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Fließgewässer
Der Zustand der Fließgewässer wird weitgehend durch die
Einwirkung menschlicher Aktivität geprägt. Industrie und Kommunen,
Landwirtschaft und Schiffahrt tragen zu ihrer Verschmutzung bei. Schadstoffe
gelangen dabei auf vielen Wegen in die Gewässer.
Abwassereinleitungen sind die wesentlichen punktförmigen Quellen für
Verschmutzungen. Im Sinne eines wirksamen Gewässerschutzes ist die
Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Abwassergrenzwerte primär zu über-wachen.
Diese Aufgabe erfüllen in Nordrhein-Westfalen die 12 Staatlichen Umweltämter
(StUÄ), die in den Städten Aachen, Bielefeld, Duisburg, Düsseldorf,
Hagen, Herten, Krefeld, Köln (mit einer Außenstelle in Bonn),
Lippstadt (mit einer Außenstelle in Soest), Minden, Münster und
Siegen angesiedelt sind und jährlich ca. 20.000 Abwasseruntersuchungen bei
den rund 4.500 Einleitern ohne Voranmeldung und zu unterschiedlichen Tages- und
Nachtzeiten durchführen.
Darüber hinaus ist eine systematische Überwachung der Gewässer
selbst notwendig, um die vielfältigen direkten und diffusen Einflüsse
sowie deren Auswirkungen im Gewässer verfolgen und beurteilen zu können.
Ziele der Gewässerüberwachung in NRW sind
die zeitnahe Erfassung kurzfristiger
Veränderungen, um bedenkliche Schadstoffe schnell zu erkennen und
unerlaubte Einleitungen feststellen und verfolgen zu können sowie
die Beobachtung langfristiger
Entwicklungen zur Sicherung der Gewässer als Ökosysteme und ihrer
vielfältigen Nutzungen.
Die Überwachung der Fließgewässer und die Ermittlung der Gewässergüte
sind im Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen (LUA NRW) eine wichtige Aufgabe. Auf
der Grundlage der Landeswassergesetze liegen die heutigen Arbeitsschwerpunkte in
der Überwachung des Rheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse, der
Untersuchung der
westdeutschen Schiffahrtskanäle sowie
landesweit von Flusssedimenten und Bioindikatoren.
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Gewässerstrukturgüte der Fließgewässer
Kleiner Fluss mit hoher Strukturgüte
In den letzten Jahren ist der Zustand der Flüsse und Bäche als
Lebensraum immer mehr in das Blickfeld des Gewässerschutzes gelangt.
Sauberes Wasser allein genügt nicht, um im Gewässer eine seinem
Charakter entsprechende Lebensgemeinschaft zu ermöglichen. Der Fluss oder
Bach muss „bewohnbar" sein.
Als Instrument zur Feststellung gewässermorphologischer Defizite aus ökologischer
Sicht wurde ein Verfahren zur Ermittlung und Kartierung der Strukturgüte für
Fließgewässer entwickelt, das nach Erprobung demnächst flächendeckend
in NRW eingesetzt werden wird. Damit besteht die Möglichkeit, sowohl
Defizite als auch Verbesserungen der Gewässerstruktur objektiv zu ermitteln
und zu dokumentieren. Als Bestandteil von Konzepten zur naturnahen Entwicklung
von Fließgewässern wird die Strukturgütekartierung bereits
genutzt. Sie beschränkt sich nicht auf den aquatischen Bereich sondern
bezieht auch die zeitweise überfluteten amphibischen und terrestrischen
Bereiche der Fließgewässer ein. Damit wird ein weiterer Schritt zum
umfassenden Gewässerschutz getan.
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Zeitnahe Gewässerüberwachung rund um die Uhr
Das nordrhein-westfälische Konzept der intensivierten Gewässerüberwachung
(INGO) wurde 1987 vom ehemaligen Landesamt für Wasser und Abfall NRW in die
Praxis umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Aufgabe besteht in der
kurzfristigen Aufdeckung von bedeutsamen Gewässerverunreinigungen und Stoßbelastungen
nach Unfällen, Havarien oder Betriebsstörungen in kommunalen und
industriellen Kläranlagen. Mit den Messwerten aus den an Rhein und Ruhr
gelegenen Messstellen ist eine rechtzeitige Information der Wasserwerke gegeben,
die diese Gewässer für die Trinkwasserversorgung nutzen.
