© lanuv/C. Brinkmann
Sie sind hier: Startseite LANUV » Umwelt » Wasser » Grundwasser » Grundwasserstand » Grundwassermess-stellen » gwbesch.htm

Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit

Die Grundwasserüberwachung in NRW wird seit 1984 durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit den Bezirksregierungen zur systematischen Erfassung der Grundwasserbeschaffenheit und seiner Veränderungen durchgeführt. Die Grundwasserüberwachung (Monitoring) ist als wesentliches Element der europäischen Wasserrahmenrichtlinie Voraussetzung für die Bewertung des chemischen Zustands der Grundwasserkörper sowie der Planung und Erfolgskontrolle von Sanierungs- oder Schutzmaßnahmen.

Im Einzelnen verfolgt die Grundwasserüberwachung die Ziele:

  • Erfassen der natürlichen, geogen geprägten Grundwasserbeschaffenheit .
  • Erkennen von Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit .
  • Ermitteln der Auswirkung von punktuell oder flächenhaft erfolgten Stoffeinträgen .
  • Planen und Überwachen der Effektivität von Schutz- und Sanierungsmaßnahmen .

Die Qualität und Effizienz der Grundwasserüberwachung hängt ab von:

  • der Anzahl und Verteilung der Messstellen sowie dem Messstellenausbau
  • dem Untersuchungsumfang und der Untersuchungshäufigkeit

Messstellen zur Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit

Zur Überwachung des Grundwassers steht ein Messnetz von zurzeit ca. 10.800 Messstellen zur Verfügung.

Neben Messstellen zur landesweiten Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit werden auch Messstellen aus anderen objektbezogenen Überwachungsprogrammen wie Rohwasserüberwachung, Deponieüberwachung und Überwachung von Abgrabungen und deren Verfüllungen in das Grundwasserüberwachungssystem einbezogen. Eigentümer der Messstellen sind daher neben dem Land NRW, Wasserversorger, Verbände, Firmen und Deponiebetreiber .

Tabelle: Messstellen der Grundwasserüberwachung

ÜberwachungszielAnzahl Messstellen
(gerundet)

Stand: Jan.2007

Grundwasserüberwachung
Landeseigene Grundwassermessstellen1900
Nichtlandeseigene Grundwassermessstellen3500
Rohwasserüberwachung
Förderbrunnen der Wasserversorgung2800
Deponieüberwachung
Grundwassermessstellen zur Deponieüberwachung2600
Messstellen insgesamt10800

Die Messstellen sind in etwa gleichmäßig über ganz NRW verteilt; in den ergiebigen und wasserwirtschaftlich intensiv genutzten Lockergesteinsbereichen ist eine erhöhte Messstellendichte zu erkennen.

Messstellenarten entscheiden über den Informationsgehalt der chemischen Daten:

Im vertikalen Grundwasserströmungsfeld bewegt sich das Grundwasser infolge der Überlagerung der Vertikal- und Horizontalkomponente auf einer hyperbelähnlichen absteigenden Strombahn auf den Vorfluter zu. Die vertikale Komponente wird bestimmt durch den Zutritt des Wassers an der Grundwasseroberfläche, die Horizontalkomponente von der Vertikalverteilung der Durchlässigkeiten und der abströmenden Wassermenge. Das Wasser mit seinen Inhaltsstoffen gelangt demnach mit zunehmender Fließzeit und Fließstrecke entlang der Strombahn in zunehmende Tiefe.
Oberflächenahes junges Grundwasser wird unmittelbar durch die Nutzung im Nahbereich der Messstelle beeinflusst, wohingegen tiefes Grundwasser seinen hydrochemischen Stempel vor längerer Zeit in einem weiter entfernt gelegenen Einzugsgebiet erhalten hat und sich aufgrund natürlicher Reaktionen schon weiter entwickelt hat (siehe Abbildung).

Strombahnen des versickernden Wassers

Eine Grundwassermessstelle besitzt nur einen schmalen Zustrombereich. Länge und Tiefenposition der Verfilterung entscheiden über Alter, Art und Grad der Beeinflussung einer durch Abpumpen gewonnenen Grundwasserprobe. Im Gegensatz dazu beeinflussen Förderbrunnen von Wassergewinnungsanlagen durch die konstante intensive Förderung das Strömungsfeld deutlich und fördern in der Regel ein Mischwasser aus einem entsprechend breitflächigen Bereich und aus allen Tiefenbereichen.

Untersuchungsumfang und -häufigkeit

Untersuchungsumfang sowie Untersuchungshäufigkeit richten sich nach der Nutzung, der Überwachungsaufgabe und dem jeweiligen Untersuchungsprogramm.

Die an einer Messstelle zu untersuchenden Stoffe werden vom Betreiber der Messstellen problemorientiert aus folgenden Gruppen ausgewählt:

  • Physikalische Parameter sowie Haupt- und Nebenbestandteile, wie z.B. Temperatur, Leitfähigkeit, Sauerstoff, Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Nitrat, Ammonium, Eisen, Mangan, Sulfat, Chlorid, Hydrogenkarbonat, Phosphat, die den natürlichen Grundwassertyp beschreiben aber auch durch anthrogogene Stoffeinträge verändert sein können.
  • Metalle und Metalloide, wie z.B. Zink, Kupfer, Nickel, Cadmium, Arsen, Quecksilber, die in Spurenkonzentrationen in jedem Grundwasser vorkommen, aber durch anthropogene Faktoren höhere Konzentrationen aufweisen können.
  • Organische Summenparameter, wie z.B. AOX, Phenolindex, Kohlenwasserstoffe zur Auffindung anthropogener Einflüsse .
  • Organische Einzelstoffe z.B. aus den Gruppen Pflanzenschutzmittel, leichtflüchtige Halogenkohlenwasserstoffe (LHKW), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierte Biphenyle (PCB), die im natürlichen Grundwasser nicht auftreten und somit anthropogen verursacht sind.
  • Mikrobiologische Untersuchungen auf Keime wie z.B. Coliforme Keime, E.coli und Koloniezahl, deren Anwesenheit auf fäkale Verunreinigungen des Grund- und Rohwassers schließen lassen .

Erfassung und Auswertung

Die im Land vorliegenden Grundwasserdaten (Messstellenstammdaten und Untersuchungsergebnisse) werden zentral in der Grundwasserdatenbank erfasst und ausgewertet. Zur Beurteilung der Messwerte werden Informationen zu Grundwasserstand, Grundwasserströmung, Geologie des Untergrundes, Landnutzung, usw., die ebenfalls in der Datenbank abgelegt sind, hinzugezogen.

Dokumentiert wird die Grundwassersituation in verschiedenen Veröffentlichungen (z.B. Grundwasserbericht). Weiterhin erfolgen jährlich Meldungen ausgewählter Messstellen und Messwerte an die EU.

Auskünfte über die lokale und regionale Grundwassersituation sowie Daten zur Grundwasserbeschaffenheit erhalten Sie bei der jeweils zuständigen Bezirksregierung.