B9 - Gewässerstruktur

1) 1) Grad der Veränderung der Gewässerstruktur

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: 7 Klassen)

2) 2) Anteil der Querbauwerke mit einer guten fischökologischen Durchgängigkeit in Fließgewässern

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%])

Stand: 09.05.2016

Definition und Berechnungsverfahren:

zu 1)
Der Indikator „Struktur der Fließgewässer“ dokumentiert aufgrund seiner regelmäßigen Fortschreibung die sukzessive Verbesserung der Gewässerstruktur unter Anwendung der LAWA Gewässerstrukturklassifizierung. Vor dem Hintergrund der in weiten Teilen stark veränderten Gewässerstruktur auf der einen Seite und streckenweise begründeten Restriktionen bei der Gewässerentwicklung auf der anderen, ist die erreichbare Natürlichkeit der Gewässerstruktur in zwei Kategorien zu differenzieren. Dies sind einmal „erheblich veränderte“ Fließgewässer, für die aufgrund spezifischer Nutzungen nur eine eingeschränkte Entwicklung der Gewässerstruktur möglich ist und zum zweiten "nicht erheblich veränderte" Fließgewässer, für die eine Entwicklung nur mit geringen oder ohne Restriktionen ermöglicht werden kann.

In die Berechnung des Indikators gehen alle Fließgewässer ab einem Einzugsgebiet von 10 km2 (WRRL-Berichtsnetz) ein, für die durch das Übersichts- oder das Vor-Ort-Verfahren der LAWA die Gewässerstrukturklasse ermittelt worden ist. Aufgrund methodischer Unterschiede in den Kartierverfahren werden die Bundeswasserstraßen ausgenommen. Die Bezugsnetze der beiden Gewässerkategorien werden von den Bundesländern definiert. Für alle berücksichtigten Fließgewässerstrecken erfolgt zunächst die Zuordnung der Strukturklasse gemäß der 7-stufigen LAWA- Klassifizierung zur Ermittlung der Gewässerstruktur. In einem zweiten Schritt werden die Fließgewässer entsprechend ihrer Kategorie eingestuft. Die Zuordnung obliegt den Fachbehörden der Länder. In einem dritten Schritt wird die mittlere Strukturklasse für jede Kategorie getrennt ermittelt. Die Darstellung erfolgt auf einer siebenstufigen Skala als Grad der Abweichung vom natürlichen Zustand (1 = unverändert, 2 = gering verändert, 3 = mäßig verändert, 4 = deutlich verändert, 5 = stark verändert, 6 = sehr stark verändert, 7 = vollständig verändert).

Die Bilanzierung der Fließgewässerkategorien erfolgt durch Mittelwertbildung über alle Strecken der jeweiligen Kategorie. Durch die Verwendung des Mittelwertes wirken sich Verbesserungen auch in den schlechteren Strukturklassen (z. B. Verbesserungen von Strukturklasse 7 nach 6) auf die Bilanzierung aus.

zu 2)
Der Indikator „Durchgängigkeit Fischaufstieg“ ist definiert als Anteil der für den Fischaufstieg durchgängigen Querbauwerksstandorte im Verhältnis zur Gesamtzahl der signifikanten Querbauwerksstandorte in den Gewässern >100 km2. Gewässer dieser Größenklasse sind die wesentlichen Verbindungsgewässer für die diadromen (Wanderfische, die Abschnitte ihres Lebens im Meer verbringen) und die potamodromen (Wanderfische innerhalb eines Flußgebietes) Fischarten. Bei diesen besonders bedeutsamen Gewässern sollte die Durchgängigkeit möglichst aller Querbauwerksstandorte für den Fischaufstieg angestrebt werden (Ausnahme: Talsperren).