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Mit zunehmender Messdichte ist eine effizientere Eingrenzung der Verursacher
von Gewässerverunreinigungen möglich. Die intensivierte Gewässerüberwachung
wird an 13 Alarmmessstationen unterschiedlicher Leistungsfähigkeit
durchgeführt.
Grundbaustein ist ein kontinuierlich
betriebenes
Weitere Bausteine der Alarmmessstationen sind
Integralmessstationen,
automatisierte Probenahme für leichtflüchtige organische Verbindungen (mehrmals pro Tag) sowie
biologische Wirkungstests (z. B.
Dynamischer Daphnientest, Dreissena-Monitor).
Wegen der geforderten Zeitnähe zwischen Probenahme und Analysenergebnis
werden spezielle Messverfahren angewendet:
Bei dem als Integralmessung bezeichneten Verfahren wird ein Teilstrom des
Gewässers kontinuierlich nach den Messgrößen untersucht, die mit
Messfühlern (Elektroden) zu messen sind. Dies sind vor allem pH-Wert,
Sauerstoffgehalt Wassertemperatur und Leitfähigkeit. Ergänzende
on-line-Verfahren liefern mehrmals täglich Ergebnisse über die
Belastung des Rheins mit leichtflüchtigen und polaren organischen
Verbindungen. Die Messwerte aus den Stationen werden mittels Datenfernübertragung
in die Alarmzentrale des LUA NRW in Düsseldorf weitergeleitet.
Als Screening werden Übersichtsanalysen bezeichnet, anhand derer das
Abweichen vom „Normalzustand" leicht erkennbar ist. Dabei werden die
Wasserproben mittels gaschromatographischer (GC) und flüssigkeitschromatographischer
(HPLC) Methoden auf mehr als 200 organische Schadstoffe untersucht. Die
erhaltenen Rohdaten werden ohne aufwendige Qualitätssicherung auf Auffälligkeiten
geprüft. Die Abweichung gegenüber dem Normalzustand wird bei den
organischen Schadstoffen durch einen Vergleich chromatographisch gewonnener
Spektren ermittelt, die für die jeweiligen Fließgewässer
charakteristische „Fingerabdrücke" darstellen. Beim Vorliegen
ungewöhnlicher Befunde werden die Substanzen mit Hilfe der
Massenspektrometrie (MS) identifiziert und quantifiziert.
Dynamische Biotests werden in den Messstationen an Teilströmen des Gewässers
betrieben; die eingesetzten Organismen zeigen integrale Wirkungen von Stoßbelastungen
an. Sie ergänzen somit die chemische Analyse um die Wirkungsinformation. Im
Dynamischen Daphnientest wird das Bewegungsverhalten
von Wasserflöhen kontinuierlich registriert. Bei signifikanten
Abweichungen vom regulären Schwimmverhalten wird Alarm ausgelöst. Im
Dreissena-Monitor wird der Öffnungszustand von Muscheln digitalisiert, um
daraus verschiedene Messparameter und Alarmschwellen zu berechnen. Werden durch
Abweichungen vom Normal-verhalten bestimmte Alarmkriterien erfüllt, löst
das Gerät Gewässeralarm aus. Die Ergebnisse werden mittels
automatisierter Datenfernübertragung nach Düsseldorf weitergeleitet.
Zur Ergänzung der bestehenden Testpalette werden z. Zt. kontinuierliche
Tests mit Algen erprobt.
Messcontainer in Düsseldorf-Flehe
Während die Integralmessungen und Biotestverfahren kontinuierlich
ablaufen, erfolgen die Screeningmessungen im regelmäßigen Turnus aus
rund um die Uhr gesammelten Wasserproben, z. T. nach speziellen
Anreicherungsverfahren. Diese Untersuchungen werden in den Laboratorien der
Rheinwasserkontrollstationen
Bad Honnef und
Kleve-Bimmen/Lobith
sowie im Labor in Düsseldorf täglich – auch am Wochenende –
durchgeführt.
Auffällige oder erhöhte Schadstoffkonzentrationen werden
analytisch abgesichert. Beim Überschreiten von Warngrenzen führen
diese zu einer Alarmauslösung, z. B. im Rahmen des Internationalen Warn-
und Alarmdienstes Rhein.
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Langzeitüberwachung
Die systematische Erfassung der Gewässerbeschaffenheit und ihrer
langfristigen Änderung erfolgt durch die zwölf StUÄ und das LUA
NRW auf der Grundlage des Gewässergüteüberwachungssystems NRW (GÜS).
