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Bewertungsmaßstäbe für PFC-Konzentrationen für NRW

Die in NRW derzeit geltenden Bewertungsmaßstäbe sind nachfolgend zusammengefasst, wobei die angegebenen Konzentrationen jeweils auf die Isomerengemische (lineare und verzweigte Isomeren) bezogen werden:

Trinkwasser

Die Bewertung basiert auf den aktuellen Empfehlungen des Umweltbundesamtes nach Anhörung der Trinkwasserkommission (TWK) vom 20.09.2016. Für die Bewertung und Ausrichtung eventuell erforderlicher Vorsorgemaßnahmen in Bezug auf das Schutzgut Trinkwassergewinnung sind folgende Werte wichtig:

Tabelle 1: Gesundheitliche Trinkwasserhöchstwerte unterschiedlicher Kategorien für Perfluorverbindungen (PFC) gemäß Umweltbundesamt (Stand 09/2016)

             Stoff

Allg. Vorsorgewert VW [µg/l]
(gilt als allgemeine Zielvorgabe für Rohwasser, Trinkwasser und Gewässer)

Gesundheitlich lebenslang
duldbarer Trinkwasserleitwert
(LW) [µg/l]
(gemäß TrinkwV toxikologisch abgeleiteter Wert)

Gesundheitlicher Orientierungswert GOW [µg/l] für das Trinkwasser

(gilt jeweils vorläufig, bis ein LW existiert)

Additionsregel für PFC-Stoffgemische gemäß TRGS 403

(Quotientensumme, dimensionslos)

Perfluoroctansäure  PFOA

        <=0,1*

0,1

 

          1,0**

Perfluoroctansulfonsäure PFOS

0,1

 

Perfluorbutansäure PFBA

10

 

Perfluorbutansulfonsäure PFBS 

6

 

Perfluorpentansäure PFPA

--

3,0

Perfluorpentansulfonsäure PFPS

--

1,0

Perfluorhexansäure PFHxA

6

 

Perfluorhexansulfonsäure PFHxS

0,1

 

Perfluorheptansäure PFHpA

--

0,3

Perfluorheptansulfonsäure PFHpS

--

0,3

Perfluornonansäure PFNA

0,06

 

Perfluordecansäure PFDA

--

0,1

Perfluoroctansulfonamid, PFOSA

--

0,1

6:2 Fluortelomersulfonsäure H4PFOS 

--

0,1

* Der Wert von = 0,1 µg/l dient dem Reinheitsanspruch gemäß DIN 2000 für Trinkwasser sowie dem hygienischen Prinzip der Minimierung vermeidbarer Belastungen im Trinkwasser unter Bezug auf § 6(3) TrinkwV 2001 und auch der rechtlichen Konkretisierung des ALARA-Prinzips (As Low As Reasonably Achievable“). Nach dem ALARA-Prinzip soll der Gehalt einer Substanz, die aufgrund ihrer Eigenschaften ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher darstellen kann, in einem Lebensmittel (hier: Trinkwasser, Trinkwasserressource) so weit minimiert werden, wie dies „vernünftigerweise“ möglich ist. Für bisher nicht bewertete oder nur teilbewertete PFC wird vorsorglich und hilfsweise der VWa <= 0,1 µg/l verwendet. Dieser Wert dient gemäß den Empfehlungen der Trinkwasserkommission (2007) zugleich als langfristig zu erreichendes Mindestqualitätsziel für die Summe aus PFOA, PFOS und ggf weiterer PFC („Summe aller PFC“).

** Zur Bewertung von Stoffsummen kann die zusätzliche Berücksichtigung der Additionsregel gem. TRGS 403 mit dem LW (bzw. GOW) als Bezugswert erfolgen: Zunächst ist für jede einzelne Komponente der Quotient aus gemessener Konzentration und dem zugehörigen, stoffspezifischen GOWx bzw. LWTW zu errechnen. Werte unterhalb der Bestimmungsgrenze bleiben dabei unberücksichtigt. Wenn danach als Summe aller Quotienten ein Wert von „kleiner oder gleich 1“ (dimensionslos) erhalten wird, ist das betreffende Trinkwasser lebenslang gesundheitlich duldbar. Bei Summen „größer 1“ sollten vorsorglich Maßnahmen durchgeführt werden, die geeignet sind, die PFC-Konzentrationen soweit zu reduzieren, dass die Quotientensumme auf einen Wert unterhalb von 1 verringert wird.