Berechnet wird der prozentuale Anteil der für den Fischaufstieg als durchgängig eingestuften Querbauwerksstandorte an der Gesamtzahl der signifikanten Querbauwerksstandorte an Gewässern mit einem Einzugsgebiet >100 km2 einschließlich der Bundeswasserstraßen. Die Einstufung der Durchgängigkeit obliegt den Fachbehörden der Länder. Berechnet wird der Wert für jedes einzelne Bundesland oder auch bundeseinheitlich. Datengrundlage sind die Querbauwerkskataster der Bundesländer, die im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aufgestellt wurden. Es werden nur die als signifikant eingestuften Querbauwerksstandorte in Fließgewässern >100 km2 berücksichtigt.

Bedeutung:

zu 1)

Fließgewässer erzeugen durch ihre hydrodynamischen Prozesse eine besondere Vielfalt an Lebensräumen und Arten. Der Zustand der Gewässerstruktur steht damit für die hydromorphologische und ökologische Integrität dieser Landschafts- und Lebensräume und sichert ihren Arten - bei guter Wasserqualität- einen nachhaltigen Bestand.

Der Indikator „Struktur der Fließgewässer“ trägt sowohl der Entwicklung der Gewässerstruktur unter restriktiven Bedingungen als auch der Strukturentwicklung von Fließgewässern ohne erhebliche Restriktionen Rechnung. Der Indikator dokumentiert umfassend und integrierend alle Veränderungen wie z. B. durch Renaturierungsmaßnahmen.

zu 2)
Die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer ist für viele wandernde aquatische Organismen aber auch für den Feststoffhaushalt von besonderer Bedeutung. Für viele Fischarten ist eine ungestörte Wanderung notwendig, um die für den Lebenszyklus und den Fortbestand wesentlichen Lebensräume innerhalb der Gewässer, der Auen und der marinen Lebensräume zu erreichen.

Die Herstellung der Durchgängigkeit für den Fischaufstieg an den als signifikant eingestuften Querbauwerken in Gewässern >100 km2 Einzugsgebiet begründet für viele Fischarten die Entwicklung nachhaltig lebensfähiger Bestände. Dies gilt insbesondere für die Wiederansiedlung von Wanderfischen, die Abschnitte ihres Lebens im Meer verbringen (diadrome Arten wie z.B. Lachs und Aal). Ebenso gilt dies für Arten, die größere Wanderungen innerhalb eines Flussgebietes unternehmen (potamodrome Arten wie z.B. Barbe, Nase, Rapfen). Die schrittweise Verbesserung der Durchgängigkeit unterliegt einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit.

Landesspezifika / Stand:

Zu 1) und 2)

 

Datenlage

Zielstellungen

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet, 9608 km Gesamtlänge, davon 2568 km aus Feinkartierung
(Durchführung seit 2010, plausibilisierte Daten bis 2013)

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsbebiet;
Insgesamt 4419 Querbauwerke; Stand 2015 (laufende Aktualisierung)

1) und 2) keine Beteiligung

1) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet, zusätzlich Stadtspree,
LAWA-Vor-Ort-Verfahren Stand 2010, Überblickskartierung Spree 2000
Flussseen als Seen kartiert (Uferstrukturkartierung, 100 m Abschnitte)

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet, zusätzlich Stadtspree,
51 Querbauwerke (Stand 2009)  

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
7820 km, LAWA-Vor-Ort-Verfahren,
Startjahr 2010

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
Insgesamt 5800 Querbauwerke
Startjahr 2006, Aktualisierung 2010/2011

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebietsgröße exkl. Bundeswasserstraßen,
Stand 2003

2) Gewässernetz > 100 km2 Einzugsgebietsgröße inkl. Bundeswasserstraßen,
Insgesamt 6 Querbauwerke
Stand 2004

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
432 km, Startjahr 2005,
an das LAWA-Vor-Ort-Verfahren angepasstes fünfstufiges Verfahren und LAWA-Übersichtsverfahren, Stand 2009

