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Umweltindikatoren NRW

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 47 - Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert

Einheit: Anteil in [%]
Stand: 30.04.2019

Hintergrund / Bedeutung

Bei den "Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert", auch "High Nature Value Farmland", kurz HNV-Farmland genannt, handelt es sich um den Anteil von naturschutzfachlich höherwertigen Flächen an der gesamten Agrarlandschaftsfläche. Dazu gehören z.B. flächige Nutzungstypen wie artenreiches Grünland und artenreiche Äcker sowie Ackerbrachen mit Selbstbegrünung. Einbezogen werden aber auch linienförmige und flächige Strukturen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden (z.B. Hecken, Gebüsche, Feldgehölze oder naturnahe Bachläufe). Diese Flächen tragen in erheblichem Maße zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft bei.

Der HNV-Indikator wurde für die Förderperiode 2007-2013 als Basisindikator im Rahmen der Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) eingeführt. Aktuell ist er als gemeinsamer Kontextindikator in den jeweiligen Entwicklungsprogrammen der Länder dargestellt. Im Rahmen der Evaluierung wird u.a. auf den HNV-Indikator als Wirkungsindikator für die Bewertung der Biodiversität zurückgegriffen, um Aussagen über die Auswirkungen der Landwirtschaft insbesondere auf die Qualität der Lebensräume zu treffen. Seit dem Jahr 2010 ist er Teil des Indikatoren-Sets der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und seit 2015 Teil der Biodiversitätsstrategie NRW.

Das Monitoring zur Erfassung des HNV-Farmland- Indikatorwertes erfolgt nach einer bundeseinheitlichen Methode. Die anschließende qualitative Bewertung umfasst für den HNV-Wert drei Stufen:

  • Wertstufe HNV I = äußerst hoher Naturwert.
  • Wertstufe HNV II = sehr hoher Naturwert.
  • Wertstufe HNV III = mäßig hoher Naturwert.

Der Arten- und Strukturreichtum der HNV-Flächen der Wertstufe III ist im Vergleich zu den Flächen mit äußerst hohem (HNV I) und sehr hohem Naturwert (HNV II) eher begrenzt. HNV- Flächen dieser niedrigeren Wertstufe laufen leicht Gefahr, bei einer Intensivierung der Bewirtschaftung ganz aus der Einstufung als HNV Farmland herauszufallen.

Ziele

Ziel der Biodiversitätsstrategie des Landes NRW ist die qualitative Verbesserung der Feldflur durch die Erhaltung und Erhöhung des Anteils der Agrarlandschaftsfläche mit hohem Naturwert (HNV) im Rahmen der landesweiten Biotopverbundplanung von 15 Prozent bis zum Jahre 2025. Im Jahre 2016 lag der landesweite Anteil von HNV- Farmland-Flächen an der Agrarlandschaftsfläche bei 13,3 Prozent (zum Vergleich: bundesweit lag der Anteil bei 11,4 Prozent).

Definition

Der Indikator bilanziert den Anteil der Landwirtschaftsflächen und Landschaftsstrukturen mit hohem Naturwert an der gesamten Agrarlandschaftsfläche. Er zeigt, wie sich Umfang und Qualität naturschutzfachlich wertvoller Flächen im Kontext von Nutzungswandel verändern.

Grafische Darstellung


Abb.:
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert

Die Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert (Stufen I-III) ist in Nordrhein-Westfalen seit der Ersterfassung 2009 gesunken und lag 2012 bei 12,8% an der gesamten Agrarlandschaftsfläche. In den folgenden Jahren 2013 bis 2016 stabilisierte sich dieser Wert auf niedrigem Niveau mit leicht aufsteigender Tendenz 2016. Betrachtet man alle drei HNV-Wertstufen gemeinsam, so liegt der Wert für 2016 noch 0,5 Prozentpunkte vom Anfangswert im Jahre 2009 entfernt. Landesweit ist jeweils der Flächenanteil mit äußerst hohem Naturwert (Stufe I) und mit hohem Naturwert (Stufe II) in den acht Untersuchungsjahren leicht angestiegen ist. Der Anteil der Fläche mit mäßig hohem Naturwert (Stufe III) nimmt dagegen kontinuierlich ab.

Im Vergleich der Zahlen des HNV-Indikators für das Flachland (atlantische Region) und das Bergland (kontinentale Region) sind deutliche Unterschiede zu erkennen: In der atlantischen Region (rund 56 Prozent an der Gesamtfläche von NRW) ist ein niedriger HNV- Anteil von 9,4 Prozent an der Agrarlandschaft im Jahre 2016 zu verzeichnen. Deutlich bessere HNV-Werte erzielt die kontinentale Region (44 % der Gesamtfläche von NRW) mit 19,7 Prozent in 2016.

Datenquellen, Berechnung und Einheit

Nordrhein-Westfalen beteiligt sich an der bundesweiten Erfassung des HNV-Indikators. Als Grundlage für die Geländeerfassung dient in NRW das stichprobenbasierte repräsentative Landes-Biodiversitätsmonitoring (Ökologische Flächenstichprobe- ÖFS). Im Rahmen dieses Landesmonitorings werden die Grunddaten zur Ermittlung des HNV-Indikators auf jährlich 1/6 aller 191 Stichprobenflächen mit einer Flächengröße von jeweils 100 Hektar erfasst. Gleichzeitig werden bei der Kartierung die Grenzen der Agrarlandschaft auf der gesamten Stichprobenfläche aktualisiert. Diese kartierte Agrarlandschaftsfläche dient als Bezugsfläche zur Berechnung des HNV-Wertes.

Der HNV-Wert wird mittels einer Hochrechnung aus der HNV-Fläche und der Agrarlandschaftsfläche unter Berücksichtigung von NRW-spezifischen Schichten berechnet. Wegen der NRW-spezifischen Schichtung der ÖFS-Untersuchungsflächen, die seit 1997 kartiert werden, wird der Landes-HNV-Wert nicht wie in anderen Bundesländern durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN), sondern von NRW selbst berechnet.

Der HNV- Indikatorwert wurde in NRW erstmals 2009 als so genannter „Gleitender Mittelwert“ ermittelt. Das bedeutet, dass die in diese Jahreswerte einfließenden Daten zu je einem Sechstel in dem betreffenden Jahr und den 5 davor liegenden Jahren erhoben werden (6-jähriges gleitendes Mittel).

Weiterführende Informationen

Länderinitiative Kernindikatoren: Werte anderer Bundesländer

Bundesamt für Naturschutz: Bundesindikator zu Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert

OpenData Stellung

Der Datensatz steht als OpenData unter der "Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0", zur Verfügung.

 Datentabelle:

  2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, HNV III 7,6 7,2 6,7 6,5 6,5 6,1 5,9 5,9
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, HNV II 4,1 4,1 4,1 4,2 4,2 4,6 5,0 5,0
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, HNV I 2,1 2,1 2,1 2,1 2,1 2,2 2,2 2,4

 © LANUV NRW 2017

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