C2 - Lärmbelastung

1) 1) Anteil Betroffener von Lden > 65 dB an der Gesamtbevölkerung

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%])

2) 2) Anteil Betroffener von Lnight > 55 dB an der Gesamtbevölkerung (nachts)

(Machbarkeit: 1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%])

Stand: 28.07.2020

Definition und Berechnungsverfahren:

Durch den Indikator wird der prozentuale Anteil der Bevölkerung in tendenziell geräuschbelasteten Gebieten erfasst, der dauerhaft einem definierten Geräuschpegel ausgesetzt ist. Es sollen für die Bestimmung der Betroffenheiten die Überschreitungen der Lärmindizes der EU-Umgebungslärmrichtlinie (Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juli 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm) herangezogen werden. Das wird durch zwei Teilindikatoren umgesetzt.

Indikator C2.1): Durch diesen Teilindikator wird der Anteil von kartierungspflichtigem Umgebungslärm Betroffener des 24-StundenLärmindexes Lden > 65 dB an der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes dargestellt.

Indikator C2.2): Durch diesen Teilindikator wird der Anteil von kartierungspflichtigem Umgebungslärm Betroffener des Nacht-Lärmindexes Lnight > 55 dB an der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes dargestellt.

Die Betroffenheiten sind für alle Ballungsräume und die Umgebungen der Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken und Großflughäfen zu bestimmen, für die strategische Lärmkarten im Sinne der EU-Umgebungslärmrichtlinie aufzustellen sind. Aufgrund der Methodik sind Mehrfachzählungen von Betroffenen möglich, z. B. zugleich durch Großflughafen und Hauptverkehrsstraße oder Straßenverkehr und Hauptverkehrsstraße betroffen. In Übereinstimmungen mit den Untersuchungszeiträumen der EU-Umgebungslärmrichtlinie und auf Grund der Tatsache, dass signifikante Auswirkungen auf den Geräuschpegel erst bei erheblichen Veränderungen der Technologien bzw. der Verkehrsmengen auftreten, ist die Fortschreibung des Indikators alle 5 Jahre vorzunehmen. Zu beachten ist, dass in die Untersuchung nicht das ganze Bundesland sondern nur lärmbelastete Gebiete im Einflussbereich von Hauptgeräuschquellen einfließen, die die Kriterien nach §47c BImSchG erfüllen.

Die aktuell dargestellten Daten haben den Aktualitätsstand 15.5.2020 (Berechnung) gehen jedoch auf die Lärmkartierung zum 30. Juni 2017 zurück. Die der Kartierung zu Grunde liegenden Eingangsdaten sollen die Situation des vorangegangenen Jahres widerspiegeln und stammen im Wesentlichen aus dem Jahr 2016. Daher wird der Anteil der der betroffenen Bevölkerung auf Basis der Einwohnerzahlen vom 31.12.2016 errechnet Die Betroffenenzahlen wurden durch das Umweltbundesamt auf Basis der Berichterstattung aus den Bundesländern sowie des Eisenbahn-Bundesamtes zusammengestellt. Die einbezogenen Daten beinhalten die Erfassungen zu Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken, Großflughäfen und in den Ballungsräumen (ohne Straßenbahnverkehr, da diese Betroffenen i.d.R. bereits in den Daten zum Straßenverkehr enthalten sind.

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Bedeutung:

Bei Dauerbelastungen oberhalb von 65 dB(A) am Tag und 55 dB(A) während der Nacht besteht nach medizinischen Erkenntnissen ein signifikant höheres gesundheitliches Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von Bluthochdruck und weiteren Erkrankungen unabhängig davon, ob die Geräusche von den Betroffenen bewusst als störend wahrgenommen werden oder nicht. Durch die Erfassung der Betroffenheiten für die Ballungsräume sowie in der Umgebung von Hauptverkehrswegen und Großflughäfen wird als Indikator eine Größe benutzt, die entsprechend den Anforderungen der EU-Umgebungslärmrichtlinie exakt ermittelt und fortlaufend beobachtet werden muss.