2) Gewässernetz > 100 km2 Einzugsgebiet,
Insgesamt 1234 Querbauwerke,
Startjahr 2005, Stand 2010

1) Gewässernetz > 20 km2 Einzugsgebiet excl. Bundeswasserstraßen und Talsperren 2009 bis 2011; Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet excl. Bundeswasserstraßen und Talsperren ab 2012

LAWA-Vor-Ort-Verfahren

2) Gewässer > 10 km2 Einzugsgebiet,
Insgesamt 19280 Querbauwerke,
Startjahr 2009

Hessische Biodiversitätsstrategie 2016:
Erreichen eines ökologisch günstigen Zustands der hessischen Gewässer, wesentliche Herstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer für wandernde Fischarten (gemäß WRRL bis zum Jahr 2027) und Verbesserung des Zustands der an Wasser gebundenen Biologischen Vielfalt

1) Gewässernetz > 20 km2 Einzugsgebiet,
6945 km, Startjahr 1994,
LAWA-Vor-Ort-Verfahren und MV-Luftbildverfahren
Eine Datenzulieferung kann derzeit nicht erfolgen.

2) Gewässer > 10 km2 Einzugsgebiet,
(WRRL-relevantes Netz DLM25W)
Insgesamt 11695 Querbauwerke,
Startjahr 2001,
Eine Datenzulieferung kann derzeit nicht erfolgen.

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet, Stand 2009

2) Angaben werden ergänzt

Gemäß den Zielvorgaben der EG-WRRL sind für natürliche Wasserkörper ein guter Ökologischer Zustand und für erheblich veränderte Wasserkörper sowie künstliche Wasserkörper ein gutes ökologisches Potential bis 2027 mit geeigneten Maßnahmen zu erreichen. Diese Umwelt- bzw. Bewirtschaftungsziele sind zum einem mit der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an allen Fließgewässerwassern in Niedersachsen, insbesondere in den überregionalen und regionalen Fischwanderouten sowie in den wichtigen Laich- und Aufwuchsgewässern zu erreichen und zum anderen mit der Wiederherstellung von naturnahen Gewässerstrukturen und Gewässerlebensräumen an Fließgewässern

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
insgesamt ca. 13 500 km, Kartierung 2011 - 2013,
Grundlage: Gewässerstruktur in NW Kartieranleitung für die kleinen bis großen Fließgewässer, LANUV Arbeitsblatt 18 (2012)

2) Daten in der gewählten Form nicht vorliegend

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet excl. Bundeswasserstraßen,
6831 km, Startjahr 2009,
LAWA-Vor-Ort-Verfahren

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
Insgesamt 3498 Querbauwerke,
Stand 2009

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
1056 km, Startjahr 2007,
Bewertung der Gewässerentwicklungsfähigkeit (GEF-Methode)

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
Datengrundlage: Durchgängigkeitskataster 2007

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
6923 km, Startjahr 2005
Stand 2009
Vor-Ort-Verfahren (LAWA/Merkblatt 26 NRW)

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
fortlaufende Kartierung

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
6541 km, Stand 2009,
LAWA-Vor-Ort-Verfahren

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
insgesamt 10070 methodisch berücksichtigte Querbauwerke,
Stand 2009

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
noch ohne Marschgewässer und große Unterläufe,
4300 km von 6 000 km, an das LAWA-Vor-Ort-Verfahren angepasstes 5-stufiges Verfahren,
Stand 2015

2) Gewässer > 100 km2 Einzugsgebiet,
21 signifikante Bauwerke,
81 % durchgängig,
Stand 2015

 

1) Gewässernetz > 10 km2 Einzugsgebiet,
5803 km, Startjahr 2006,
qualifiziertes d. h. erweitertes LAWA-Übersichtsverfahren mit Vor-Ort-Begehung

2) Daten in der gewählten Form (< 100 km2 Einzugsgebiet) noch nicht vorliegend.

