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Umweltindikatoren NRW

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 41 - Gefährdete Arten

Einheit: Anteil der Gefährdungskategorien [%]
Stand: 19.04.2019

Hintergrund / Bedeutung

Der Schutz der Artenvielfalt ist durch die Biodiversitätskonvention von Rio de Janeiro (1992) international und völkerrechtlich verbindlich geregelt. Diesem zentralen Handlungsfeld des Naturschutzes kommt in Deutschland weiterhin eine große Bedeutung zu. NRW beherbergt zum Beispiel mehr als 43.000 verschiedene Pflanzen-, Tier- und Pilzarten in rund 70 verschiedenen Lebensräumen. Diese Vielfalt zu erhalten, ist zentrale Aufgabe des Naturschutzes.

Eine Ursache für die Gefährdung von Vorkommen der Arten ist der direkte Verlust von Lebensräumen z. B. durch Überbauung und Rohstoffabbau. Auch veränderte Bewirtschaftungspraktiken in Land- und Forstwirtschaft können Lebensräume und Arten gefährden, z. B. dort, wo eine extensive Grünlandwirtschaft aufgegeben wird oder Wälder nicht standortgerecht genutzt werden. Zwar ist der Ausstoß vieler Schadstoffe mittlerweile zurückgegangen, die Belastungen insbesondere durch Stickstoffeinträge halten aber weiter an und verändern nachhaltig die Standort- und Lebensraumbedingungen.

Die "Roten Listen der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze" können als gute Gradmesser für den Zustand von Fauna und Flora und somit der Artenvielfalt angesehen werden. Aufgrund der integralen Bewertung mehrerer Gefährdungsparameter spiegelt die Rote-Liste-Bewertung für jede einzelne Art die landesweite Gesamtsituation wider. In dem hier vorgestellten Indikator werden die Gefährdungsgrade von Arten bzw. Artengruppen zu einem umfassenden Gesamtbild der Gefährdung der Arten in Nordrhein-Westfalen zusammengeführt.

Ziele

Die Biodiversitätskonvention ist im europäischen und im deutschen Recht umgesetzt. Damit sind die Ziele des Artenschutzes rechtlich verankert. Ziel ist es, durch geeignete Maßnahmen das weitere Aussterben von Pflanzen-, Tier- und Pilzarten zu unterbinden und den hohen Anteil Rote-Liste-Arten langfristig zu senken.

In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist das Ziel formuliert, dass sich bis 2020 für den größten Teil der Rote-Liste-Arten die Gefährdungssituation um eine Stufe verbessert haben soll.

Ziel der Landesregierung ist es, bis zum Jahr 2030 den Anteil der Rote-Liste-Arten des Indikators auf 40 % zu reduzieren.

Definition

Der Indikator gibt den prozentualen Anteil der Rote-Liste-Arten in den einzelnen Kategorien der Roten Liste an.

Grafische Darstellung


Abb.:
Gefährdete Arten

Der Anteil der Rote-Liste-Arten an allen bei der Berechnung des Indikators berücksichtigten Arten lag in NRW im Jahr 2011 bei 46,6 %. Die größten Gruppen bildeten dabei die gefährdeten Arten (14,2 %), die stark gefährdeten Arten (11,9 %) sowie die ausgestorbenen oder verschollenen Arten (9,4 %). Der Anteil der Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen, stieg von 37,8 % (1979) über 43,1 % (1986) bis auf 48,6 % (1999). Zwischen 1999 und 2011 sank ihr Anteil um 2 Prozentpunkte.

Eine Trendanalyse ist für die Rote-Liste-Arten jedoch nicht möglich, da seit 1979 die Daten im Beobachtungszeitraum nur viermal erhoben wurden.

Die Steigerung in der Kategorie "ausgestorben oder verschollen" ergibt sich jeweils zum Teil aus Überprüfungen von Sammlungsbelegen z. B. von Museen innerhalb und außerhalb von Deutschland, die ehemalige, inzwischen erloschene Vorkommen von Arten in NRW belegen. Wie die Abbildung zeigt, konnte - insbesondere dank zahlreicher Maßnahmen in Naturschutzgebieten oder durch Vertragsnaturschutz - zwischen 1999 und 2011 eine weitere Verschlechterung der Gefährdungssituation in Nordrhein-Westfalen abgewendet werden. Besorgniserregend ist aber, dass der Gefährdungsgrad typischer Arten der Feldflur und bisher ungefährdeter "Allerweltsarten" deutlich zunimmt.

Datenquellen, Berechnung und Einheit

Der Indikator basiert auf den Roten-Listen der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze in NRW. Er misst den prozentualen Anteil der Rote-Liste-Arten an der Gesamtzahl der hinsichtlich ihres Gefährdungsgrades bewerteten Arten. Die Roten Listen NRWs werden seit 1979 in einem Turnus von etwa 10 Jahren herausgegeben. Die Gefährdungsabschätzung für die einzelnen Arten erfolgt nach standardisierten Kriterien und liegt für die Rote Liste NRW für vier Jahre - nämlich 1979, 1986, 1999 und 2011- vor. In die Gesamtzahl sind diejenigen Arten einbezogen, die durchgehend in allen vier Roten Listen bearbeitet wurden (ca. 3.000 Arten). Daher lassen sich die Prozentwerte des Indikators nicht direkt mit den Prozentwerten der einzelnen Roten Listen gleichsetzen.

Für folgende Artengruppen liegen entsprechende Daten für alle Zeitschnitte zugrunde:

  • Farn- und Blütenpflanzen ohne die zahlreichen Unterarten oder Kleinarten der Gattungen Hieracium (Habichtskraut), Rubus (Brombeere) und Taraxacum (Löwenzahn),.
  • Säugetiere,.
  • Brutvögel,.
  • Kriechtiere,.
  • Lurche,.
  • Fische und Rundmäuler,.
  • Großschmetterlinge,.
  • Heuschrecken und.
  • Libellen..

Die Zahl aller gefährdeten Arten der ausgewählten Gruppen wird differenziert nach den einzelnen Gefährdungskategorien für die Zeitschnitte der Roten Liste NRW dargestellt.

Weiterführende Informationen

Indikator „Gefährdete Arten“ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Landesregierung NRW: Geschütze Arten in NRW

LANUV NRW: Rote Liste NRW

OpenData Stellung

Der Datensatz steht als OpenData unter der "Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0", zur Verfügung.

 Datentabelle:

  1979
n=2960
1986
n=2964
1999
n=3041
2011
n=3088
Ausgestorben oder verschollen 5,0 6,3 8,2 9,4
Durch extreme Seltenheit gefährdet 0,0 0,0 2,6 1,7
Gefährdungausmaß unbekannt 0,0 0,0 0,0 0,7
Vom Aussterben bedroht 8,8 10,9 9,1 8,7
Stark gefährdet 11,1 13,3 13,0 11,9
Gefährdet 13,0 12,7 15,7 14,2
Nicht in der Roten Liste 62,2 56,9 51,4 53,4

 © LANUV NRW 2017

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