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Handlungsoptionen

Die Klimaprojektionen zeigen, dass zukünftig mit einer erheblichen Zunahme der Auswirkungen des Klimawandels zu rechnen ist. Aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit eines nachhaltigen Stadtumbaus müssen Anpassungsmaßnahmen für künftige Veränderungen deshalb so früh wie möglich beginnen. Im Folgenden werden Maßnahmen genannt, die die Nutzung heute geplanter Gebäude oder Infrastruktur auch bei der projizierten Entwicklung des Klimas für die nächsten 50 bis 100 Jahren ermöglichen sollen.

Handlungsoptionen zur Verringerung der Hitzebelastung

(Quelle: MUNLV (2009): Anpassung an den Klimawandel, Eine Strategie für Nordrhein-Westfalen, Kap. 4.7)

Zur Verringerung der Hitzebelastung ist eine Umgestaltung der Stadt- und Gebäudearchitektur notwendig. Vorrangig sollten dabei Maßnahmen umgesetzt werden, die den direkten Hitzeeintrag reduzieren:

Freiraumplanung

Urbane Grünflächen haben eine hohe Bedeutung für das Lokalklima, da von ihnen sowohl tagsüber durch Schattenwurf und Verdunstung als auch nachts durch Kaltluftbildung und Luftaustausch eine kühlende Wirkung ausgeht. Gerade bei der Freiraumplanung tritt aber ein Zielkonflikt mit dem Klimaschutz auf. Werden innerstädtische Freiflächen bebaut, so führt das zu kompakten Siedlungsstrukturen, die flächen-, verkehrs- und energiesparend sind, den Wärmeinseleffekt aber verstärken können.

Bebauungsgrenzen festsetzen

Frischluft und Kaltluft aus der Umgebung tragen wesentlich zur Abschwächung der Hitzebelastung in Innenstädten bei. Deshalb sollte die Stadtbelüftung über innerstädtische Grünzüge und Frischluftschneisen gesichert und diese durch Bebauungsgrenzen freigehalten werden. Auch im Umland einer Stadt sollte die Zersiedelung durch Bebauungsgrenzen verhindert werden, um ausreichend Freiflächen für den Luftaustausch mit der Innenstadt zur Verfügung zu haben.

Begrünung von Straßenzügen

Im innerstädtischen Bereich kann auch die Begrünung von Straßenzügen mit Bäumen und Sträuchern die Hitzewirkung vermindern. Der Schatten der Vegetation sowie Verdunstung und Transpiration der Pflanzen reduzieren die Aufheizung der versiegelten Stadtbereiche.

Wasserflächen

Offene Wasserflächen haben eine ausgleichende Wirkung auf die Lufttemperaturen in der Umgebung. Wasser erwärmt sich im Vergleich zur Luft relativ langsam, dadurch sind Wasserflächen im Sommer relativ kühl. Die Verdunstung von Wasser verbraucht Wärmeenergie aus der Luft und trägt zur Abkühlung der aufgeheizten Innenstadtluft bei.

Dach- und Fassadenbegrünung

Begrünte Dächer und Hausfassaden können als kleinste Grünflächen im Stadtgebiet angesehen werden. Das Blattwerk, das Luftpolster und die Verdunstung in der Vegetationsschicht vermindern ein Aufheizen der Dachfläche bzw. Hauswand im Sommer und den Wärmeverlust des Hauses im Winter. Ein zusätzlicher Effekt von Dach- und Fassadenbegrünungen ist die positive Auswirkung auf den Wasserhaushalt. 70% bis 100% der Niederschläge werden in der Pflanzenschicht aufgefangen und durch Verdunstung wieder an die Stadtluft abgegeben. Dies führt zu einer höheren Luftfeuchtigkeit und trägt zur Abkühlung versiegelter Stadtteile bei. Gleichzeitig werden Starkniederschläge erst zeitverzögert an die Kanalisation abgegeben, was das Stadtentwässerungsnetz entlastet.

Gebäudedesign

Durch zunehmenden Hitzestress im Sommer kommt der Kühlung von Gebäuden in Zukunft eine steigende Bedeutung zu. Bei der Gebäudeplanung kann ein sommerlicher Hitzeschutz durch geeignete Gebäudeausrichtungen mit Hauswandverschattung, angebaute Verschattungselemente und Wärmedämmung erreicht werden. Helle Baumaterialien reflektieren mehr kurzwellige Sonneneinstrahlung. Dadurch heizt sich ein Haus weniger stark auf. Großflächig in der Stadtplanung angewandt, kann somit der Wärmeinseleffekt verringert werden. 

Handlungsoptionen zum Umgang mit Niederschlagsextremen

(Quelle: MUNLV (2009): Anpassung an den Klimawandel, Eine Strategie für Nordrhein-Westfalen, Kap. 4.7)

Die in Zukunft zu erwartende hohe Bandbreite von Niederschlägen erfordert eine größere Anpassungskapazität in der Siedlungsentwässerung. Zum einen ist eine Anpassung der Infrastruktur an veränderte Starkregenintensitäten und -häufigkeiten notwendig, zum anderen die Ausweitung der natürlichen Rückhalte- und Versickerungsflächen für Niederschläge.

Siedlungswasserwirtschaft

Als Maßnahmen der Siedlungswasserwirtschaft sind die Dimensionierung von Speicherbecken und Kanalisation, die Entlastung von Abwasseranlagen durch dezentrale Maßnahmen zur Versickerung, Rückhaltung oder Nutzung von Niederschlagswasser oder die flexible Auslegung und der flexible Betrieb der Entwässerungssysteme zu nennen.

Hochwasserangepasste Bauweisen

Hochwassergefahren können am Besten vermieden werden, wenn hochwassergefährdete Bereiche von jeglicher Bebauung frei gehalten werden. Des Weiteren kann ein Verbot des Baus von Kellergeschossen in hochwassergefährdeten Gebieten sinnvoll sein. Alternativ können veränderte Kellerkonstruktionen mit Wannen im Fundament oder erhöhten Kellerwänden die Hochwassersicherheit verbessern.

Bodenentsiegelung

Auch durch Bodenentsiegelungskonzepte kann der Starkregenabfluss verringert werden. Sinnvoll ist ein dezentrales Wassermanagement im urbanen Raum, das durch Vernetzung von innerstädtischen Grünflächen zur Ableitung, Versickerung und Verdunstung von Niederschlägen führt. Entsiegelungen von großen Flächen wie Parkplätzen schaffen ortsnahe Versickerungsflächen für Niederschläge. Ein positiver Nebeneffekt der Flächenentsiegelung im innerstädtischen Bereich ist die kühlende Wirkung durch Verdunstung, die von diesen Flächen ausgeht (Kühlleistung des Bodens).