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Trinkwassergewinnung an Rhein und Ruhr

Störfälle und Schadensereignissen werfen die Frage auf, ob durch Schadstoffwellen die Trinkwasserversorgung gefährdet werden kann. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Die Gefährdung der Trinkwasserversorgung hängt

  1. von Dauer und Höhe der Belastung,
  2. von den spezifischen Eigenschaften des betreffenden Schadstoffes (Wasserlöslichkeit, biologische Abbaubarkeit, Rückhaltung bei der Bodenpassage)
  3. von der Wassergewinnung (z.B. aerobe/ anaerobe Boden- bzw. Uferpassage; Fließdauer, Fließstrecke)
  4. und der Aufbereitungstechnik ab.

Die Bedingungen und Art der Wassergewinnung und des Aufbereitungsverfahrens sind bei jedem Wasserwerk unterschiedlich.

Die Trinkwassergewinnung am nordrhein-westfälischen Rhein

Die Trinkwassergewinnung am Rhein erfolgt durch sogenannte Uferfiltration. Der Transport des Rheinwassers durch die Uferzone bis zu den Förderbrunnen dauert wenige Wochen bis zu mehreren Monaten. Das Uferfiltrat wird dort mit landseitig zuströmendem Grundwasser (ca. 20 bis 50%) vermischt. Erhöhte Konzentrationen von Schadstoffen im Rhein werden auf diese Art vermindert oder abgebaut. Daher stellen auch kurzzeitige Schadstoffwellen in der Regel keine Gefährdung der Trinkwasserversorgung dar.

Wenn im Rahmen der vom LANUV betriebenen Gewässerüberwachung Schadstoffe im Rhein festgestellt werden, wird eine Meldung über den Warn- und Alarmplan Rhein abgesetzt. Die Betreiber der Trinkwasserwerke am Rhein werden durch die Bezirksregierung über die Befunde informiert. Die Trinkwasserversorger entscheiden eigenverantwortlich über erforderliche und geeignete Maßnahmen des Trinkwasserschutzes. Aufgrund der langen Fließzeiten verfügen die Trinkwasserversorgungsunternehmen über ausreichend Zeit, um die Gefährdung abzuschätzen, die Rohwasserüberwachung anzupassen und bei Bedarf Sicherungsmaßnahmen einzuleiten.

Das aufbereitete Trinkwasser wird nach der Trinkwasserverordnung überwacht und darf chemische Stoffe nicht in Konzentrationen enthalten, die zu einer Schädigung der menschlichen Gesundheit führen.

 

Trinkwassergewinnung an der Ruhr

Die Trinkwassergewinnung an der Ruhr erfolgt durch sogenannte Grundwasseranreicherung. Oberflächenwasser wird dabei direkt aus der Ruhr entnommen und in Versickerungsbecken infiltriert. Den Sammelbrunnen strömt neben diesem Wasser bei einigen Anlagen zusätzlich landseitiges Grundwasser oder natürliches Uferfiltrat aus der Ruhr zu. Bei Gewinnungsanlagen mit gekapselter Fassung wird ausschließlich Oberflächenwasser gewonnen, teilweise ergänzt durch Niederschlagswasser.

Unterschiedlich lang sind auch die Bedingungen und Verweilzeiten während der Sedimentation, Untergrundpassage bzw. Langsamsandfiltration sowie der Vor- und Nachreinigung des infiltrierten Rohwassers.

Bei den Aufbereitungsverfahren an der Ruhr kommen unterschiedliche Verfahren bzw. Verfahrenskombinationen zur Anwendung. Vereinfacht unterscheidet man zwischen der künstlichen Grundwasseranreicherung – sie setzt sich zusammen aus Uferfiltration, Belüftung und Langsamsandfiltration - und komplexeren Verfahrenskombinationen, bei denen Bodenpassage, Ozonung, Mehrschichtfiltration und Aktivkohlefiltration eingesetzt werden. Bei einer Gewässerbelastung im Ruhrverlauf steigt der Aufwand für die Aufbereitung von den rein natürlichen bzw. naturnahen Verfahren hin zu den komplexeren Varianten.

Die Wasserversorgungsunternehmen sind zur Überwachung des Rohwassers ebenso wie zur Überwachung des Trinkwassers verpflichtet. Sie melden ihre Daten an die zuständigen Behörden weiter.

Werden durch das Gewässer-Monitoring im Oberflächenwasser in der Ruhr „neue Stoffe“ festgestellt, bei denen die Wirkung der Bodenpassage und Aufbereitung noch nicht genau bekannt ist, kann entlang der einzelnen Fließstationen des Wassers (Ruhrwasser - vorgereinigtes Infiltrationswasser – angereichertes Grundwasser - Prozesswasser – Reinwasser – Trinkwasser) an separaten Messstellen beprobt und überwacht werden. Dies erfolgt eigenverantwortlich durch die Wasserversorger. Kurzfristige Maßnahmen bei Stoßbelastungen sind in der Regel nicht notwendig; die meisten Stoffe können durch die mehrstufigen Verfahren zurückgehalten werden. Bei Bedarf kann bei Ruhr-Wasserwerken, bei denen noch kein fester Aktivkohlefilter installiert ist, zusätzlich Aktivkohlepulver zudosiert werden.

Als Folge der Arnsberger Vereinbarung vom 25. August 2006 haben die Wasserversorgungsbetriebe an der Ruhr und die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) mit dem Umweltministerium NRW vereinbart, verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasseraufbereitung zügig umzusetzen. Diese zusätzlichen Maßnahmen sind Teil des aus sieben Elementen bestehenden vom MUNLV initiierten Aktionsprogramms „Reine Ruhr“. Das Programm verfolgt verschiedene Strategien zur Vermeidung von Stoffeinträgen an der Quelle und zur Früherkennung problematischer Stoffe.