Grundwasser, Oberflächenwasser, Rohwasser, Abwasser

Für Grundwasser sind die Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS-Werte) für verschiedene PFC-Einzelstoffe zu beachten, die durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Länderarbeitsgemeinschaften Wasser (LAWA) und Bodenschutz/Altlasten (LABO) im Jahr 2017 erarbeitet wurden. Hierbei werden die für das Schutzgut Trinkwassergewinnung geltenden Qualitätsanforderungen sowie ökotoxikologische Kriterien (PNEC, Umweltqualitätsnormen) berücksichtigt – der jeweils niedrigere Wert ist entscheidend für die Festlegung des GFS-Wertes im Grundwasser. In NRW gelten  für die Beurteilung von PFC-Kontaminationen im Grundwasser bis auf Weiteres die Werte entsprechend der obigen Tabelle 1 (Tabelle 1: Gesundheitliche Trinkwasserhöchstwerte unterschiedlicher Kategorien für Perfluorverbindungen (PFC) gemäß Umweltbundesamt, Stand 09/2016). Handelt es sich um ein Grundwasservorkommen, welches mit einem Oberflächengewässer in Verbindung steht, muss die Umweltqualitätsnorm gemäß OGewV von 0,65 ng/L für PFOS Beachtung finden. PFC-Einleitungen in das Grundwasser  sind aufgrund § 13 GrwV (Halogenorganische Verbindungen gemäß Anlage 7 GrwV) möglichst zu vermeiden und – sofern sie sich nicht vollständig vermeiden lassen – hinsichtlich der einzuleitenden PFC-Mengen streng zu kontrollieren und zu dokumentieren (Bestandsverzeichnis).

Für Rohwasser, Rohwasserressourcen, Grundwasser und Oberflächengewässer, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, gelten die Mindestanforderungen gemäß obiger Tabelle 1 Gesundheitliche Trinkwasserhöchstwerte unterschiedlicher Kategorien für Perfluorverbindungen (PFC) gemäß Umweltbundesamt (Stand 09/2016). Bewirtschaftungsmaßnahmen im Einzugsgebiet sollen auf eine vollständige Elimination hinwirken und mindestens das langfristig anzustrebende Mindestqualitätsziel der Trinkwasserkommission von <=0,1 µg/L für die PFC-Summe („Summe aller PFC“) verfolgen.

Grundwasserschadensfälle: Die Werte der Tab. 1 bzw. die Geringfügigkeitsschwellenwerte für PFC-Einzelstoffe sind nicht zwingend als Sanierungszielwerte zu verstehen. Sanierungszielwerte sind nicht allgemeingültig, sondern werden einzelfallbezogen unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit festgelegt. Dies bedeutet, dass bei der einzelfallbezogenen Ableitung von Sanierungszielwerten zunächst von den GFS-Werten oder hilfsweise von den Werten der Tab. 1 sowie von einer Berücksichtigung der Umweltqualitätsnormen (UQN-RL) ausgegangen wird. Die Festlegung eines Sanierungszielwertes erfolgt begründet für den jeweiligen Einzelfall. 

Für Abwassereinleitungen gilt für die Summe PFOA+PFOS der Wert <=0,3 µg/l als Orientierungswert, und für die Summe aller gemessenen PFC* der Wert <=1,0 µg/l. Bei Überschreitung erfolgt eine Ursachenermittlung und werden Gegenmaßnahmen eingeleitet.
Entsprechendes gilt auch, wenn bei signifikant erhöhten Konzentrationen (über dem jeweiligen Referenzwert) die festgestellte PFC-Fracht für die Summe PFOA+PFOS über 10 g/Tag bzw. für die die Summe aller gemessenen PFC* den Wert 35 g/Tag überschreitet.

Des Weiteren ist in Oberflächengewässern für die Einzelsubstanz PFOS die Umweltqualitätsnorm 0,65 ng/l (0,00065 µg/l) gemäß OGewV ebenso wie die zulässige Höchstkonzentration 36 µg/L und die Umweltqualitätsnorm in Biota hier bezogen auf Fische 9,1 µg/kg Frischgewicht einzuhalten.

