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Die Halbtechnische Kläranlage (HtK) des LANUV in Neuss

Was ist die HtK?

Die HtK ist eine Einrichtung des LANUV zur Durchführung von Versuchen und Projekten zur Abwasserbehandlung im Technikumsmaßstab. Im Gegensatz zu einer Laborkläranlage (Behälter im ein- bis zweistelligen Literbereich) bewegt sich eine Technikumsanlage im Kubikmeterbereich.

Wo befindet sich die HtK?

Die seit 1986 vom LANUV (bzw. seinen Vorgängerinstitutionen LWA und LUA) betriebene HtK hat inzwischen ihren wohl endgültigen Standort unmittelbar neben der kommunalen Kläranlage Neuss-Süd gefunden. Der Standort wurde bewusst so gewählt, dass ein einfacher Zugriff auf überwiegend kommunal geprägtes Abwasser möglich ist. Die Abwasserentnahme erfolgt zurzeit hinter dem Sandfilter im Zulauf zur Vorklärung der Großkläranlage. Das Abwasser der HtK wird anschließend wieder der Kläranlage Neuss-Süd zugeleitet.

Abbildung 1: Die HtK in Neuss.

Wozu dient die HtK?

In Wissenschaft, Forschung und Praxis werden die Verfahren und Techniken der Abwasserbehandlung ständig weiterentwickelt. Hierbei ist es sinnvoll - und oft auch erforderlich -, die Möglichkeiten und Grenzen neuer Verfahren möglichst praxisnah zu erproben. Hierfür eignen sich Versuchskläranlagen unterschiedlicher Größenordnungen. Das Landesamt hatte sich damals für eine Versuchsanlage im halbtechnischen Maßstab entschieden, die gleichzeitig einen flexiblen Versuchsaufbau für alle denkbaren Verfahrensvarianten ermöglichen sollte. Damit fielen Betonbauwerke als Anlagenteile von vornherein aus.

 

Hauptziel der Einrichtung der HtK war von Beginn an, den Forschungseinrichtungen in NRW – vor allem aus dem öffentlichen Bereich – für ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte die nötige Infrastruktur sowie die technischen Möglichkeiten einer Technikumsanlage zur Verfügung zu stellen und dadurch  den Aufwand und die Kosten für Forscher und Geldgeber gleichermaßen niedrig zu halten. In den Jahren ihres Bestehens ist die HtK für die Universitäten, Fachhochschulen und sonstigen Forschungseinrichtungen zur gerne genutzten Anlaufstelle geworden, wenn es um Untersuchungsvorhaben im Abwasserbereich geht.

 

Wie ist die HtK aufgebaut?

   

Abbildung 2: Verfahrensfließbild der beiden Halbstraßen der Versuchsstraße 1.

Abbildung 3: Verfahrensfließbild der beiden Halbstraßen der Versuchsstraße 2.

 

 

Für die Forscher hat die HtK eine Reihe von Vorteilen:

  • die HtK arbeitet mit echtem kommunalem Abwasser, das hinter dem Sandfang der benachbarten Kläranlage Neuss-Süd entnommen wird, man kann also mit einer realen Abwassermatrix arbeiten;
  • die HtK beinhaltet vier Abwasserstraßen – davon zwei Straßen mit Kunststoff- und zwei weitere Straßen mit Edelstahlbehältern – die unabhängig voneinander parallel betrieben werden können;
  • der Abwasserdurchsatz beträgt 350 – 500 Liter/h pro Straße;
  • alle vier Straßen enthalten Belebung und Nitri-/Denitristufe;
  • gleichzeitig ist die HtK dermaßen gestaltet, dass innerhalb kurzer Zeit neue Modifikationen auf- bzw. abgebaut bzw. zusätzliche Einrichtungen eingefügt werden können;
  • der Anlagenteil befindet sich unter einem Zeltdach und ist mit einem den geltenden Vorschriften entsprechenden Hallenboden ausgerüstet;
  •  eine gut eingerichtete mechanische Werkstatt ermöglicht Reparaturen, Wartungsarbeiten sowie in einem gewissen Umfang Eigenbauten
  • der Personalbereich ist in zwei Wohncontainern untergebracht, in denen sich Duschen, Toiletten, Umkleidekabinen, Küche, Büros und der Laborbereich befinden;
  • das Labor ermöglicht die Durchführung von optischen Schnelltestverfahren sowie eine begleitende Schlammanalytik;
  • während der Dienstzeit (Mo. – Fr. 08:00 – 16:00 Uhr) wird die HtK von zwei Bediensteten technisch betreut.

  

Abbildung 4 und 5: Versuchsstraße und Sandfilter.

Referenzliste:

Für die letzten Jahre seien die im Folgenden beispielhaft aufgeführten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben genannt, die vollständig oder mit großen Anteilen auf der HtK durchgeführt wurden bzw. immer noch werden: 

  • Entwicklung und Erprobung eines neuartigen Festbett-Hochleistungsreaktors zur anaeroben Klärschlammstabilisierung
  • Konzepterstellung für kommunales Abwasser der Stadt Warburg und industrielles Abwasser der Südzucker AG
  • Elimination von Spurenstoffen mittels AOP-Verfahren (MIKROLIGHT Phase 2)
  • Untersuchungen zur Kohlenstoffausschleusung über eine Hochlastbelebung mit niedrigem Schlammalter (Teil von E-Klär)
  • Energieeinsparung bei Membranbelebungsanlagen (EnReMem Phase 2)
  • Untersuchung zur Beseitigung von Bakterien im Abfluss von Kläranlagen mittels Tetrahymena

 

Für weitere Informationen zur HtK oder bei Interesse zur Durchführung von Projekten auf der HtK kontaktieren Sie bitte:

FB 58 - Forschung und Entwicklung in der Abwasserwirtschaft

0211/1590-2552

fueabwasser@lanuv.nrw.de