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Gewässer-Bauwerke in Nordrhein-Westfalen - Anleitung zur Erhebung an kleinen bis großen Fließgewässern

Arbeitsblatt 38

Seit Jahrhunderten errichten Menschen Bauwerke in und an Fließgewässern, um beispielsweise die Wasserkraft zum Antrieb von Mühlrädern zu nutzen oder Land zu bewässern. Meist sind die Bauwerke quer oder schräg zur Hauptfließrichtung im Gewässer errichtet. Sie beeinflussen die Wasserführung, die Wanderbewegungen von Organismen und den Sedimenttransport. Damit ist die Durchgängigkeit von Fließgewässern eingeschränkt oder fehlt ganz.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert die Durchgängigkeit von Fließgewässern, um den guten Gewässerzustand zu erreichen. Die Richtlinie zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft (INSPIRE) betrachtet Gewässerbauwerke als Inventar des wasserwirtschaftlichen Handelns und verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Bereitstellung entsprechender Geodaten.

Das vorliegende Arbeitsblatt des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen ermöglicht im deutschsprachigen Raum erstmals die standardisierte und digitale Erhebung von Bauwerken in und an Fließgewässern. Unter dem Begriff „Bauwerk“ werden ausgewählte technische Einbauten verstanden, die Einfluss auf Gewässermorphologie, Abflussdynamik, Wasserführung, Durchgängigkeit für Sedimente und Organismen sowie indirekt auf die Wasserbeschaffenheit, zum Beispiel den Sauerstoffgehalt und Temperaturhaushalt, haben können.

Das Verfahren stützt sich auf die Erfahrungen aus und den Erkenntnisgewinn seit der landesweiten Gewässerstrukturkartierung 2011/2013. Detailkenntnisse zur Zuordnung der Bauwerke zu den verschiedenen Bauwerksarten, Bauwerkstypgruppen und Bauwerkstypen sind nicht erforderlich. Vielmehr führt ein dichotom aufgebauter Entscheidungsbaum anhand von einfach messbaren und im Gelände eindeutig sichtbaren Kenngrößen die Anwender zum jeweiligen Bauwerkstyp. Jeder Bauwerkstyp wird im Anhang beschrieben und die Formenvielfalt mit zahlreichen Fotos dokumentiert.

Eine nach dem vorliegenden Verfahren durchgeführte Erhebung von Bauwerken kann zeitgleich mit der Gewässerstrukturkartierung oder separat erfolgen. Über die Software BEACH können die erfassten Daten gemeinsam in einer Datenbank abgelegt und genutzt werden, zum Beispiel für die Verortung von technischen Einbauten in und an Fließgewässern,

  • eine Übersicht von Bauwerken zur Beurteilung der Durchgängigkeit in Fließgewässern,
  • die Herleitung des Lebensraumgewinns durch den Rückbau von Bauwerken,
  • die Erfolgskontrolle und Effizienznachweis von ausgeführten Bauwerksbeseitigungen und
  • die Historisierung einzelner Bauwerke.

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