befriedigenden Niveau. Der gewichtige Teilindikator Agrarland zeigt bei einem statistisch signifikanten Negativtrend nur einen Zielerreichungsgrad von 64 %. Nach Steigerung in den letzten Jahren beim Teilindikator Binnengewässer, ging der Zielerreichungsgrad auf 66 % zurück. Der Teilindikator Siedlungen erlangte eine Zielerreichung von 76 % bei einem stagnierenden Trend und der Teilindikator Wald eine Zielerreichung von 79 % bei einem positiven Trend.

Datenquellen, Berechnung und Einheit

Die Brutvogeldaten werden regelmäßig auf dem landesweit repräsentativen Stichprobennetz der Ökologischen Flächenstichprobe (ÖFS) erhoben. Die Erhebungen finden jährlich auf 1/6 der 191 Probeflächen statt. Ein vollständiger Durchgang ist nach 6 Jahren abgeschlossen. Die Berechnung der aggregierten Jahreswerte erfolgt unter Anwendung des "gleitenden Mittelwertes". Das bedeutet, dass in diese Jahreswerte einfließende Daten zu je einem Sechstel im betreffenden Jahr und den 5 davor liegenden Jahren erhoben werden (6-jähriges gleitendes Mittel).

Die Berechnung des Indikators "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" erfolgt je Teilindikator im Unterschied zum Bund wie folgt in zwei Berechnungsverfahren:

A: Ermittlung des Indikatorwertes (Basiswert im Jahr 2006 = 100) Für jeden Teilindikator werden die mittleren landesweit ermittelten Abundanzen (Brutreviere pro 100 ha) für jede einzelne der o. g. Arten im Zeitraum 2006 bis 2014 zur Abundanz im Jahre 2006 ins Verhältnis gesetzt. Man erhält auf diese Weise für jede einzelne Art eine Zeitreihe, die im Jahr 2006 mit 100 Indexpunkten beginnt und in den Folgejahren die relative Änderung der Abundanz zum Basisjahr 2006 wiedergibt. Für die einzelnen Teilindikatoren wird jährlich ein gewichtetes arithmetisches Mittel aller relativen Änderungen aller Teilindikatorarten gebildet. Die Gewichte sind die Kehrwerte der artspezifischen Variationskoeffizienten, so dass Arten mit genaueren Schätzungen (d. h. mit geringen Variationskoeffizienten) ein höheres Gewicht erhalten. Ergebnis ist ein Indikatorwert pro Teilindikator und Jahr. Die vier Teil-Indikatorwerte werden jährlich zu einem Gesamtindikatorwert zusammengefasst, indem jeder Wert mit dem Flächenanteil gewichtetet wird, den er an der Landesfläche von NRW repräsentiert.

B: Ermittlung des Zielwertes mit Angabe des Zielwerterreichungsgrades (Zielwert im Jahr 2030 = 100) Beim Zielwert handelt es sich um eine artspezifische Bestandsgröße, die in einem festgelegten Zieljahr (2030) voraussichtlich erreicht wird, wenn die z. B. in der Biodiversitätsstrategie des Landes enthaltenen naturschutzfachlichen Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt werden.

Um den Indikator in Beziehung zu einem Zielwert zu setzen, werden für die Teilindikatoren Zielwerte für das Jahr 2030 abweichend vom Bund (Delphi-Methode) wie folgt berechnet:

  1. Je Vogelart und je ÖFS-Stichprobenfläche wird das Abundanz-Maximum über die 3 bzw. 4 Wiederholungs-Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2014 ermittelt..
  2. Anschließende Bestandshochrechnungen mit diesen Maxima ergeben die Zielwerte der Arten für das Jahr 2030..
  3. Das Verhältnis der tatsächlichen Abundanzen (gleitender Mittelwert) in den einzelnen Jahren 2006 bis 2014 zu diesen Zielwerten in Prozent ist der Zielerreichungsgrad einer Art..
  4. Das gewichtete Mittel (mit den Kehrwerten der Variationskoeffizienten) über die Arten des Indikators ergibt den Zielerreichungsgrad des Indikators..
  5. Analog zur Berechnung des Gesamtindikators ergibt sich der Zielwert für den Gesamtindikator durch Gewichtung der Einzelzielwerte (der Teilindikatoren) mit dem Flächenanteil, den sie an der Landesfläche von NRW repräsentieren..

Weiterführende Informationen

Länderinitiative Kernindikatoren: Werte des Bundes und anderer Bundesländer

 © LANUV NRW 2017

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