Ein großer Anteil der Gesamtbevölkerung, der hohen Geräuschbelastungen ausgesetzt ist, wohnt in diesen Gebieten. Der prozentuale Anteil Betroffener in den Stadtstaaten sowie in den dicht besiedelten Ländern Nordrhein-Westfalen und Hessen, die von einem engmaschigen Hauptverkehrsnetz und der Lage mehrerer Großflughäfen geprägt sind, liegt im Vergleich zu anderen Ländern auf einem deutlich höheren (schlechteren) Niveau. Demgegenüber erreicht der Wert der Betroffenen im dünnbesiedelten Mecklenburg-Vorpommern den prozentual niedrigsten Wert. Bei einer länderübergreifenden Betrachtung sind Mehrfachzählungen (z. B. Lärmbetroffenheiten durch Großflughäfen und Hauptverkehrsstraßen oder durch Hauptverkehrsstraßen und Haupteisenbahnstrecken) nicht auszuschließen, betreffen jedoch alle Bundesländer gleichermaßen.

Landesspezifika / Stand:

 

Datenlage

Zielstellungen

2018

Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg: Nachhaltigkeitsbericht 2019: Bis 2030 sollen 20 % weniger Menschen einer verkehrsbedingten Gesundheitsschädlichen Lärmbelastung ausgesetzt sein als 2017.

2018

Empfehlung des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU): Die Gesamtlärmbelastung der Bevölkerung im Wohnbereich ist auf Vorsorgezielwerte für den Dauerschallpegel dauerhaft abzusenken, kurzfristig auf Werte von tags 65 dB(A) und nachts 55 db(A). Langfristig sind tags 55 dB(A) (entsprechend einer Unterhaltung auf Zimmerlautstärke) und nachts 45 dB(A) anzustreben.

2018  

Lärmaktionsplan 2008: mittelfristige Zielwerte 65/55 dB/A tags/nachts

2018

 

2018  

Die Zahl der Betroffenen soll mittelfristig verringert werden. (über 24 Stunden: Lärmpegel von >65 dB(A), nachts Lärmpegel von >55 dB(A)) / Aktionsplan 2013

2018

 

2018  

Minderung der Geräuschemissionen aus dem Verkehr und Minderung der Geräuschbelastung durch Fluglärm

2018

 

2018

 

2018

Zu 1) Nachhaltigkeitsstrategie für NRW (2020):
Bis 2030 ist die Gesamtbelastung in Wohnbereichen deutlich abzusenken.

Zu 2) Umweltbericht NRW 2016:
Bis 2030 soll die Lärmbelastung in Wohngebieten deutlich gesenkt werden- unter Berücksichtigung der Empfehlungen der WHO (die den Schwellenwert für krank machenden Lärm nachts bei 40 dB ansetzt und nächtliche Belastungen über 55 dB als zunehmend gesundheitsgefährdend beurteilt).  

2018

 

2018

 

2018

Einhaltung von 65db(A) tags und 55 dB(A) nachts

2018

Absenkung auf 65 dB(A) tagsüber und < 55 dB(A) in der Nacht

2018

 

2018

 

2018  

Minderung der Belästigung durch Lärm um 20 Prozent im Flugverkehr, um 30 Prozent im Straßenverkehr und in der Binnenschifffahrt sowie um 50 Prozent im Schienenverkehr. Quelle: Nationales Verkehrslärm-Schutzpaket II (2009)  

Hinweise zur Interpretation

Die Indikatoren C2.1) und C2.2) sind normiert. Bei einer länderübergreifenden Interpretation sind Mehrfachzählungen (z. B. durch Großflughafen und Hauptverkehrsstraßen)und die eingeschränkte Erhebungskulisse (Gebiete nach §47c BImSchG)zu beachten.

