20.03.2018

Hitzeinseln in der Innenstadt – Klimawandel auch im Regierungsbezirk Detmold an vielen Stellen spürbar

LANUV übergibt Bezirksregierung Detmold den ersten „Fachbeitrag Klima“ für die Regionalplanung in NRW


©LANUV/Paschmann

Am gestrigen Montag (19. März 2018) hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) den ersten nordrhein-westfälischen „Fachbeitrag Klima“ für eine Regionalplanung an die Bezirksregierung Detmold übergeben. Der Fachbeitrag enthält Informationen und Hinweise zum Klimawandel in Ostwestfalen-Lippe sowie zu Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel auch auf regionaler Ebene messbar ist und die Folgen sichtbar werden. So ist die durchschnittliche Jahrestemperatur im Regierungsbezirk Detmold im Zeitraum von 1981 bis zum Jahr 2010, im Vergleich zum Zeitraum von 1951 bis zum Jahr 1980, von 8,5 Grad Celsius auf 9,3 Grad Celsius angestiegen. Dies wird unter anderem sichtbar an der steigenden Zahl von Sommertagen mit einer Temperatur höher als 25 Grad, im Durchschnitt sind dies derzeit drei mehr pro Jahr. Gleichzeitig sank die Anzahl von Eis- oder Frosttagen mit Temperaturen unter null Grad Celsius um durchschnittlich acht Tage pro Jahr. Bis zur Mitte des Jahrhunderts gehen die Klimamodelle von einem weiteren Anstieg der jährlichen Durchschnittstemperaturen um 0,7 bis 1,5 Grad Celsius aus. Bis zum Jahr 2100 könnten 1,5 bis 4,3 Grad Celsius hinzukommen.

 

Besonders in den Städten wären die Folgen des Temperaturanstiegs spürbar, erläuterte der Präsident des LANUV, Dr. Thomas Delschen: „Hitzeinseln bilden sich, wenn sich warme Luft in den Innenstädten staut. Durch diesen verringerten Luftaustausch und die Wärmeabstrahlung durch Gebäude, Verkehr oder Industrie kann ein Temperaturunterschied bis zu 10 Grad Celsius im Vergleich zum Umland entstehen. Deshalb lautet eine unserer Empfehlungen in der Regionalplanung darauf zu achten, dass genügend kältere Luft aus den äußeren Bereichen in die Innenstädte strömen kann.“

 

Von diesen besonderen Belastungen durch Hitze betroffen wären im Regierungsbezirk Detmold etwa 270.000 Menschen, das entspricht rund 13 Prozent der Gesamtbevölkerung im Regierungsbezirk. Die Belastungen konzentrieren sich dabei auf die größeren Städte: In Bielefeld wären etwa 65.000 Menschen betroffen, in Minden 30.000 und in Paderborn und Gütersloh etwa 25.000 Menschen. Durch den fortschreitenden Klimawandel könnte sich die Anzahl betroffener Menschen bis zur Mitte des Jahrhunderts verdreifachen.

Unter Hitzebelastung leiden vor allem die Gesundheit und die Lebensqualität sensibler Bevölkerungsgruppen wie Menschen mit Vorerkrankungen, einer geringeren Fitness, ältere Menschen oder Kleinkinder. Mögliche Folgen sind Kreislaufprobleme, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen oder Erschöpfung.

 

„Der Fachbeitrag Klima ist der erste seiner Art in Nordrhein-Westfalen und auch deutschlandweit ein innovativer Ansatz“, berichtete LANUV-Präsident Delschen. „Wir zeigen damit, dass die Folgen des Klimawandels auf regionaler und lokaler Ebene nicht nur bereits heute sichtbar sind, sondern auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte abgeschätzt werden können. Mit dem Fachbeitrag Klima als Grundlage für die Regionalplanung wollen wir so die möglichen Folgen für den Menschen beschreiben und, wenn möglich, auch abmildern.“

 

Den Ergebnissen zu Grunde liegt unter anderem eine Klimaanalyse, die das LANUV für ganz Nordrhein-Westfalen angefertigt und im Fachbeitrag Klima für die Region Ostwestfalen-Lippe ausgewertet hat. Dabei wurden beispielsweise für einen typischen Sommertag mit abendlichen Temperaturen über 20 Grad Celsius verschiedene meteorologische Parameter und komplexe Prozesse zum Luftaustausch betrachtet. In Bezug gesetzt wurden Flächen, über denen sich nachts größere Schichten kühlerer Luft bilden und die Bereiche in Städten, die von Hitzebelastungen betroffen sind. Die Gebiete in denen kühlere Luft entsteht liegen in der Regel über Grünanlagen wie Wiesen, Parkanlagen oder Ackerflächen. So liefert der Fachbeitrag Klima der Regionalplanung wichtige Hinweise, wo im Regierungsbezirk Detmold Belastungsräume, Erholungsräume, Kaltluftentstehungsgebiete und Kaltluftleitbahnen liegen.

