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 B1 - Landschaftszerschneidung

1) Anteil UZVR über 100 [km2] an der Landesfläche
(Machbarkeit:1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [%]

2) Mittlerer Zerschneidungsgrad (effektive Maschenweite meff)
(Machbarkeit:1, DPSIR-Einstufung: S, Einheit: [km2]


Stand: 15.01.2019

Grafische Darstellung, Trend und Status :

Wählen Sie die darzustellenden Bundesländer aus:

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Deutschland




Abb.: Anteil UZVR über 100 [km2] an der Landesfläche


Abb.: Mittlerer Zerschneidungsgrad (effektive Maschenweite meff)

Definition und Berechnungsverfahren:

Der Indikator misst das Ausmaß der Zerschneidung der Landschaft durch technische Elemente, von denen Störungen für wild lebende Tiere sowie für Naturerleben und Erholungseignung ausgehen. Als technische Elemente, die die Landschaft zerschneiden, werden für diesen Indikator auf der Landes- und Bundesebene berücksichtigt:

  • alle Straßen ab einer Verkehrsstärke von 1000 KfZ / 24 h .
  • zweigleisige Bahnstrecken und eingleisige elektrifizierte, nicht stillgelegt.
  • Ortslagen.
  • Flughäfen.
  • Kanäle mit dem Status einer Bundeswasserstraße der Kategorie IV oder größer..

Bei Straßen und Bahnlinien werden Tunnels ab einer Länge von 1000 m als Unterbrechung berücksichtigt.

Sämtliche Werte werden auf Grundlage des Digitalen Landschaftsmodells im Maßstab 1:250.000 (DLM 250) sowie den bundesweiten Verkehrsstärkedaten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und ergänzenden Daten der Länder und Landkreise errechnet (Bei Länderberechnungen auf Basis des DLM 25 kommt es, dem unterschiedlichen Maßstab geschuldet, zu abweichenden Berechnungsergebnissen für die betreffenden Länder).

Die Landschaftszerschneidung wird in zwei Teilindikatoren dargestellt:

1) UZVR: Der Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume über 100 km2 in Prozent der Landesfläche. Dies sind die letzten großen Räume, die von keinem der genannten Elemente zerschnitten werden.

Auf Landesebene können zusätzlich weitere Größenklassen dargestellt werden und zusätzliche Zerschneidungsgeometrien berechnet werden. Große unzerschnittene verkehrsarme Räume sind als besonders schutzwürdige Flächen anschaulich und leicht vermittelbar.

2) meff: Der mittlere Zerschneidungsgrad des Landes, ausgedrückt durch die effektive Maschenweite (meff in km2). Die effektive Maschenweite ist ein errechneter Mittelwert für die "Maschengröße" des Verkehrsnetzes nach der Methode von JAEGER, die neben der Größe aller Teilräume auch die Struktur der Zerschneidung des gesamten betrachteten Raums berücksichtigt (JAEGER et al. 2001, JAEGER 2002). Die effektive Maschenweite ermöglicht flächendeckende Aussagen unter Berücksichtigung aller verbleibenden Flächen, besonders für Regionen, in denen es kaum noch große unzerschnittene verkehrsarme Räume gibt.

Die effektive Maschenweite (oder Maschengröße) meff ist proportional der Wahrscheinlichkeit, dass zwei beliebig ausgewählte Punkte, die in einem Gebiet liegen, nach der Zerschneidung des Gebietes noch gemeinsam in derselben Fläche liegen. Die effektive Maschenweite wird als Flächengröße in km2 angegeben. Je mehr Siedlungen und Straßen sich in einem bestimmten Gebiet befinden, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit der Unzerschnittenheit und desto mehr sinkt die effektive Maschenweite.

Einzelheiten der Berechnung werden in einer Technischen Anleitung zur Berechnung des UMK-Indikators 10 Landschaftszerschneidung (effektive Maschenweite) dokumentiert, die mit dem BfN abgestimmt wurde. Diese Technische Anleitung kann von interessierten Ländervertretern beim Indikatorverantwortlichen abgerufen werden.

Bedeutung:

Die Ausweisung neuer Bauflächen für Gewerbe und Wohnen, der Neu- und Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur sowie der stetig wachsende Verkehr führen zum Verlust, zur Verkleinerung und zunehmenden Zerschneidung der Lebensräume. Die anlage- und betriebsbedingten Auswirkungen der Infrastruktur tragen zunehmend zur Gefährdung von Tierarten und ihren Lebensräumen bei. Für Tierarten mit hohem Raumbedarf und großem Aktionsradius sind große unzerschnittene Lebensräume unabdingbar. Vor allem große Säugetiere mit hohem Raumbedarf können sich nur noch eingeschränkt in der Landschaft, d.h. ohne Überquerung des Straßennetzes bewegen. Die Mortalität dieser Arten auf Straßen mit hoher Belegung nimmt stark zu, wenn nicht gar eine Überquerung des Straßennetzes völlig unterbrochen wird. Die Begegnungsmöglichkeit von Tieren derselben Art ist eine wesentliche Bedingung für den Austausch der Gene und das Überleben der Population. Auch für das Naturerleben der Menschen und die Erholungsqualität ist es wichtig, Räume zu erhalten, die großflächig unzerschnitten und nicht verlärmt sind. Räume mit geringer Zersiedelung, Zerschneidung und Verlärmung stellen eine endliche Ressource dar und können, wenn überhaupt, dann nur mit hohem Aufwand wiederhergestellt werden.

