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PFC in Böden

Perfluorierte Tenside (damals"PFT") waren im Hochsauerland aufgrund krimineller Abfallverbringungen als „Biodünger“ getarnt auf landwirtschaftliche Nutzflächen aufgebracht worden (siehe PFC-Aufbringungsflächen). Diese Bodenverunreinigungen belasten, soweit sie nicht saniert werden konnten, nach wie vor die unmittelbar betroffenen Grundwasservorkommen und Gewässer. Inzwischen richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf Altstandorte und Altablagerungen sowie Standorte, die mit Löschschaummitteln kontaminiert worden sind (Feuerlösch-Übungsplätze/Löschbecken, Militärflughäfen/Flughäfen, Großbrände). Bei Altstandorten sind vorrangig ehemalige Betriebe mit Galvaniken von Bedeutung. Daneben kann in besonderen Fällen auch bei Deponien, Altstandorten der Textilverarbeitung, Papierherstellung sowie der Foto- und Filmindustrie die Notwendigkeit zur Einbeziehung von PFC in Untersuchungen geboten sein. Ein weiteres Kontaminationsrisiko besteht durch bzw. infolge früherer Ausbringung bzw. Lagerung entsprechender Industrieschlämme.

Erfassung von PFC-bedingten schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten

In einem länderübergreifenden Projekt (LFP-LABO B 4.14)  wurde eine „Arbeitshilfe zur flächendeckenden Erfassung, standortbezogenen historischen Erkundung und zur Orientierenden Untersuchung“ erstellt. Diese Arbeitshilfe wurde dem Vollzug in NRW per Erlass vom 12.02.2016 zur Berücksichtigung bei entsprechenden Fragestellungen bzw. Fallgestaltungen empfohlen. In einem Folgeprojekt (LFP-LABO B 4.15) wurde sowohl die flächendeckende Anwendung dieser Erfassungskriterien als auch die standortbezogene Erkundung exemplarisch getestet. Es wurde ein mehrstufiges Vorgehen zur flächendeckenden PFC-Erfassung erarbeitet, das den Behörden per Erlass vom 28.02.2018 bekannt gegeben und zur Anwendung empfohlen wurde.

Ermittlung der aktuellen Fallzahlen zu PFC-Belastungen in Boden und Grundwasser

Zur Ermittlung des aktuellen Standes von Fällen mit PFC-Belastungen im Boden und Grundwasser in NRW hat das LANUV mit Stand Februar 2019 die Unteren Bodenschutzbehörden aller Kreise und kreisfreien Städte und die Dezernate 52 der Bezirksregierungen um Mitteilung der bekannten PFC-Belastungen in Boden und Grundwasser gebeten. Die Anzahl dieser Fälle, ihre Ursachen und der jeweilige Bearbeitungsstand war zuvor bereits 2011, 2013, 2015 und 2017 ermittelt worden (Bestandsaufnahme von Einzelfällen in NRW). Bei relevanten Altstandorten und bei Schäden nach Einsatz PFC-haltiger Feuerlöschschaummittel wurden lokal hohe PFC-Belastungen im Boden sowie im Grundwasser und Gewässern festgestellt. 

Gefährdungsabschätzung bei PFC-belasteten Böden

Die Bewertung belasteter Böden erfolgt einzelfallbezogen und berücksichtigt mögliche schädliche Wirkungen, insbesondere auf Gewässer und Pflanzen.

Im Entwurf der zur Novellierung vorgesehenen BBodSchV sind Prüfwerte für den Ort der Beurteilung in Höhe der Geringfügigkeitsschwellenwerte für 7 Stoffe der Stoffgruppe PFC vorgesehen. Solange rechtlich verbindliche Prüfwerte für PFC für den Wirkungspfad Boden-Gewässer nicht in Kraft sind, sollten im Sickerwasser die GFS-Werte für PFC als Prüfwertvorschläge für den Ort der Beurteilung verwendet werden.

Beim Wirkungspfad Boden-Pflanze liegen keine Prüfwertvorschläge für PFC vor. Verschiedene Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass PFC in Böden von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden können. Die Aufnahme unterscheidet sich je nach Einzelsubstanz und Pflanzenart. Die Bewertung muss daher im Einzelfall vorgenommen werden.

Sanierung von PFC-Belastungen in Boden und Grundwasser

Erste Sanierungsmaßnahmen des Bodens sowie des Grundwassers auf Standorten mit Schäden aufgrund des Einsatzes von Löschmitteln sowie auf Galvanikstandorten laufen in Nordrhein-Westfalen bereits. Die Beurteilung einer Sanierungsnotwendigkeit und Ausrichtung der Maßnahmen beruhen auf einer Einzelfallbetrachtung. Dabei können die Bewertungsmaßstäbe für PFC-Konzentrationen in NRW orientierend herangezogen werden.

Zum Thema PFC-Sanierung hat der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) in Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur? und Verbraucherschutz, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Verband der Chemischen  Industrie e.V. NRW am 12.09.2019 einen Informations- und Erfahrungsaustausch zu PFC durchgeführt. Die Veranstaltung knüpfte an einen PFC?Workshop an, den AAV, LANUV und Stadt Düsseldorf im September 2017 veranstaltet hatten. Sie diente der Aktualisierung des Kenntnisstandes sowie dem Austausch und der Diskussion der zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrungen und Informationen in den drei Schwerpunkten:

  • Verfahren zur Bodensanierung und Umsetzung in der Praxis,
  • Verfahren zur Grundwassersanierung und Umgang mit Reststoffen aus der Wasseraufbereitung
  • Administrative Randbedingungen.

Teilnehmer waren Untere und Obere Bodenschutzbehörden, Sanierungspflichtige, Altlastengutachter sowie Anbieter von Sanierungstechnologien.

Aktuell erstellt die Fa. Arcadis im Auftrag des UBA eine Arbeitshilfe zum „PFC Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“. In die Arbeitshilfe werden die Erfahrungen aus zwei bundesweiten PFC-Workshops zu dem Thema eingearbeitet.