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Treibhausgasemissionen

Treibhausgase (THG) sind gasförmige Stoffe, die zum Treibhauseffekt beitragen, indem sie einen Teil der Infrarotstrahlung absorbieren, die von der Erdoberfläche abgegeben wird. Die Energie dieser Strahlung verbleibt so teilweise in der Erdatmosphäre und wird nicht ans Weltall abgegeben. Es gibt Treibhausgase natürlichen Ursprungs und Treibhausgase, die anthropogen, also vom Menschen verursacht sind.

Nordrhein-Westfalen unterhält ein Treibhausgas-Emissionsinventar, das sich an den Vorgaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC 2006) orientiert. Die Treibhausgase (THG) Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas sowie HFC, PFC, SF6 und NF3 werden darin für die IPCC-Sektoren Energie, Industrieprozesse, Landwirtschaft, Abfall und Sonstige detailliert erfasst. Das Inventar dient somit zur Dokumentation der Emissionsentwicklung, als Bezugs- und Kontrollgröße im Rahmen der Analyse der Klimaentwicklung sowie als Instrument zur Bewertung von Maßnahmen zur Emissionsreduzierung.

Einen wesentlichen Anteil an der Minderung der THG-Emissionen hat der Europäische Emissionshandel, der 2005 eingeführt wurde und an dem ca. 500 Anlagen in NRW beteiligt sind.

Treibhausgasemissionen NRW im Jahr 2016

2016 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 285,6 Mio. t CO2-Äquivalente (CO2eq) emittiert. Dies bedeutet eine gegenüber dem Vorjahr praktisch unveränderte Emission (+0,1 %) und eine Minderung von 22,4 % gegenüber dem Bezugsjahr 1990.

Abbildung 1: Verteilung der Gesamtemissionen in NRW in 2016 (insgesamt 285,6 Mio. t CO2eq)

52,7 % der THG-Emissionen entstehen 2016 im Sektor Energiewirtschaft (Abbildung 1). Weitere bedeutende Emissionssektoren sind die Emissionen der Industrie (19,1 %), der Verkehr (12,1 %) sowie Haushalte und Kleinverbraucher (10,6 %). Die Bereiche Landwirtschaft und Abfall verursachen 2,6 % bzw. 0,2 % der nordrhein-westfälischen Treibhausgas-Emissionen. Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, z. B. aus Steinkohlezechen und der Öl- und Gaswirtschaft, machen etwa 1,3 % der Emissionen aus. Durch Produktanwendungen wie beispielsweise PKW-Klimaanlagen und Gebäudekälte entstehen ebenfalls etwa 1,4 % der THG-Emissionen.

Abbildung 2: Zeitreihe der THG-Emissionen in NRW für die Sektoren

Die Zeitreihe ab 1990 (Abbildungen 2 und 3) zeigt folgende Entwicklung: Zwischen 1990 und 2005 sind erhebliche Minderungen der THG-Emissionen um ca. 40 Mio. t CO2eq zu verzeichnen, die im Wesentlichen in den Sektoren Industrie (technische Maßnahmen/Strukturwandel), Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen (Grubengas aus Steinkohlezechen) und Abfall (Reduzierung/Erfassung von Deponiegasen) stattfinden. Im weiteren Verlauf zeigt sich im Jahre 2009 ein deutlicher, durch die Wirtschaftskrise verursachter Rückgang der Emissionen. Die folgenden Jahre bis 2013 bringen insgesamt einen Anstieg auf Grund der konjunkturellen Erholung. Im Jahre 2014 folgt eine deutliche Reduzierung, die zu einem großen Teil auf die milde Witterung zurückzuführen ist. Es ist aber in NRW auch eine Reduzierung der Emissionen im Sektor Energiewirtschaft festzustellen, deren Ursache in einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke und der Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke liegt. Im Jahr 2015 setzt sich diese Tendenz noch fort.

Dies gilt allerdings nicht mehr für das Jahr 2016, in dem nur wenige Kraftwerksblöcke abgeschaltet wurden und auch neue Gaskraftwerke in Betrieb gingen. Die Minderung in der Energiewirtschaft gegenüber 2015 liegt daher nur bei knapp 0,5 Mio. t CO2eq. Dem steht insbesondere im Bereich des Straßenverkehrs eine Erhöhung um ca. 1 Mio. t CO2eq bzw. 3,4 % gegenüber. Es ergeben sich insgesamt Emissionen von 285,6 Mio. t CO2eq. Sie liegen damit um 0,1 % über dem Stand von 2015. Die THG-Minderung zwischen 1990 und 2016 beträgt 22,4 %.

Ausblick 2017

Aus den bisher vorliegenden Daten, insbesondere den Emissionsberichten des Emissionshandels, ergibt sich folgendes Bild für die Entwicklung in 2017 (siehe Abbildungen 2 und 3):

Bei den Kraftwerken setzt sich die Entwicklung aus den Jahren 2014 und 2015 fort. Durch Stilllegung einiger Steinkohleblöcke (Voerde Blöcke A/B, Gemeinschaftskraftwerk West, HKW Herne Block 3) bzw. Überführung zweier Braunkohleblöcke in die Sicherheitsbereitschaft (Kraftwerk Frimmersdorf, Blöcke P/Q) sowie durch eine deutlich geringere Auslastung einiger weiterer Steinkohlekraftwerke reduzieren sich die Emissionen aus der Energiewirtschaft im Jahre 2017 um etwa 12 Mio. t CO2eq gegenüber dem Vorjahr.

Weiterhin sind für das Jahr 2017 folgende Tendenzen erkennbar:

  • Im Sektor Haushalte und Kleinverbraucher ist laut Abschätzung der AG Energiebilanzen e.V. für Deutschland eine Zunahme der Emissionen um ca. 4 % zu erwarten. Dies entspricht für NRW etwa 1,2 Mio. t CO2eq.
  • Entsprechend der vom UBA für Deutschland erwarteten Tendenz werden sich auch in NRW die Emissionen aus dem Straßenverkehr aufgrund der steigenden Kraftfahrzeugzahlen voraussichtlich nochmals um gut 2 % erhöhen.
  • Die Emissionen im Sektor Industrie werden in etwa gleich bleiben, möglicherweise ebenfalls geringfügig ansteigen.
  • In den Sektoren Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen, Produktanwendungen/Sonstige, Landwirtschaft und Abfall sind keine gravierenden Änderungen zu erwarten.

Insgesamt ergeben sich daraus für NRW vorläufige Emissionen für 2017 von 275,7 Mio. t CO2eq, eine Minderung um knapp 10 Mio. t CO2eq bzw. 3,5 % gegenüber 2016. Die Reduzierung gegenüber 1990 liegt damit bei ca. 25 %, d. h., das durch das Klimaschutzgesetz NRW für 2020 vorgesehene Minderungsziel wird im Jahre 2017 voraussichtlich bereits in etwa erreicht.

Abbildung 3: Zeitreihe der Treibhausgasemissionen in NRW nach Sektoren in Mio. t CO2-Äquivalenten (Quellen: WI 2005 und LANUV NRW 2018)