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Numerische Bewertung von Biotoptypen in der Eingriffsregelung und in der Bauleitplanung in NRW

Mit Einführung der Eingriffsregelung in das Landschaftsgesetz NRW 1981 wurden Standards und Verfahrensweisen zur Ermittlung und Bewertung von Eingriff und Kompensation entwickelt, die zur Vereinfachung beitragen und bei ähnlichen Eingriffen (Art und Umfang) zu vergleichbaren Kompensationsumfängen führen sollen.

In NRW werden insbesondere folgende Bewertungsverfahren angewandt:

  • ARGE Eingriff/ Ausgleich, 1994, Bewertungsrahmen für die Straßenplanung (im Folgenden ARGE, 1994 genannt), HRSG: MWMTV, MUNLV und
  • MSWKS NRW, MUNLV NRW: Arbeitshilfe Eingriffsbewertung, Bewertung von Eingriffen in Natur und Landschaft - vereinfachtes Bewertungsverfahren NRW (redaktionell überarbeiteter Nachdruck, Stand: Mai 2001)

Diese Verfahren beinhalten Biotoptypenlisten mit Wertvorschlägen als Bewertungshilfen zur rechnerischen Ermittlung von Eingriff und Kompensation.

Aufgrund der Änderungen der Eingriffsregelung des Landschaftsgesetzes NRW von Juli 2000, Mai 2005 bzw. Juni 2007 ergab sich die Notwendigkeit der Modifizierung und Fortschreibung der Biotoptypenlisten mit ihren Wertpunkten. Das novellierte Bundesnaturschutzgesetz 1 und das geänderte Landschaftsgesetz (LG) NW 2 beinhalten vergleichbare Anforderungen.

Die Fortschreibung der Biotoptypenliste erfolgte mit folgenden Zielen:

  • Nachvollziehbare Bewertung von Umbaumaßnahmen nicht lebensraumtypischer Wälder in naturnahe Laubwaldbestände als Kompensationsmaßnahme (vgl. § 4a (3) Nr. 5  LG NW)
  • Einbindung der naturverträglichen Bodennutzung als Kompensations-maßnahmen zur dauerhaften Verbesserung des Biotop- und Artenschutzes  und
  • Einbindung von Pflegemaßnahmen zur dauerhaften Verbesserung des Biotop- und Artenschutzes (§ 4a (2) LG NW)

Die Spreizung bei den Biotoptypen Acker, Grünland sowie den halbnatürlichen Kulturbiotopen (wie Trockenrasen etc.) z.B. gegenüber dem Verfahren ARGE 1994 ermöglichen sowohl die Anrechnung naturschutzfachlich hochwertiger produktionsintegrierter Kompensationsmaßnahmen als auch die Anrechenbarkeit von Pflegemaßnahmen z.B. zur Optimierung von halbnatürlichen Kulturbiotopen (vgl. Statusbericht zur naturverträglichen Bodennutzung als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Anhang). Die Umsetzung solcher Maßnahmen tragen zur Reduzierung der Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen durch Kompensationsmaßnahmen bei .

Die Numerische Bewertung von Biotoptypen in der Eingriffsregelung von Januar 2008 und die Numerische Bewertung von Biotoptypen in der Bauleitplanung von März 2008 beinhalten Biotoptypenlisten, die die neuen gesetzlichen Vorgaben naturschutzfachlich sachgerecht umsetzen. Mit Erlass vom 6.3.2009 3 wurde die „Numerische Bewertung von Biotoptypen“ verbindlich in der Straßenplanung eingeführt sowie weitere Regelungen getroffen, die das Verfahren ARGE, 1994 fortschreiben.

Ergänzende Regelungen, die dem o.g. vereinfachten Bewertungsverfahren für die Bauleitplanung zu entnehmen sind, bleiben von diesen Änderungen unberührt.


1) Gesetz zur Regelung des Rechts des Naturschutzes und der Landschaftspflege vom 29. Juli 2009, inkraftgetreten am 1. März 2010

2) Gesetz zur Änderung des Landschaftsgesetzes und des Landesforstgesetzes, des Landeswassergesetzes und des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung in Nordrhein-Westfalen vom 16. März 2010

3) Einführungserlass zum Landschaftsgesetz für Eingriffe durch Straßenbauvorhaben (ELES) in der Baulast des Bundes oder des Landes NRW Gem. RdErl. des Ministeriums für Bauen und Verkehr – III.1-13-16/24 – und des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – III-5-605.01.00.29 – vom 6.3.2010