19.09.2018

Standards für die Überwachung der Luftqualität


© LANUV

20 Jahre nationales Referenzlabor in Essen

Fachleute aus allen Bundesländern, des Umweltbundesamtes und Gäste aus den Messnetzen Luxemburgs und der Niederlande haben sich heute im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu einem Großversuch getroffen. Sie alle kamen mit Luftschadstoff-Messgeräten ins Technikum des LANUV in Essen, um gemeinsam die Qualitätsstandards der Messergebnisse zu harmonisieren.

Die Anforderungen an die Messtechnik sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer komplexer geworden. Immer genauere Daten zu immer kleineren Konzentrationen müssen messtechnisch ermittelt werden. LANUV-Präsident Dr. Thomas Delschen: „Die Ergebnisse der Luftschadstoff- Messungen müssen präzise, belastbar und vergleichbar sein. Die Messwerte sind die wichtigste Voraussetzung für eine verlässliche Beurteilung der Luftqualität. Der fachliche Austausch zwischen den Messnetzbetreibern ist dafür unverzichtbar. Dass das LANUV hierbei federführend ist, liegt an der Jahrzehnte langen Erfahrung, die hier in Essen vorliegt.“

Das Technikum im LANUV ist in Europa die einzige Anlage mit ausreichend vielen Versuchsplätzen für einen Großversuch mit  so vielen teilnehmenden Instituten. Seit 1981 werden mit Hilfe dieser Anlage in Essen wichtige Voraussetzungen für qualitätsgesicherte Messungen der Luftqualität geschaffen. 1998 forderte die EU-Luftqualitätsrichtlinie die Einrichtung eines Nationalen Referenzlabors. Aufgrund der jahrelangen Erfahrung wurde das NRW-Landesamt gemeinsam mit dem Umweltbundesamt mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraut. Die Qualitätssicherung wird von Essen aus seit 20 Jahren in Deutschland und auch auf EU-Ebene  immer weiter harmonisiert. Dazu gehört auch die Teilnahme des LANUV an internationalen Ringversuchen, die die Qualität und die Kompetenz sicherstellen. Regelmäßige Begutachtungen durch externe Sachverständige bestätigen dem LANUV die Expertise, diese Aufgabe auch in Zukunft wahrnehmen zu können.

Die Geschichte der Luftreinhaltung an diesem Standort geht aber noch weiter zurück. LANUV-Präsident Dr. Delschen berichtet: „Als Altkanzler Willy Brandt 1961 den ,Blauen Himmel über der Ruhr´ ausrief, wurde hier bereits begonnen, die Luftverschmutzungen zu erforschen. Vor allem Industrieanlagen, aber auch das Heizen mit Kohle in den Städten und der immer dichtere Straßenverkehr wurden als Verursacher schon damals unter die Lupe genommen.“ Im Dezember 1962 brachte eine schwere Smogepisode im Ruhrgebiet mit 30 Prozent mehr Todesfällen die Luftreinhaltung verstärkt auf die politische Agenda.

Seitdem wachsen die Erkenntnisse um Luftschadstoffe, ihre Quellen und die gesundheitlichen Auswirkungen. Große Erfolge wurden durch strengere Grenzwerte für die Emissionen aus Industrieanlagen erreicht. Die Belastung durch Schwefeldioxid konnte auf weniger als fünf Prozent der Ausgangswerte gesenkt werden. Auch die Staubbelastung wurde drastisch reduziert. Ein besonders großer Schritt nach vorne war die Entschwefelung und Entstickung der Kraftwerke ab 1977.

Viele gesetzliche Regelungen und technische Entwicklungen konnten auf den Weg gebracht werden, auch aufgrund der wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse, die hier in Essen seit Jahrzehnten erarbeitet werden. Trotz der sichtbaren Erfolge besteht auch weiterhin Handlungsbedarf auf wichtigen Feldern der Luftreinhaltung.

Informationen zum nationalen Referenzlabor:

https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/luft/immissionen/referenzlabor/

Daten zur Luftqualität:

https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/luft/

 

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