Klärungsbedarf, Weiterentwicklung, weitere Schritte:

Die bei der Lärmkartierung gesammelten Erfahrungen sind für die weitere Gestaltung des Lärmindikators zu berücksichtigen. Eingang in den Indikator finden die Daten ab der Lärmkartierung 2012, da in dieser zweiten Kartierungsrunde nochmals eine Ausweitung des Untersuchungsumfangs auf die oben genannten Kriterien stattgefunden hat. Seitdem erfolgt eine Fortschreibung anhand der gleichen Kriterien alle fünf Jahre. Für die Kartierung 2022 sind erstmals europaweit einheitlichen Berechnungsvorschriften anzuwenden. Aufgrund der dadurch notwendigen Anpassung der Schallausbreitungsberechnung und Beurteilungsverfahren ist eine methodisch bedingte Veränderung der Betroffenenzahlen nicht auszuschließen.

"Verwandte" Indikatoren im Set:

Ansprechpartner:

 

Dr. Jürgen König
juergen.koenig@smul.sachsen.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Pillnitzer Platz 3
01326 Dresden
Tel.: 0351-2612-2100

 

Andreas Rink
andreas.rink@smul.sachsen.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Söbrigener Straße 3a
0351 Dresden
Tel.: 0351-2612-5211

Datentabelle:

nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anteil Betroffener von Lden > 65 dB in [%]

 

2014

2018

Baden-Württemberg

3,4

2,7

Bayern

3,1

2,8

Berlin

8,0

8,8

Brandenburg

3,4

1,7

Bremen

7,5

7,0

Hamburg

7,7

7,2

Hessen

6,0

4,6

Mecklenburg-Vorpommern

1,6

1,2

Niedersachsen

3,5

2,5

Nordrhein-Westfalen

6,0

5,6

Rheinland-Pfalz

4,2

3,2

Saarland

4,8

3,5

Sachsen

2,9

2,9

Sachsen-Anhalt

3,5

2,2

Schleswig-Holstein

2,7

1,9

Thüringen

3,5

2,2

Deutschland

4,4

3,8

 

Datentabelle:

nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anzahl Betroffener von Lden > 65 dB

 

2014

2018

Baden-Württemberg

364600

299500

Bayern

398100

356000

Berlin

286100

315400

Brandenburg

82700

42100

Bremen

49700

47700

Hamburg

135600

130700

Hessen

365500

286100

Mecklenburg-Vorpommern

25200

19400

Niedersachsen

271100

200100

Nordrhein-Westfalen

1052900

997300

Rheinland-Pfalz

167500

131800

Saarland

47500

35100

Sachsen

117900

117100

Sachsen-Anhalt

78400

48100

Schleswig-Holstein

77600

54400

Thüringen

76500

46700

Deutschland

3596900

3127500

 

Datentabelle:

nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anteil Betroffener von Lnight > 55 dB in [%]

 

2014

2018

Baden-Württemberg

5,0

3,9

Bayern

4,7

4,0

Berlin

9,9

10,8

Brandenburg

5,3

2,4

Bremen

11,7

10,2

Hamburg

9,7

9,4

Hessen

9,2

6,5

Mecklenburg-Vorpommern

2,1

1,5

Niedersachsen

5,9

4,3

Nordrhein-Westfalen

8,3

7,6

Rheinland-Pfalz

6,4

5,5

Saarland

6,1

5,3

Sachsen

3,9

3,6

Sachsen-Anhalt

4,7

3,3

Schleswig-Holstein

3,8

2,7

Thüringen

4,5

2,7

Deutschland

6,3

5,3

 

Datentabelle:

nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anzahl Betroffener von Lnight > 55 dB

 

2014

2018

Baden-Württemberg

534200

429500

Bayern

593900

519200

Berlin

352500

386600

Brandenburg

128600

61100

Bremen

77300

69400

Hamburg

170700

169400

Hessen

561100

401600

Mecklenburg-Vorpommern

34100

23900

Niedersachsen

461500

341600

Nordrhein-Westfalen

1464100

1363900

Rheinland-Pfalz

256700

225500

Saarland

60100

52900

Sachsen

157600

147500

Sachsen-Anhalt

105800

74600

Schleswig-Holstein

108000

76700

Thüringen

97900

57300

Deutschland

5164100

4400700

 



Abb.: nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anteil Betroffener von Lden > 65 dB in [%]


Abb.: nach EU-Umgebungslärmrichtlinie Anteil Betroffener von Lnight > 55 dB in [%]