24.10.2017

LANUV erfasst Luftschadstoffe aus der Binnenschifffahrt


© LANUV/Paschmann

Zwei neue Messstellen in Häfen von Duisburg und Neuss

Seit wenigen Tagen liefern zwei neue Messstellen am Rhein kontinuierliche Daten zur Luftqualität am Rhein. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat dazu zwei Messcontainer in Rheinnähe in  Duisburg und Neuss in Betrieb genommen, um den Einfluss der Emissionen aus Binnenschiffen auf die Luftqualität am Rhein genauer beurteilen zu können. Erstmals soll so eine belastbare Datengrundlage für Schadstoffbelastungen aus der Binnenschifffahrt erstellt werden.

Die Station in Neuss steht auf dem Gelände eines Containerterminals an der Tilsiter Straße. In Duisburg wird auf dem Rheindeich im Stadtteil Laar gemessen. Die Geräte erfassen die Konzentrationen von Stickstoffoxiden und Feinstaub in der Umgebungsluft im Minutentakt. Auch klimatische Daten werden erhoben.

Die Messungen sind Teil des EU-Life-Projekts CLINSH – Clean Inland Shipping, bei dem die Wirkung von emissionsmindernden Maßnahmen an Binnenschiffen, deren Kosten und die Alltagstauglichkeit dieser Maßnahmen ermittelt werden sollen. Dafür werden über zwei Jahre an Bord ausgewählter Schiffe verschiedene Techniken zur Begrenzung der Schadstoffemissionen praktisch getestet. Die 30 teilnehmenden Schiffe wurden in einer europäischen Ausschreibung ausgewählt. Es sind Schiffe die vom Eigner mit emissionsreduzierender Technologie oder für den Betreib mit einem alternativen Kraftstoff ausgerüstet werden oder bereits ausgerüstet sind.

Um Schiffe mit neuer und sauberer Abgastechnik und ältere ohne unterscheiden zu können, sind die neuen Messstationen am Rhein mit einem automatischen System zur Schiffserkennung ausgerüstet. Damit können sie erfassen, welches Schiff die Messstelle zu welchem Zeitpunkt passiert. Zur Bewertung werden am Ende alle Daten zusammengeführt.

Zu den Schiffen, die bereits emissionsarm betrieben werden, gehört das LANUV-Laborschiff „Max Prüss“, das in NRW im Dienste der Gewässerüberwachung an mehr als 200 Tagen pro Jahr auf Rhein, Ruhr, Weser und dem westdeutschen Kanalnetz unterwegs ist. Die „Max Prüss“ wurde vor zwei Jahren mit einer modernen Abgasreinigungsanlage nachgerüstet. Das so genannte SCRT-System zur Abgasnachbehandlung wurde im Herbst 2015 in den Maschinenraum des 33 Meter langen Schiffes eingebaut. Das System reduziert gleichzeitig Feinstaub und Stickstoffoxide im Abgas.

Binnenschiffe sind eine umweltverträgliche Alternative zum straßengebundenen Güterverkehr. Dennoch: Bei der Betrachtung der Schadstoffe, die am Rhein durch die Binnenschifffahrt in die Luft ausgestoßen werden, ist der Fluss durchaus mit einer stark befahrenen Autobahn vergleichbar. Bei gleicher Motorleistung entsprechen die aktuellen Abgasanforderungen für neue Schiffsmotoren bei weitem nicht den Standards moderner LKW, vor allem da Binnenschiffe häufig 30 Jahre und länger in Betrieb sind. Durch die Nachrüstung von Schiffsmotoren mit Abgasminderungstechnik können Emissionen deutlich gesenkt werden. Dass so etwas technisch machbar ist und zu messbaren Ergebnissen führt, haben erste Untersuchungen an der „Max Prüss“ bereits gezeigt. Mehr zum praktischen Nutzen und zum Einfluss auf die Luftqualität versprechen die Ergebnisse des CLINSH-Projekts, die mit den neu eingerichteten Messstellen am Rhein nun eine belastbare Datengrundlage erhalten.

 

Messstellen-Info und Messwerte

 

Mehr zum CLINSH-Projekt

 

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