Durch ein stark differenziertes Messprogramm werden lokale Besonderheiten der
Belastung und Nutzung des Gewässers berücksichtigt.
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Langzeitmessprogramm (Gewässergüte-Erfassung) |
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3500 Basismessstellen
1-2 Untersuchungen in 5 Jahren |
bis zu 250 Intensivmessstellen
jährlich
wechselnder Untersuchungsumfang
mindestens 4 x
jährlich |
94 Trendmessstellen 13 bzw. 26 Untersuchungen
jährlich
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Grundmessprogramm: |
Grundmessprogramm |
Grundmessprogramm |
Abfluss
Wassertemperatur
pH-Wert
Leitfähigkeit
Sauerstoffgehalt
abfiltrierbare Stoffe
Ammonium-N Nitrit-N
Nitrat-N Gesamt-N
Orthophosphat-P Chlorid
gesamter organisch gebundener Kohlenstoff (TOC)
+ Saprobienindex
+Gewässergüteklasse |
+ erweitertes Grundmessprogramm
DOC
Kalium
Natrium
Calcium
Aluminium
Magnesium
AOX
BSB
5 Silikat
Sulfat + weitere Untersuchungsgruppen je nach Problemstellung |
+ erweitertes Grundmessprogramm
+ Trendmessprogramm
Schwermetalle
Komplexbildner
sowie 130 organische Einzelstoffe in der Wasserphase und 70 organische Einzelstoffe im
Schwebstoff Koloniezahl
gesamtcoliforme Keime
fäkalcoliforme Keime |
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Trendmessstellen liegen an Orten besonderer wasserwirtschaftlicher Relevanz,
bei deren Auswahl besonders schutzbedürftige Nutzungen und die exponierte
Lage an Knotenpunkten von Einzugsgebieten berücksichtigt werden. An 9
Trendmessstellen überwacht das LUA den Rhein, seine Nebenflussmündungen
sowie die Ruhr. Ausführliche Messprogramme in den Teilbereichen Chemie,
Biologie und Radioaktivität erlauben einen umfassenden Überblick über
die Situation der untersuchten Gewässer.
Die Trendmessstellen bilden nur eine kleine, aber äußerst
detailliert untersuchte Untergruppe des gesamten Messstellennetzes an den Fließgewässern
in NRW. Dieses besteht aus 3.500 Basismessstellen, an denen abhängig von
der Gewässergüte ein- bis zweimal in fünf Jahrenbiologische und
begleitende chemische Untersuchungen durchgeführt werden.
Lokale und regionale Problemstellungen, z. B. die Notwendigkeit oder der
Erfolg von Sanierungsmaßnahmen führen zur zeitlich begrenzten
Einrichtung von Intensivmessstellen. Diese sind je nach Fragestellung zwischen
Immissions-/Emissionsüberwachung und zeitnaher Gewässerüberwachung
einzuordnen.
Das LUA NRW ist bei der Gewässerüberwachung im Rahmen
landesweiter, nationaler und internationaler Aufgaben maßgeblich
beteiligt. Diese beinhalten landesweit die Untersuchung der Gewässergüte
im westdeutschen Kanalnetz, der deutsch-niederländischen Grenzgewässer
sowie zahlreiche Sonderuntersuchungen (z. B. Messung der Pestizidgehalte in
ausgewählten, insbesondere landwirtschaftlich geprägten Gewässersystemen).
Ergebnisse aus Untersuchungen an Rhein und Weser fließen in Auswertungen
der deutschen und internationalen Rheinschutzkommission, der Arbeitsgemeinschaft
zur Reinhaltung der Weser sowie EU-weite Umweltprogramme ein.
Zusätzlich zu den Untersuchungen der Wasserproben und den darin mitgeführten
Schwebstoffen ist das LUA NRW auch landesweit für die Überwachung der
Flusssedimente zuständig.
Viele in Wasser schwerlösliche Schadstoffe, vor allem Schwermetalle und
schwerflüchtige chlororganische Verbindungen, reichern sich im Sediment an
und werden dort über lange Zeit gespeichert. Dieses „Gedächtnis
der Flüsse" ist ein guter Indikator für den langfristigen Trend
von Gewässerbelastungen. In Kombination mit radiologischen
Altersbestimmungen können aktuelle illegale Einleitungen von adsorbierbaren
Schadstoffen ermittelt werden.