Ein niedriger Zerschneidungsgrad der Landschaft und große unzerschnittene Räume sind deshalb wesentliche Prüfsteine für eine nachhaltige Entwicklung.

Der Indikator Landschaftszerschneidung besteht aus zwei gleichberechtigten Teilindikatoren (1) Anteil UZVR über 100 km2 an der Landesfläche, 2) effektive Maschenweite). Der Vorteil dieser Zweiteilung besteht in der jeweiligen Darstellung spezifischer Zerschneidungsaspekte eines Landes.

Hinweise zur Interpretation

Beide Indikatoren sind normiert. Bei einer länderübergreifenden Interpretation sind Unterschiede der naturräumlichen Ausstattungen und bei den Siedlungs- und Verkehrsstrukturen sowie die Bevölkerungsdichte zu beachten.

Hohe Werte beim mittleren Zerschneidungsgrad bedeuten positive Werte, man kann von einer großen durchschnittlichen "flächenmäßigen Maschengröße" des Verkehrsnetzes im betreffenden Land sprechen.

Für die Stadtstaaten entfällt dieser Indikator.

Landesspezifika / Stand:

 

Datenlage

Zielstellungen

Daten 1930, 1966, 1977, 1989, 1998, 2004 für alternative Zerschneidungsgeometrie, seit 2000 Berechnung nach neuer Zerschneidungsgeometrie (Basis: DLM 25), Steckbriefe für die UZVR als Internetmodul vorliegend.

Daten 2005: Bodensee kein UZVR. Fehlende Verkehrsmengenzählungen der Kreisstraßen von 2005 durch Daten von 2000 ergänzt.

Aufgrund der erheblichen Abweichungen zu den alten Zahlen werden für BW auf der LIKI-Seite bis auf weiteres keine Werte angegeben.

Naturschutzstrategie BW (2013): Ziel ist, die unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) in ihrem Bestand und in ihrer Qualität zu erhalten und möglichst zu vermehren.

 

 

Daten 2005: Lückenhafte Verkehrsmengenzählungen der Kreisstraßen von 2005 durch Daten von 2000 ergänzt.

 

 

 

 

 

Daten 1995, 2002, 2005 für unterschiedliche Zerschneidungsgeometrien, u.a. Berechnung nach neuer Zerschneidungsgeometrie (Basis: DLM 25).

Daten 2005: Lückenhafte Verkehrsmengenzählungen der Kreisstraßen von 2005 durch Daten aus dem Emissionskataster (Hochrechnungswerte) ergänzt.

Hessische Biodiversitätsstrategie (2016): Minimierung der Zerschneidungswirkung von Lebensräumen infolge neuer Straßeninfrastrukturvorhaben durch die Errichtung von Grünbrücken in Bereichen wertvoller Vernetzungskorridore.

 

 

Daten 2005: Ergänzende Verwendung der Verkehrsmengenzählungen der Landesstraßen von 2000 und vollständige Berücksichtigung der Kreisstraßen von 2000, da 2005 sehr lückenhafte Verkehrsmengenzählungen.

 

UZVR 2006 Berechnung nach neuer Zerschneidungsgeometrie (Basis: DLM 25), es ergeben sich für NRW abweichende Zahlen, was in der Auswertung des Straßennetzes bis auf die Gemeindestraßenebene und die Aufnahme von Ortslagen, die im Zusammenhang größer als 10 ha sind, begründet ist. Für NRW ergeben sich damit nur 3 UZVR größer als 100 km2 mit einem Flächenanteil von 1,14% an der Gesamtfläche, meff beispielhaft berechnet für Naturräumliche Haupteinheiten.

 

 

 

 

Daten 2002, Modellierung nach neuer Zerschneidungsgeometrie (Basis: DLM 25, Datenstand 2005) ist erfolgt Steckbriefe für die UZVR als Internetmodul des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung vorliegend mit nicht vergleichbarer Zerschneidungsgeometrie.

Daten 2005: Lückenhafte Verkehrsmengenzählungen 2005 durch zusätzliche Hochrechnungsdaten (Verkehrsmodell Sachsen Analyse 2005) ergänzt.

Erhaltung großer unzerschnittener Freiflächen im ländlichen Raum außerhalb der Siedlungsflächen.

Daten 2005: Fehlende Verkehrsmengenzählungen der Kreisstraßen von 2005 durch Daten von 2000 ergänzt.