 

Derzeit kann kein Gesamtwert für Deutschland angegeben werden, da nicht für alle Bundesländer Werte vorliegen.  

kein Ziel

Klärungsbedarf, Weiterentwicklung, weitere Schritte:

zu 2)
Die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit konzentriert sich aufgrund technischer Möglichkeiten derzeit primär auf die Herstellung des Fischaufstiegs. Sobald für den ökologisch ebenso wichtigen Fischabstieg ein "Stand der Technik" existiert, sollte dieser Indikator zu einem Indikator "fischökologische Durchgängigkeit" weiter entwickelt werden.

"Verwandte" Indikatoren im Set:

Literatur:

SH zu 1) http://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/jahrbe06/Gewaesser/4Gewaesserstruktur.pdf
HB zu 1) http://www.umwelt.bremen.de/de/detail.php?gsid=bremen179.c.3228.de

Ansprechpartner:

 

Susanne Herzig
susanne.herzig@lubw.bwl.de
Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Griesbachstr. 1
76185 Karlsruhe
Tel.: 0721-5600-1549

 

Christoph Linnenweber
christoph.linnenweber@luwg.rlp.de
Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friederich-Str. 7
55116 Mainz
Tel.: 06131-6033-1817

 

LAWA-AO (Ständiger Ausschuss Oberirdische Gewässer und Küstengewässer)




Tel.:

Datentabelle:

Grad der Veränderung der Gewässerstruktur 2009 und 2015

 

erheblich veränderte Gewässer (2009)

erheblich veränderte Gewässer (2015)

nicht erheblich veränderte Gewässer (2009)

nicht erheblich veränderte Gewässer (2015)

Baden-Württemberg

5,44

5,82

3,68

3,63

Bayern

---

---

---

---

Berlin

5,90

5,90

5,00

3,85

Brandenburg

5,11

---

4,28

---

Bremen

5,78

5,63

5,33

3,19

Hamburg

4,79

---

---

---

Hessen

6,36

5,95

4,69

4,87

Mecklenburg-Vorpommern

4,78

4,83

3,85

3,74

Niedersachsen

5,26

5,50

4,07

4,30

Nordrhein-Westfalen

5,82

5,76

4,25

4,05

Rheinland-Pfalz

5,83

5,28

4,40

4,19

Saarland

5,80

4,61

3,82

2,49

Sachsen

5,43

5,71

4,50

4,57

Sachsen-Anhalt

5,96

5,96

4,73

4,73

Schleswig-Holstein

5,55

5,80

5,14

5,00

Thüringen

4,66

---

4,12

---

Deutschland

5,39

---

4,35

---

 

Datentabelle:

Durchgängigkeit Fischaufstieg, Anteil der signifikanten Bauwerke

 

2009

2015

Baden-Württemberg

25,99

34,10

Bayern

9999,00

---

Berlin

27,00

21,90

Brandenburg

9999,00

---

Bremen

83,30

83,30

Hamburg

9999,00

---

Hessen

51,75

51,68

Mecklenburg-Vorpommern

40,60

58,10

Niedersachsen

58,18

14,00

Nordrhein-Westfalen

9999,00

---

Rheinland-Pfalz

44,10

61,17

Saarland

44,00

51,00

Sachsen

44,00

43,60

Sachsen-Anhalt

45,98

50,00

Schleswig-Holstein

80,95

81,00

Thüringen

9999,00

---

Deutschland

44,55

---

 



Abb.: Grad der Veränderung der Gewässerstruktur für Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet ab 10 km2 (Berlin untersucht Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von >100 km2)


Abb.: Anteil der signifikanten Querbauwerke mit einer guten fischökologischen Durchgängigkeit stromauf in Fließgewässern > 100 km² Einzugsgebiet (Hessen und Mecklenburg-Vorpommern untersuchen Fließgewässer ab einem Einzugsgebiet von > 10 km²)