Laborschiff "Max Prüss" im Einsatz
Daneben werden in den Fischereidezernaten der Landesanstalt für Ökologie,
Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung (LÖBF/LAfAO)
Akkumulationsuntersuchungen an Fischen durchgeführt, bei denen festgestellt
wird, welche Schadstoffe sich in welchem Ausmaß in den Fischen
angereichert haben. Aus den Ergebnissen lässt sich das langfristige Gefährdungspotential
von Stoffen abschätzen. Darüber hinaus lassen sich Empfehlungen zur
Verzehrsfähigkeit von Fischen ableiten.
Für spezielle Probenahmen und Untersuchungen setzt das LUA NRW das
Laborschiff „MAX PRÜSS" ein. An jährlich
etwa 230 Einsatztagen werden 16.000 km Fließgewässer und Kanäle
befahren. Dabei werden mehr als 2.000 Wasser-, Schwebstoff- und Sedimentproben
entnommen. Eine große Anzahl der Wasserproben wird zum Teil direkt an Bord
untersucht.
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Radioaktivitätsüberwachung
Die Überwachung der Radioaktivität gliedert sich in zwei Bereiche:
Anlagenbezogene Messungen und Messung der Umweltradioaktivität.
Aufgrund der Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung
kerntechnischer Anlagen (REI) werden Emissionskontrollen des Abwassers wie auch
Immissionsmessungen des Oberflächenwassers, der Sedimente und Fische in der
näheren Umgebung der Anlage durchgeführt.
Zur Bestimmung der allgemeinen Umweltradioaktivität werden nach dem
Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) flächenrepräsentative Proben von
Gewässern, Böden aber auch von Lebens- und Futtermitteln untersucht,
um zuverlässige Referenzwerte aller Bereiche zu gewinnen. Im Falle von
Ereignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen
kann mit Hilfe der Messergebnisse der unterschiedlichsten Medien eine Früherkennung
und damit eine Schadenminimierung erfolgen, indem durch angemessene Maßnahmen
die Strahlenexposition der Menschen so gering wie möglich gehalten wird.
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Auswertung und Veröffentlichung der Messergebnisse
Trotz drastischer Reduktion der Schadstoffgehalte in den letzten zwei
Jahrzehnten sind die nordrhein-westfälischen Fließgewässer
weiterhin intensiv zu überwachen, weil mit der Verbesserung der Gewässergüte
eine erhöhte Störanfälligkeit der Ökosysteme einhergeht. In
Zukunft kommt der Belastung aus diffusen Quellen im Vergleich zu Punktquellen
mehr Bedeutung zu. Als grundsätzlicher Weg zur Problemlösung gilt
unverändert:
Gewässerbelastungen erkennen
Schadstoffe quantifizieren
Quellen lokalisieren
technische und rechtliche Maßnahmen
zur Sanierung einleiten.
Dazu werden die Messergebnisse der Gewässerüberwachung mit
Zielvorgaben, Schwellenwerten und Güteanforderungen (Allgemeine Güteanforderungen
für Fließgewässer, AGA) verglichen. Für einige Kenngrößen
werden auch Güteanforderungen aus EU-Gewässerschutzrichtlinien, z. B. über
„Qualitätsanforderungen an Oberflächengewässer für die
Trinkwassergewinnung" herangezogen. Prinzipiell werden in NRW alle Daten
zur Gewässergüte veröffentlicht. Das Landesumweltamt NRW gibt
hierzu jährlich einen Rheingütebericht bzw. Gewässergütebericht
heraus, der die Entwicklung der Gewässerqualität und die Ergebnisse
von Sonderuntersuchungen zu ausgewählten Problembereichen beschreibt.
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Die Gewässergütekarte
Probenahme vor Ort
Die Gewässergütekarte stellt die Gewässergüte unserer
Fließgewässer auf der Grundlage biologisch-ökologischer
Untersuchungen dar. Beurteilt wird die Beeinträchtigung der
Lebensgemeinschaften durch Abwassereinleitungen und den Eintrag von Nähr-
und Schadstoffen aus der Umgebung. Ergänzt werden die Untersuchungen durch
die Erfassung chemischer Kenngrößen wie Sauerstoffgehalt,
Sauerstoffzehrung, Gehalt an Ammoniumstickstoff, pH-Wert etc., die den
allgemeinen Belastungszustand des Gewässers kennzeichnen.
