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Stand der Altlastenbearbeitung in NRW

Die Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen führen Kataster der erhobenen altlastverdächtigen Flächen und Altlasten und schreiben diese fort. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW führt aufgrund der Angaben der Kreise und kreisfreien Städte eine landesweite Datei über altlastverdächtige Flächen und Altlasten.

Der Stand der Altlastenbearbeitung in Nordrhein-Westfalen wird durch das LANUV veröffentlicht. Nachfolgend ist der Stand der Erfassung, der Gefährdungsabschätzung und der Stand des Einsatzes von Sanierungsverfahren in Nordrhein-Westfalen dargestellt.

Stand der Altlasten-Erfassung in NRW

Bis Mitte 2017 wurden dem LANUV durch die Kreisordnungsbehörden 96.352 Altablagerungen und Altstandorte gemeldet. In dieser Zahl sind auch Flächen enthalten, die im Rahmen einer flächendeckenden Erhebung als Altablagerung oder Altstandort identifiziert und noch nicht hinsichtlich des „Altlastenverdachts“ bewertet wurden. Bestandteil dieser Zahl sind auch Flächen, die als altlastverdächtig eingestuft wurden sowie bereits untersuchte oder sanierte Flächen.

Die zeitliche Entwicklung der erfassten Altablagerungen und Altstandorten von 1985 bis 2017 ist in der nachfolgenden Abbildung dargestellt.

Abb. 1: Entwicklung der Erfassung von Altlablagerungen und Altstandorten von 1985 - 2017

In Abbildung 1 ist dargestellt, wie sich die Erfassung von Altablagerungen und Altstandorten in den vergangenen Jahren in NRW entwickelt hat. Beachtenswert ist, dass die Zunahme der Anzahl der Flächen in den letzten Jahren im Wesentlichen durch die gestiegene Anzahl der bekannten Altstandorte verursacht wurde.

Gefährdungsabschätzung und Sanierung

Der bis Mitte 2017 ermittelte Stand der Altlastenbearbeitung in Nordrhein-Westfalen ist in Tabelle 1 wiedergegeben.

Tab. 1: Stand der weitergehenden Arbeiten im Altlastenbereich in NRW (Stand: 2017) mit Vergleich zu den Jahren 2006, 2008, 2010, 2012, 2014 und 2017
 200620082010201220142017
Erfasste Flächen55.76463.31375.37081.82584.84196.352
davon Altablagerungen21.31327.19930.49333.39731.66733.364
davon Altstandorte34.45136.11444.87748.42853.17462.988
Noch nicht zugeordnete bzw. bewertete Flächen29.76930.998
Altlastverdächtige Flächen25.29229.641
Gefährdungsabschätzungen
(abgeschlossen und laufend)
14.54017.61417.96922.41424.76226.530
Sanierungen
(abgeschlossen und laufend)
5.3196.0706.1386.7667.2017.821

In Tabelle 1 werden auch Flächen aufgeführt, die von den unteren Bodenschutzbehörden zu irgendeinem Zeitpunkt, unabhängig vom aktuellen Bearbeitungsstand, identifiziert wurden. In diesen Zahlen sind somit auch Flächen enthalten, die im Rahmen einer flächendeckenden Erhebung als Altlablagerung und Altstandort identifiziert und noch nicht hinsichtlich des "Altlastenverdachts" bewertet wurden (Status: "noch nicht zugeordnete bzw. bewertete Flächen"). Bei den angegebenen Gefährdungsabschätzungen handelt es sich um diejenigen Fälle, bei denen über die Erfassungsbewertung hinaus orientierende Untersuchungen und, bei Bestätigung des Gefahrenverdachtes, Detailuntersuchungen für eine abschließende Gefahrenbeurteilung begonnen oder abgeschlossen wurden.

Weitergehende Informationen zum Stand der Altlastenbearbeitung in NRW finden sich im Bericht an den Umweltausschuss des Landtages vom 05.04.2018.

Einsatz von Sanierungsverfahren und MNA-Konzepten

Für die Sanierung von Altlasten und anderen Bodenbelastungen können Sicherungs- und Dekontaminationsverfahren sowie Maßnahmen zur Beseitigung oder Verminderung schädlicher Veränderungen der physikalischen, chemischen oder biologischen Beschaffenheit des Bodenseingesetzt werden. Dekontaminationsverfahren sind technische Verfahren zur Beseitigung, Umwandlung oder Verringerung von umweltgefährdenden Stoffen in den Umweltmedien Boden, Wasser und Bodenluft. Diese Verfahren lassen sich nach dem Ort ihres Einsatzes unterscheiden; man spricht von In-situ-, On-site- und Off-site-Verfahren.