Um diese Anforderung zu erreichen, müssen alle Maßnahmen auf eine strikte Vermeidung von analytisch messbaren PFOS-Emissionen ausgerichtet werden. Auch für alle anderen per- und polyfluorierten Verbindungen gilt hinsichtlich eines potenziellen Eintrags in die Umwelt, in Böden und Gewässer ein striktes Minderungs- und Vermeidungsgebot.

Die v.g. Bewertungskriterien für Einleitungen PFT- bzw. PFC-haltiger Abwässer in Gewässer wurden NRW-weit mit Erlass IV-7 096 004 0052 vom 16.06.2014 bekräftigt und unter Berücksichtigung der Umweltqualitätsnorm für PFOS sowie unter Berücksichtigung des aktuellen LANUV-Parameterumfangs* festgelegt.

* LANUV-Parameterumfang („Summe aller gemessenen PFC“). Die „Summe aller gemessenen PFC“ kann sich bei Löschwasseruntersuchungen durch Gehalte weiterer polyfluorierter Tensiden, die nicht im o.g. Parameterumfang genannt werden, teils deutlich erhöhen

Boden

Die Bewertung belasteter Böden erfolgt Einzelfall bezogen hinsichtlich festzustellender schädlicher Wirkungen, insbesondere auf Gewässer und Pflanzen.

Klärschlamm

Für die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlämmen sind die abfallrechtlichen sowie die düngerechtlichen Vorgaben zu beachten, die im Wesentlichen durch die Klärschammverordnung (AbfKlärV) und die Düngemittelverordnung (DüMV) festgelegt werden. Die Anforderungen an die maximal zulässigen Schadstoffgehalte für die bodenbezogene Klärschlammverwertung regelt ab dem 01.01.2015 vorrangig die DüMV. Danach liegt der maximal zulässige PFC-Gehalt in Klärschlämmen, die als Dünger eingesetzt werden, bei 100 µg/kg Trockenmasse (Summe PFOA+PFOS).

Lebensmittel

Ggf. erforderliche Verzehrsempfehlungen erfolgten bis 2008 auf Basis der in 2006 von der Bundes-Trinkwasserkommission und der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) abgeleiteten lebenslang zulässigen täglichen Aufnahme (TDI= tolerable daily intake) für PFOS bzw. PFOA in Höhe von 0,1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht.
Anwendung fand der TDI-Wert in NRW beispielsweise bei der Ableitung von Verzehrsempfehlungen für Fisch aus bestimmten Gewässerabschnitten in Ruhr und Möhne.
Im Jahr 2008 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf Basis neuerer Erkenntnisse höhere TDI-Werte für PFOS und PFOA in Höhe von 0,15 Mikrogramm bzw. 1,5 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht abgeleitet und veröffentlicht. Die seither durchgeführten Verzehrsempfehlungen (z.B. Fische aus den Ville-Seen, 2010) des LANUV stützen sich hierauf. Die TDI-Werte für PFOS und PFOA werden zur Zeit von der EFSA überarbeitet. Nach Anfrage bei der EFSA wurde dem LANUV mitgeteilt, dass neue TDI-Werte voraussichtlich Ende Juli 2017 vorliegen werden.

Human-Biomonitoring

Die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes (HBM-Kommission) hat in 2016 auf Grundlage humanepidemiologischer und tierexperimenteller Studien erstmalig wirkungsbezogene Human-Biomonitoring-Werte (HBM-Werte) abgeleitet. Es wurden HBM-I-Werte in Höhe von 2 ng PFOA/mL Blutplasma und 5 ng PFOS/mL Blutplasma festgelegt. Der HBM-I-Wert kennzeichnet die Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei dessen Unterschreitung nach dem aktuellen Stand der Bewertung durch die HBM-Kommission nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist. HBM-II-Werte für PFOA und PFOS, bei deren Überschreiten eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist, wurden von der HBM-Kommission nicht abgeleitet.

