© lanuv/C. Brinkmann
Sie sind hier: Startseite LANUV » Umwelt » Wasser » Abwasser » Wasserbürtige Krankheitserreger » Legionellen

Projekt Mikrobiologie / Legionellen

Das Projekt „Risikoorientierte Gewässerbewirtschaftung im Hinblick auf wasserbürtige Krankheitserreger, insbesondere Legionellen“ (Projekt Mikrobiologie / Legionellen) gliedert sich in zwei Bereiche mit folgenden Zielen:

  • Teilprojekt 1: Erarbeitung und Umsetzung eines Konzepts zur Vermeidung und Beseitigung von Gefährdungen durch Legionellen in Abwasser, Kläranlagen und Oberflächengewässern
  • Teilprojekt 2: Erarbeitung und Umsetzung eines Konzepts zur Durchführung von Probenahmen und Untersuchungen auf Legionellen

Teilprojekt 1 – Allgemeine Koordination, Bewertung

Zur Aufarbeitung des Legionellose-Ausbruchs in Warstein berief das MKULNV im ersten Schritt eine Kommission aus nationalen und internationalen Experten der Mikrobiologie, Hygiene und des Abwasserfachs ein. Parallel startete das Projekt im LANUV. Teilprojekt 1 begleitete die Arbeit der Expertenkommission und wirkte bei der Erstellung und Veröffentlichung des Abschlussberichts der Kommission mit. Daten und Erkenntnisse aus vorliegenden Untersuchungen zu Legionellen-Belastungen in Abwässern und Gewässern wurden aus mikrobiologischer Sicht ausgewertet.

Zur Untermauerung der ersten Erkenntnisse wurden im Anschluss weitere detaillierte Untersuchungsprogramme aufgestellt. Die Aufstellung der Messprogramme erfolgte unter Beteiligung der für die Überwachung der Anlagen zuständigen Behörden und in Abstimmung mit dem Teilprojekt 2.

Bewertung der Ergebnisse

Aufgabe des Teilprojekts 1 ist die Bewertung der Ergebnisse der Legionellen-Messprogramme sowie die Information der zuständigen Behörden über erhöhte Legionellen-Befunde. Zur Bewertung werden dabei u. a. die Empfehlungen der Expertenkommission Legionellen herangezogen, wie ein Ampelsystem technischer Maßnahmenwerte von mit Kulturmethoden nachgewiesenen Legionellen z. B. in Kläranlagenablaufproben. 

Nach Abschluss der Messprogramme werden alle erhobenen Daten für eine Berichterstattung ausgewertet. Der Zwischenbericht zum Projekt umfasst zudem eine umfangreiche Darstellung relevanter Erkenntnisse aus der Literatur. Er stellt diesbezüglich eine Konkretisierung, Ergänzung und Fortschreibung des Berichts der Expertenkommission dar.

Erkenntnisse

Die bisherigen Untersuchungsbefunde und Erkenntnisse zeigen, dass von gewissen Abwasserreinigungsanlagen ein potentielles Legionellose-Infektionsrisiko ausgehen kann. Dabei handelt es sich um solche Anlagen, die warme und besonders nährstoffreiche Abwässer behandeln und somit Legionellen günstige Vermehrungsbedingungen bieten.

Im Projekt sollen die Bedingungen, die zu einem verstärkten Wachstum von Legionellen in Abwasser und Belebtschlamm führen, noch präziser definiert werden. Kläranlagen mit einem erhöhten Risiko einer möglichen Legionellen-Problematik sollen bereits im Vorfeld identifizieren werden können. Für diese Fälle werden Maßnahmen zur Minderung bzw. Vermeidung entwickelt bzw. vorliegende Erkenntnisse ausgebaut.

Teilprojekt 2 – Labor, Legionellen-Analytik

Zur Erarbeitung eines Konzepts zur Durchführung von Probenahmen und Untersuchungen auf Legionellen wurde ein mikrobiologisches Labor der Sicherheitsstufe 2 geplant, aufgebaut und in Betrieb genommen.

Etablierung der kulturellen Nachweismethoden für Legionellen und Akkreditierung

Im ersten Schritt nach Inbetriebnahme erfolgte die Etablierung der kulturellen Nachweismethoden für Legionellen in Umweltmatrices (Abwässer, Oberflächenwässer und Kühlwässer). Im zweiten Schritt wurde die Kompetenz des Labors durch eine unabhängige Prüfstelle kontrolliert und für gut befunden, so dass schon nach kürzester Zeit belastbare und valide Messwerte für den Vollzug generiert werden konnten. Die Erstakkreditierung nach ISO 17025 für die kulturelle Legionellenanalytik nach ISO 11731 im Rahmen der Untersuchung von Umweltproben (Abwässer, Oberflächenwässer und Kühlwässer) erfolgte somit zeitnah nach Inbetriebnahme des Labors im Jahr 2015.

Kulturelle Legionellenanalytik

Im Folgenden wurden und werden die Herausforderungen der kulturellen Legionellenanalytik in Verbindung mit der Untersuchung von mikrobiell extrem stark belasteten und zum Teil deutlich heterogenen Proben identifiziert und Lösungsansätze erarbeitet.

Zum Beispiel kann sich der Nachweis von Legionellen im Abwasser als problematisch darstellen, da in Abwässern zahlreiche andere Mikroorganismen (Begleitflora) und Störstoffe enthalten sein können. Es werden daher unter anderem Untersuchungen zum Einfluss von Probenahmetechniken und Probenvorbehandlungen auf das Messverfahren und somit auf den Messwert durchgeführt.

Nachweis von Legionellen im Aerosol und Erweiterung des Methodenspektrums

Im Kontext mit Infektionsgeschehen liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Nachweis von Legionellen im Aerosol, so dass das Teilprojekt 2 bei der Etablierung eines validen Probenahmeverfahrens behördenintern mitarbeitet.

Das Methodenspektrum zum Nachweis von Legionella spp. wird zurzeit erweitert, um insbesondere bei Proben mit umfangreicher mikrobieller Begleitflora belastbare Aussagen erzielen zu können. Die Etablierung molekularbiologischer bzw. alternativer Nachweismethoden dient überdies dem zeitnahen Screening, zum Beispiel in einer Legionellose-Ausbruchssituation.

Ringversuche

Aufgabe des Teilprojekts 2 ist des Weiteren die regelmäßige Durchführung von Ringversuchen und die Erstellung einer Landesliste von Laboren, die für das Verfahren ISO 11731 akkreditiert sind und sich durch erfolgreiche Ringversuchsteilnahme qualifiziert haben.

Leitfäden für Probenahme und Analytik

Darüber hinaus wird an der Standardisierung von Untersuchungsverfahren (DIN/ISO-Normung) und der Erarbeitung von Empfehlungen zum kulturellen Nachweis von Legionellen in Umweltmatrices mitgewirkt. Leitfäden für Probenahme und Analytik werden erarbeitet.