 

Die darauf aufbauenden Handlungsempfehlungen beziehen sich vor allem auf den Schutz von wichtigen Flächen im Außenbereich vor Bebauung oder Luftverschmutzung, in denen kältere Luft entsteht und von hier aus in die Hitzebereiche hinein zirkulieren kann. Große Kaltluftentstehungsgebiete und Kaltluftleitbahnen gibt es im Regierungsbezirk Detmold beispielsweise nord-östlich des Teutoburger Waldes, wovon insbesondere Detmold und Lemgo profitieren. Dies ist einer der Gründe für die vergleichsweise geringe Hitzebelastung in diesen beiden Städten.

 

Die Handlungsfelder Klimaschutz und Klimaanpassung betreffen verschiedenste Akteure und Fachplanungen. Die Auswirkungen des Klimawandels treten lokal beziehungsweise regional auf, auch die erforderlichen Anpassungsmaßnahmen sind konkret räumlich verortet. Die Regionalplanung, die von Haus aus verschiedene Interessen und Nutzungsansprüche an den Raum für einen mittel- bis langfristigen Zeithorizont steuert, ist daher von zentraler Bedeutung, um Maßnahmen zum Klimaschutz sowie zur Anpassung an den vom Menschen verursachten Klimawandel zu implementieren.

Weitere „Fachbeiträge Klima“ für die Regionalplanung werden derzeit erstellt für die Regierungsbezirke Köln und Arnsberg.

 

Der „Fachbeitrag Klima für die Planungsregion Detmold“ steht zum Herunterladen bereit unter www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/sonstige/Fachbeitrag_Klima_Detmold_2018_gesichert.pdf

 

Weitere Informationen und Daten zum Klimawandel und den Klimafolgen in Nordrhein-Westfalen sind zu finden unter www.lanuv.nrw.de/klima/

 

 

Hintergrundinformationen LANUV-Monitoring Klimafolgen:

 

Die durch den Menschen verursachte Änderung der klimatischen Verhältnisse ist bereits heute messbar, für die zukünftigen Entwicklungen liefern Klimamodelle Erkenntnisse zu den voraussichtlichen Entwicklungen. Der Klimawandel betrifft auch in Nordrhein-Westfalen die Grundlagen verschiedener Lebensbereiche und hat Auswirkungen auf unsere Art zu wohnen und zu arbeiten, auf die Bereiche Mobilität, Energieversorgung oder Landwirtschaft sowie auf die Flora und Fauna.

 

Seit dem Jahr 2011 untersucht das LANUV die Folgen des Klimawandels in einem eigenen Klimafolgenmonitoring. Betrachtet werden dabei 28 Indikatoren aus den sieben Umweltbereichen Klima und Atmosphäre, Wasser, Ökosysteme und Biodiversität, Boden, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Menschliche Gesundheit.

 

Die Ergebnisse des Monitorings sind zu finden unter https://www.lanuv.nrw.de/kfm-indikatoren/

 

 

Hintergrundinformationen „Fachbeitrag Klima“ Regionalplanung Detmold:

 

Für die Belange von Klimaschutz und Klimaanpassung in der Regionalplanung werden möglichst exakte räumliche Informationen und Datengrundlagen sowie klimafachliche Einschätzungen in einem Fachbeitrag zusammengefasst. Daraus abgeleitet werden Hinweise auf raumrelevante Anforderungen und Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen und Empfehlungen für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Dabei werden drei wesentliche Aspekte thematisiert: Als erstes wird der Klimawandel in der Planungsregion des Regierungsbezirks Detmold beschrieben, was sowohl die bisherige Entwicklung des Klimas als auch zukünftig zu erwartende Klimaveränderungen umfasst. Als zweites liefert der Fachbeitrag im Bereich Klimaschutz eine Bestandaufnahme der Treibhausgas-Emissionen in der Region sowie Zahlen zum Ausbaustand und noch bestehenden Potenzialen der Erneuerbaren Energien. Der Dritte Bereich beschreibt die Anpassung an den Klimawandel, hier liegt ein Fokus auf der steigenden Hitzebelastung der Bevölkerung, wobei besonders belastete Siedlungsräume und geeignete Ausgleichsräume im Freiraum (z.B. Kaltluftleitbahnen) durch das LANUV identifiziert und bewertet wurden.

 

 

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