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Gewässerstruktur-
kartierung 2012


Gewässerstrukturgüte in NRW

Bericht und Karte 2005

Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union verlangt eine ganzheitliche Gewässerschutzpolitik, welche die ökologische Funktionsfähigkeit der Fließgewässer unter Einbeziehung der Gewässerstruktur zugrunde legt. Die Gewässerstruktur wird bemessen an der Natürlichkeit der Gewässer. Maßgeblich dafür sind etwa die Gewässersohle, das Ufer und der Auenbereich. Naturnahe Strukturen sind die Voraussetzung für vielfältige Lebensräume und damit für naturraumtypische Pflanzen und Tiere.

Gewässerstrukturgütekarte Nordrhein-Westfalen Um den Zustand der Gewässerstruktur zu ermitteln und zu bewerten, in dem sich die Fließgewässer Nordrhein-Westfalens befinden, erhebt die staatliche Umweltverwaltung bereits seit 1999 nach bundesweit einheitlichen Vorgaben die Strukturgütedaten aller Fließgewässer im Lande. Mittlerweile liegen diese Daten für mehr als 370 Fließgewässer mit einer Gewässerlänge von etwa 11.800 km vor. 142 Fließgewässer mit einer Gesamtlänge von rund 6.000 km sind in der Gewässerstrukturgütekarte des Landes Nordrhein-Westfalen dargestellt und im Bericht zur Gewässerstrukturgüte 2005 ausführlich beschrieben (LUA: Gewässerstrukturgüte in Nordrhein-Westfalen - Bericht 2005).

Die Kartierung der Gewässerstruktur wird mit einem fest vorgegebenen System von Einzelparametern durchgeführt, die die ökologischen Funktionen eines Fließgewässers besonders gut beschreiben ( LUA-Merkblatt Nr. 14 und LUA-Merkblatt Nr. 26). Die Länge der zu kartierenden Abschnitte variiert in Abhängigkeit von der natürlichen Gewässerbreite und liegt zwischen 100 und 1000 Meter. Die Bewertung erfolgt in einer siebenstufigen Skala analog zur biologischen Gewässergütekartierung. Sie bewertet die Abweichung des Ist-Zustandes eines Gewässerabschnittes von dem "heutigen potenziell natürlichen Gewässerzustand", dem so genannten "Leitbild". Dabei handelt es sich um den Zustand, der sich nach Auflassung vorhandener Nutzungen in und am Gewässer und seiner Aue sowie nach Entnahme sämtlicher Verbauungen einstellen würde. Die optimale Bewertung (Güteklasse 1) ist an diesem Leitbild ausgerichtet. Der Beschreibung des Leitbildes liegt der Gewässertyp zugrunde. Er kann dem Fließgewässertypenatlas NRW ( LUA-Merkblatt Nr. 36) entnommen werden.

Der Bericht und die Karte beschreiben und zeigen anschaulich, dass viele Gewässer durch Ausbaumaßnahmen der Vergangenheit mehr oder weniger stark verändert wurden. Sie sind in der Karte durch die Farben gelb (stark verändert), orange (sehr stark verändert) oder rot (vollständig verändert) gekennzeichnet. Daneben gibt es erfreulicherweise aber auch noch Gewässer bzw. Gewässerabschnitte, die gegenüber dem Leitbild nur mäßig (grün) bzw. gering (blau) verändert wurden und sich damit unter ökomorphologischen Gesichtspunkten in einem "guten" bis "sehr guten" Zustand befinden. Diese Gewässer gilt es besonders zu schützen, wie es im Bericht hervorgehoben wird. Dabei bedeutet Ökomorphologie die Beschreibung der Gewässergestalt nach ökologischen Gesichtspunkten.

Es folgt eine Tabelle mit 4 Spalten und 7 Zeilen
Von 11.800 erfassten Fließgewässer-km
in NRW sind
Strukturgüte-
klasse
Grad der Beeinträchtigung Farbige Kartendarstellung
1,5 % 1. Unverändert dunkelblau.
3,9 % 2. Gering verändert hellbau.
10,3 % 3. Mäßig verändert dunkelgrün.
15,0 % 4. Deutlich verändert hellgrün.
21,0 % 5. Stark verändert gelb.
32,6 % 6. Sehr stark verändert orange
15,7 % 7. Vollständig verändert rot.
Auswertung der Strukturgüteklassen in NRW Ende der Tabelle

Der Bericht und die Karte zur Gewässerstrukturgüte geben Hinweise auf lokale strukturelle Defizite der Fließgewässer im ökomorphologischen Bereich. Auch in stark veränderten Gewässern, die in der Karte orange bis rot dargestellt sind, gibt es noch aquatisches Leben. Erst durch einen Abgleich mit den biologischen Qualitätskomponenten der EU-Wasserrahmenrichtlinie - in Nordrhein-Westfalen sind das vor allem die Fische, die benthische Wirbellosenfauna und die Makrophyten - kann entschieden werden, ob eine naturnahe Umgestaltung notwendig ist, um das Ziel "guter ökologischer Zustand" zu erreichen. Der Bericht weist deshalb auch auf erforderlichen Handlungsbedarf hin und beschreibt bereits durchgeführte oder geplante Maßnahmen zur naturnahen Entwicklung der Gewässer in NRW.

Eine deutliche Aufwertung der Gewässerstrukturgüte stärkt aber nicht nur die Fließgewässerökologie. Sie hilft auch, die Schadwirkungen von Hochwassern zu mindern, indem das Wasser in den naturnahen Auen und Einzugsgebieten zurückgehalten wird. Insofern sind Gewässerstrukturgütebericht und Gewässerstrukturgütekarte einerseits wichtige Instrumente, um den Einsatz von Landesmitteln sinnvoll zu steuern, andererseits aber auch ein wesentlicher Baustein für die Bewirtschaftungsplanung von Flusseinzugsgebieten.

      LANUV NRW 2011

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