Gewässerbelastungen mit biologisch abbaubaren Stoffen führen zu
Sauerstoffmangel und der Entstehung von Fäulnisgiften. Dadurch können
die im Gewässer lebenden Tiere und Pflanzen stark geschädigt oder völlig
vernichtet werden. Je nach Empfindlichkeit der Arten stellen sich entsprechend
der Belastung unterschiedliche Lebensgemeinschaften ein, die jeweils typisch
sind für einen bestimmten Verschmutzungsgrad bzw. Grad der Selbstreinigung.
Die Zeigerarten dieser Lebensgemeinschaften nennt man Saprobien und fasst sie im
Saprobiensystem zusammen.
Hydropsyche contuberhalis
Den Organismen ist – entsprechend ihrem Zeigerwert – eine Zahl
zwischen 1 und 4 zugeordnet. Zusammen mit einem Zahlenwert für ihre Häufigkeit
und ihre Indikatorqualität wird daraus ein Saprobienindex zwischen 1 –
4 errechnet. Aus diesem biologischen Wert und weiteren, vor allem chemischen
Kenngrößen der Wasserbeschaffenheit, wird die Güteklasse
ermittelt.
Zur Ermittlung der Gewässergüteklasse eines Gewässerabschnittes
wird zunächst an typischen Stellen die ortsgebundene Lebensgemeinschaft
erfasst. Dies geschieht mit Hilfe eines Fangnetzes und durch Absammeln von
Steinen, Holzteilen, Wasserpflanzen oder anderen besiedelbaren Flächen im
Gewässer. Die vorgefundenen Organismen werden danach im Labor durch
mikroskopische Untersuchungen bis zur Art bestimmt. Daran schließen sich
die Errechnung des Saprobienindex und die Festlegung der Gewässergüteklasse
an.
In Nordrhein-Westfalen ist die Ermittlung der Gewässergüteklasse
auf der Grundlage bundesweit vorgegebener Kriterien durch die Richtlinie zur
Ermittlung der Gewässergüteklasse vereinheitlicht worden, um die
Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten. Für die Bestimmung
des Saprobienindex gilt seit 1990 die Norm DIN 38 410, Teile 1 und 2.
Die Ermittlung der Gewässergüteklasse ist Bestandteil des Gewässergüteüberwachungssystems
(GÜS) des Landes Nordrhein-Westfalen und wird an ca. 3500 Messstellen
durchgeführt. Untersucht und in der Karte dargestellt werden nur solche Gewässer,
die erkennbar belastet sind oder gezielten Nutzungen unterliegen.
Am Rhein, den Mündungen seiner Hauptzuläufe, den deutsch-niederländischen
Grenzgewässern und den Schiffahrtskanälen werden die Untersuchungen
vom Landesumweltamt NRW, an den übrigen Gewässern von den jeweils zuständigen
Staatlichen Umweltämtern durchgeführt.
Ein Ausschnitt aus der Gewässergütekarte Nordrhein-Westfalen
Das Landesumweltamt NRW koordiniert diese Untersuchungen und gibt alle 5
Jahre die aktuelle Gewässergütekarte für das Land
Nordrhein-Westfalen heraus.
Im gleichen Zeittakt wird aus den Karten der einzelnen Bundesländer
eine Gütekarte der Fließgewässer der Bundesrepublik Deutschland
erarbeitet.
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Bakteriologische Untersuchungen
Da bisher nur in speziellen Fällen (Krankenhäuser,
Tuberkuloseheilstätten, Tierkörperbeseitigungsanstalten)
hygienisch-bakteriologische Anforderungen für Abwassereinleitungen gestellt
werden, gelangen aus Kläranlagen, Mischwassereinleitungen, durch
Abschwemmung von landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wasservögel u.
a. Quellen große Mengen an Fäkalbakterien und damit auch potentiellen
Krankheitserregern in die Gewässer.
Die biologischen Untersuchungen zur Gewässergüte werden deshalb
durch Erhebungen zur hygienisch-bakteriologischen Beschaffenheit der Fließgewässer
ergänzt.
Dabei wird an den Trendmessstellen auf die Parameter Koloniezahl,
gesamtcoliforme Keime und fäkalcoliforme Keime untersucht.
Die „Koloniezahl" der saprophytischen Bakterien wird als Indikator
für die organische Gewässerbelastung verwendet. Die Konzentration
dieser an hohe Nährstoffgehalte adaptierten Bakterien ist eng verknüpft
mit Abwassereinleitungen und zeigt die Intensität des Abbaus organischer
Substanzen an. Die Koloniezahl steht daher auch in direkter Beziehung zur Gewässergüte.