 

Diplomarbeit der Uni Kiel vorliegend (Neumann-Finke, A., 2004: Landschaftszerschneidung in Schleswig-Holstein: GIS-gestützte Bestandsaufnahme und Bewertung), weitere Auswertungen durch Uni Kiel (Basis: DLM 25, Verkehrsmengendaten 2000) geplant.

 

Daten 2005 und 2010 (Basis: DLM 25), Steckbriefe für die UZVR als Internetmodul vorliegend.

Daten 2005 und 2010: Verkehrsstärkenmodellierung bis zu den Gemeindestraßen.

 

BfN, Außenstelle Leipzig, verfügt über die Länderdaten 2000, 2005 und 2010 Berechnung nach neuer Zerschneidungsgeometrie (Basis: DLM 250), Berechnung UZVR 2010, erstmalig aufgrund teilweise modellierter Verkehrsdaten, abgeschlossen.

 


Die Daten werden von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in einem 5-jährigen Zählrhythmus bis zu den Landesstraßen erhoben und vom BfN durch Kreisstraßenzählungen ergänzt. Die Zähldaten für Landes- und Kreisstraßen liegen in den Ländern in unterschiedlicher Vollständigkeit vor. Deshalb hat das BfN die Verkehrsstärken für 2005 und 2010 im Rahmen eines Forschungsprojektes bundesweit modellieren lassen. Aufgrund der höheren Genauigkeit sind die Ergebnisse für 2005 und 2010 mit den Vorjahren nur eingeschränkt vergleichbar. Die Berechnung durch das BfN wird zukünftig aus Grundlage modellierter Daten erfolgen.

Klärungsbedarf, Weiterentwicklung, weitere Schritte:

Es gibt trotz unvollständiger Verkehrszählungsdaten keine Alternative zur Berücksichtigung der Verkehrsstärken bei der Berechnung der UZVR. Langfristig sollte die Einbeziehung folgender Zerschneidungselemente im Hinblick auf die von ihnen ausgehenden Zerschneidungswirkungen und die Datenverfügbarkeit geprüft werden:

  • Hochspannungsleitungen.
  • Windkraftanlagen.
  • weitere Anlagen im Außenbereich.

Eine Differenzierung der Gewässerstrecken nach Ausbaustandard soll bei Vorliegen geeigneter Daten geprüft werden, ebenso die Aufnahme grenzüberschreitender unzerschnittener Räume.

Verkehrsstärkenmodellierungen auf Bundes- und Länderebene sind empfehlenswert! Sie liegen auf Länderebene nur für Sachsen und Thüringen vor. Bundesweit hat das BfN die Verkehrstärken für 2010 modellieren lassen.

"Verwandte" Indikatoren im Set:

LIKI-Vertreter

Thüringer Landesamt Für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

Göschwitzer Str. 41
07745 Jena
Tel.: 03641-684-211
 

Weitere Ansprechpartner:

BfN

Bundesamt für Naturschutz
Außenstelle Leipzig
Karl-Liebknecht-Str. 143
04277 Leipzig
Tel.: 0341/30977-22
 
 
 

 Datentabelle: Anteil UZVR über 100 km2 an der Landesfläche in [%]

  2005 2010 2015
Baden-Württemberg --- --- ---
Bayern 19,72 20,42 21,94
Berlin --- --- ---
Brandenburg 46,76 50,71 51,50
Bremen --- --- ---
Hamburg --- --- ---
Hessen 15,37 15,33 18,79
Mecklenburg-Vorpommern 50,83 55,25 54,04
Niedersachsen 26,19 20,82 18,27
Nordrhein-Westfalen 4,32 4,88 5,68
Rheinland-Pfalz 26,59 22,20 24,01
Saarland 1,02 0,58 0,57
Sachsen 6,43 9,97 9,40
Sachsen-Anhalt 33,48 35,33 36,31
Schleswig-Holstein 24,21 24,16 25,60
Thüringen 15,63 21,48 20,86
Deutschland 22,73 23,16 23,46

 Datentabelle: Effektive Maschenweite meff in [km2]

  2005 2010 2015
Baden-Württemberg --- --- ---
Bayern 69,34 72,50 75,43
Berlin --- --- ---
Brandenburg 145,53 156,06 146,53
Bremen --- --- ---
Hamburg --- --- ---
Hessen 59,84 55,73 61,84
Mecklenburg-Vorpommern 162,24 168,15 160,33
Niedersachsen 86,55 76,28 67,47
Nordrhein-Westfalen 28,62 31,75 31,10
Rheinland-Pfalz 86,46 71,65 78,45
Saarland 20,67 22,79 18,53
Sachsen 35,19 43,39 44,77
Sachsen-Anhalt 120,08 127,10 122,21
Schleswig-Holstein 73,09 79,60 78,48
Thüringen 54,43 75,10 71,31
Deutschland 79,39 82,02 79,95

 © Länderinitiative Kernindikatoren 2019

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