Bei den In-situ-Verfahren handelt es sich um Verfahren, mit deren Hilfe die im Untergrund befindlichen Stoffe ohne ein Bewegen des Bodens oder ein Heben des Grundwassers biologisch, physikalisch oder chemisch behandelt werden, um sie aus dem Boden oder dem Grundwasser zu entfernen, in unschädliche Stoffe umzuwandeln oder deren Ausbreitung zu verhindern.
Bei den On-site-Verfahren wird der kontaminierte Boden aufgenommen, an Ort und Stelle mit geeigneten technischen Verfahren behandelt und anschließend wieder eingebaut. Diese Art der Sanierung erfolgt in mobilen Anlagen.
Bei der Off-site-Behandlung werden verunreinigte Böden in zentralen, vom Anfallort entfernten, stationären Anlagen behandelt. Diese Anlagen sind für die Behandlung von verunreinigten Böden unterschiedlichen Ursprungs (Altlasten, sonstige Bodenverunreinigungen) bestimmt.

Der Erhebungsstand der Anwendung von Sanierungsverfahren (überwiegend On-site- und Off-site-Verfahren) in Nordrhein-Westfalen bezieht sich auf den 15.02.2014. Bis Anfang 2014 wurden 9.190 technische Maßnahmen in 7.201 Sanierungsfällen eingesetzt. Die Anwendungshäufigkeit der einzelnen Sanierungsverfahren stellt sich wie folgt dar: Bautechnische Einschließungsverfahren (Sicherungsverfahren) haben einen Anteil von 32,4 % an den eingesetzten Sanierungstechniken (bzw. 41,3 % bezogen auf die Sanierungsfälle), während die klassischen Dekontaminationsverfahren für den Boden (thermische, mikrobiologische und Waschverfahren zu 5,0 % (6,4 % bezogen auf die Sanierungsfälle) eingesetzt wurden. Mit einem Anteil von ca. 41,4 % an den Sanierungsverfahren wurde (Boden-) Material extern auf Deponien abgelagert. Damit haben in 52,8 % der Sanierungsfälle externe Umlagerungen stattgefunden. Somit stellt die externe Ablagerung den größten Anteil der technischen Maßnahmen bei Altlastensanierungen dar.

Pump-and-treat-Maßnahmen zur Grundwassersanierung wurden mit einem Anteil von 7,7 % eingesetzt, während innovative Sanierungsverfahren in der gesättigten Zone einem Anteil von 1,1 % an den eingesetzten Sanierungstechniken ausmachen. Bezogen auf die Sanierungsfälle haben in 11,2 % aller sanierten und in Sanierung befindlichen Altlasten Maßnahmen in der gesättigten Zone stattgefunden. Pneumatische Maßnahmen (Bodenluft, Deponiegas) haben einen Anteil von 11,9 % an den Sanierungsfällen.

Mit Stand Mai 2009 hat das LANUV mit Hilfe der Kreise und kreisfreien Städte eine detailliertere Auswertung der Anwendung von innovativen In-situ-Sanierungsverfahren in der gesättigten Zone und MNA-Konzepten (Monitored Natural Attenuation)in Nordrhein-Westfalen durchgeführt Dieser Querschnittsauswertung der Erhebung von In-situ-Verfahren und MNA-Konzepten in Nordrhein-Westfalen ist eine Tabelle mit wesentlichen Grunddaten der Einzelfälle angefügt. Die Auswertung bezieht sich für In-situ-Verfahren auf

  • Angaben zu behandelten Schadstoffen,
  • die Art der eingesetzten Verfahren sowie
  • den Anwendungsstand.

Ergänzend wurden für MNA-Prozesse folgende Informationen ausgewertet:

  • Maßgebende Prozesse
  • Anteil der Maßnahmen mit Quellensanierung
  • Rückfalloptionen bei MNA-Prozessen

Weitergehende Informationen zu jedem Einzelfall enthalten die im LANUV vorliegenden Datenblätter. Ziel dieser Zusammenstellung von Grunddaten zu den Einzelfällen ist es, anhand von Fallrandbedingungen Kenntnis über ähnlich gelagerte Fälle erhalten zu können, um bei Bedarf gezielt Erfahrungen und weitere Daten bei den behördlichen Ansprechpartnern vor Ort erfragen zu können.

Eine bundesweite Übersicht über Fälle mit In-situ-Sanierungen in der gesättigten Zone und eine Übersicht über MNA-Konzepte wurde durch den Altlastenausschuss (ALA) der Bund-/Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz mit Stand Oktober 2009 erarbeitet. Die bundesweite Zusammenstellung enthält insgesamt 269 Sanierungsfälle mit In-situ-Maßnahmen für die gesättigte Bodenzone oder das Grundwasser sowie zusätzlich 95 MNA-Konzepte.

Nutzerkreis sowohl der bundesweiten als auch der nordrhein-westfälischen Datensammlung sind die Unteren Umweltschutzbehörden. Weitergehende Informationen zu den Einzelfällen können über das LANUV erhalten werden. Bei Bedarf kann Kontakt zu den für die Einzelfallbearbeitung zuständigen Behörden hergestellt werden.