Literatur zur PFC-Bewertung

  • Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) (2017):
    Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten für das Grundwasser – Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2014): BfR-Symposium 6–7 March 2014:
    Per- and Polyfluorinated Alkyl Substances (PFAS): Status Quo of consumer health assessment on PFAS
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2006: Hohe Gehalte an Perfluorierten Tensiden (PFT) in Fischen sind gesundheitlich nicht unbedenklich, Stellungnahme 035/2006 des BfR vom 27.Juli 2006,
    Stellungnahme Nr. 035/2006 des BfR vom 27. Juli 2006
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2008): EFSA-Gutachten zu zwei Umweltschadstoffen (PFOS und PFOA) in Lebensmitteln (Pressemitteilung der EFSA v. 21.07.2008)
    Pressemitteilung vom 21.Juli.2008
  • Umweltbundesamt (2006): Vorläufige Bewertung von Perfluorierten Tensiden (PFT) im Trinkwasser am Beispiel ihrer Leitsubstanzen Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Stellungnahme der Trinkwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) beim Umweltbundesamt vom 21.06.2006, überarbeitet am 13.07.06,
    Stellungnahme der Trinkwasserkommission vom 21.06.06/überarbeitet am 13.7.06
  • Umweltbundesamt (2007): Bewertung perfluorierter Tenside im Trinkwasser mit längeren oder kürzeren Kohlenstoffketten als PFOA und PFOS,  Schreiben des Umweltbundesamtes an das MUNLV vom 03.01.2007 (nicht veröffentlicht)
  • Umweltbundesamt (2007): Aktuelle gesundheitliche und gewässerhygienische Bewertung perfluorierter Verbindungen (PFC), Stellungnahme der Trinkwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) beim Umweltbundesamt vom 07.08.07
  • Umweltbundesamt (2008): Ergebnisprotokoll der 2. Sitzung der Trinkwasserkommission (TWK) des Bundesministeriums für Gesundheit beim Umweltbundesamt UBA am 17.06.2008, darin TOP 8 „Neue Ergebnisse aus der HBM-Studie zu perfluorierten Verbindungen (PFC) – toxikologische Bewertung von Perfluorbutansäure (PFBA)“,
    Ergebnisprotokoll vom 23.09.2008
  • Umweltbundesamt (2009): Per- und Polyfluorierte Chemikalien. Einträge vermeiden – Umwelt schützen.
    Publikation - Per- und Polyfluorierte Chemikalien
  • Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Umweltbundesamt (2009): Poly- und perfluorierte organische Chemikalien - Fachgespräch des UBA und MUNLV NRW.
    Fachgespräch: Perfluorierte organische Verbindungen (PFC)
  • Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (2014): Gewässerbelastungen durch die Einleitung von perfluorierten Verbindungen (insbesondere PFOA und PFOS) – Neubewertung der PFT-Substanzen. Erlass IV-7 096 004 0052 vom 16.06.2014.
  • Umweltbundesamt (2009): Grenzwerte, Leitwerte, Orientierungswerte, Maßnahmenwerte – Definitionen und Festlegungen mit Beispielen aus dem UBA Fortschreibung eines Vortrags zur 42. Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft.
    Mikroschadstoffe in der aquatischen Umwelt vom 18.-20. März 2009 im EUROGRESS Aachen; Stand: Oktober 2009
  • Umweltbundesamt (UBA, 18.11.2015): Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC):
    www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/chemikalien-reach/stoffgruppen/per-polyfluorierte-chemikalien-pfc
  • Umweltbundesamt (UBA, Februar 2018): Liste der nach GOW bewerteten Stoffe
  • EU-Kommission (EU, 25.08.2013): Richtlinie 2008/105/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Umweltqualitätsnormen im Bereich der Wasserpolitik; Änderungsrichtlinie 2013/39/EU des Europäischen Parlaments:
    eur-lex-europa.eu;
    eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Al28180
  • Umweltbundesamt (2016): Fortschreibung der vorläufige Bewertung von Per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) im Trinkwasser - Empfehlung des Umweltbundesamtes nach Anhörung der Trinkwasserkommission am 20.09.2016. http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/bewertung_der_konzentrationen_von_pfc_im_trinkwasser_-_endfassung.pdf
  • Kommission Human-Biomonitoring (2016): HBM-I-Werte für Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) in Blutplasma - Stellungnahme der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes. Bundesgesundheitsbl 59: 1362-1363