Sie sind hier: Startseite LANUV » Umwelt » Umweltmedizin » Wirkungen von Luftschadstoffen » Schadstoffe » Quecksilber (Hg)

Wirkungen von Quecksilber

Quecksilber kann vom Menschen auf verschiedenen Wegen aufgenommen werden. Die Aufnahme kann über die Atemwege sowie über die Nahrung erfolgen. Auch Amalgamfüllungen der Zähne stellen eine bedeutsame Aufnahmequelle dar. Im geringeren Maße wird Quecksilber zudem über die Haut aufgenommen.

Hinsichtlich der Wirkungen auf den Menschen muss zwischen den verschiedenen Formen von Quecksilber unterschieden werden. Die für den Menschen gesundheitsschädlichen Formen sind in erster Linie das dampfförmige elementare Quecksilber und das wesentlich giftigere organische Methylquecksilber, die Giftigkeit anorganischer Hg-Salze ist vergleichsweise gering.

Quecksilber kann sowohl akute als auch chronische Wirkungen verursachen. Akute Vergiftungen sind heute jedoch selten.

Nach kurzzeitiger Belastung durch Quecksilber und seinen Verbindungen können Schädigungen der Atemwege, des Nervensystems, der Nieren und des Magendarmtrakts verursacht werden. Es treten Symptome wie zum Beispiel Metallgeschmack, Übelkeit, Erbrechen, Koliken und Durchfall auf. Die auch heute noch bei Kleinkindern beobachtete sehr seltene Erkrankung der Akrodynie (Feersche Krankheit) geht auf Quecksilberbelastungen, die vor allem durch zerbrochene alte Thermo- oder Barometer hervorgerufen wurden, zurück. Typische Symptome dieser Krankheit sind u. a. Appetitlosigkeit sowie schmerzhafte Schwellung und Verfärbung an Händen und Füßen.

Ist der Mensch längerfristig erhöhten Hg-Konzentrationen ausgesetzt, werden vor allem Schädigungen der Niere und Beeinträchtigungen des Nerven- und Immunsystems hervorgerufen. Als chronische Symptome sind ferner u. a. allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Gewichtsverlust, verringerte Merkfähigkeit und Tremor (Zittern) der Finger, Augenlider und Lippen zu nennen.

Des Weiteren besitzt Quecksilber reproduktionstoxische Wirkungen. So kann beispielsweise der Fötus geschädigt werden, da Quecksilber die Plazentaschranke überwindet. Quecksilber tritt zudem in die Muttermilch über, so dass auch Säuglinge gesundheitlich beeinträchtigt werden können.

Nach Aufnahme über die Haut können sowohl Quecksilberdampf als auch Quecksilberverbindungen eine Kontaktdermatitis auslösen.

Bewertungsmaßstab

Die 4. Tochterrichtlinie befasst sich mit den Luftqualitätszielen für Arsen, Kadmium, Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Quecksilber. In dieser “Richtlinie 2004/107/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Dezember 2004 über Arsen, Kadmium, Quecksilber, Nickel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in der Luft" wurde allerdings - im Gegensatz zu anderen dort genannten Stoffe - für Quecksilber kein Zielwert festgelegt. Dementsprechend findet sich auch in der 22. BImSchV, durch welche die 4. Tochterrichtlinie in bundesdeutsches Recht umgesetzt wird,  kein Zielwert für Quecksilber.

Im Rahmen der Anlagengenehmigung und –überwachung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bzw. der Sonderfallprüfung nach Nr. 4.8 TA Luft kann zur Bewertung der gesundheitlichen Wirkungen nach langfristiger inhalativer Exposition gegenüber Quecksilber der LAI-Orientierungswert von 50 ng/m3 herangezogen werden. Dieser wurde 2004 vom Länderausschuss für Immissionsschutz 1 (LAI) abgeleitet.
(Stand: Juli 2009)

 


1  jetzt Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz