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Umweltindikatoren NRW

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 32 - Flächenverbrauch

Einheit: [ha pro Tag] und [m2 pro E]
Stand: 21.03.2018

Hintergrund / Bedeutung

Die Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen in Nordrhein-Westfalen spiegelt den Verlust an Freiraum und Boden durch Flächenverbrauch wider. Zu den Siedlungs- und Verkehrsflächen zählen z.B. Gebäude, Freiflächen, Straßen sowie Erholungs- und Grünflächen. Die ökologischen und ökonomischen Folgen des Freiflächenverlustes sowie der Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrsinfrastruktur sind vielfältig: So werden beispielsweise wertvolle Anbauflächen für die Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffe überbaut. Zudem führt der Flächenverbrauch zu einem zunehmenden Verlust oder einer erheblichen Verschlechterung der Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten. Auch das für viele Menschen wichtige Landschaftsbild einer Region wird oft negativ beeinflusst.

„Siedlungs- und Verkehrsfläche“ und „versiegelte Fläche“ können nicht gleichgesetzt werden, da in die Siedlungs- und Verkehrsfläche auch unbebaute und nicht versiegelte Flächen eingehen. Vielmehr liegt die tatsächlich versiegelte Fläche in Nordrhein-Westfalen bei etwa der Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsflächen. Nichtsdestotrotz steigen mit dem Flächenverbrauch auch der Versiegelungsgrad und somit die dauerhafte Zerstörung der natürlichen Bodenfunktionen an. Im Zusammenhang hiermit stehen nachteilige Auswirkungen auf Oberflächen- und Grundwasser sowie eine zunehmende Hochwassergefahr.

Die notwendige Begrenzung des Flächenverbrauches ist mit den berechtigten Interessen von Kommunen nach sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungschancen sowie nach Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten in Einklang zu bringen. Gleichzeitig werfen die demographische Entwicklung sowie hohe Infrastrukturkosten jedoch zunehmend Zweifel auf, ob neue Siedlungsflächen den Kommunen grundsätzlich Vorteile verschaffen. Dies gilt insbesondere für Kommunen mit sinkenden Einwohnerzahlen und einer abnehmenden Siedlungsdichte. Eine erfolgreiche Flächen- und Siedlungspolitik muss daher verschiedene Interessen ausgleichen und auf einer breiten Informationsgrundlage stehen.

Aus diesem Grund wurde im Jahr 2006 in Nordrhein-Westfalen die "Allianz für die Fläche" gegründet, in der Fachleute unterschiedlicher Disziplinen aus Verwaltung, Kommunen, Kammern, Verbänden und der Wirtschaft Konzepte für eine sparsame und zukunftsgerechte Nutzung von Fläche und Boden erarbeiten.

Ziele

Ziel der Bundesregierung ist es, den Flächenverbrauch bundesweit auf 30 ha/Tag im Jahr 2020 zu reduzieren (Nationale Nachhaltigkeitsstrategie vom 17. April 2002).

Für Nordrhein-Westfalen wird von der Landesregierung ein Zielwert von 5 ha/Tag angestrebt. Längerfristig verfolgt NRW das Ziel eines Netto-Null-Flächenverbrauchs (Koalitionsvertrag 2012).

Definition

Der Indikator zum Flächenverbrauch setzt sich aus zwei Teilindikatoren zusammen:

  1. „Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen“: Dieser Teilindikator gibt die durchschnittliche tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen in NRW an..
  2. „Siedlungsfläche pro Einwohner“: Dieser Teilindikator gibt an, wie viel Siedlungsfläche je Einwohner in NRW jährlich in Anspruch genommen wird..

Grafische Darstellung


Abb.:
Entwicklung der Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen

In den letzten fünf Jahren betrug die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in NRW durchschnittlich 10 ha/Tag. Anhand des Indikatorverlaufs seit 1996 ist ein tendenzieller Rückgang des Flächenverbrauchs in NRW erkennbar. Dies ist vor allem auf eine geringere Zunahme an Siedlungsfläche zurückzuführen.


Abb.:
Entwicklung der Siedlungsfläche pro Einwohner

Die Trendanalyse für diesen Teilindikator zeigt nach Jahren mit steigendem Verlauf aktuell einen konstanten Trend für die letzten 10 Jahre an. Das kann auf einen leichten Anstieg der Bevölkerung in den letzten drei Jahren zurückzuführen sein. Dabei wird im Vergleich zu 1996 dennoch mehr Siedlungsfläche pro Einwohner in Anspruch genommen wird. Die Entwicklungen legen Rückschlüsse auf zwei unterschiedliche Prozesse nahe:

  • Bei schrumpfenden Einwohnerzahlen nimmt die Siedlungsfläche pro Einwohner zu bzw. die Siedlungsdichte ab. In Regionen mit schrumpfenden Einwohnerzahlen gibt es ein großes Potenzial für eine nachhaltige Innenverdichtung der bestehenden Siedlungs- und Verkehrsflächen und nur noch eine geringe Inanspruchnahme neuer Flächen. Eine solche Innenentwicklung kann einerseits innerstädtische Gebiete und Brachflächen aufwerten und andererseits durch eine geringere Inanspruchnahme neuer Flächen positive Effekte für die Landwirtschaft sowie den Umwelt- und Naturschutz mit sich bringen..
  • In Regionen mit steigenden oder stagnierenden Einwohnerzahlen ist die Zunahme der Siedlungsfläche pro Einwohner eher Ausdruck des aktuellen Lebensstils vieler Menschen. So ist etwa in den letzten 15 Jahren deutschlandweit die Wohnfläche pro Einwohner von 39,5 m2 auf 46,5 m2 gestiegen. .

Datenquellen, Berechnung und Einheit

Auf der Grundlage des Agrarstatistikgesetzes melden die Katasterämter der Kreise und kreisfreien Städte jährlich zum Stichtag 31.12. die tatsächliche Flächennutzung gemäß dem Allgemeinen Liegenschaftskataster aufgeteilt nach Nutzungskategorien. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche ergibt sich als Summe der Kategorien "Gebäude- und Freiflächen", "Betriebsflächen (ohne Abbauflächen)", "Erholungsflächen inkl. Grünanlagen", "Friedhofsflächen" und "Verkehrsflächen". Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in ha/Tag wird als arithmetischer Mittelwert berechnet.

Für die Einwohnerzahl werden die Angaben von IT.NRW zugrunde gelegt. Analog zur Landesdatenbank wird für die Berechnung der Siedlungsfläche pro Einwohner die Angaben zum Bevölkerungsstand aus der "Bevölkerungsfortschreibung VZ 87 und früher" verwendet. Die Siedlungsfläche pro Einwohner wird aus dem Verhältnis der Siedlungsfläche zur Einwohnerzahl berechnet und in m2 pro Einwohner und Jahr angegeben.

Weiterführende Informationen

Länderinitiative Kernindikatoren: Werte anderer Bundesländer

Umweltministerium NRW: Allianz für die Fläche

LANUV NRW: Flächenverbrauch

 © LANUV NRW 2017

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