Die Anwesenheit gesamtcoliformer Keime begründet den Verdacht auf eine
fäkale Verunreinigung, der Nachweis fäkalcoliformer Keime bestätigt
dieselbe.
Ist der Gehalt an Fäkalbakterien zu hoch, sind bestimmte Gewässernutzungen
wie die Gewinnung von Trinkwasser, das Baden oder die Verwendung als
Beregnungswasser für land-wirtschaftliche Kulturen nur eingeschränkt
oder gar nicht mehr möglich.
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Die Überwachung stehender Gewässer
Die Mehrzahl der stehenden Gewässer Nordrhein-Westfalens ist künstlich
entstanden. Über 70 Talsperren werden für die Gewinnung von Trink-
oder Brauchwasser, zur Energiegewinnung, zur Abflussregulierung
(Hochwasserschutz und Niedrigwasseraufhöhung) und zur Erholung genutzt.
Durch die Abgrabung von Bodenschätzen sind über 1.000 Baggerseen und über
vierzig Braunkohlerestseen geschaffen worden, die vor allem der Fischerei und
dem Wassersport dienen, teilweise aber auch für den Biotop- und Artenschutz
Bedeutung haben. Natürlichen Ursprungs sind die wenigen Heideweiher,
Erdfallseen und Altwässer.
Das Große Heilige Meer als einer der wenigen natürlich
entstandenen Seen unseres Landes, verfügt über ausgedehnte
Verlandungszonen und steht unter Naturschutz
Die limnologische Untersuchung stehender Gewässer dient der Ermittlung
und Überwachung ihres Gütezustandes. Sie gibt Aufschluss über die
Wasserbeschaffenheit, die Schichtungsverhältnisse, den Trophiegrad und die
Therapiebedürftigkeit und erlaubt Aussagen über mögliche
Nutzungen.
Die meisten Talsperren werden von den Betreibern oder den von diesen
beauftragten anerkannten Instituten in eigener Verantwortung untersucht.
Untersuchungsumfang und -häufigkeit an den Trinkwassertalsperren
orientieren sich an der EU-Richtlinie über die Qualitätsanforderungen
an Oberflächenwasser für die Trinkwassergewinnung in den
Mitgliedsstaaten. Die aus-gewiesenen Badegewässer unterliegen der behördlichen
Überwachung, wobei sich das Untersuchungsprogramm nach der EU-Richtlinie über
die Qualität der Badegewässer richtet.
Im Rahmen des Güteüberwachungssystems (GÜS) können wegen
der Vielzahl der stehenden Gewässer nur diejenigen untersucht werden, die
eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:
Lage in einem Trinkwasserschutzgebiet
überregionale Bedeutung für den
Naturschutz
regionale Erholungsfunktion
außergewöhnliche
Belastung.
Die Untersuchungshäufigkeit wird im Einzelfall der Bedeutung, Gefährdung
und Belastung des Gewässers angepasst. Die Untersuchungsintervalle betragen
1 bis 5 Jahre. Pro Jahr sind mindestens 5 Untersuchungen erforderlich: einmal während
der Frühjahrszirkulation, viermal im Sommer zwischen Mai und August. Die
Messstelle liegt in der Regel über der größten Seetiefe.
Die Frühjahrsuntersuchung während der Durchmischungsphase des Sees
dient insbesondere der Erfassung des hydrochemischen Charakters des Sees und
beinhaltet ein relativ umfangreiches Analysenprogramm. Die Messungen im Sommer
erlauben eine Beurteilung der Schichtungs- und Trophieverhältnisse.
Das Messprogramm umfasst die Aufnahme von Tiefenprofilen (Temperatur,
Sauerstoff, pH-Wert, Leitfähigkeit), die Bestimmung der Sichttiefe, des
Chlorophyllgehaltes, ausgewählter anorganischer Inhaltsstoffe (bes.
Pflanzennährstoffe und Salze) und eine halbquantitative Erfassung des
Planktons. Ergänzend werden die Sedimentbeschaffenheit und das Vorkommen
von Fischnährtieren, Wasserblüten und starken Entwicklungen von
Fadenalgen bzw. höheren Wasserpflanzen untersucht. Ferner werden
morphometrische Daten des Gewässers und wichtige Eigenschaften seines
Umfeldes wie Nutzung und sichtbare Belastungen ermittelt.
Die Ergebnisse werden in das Seenkataster NRW aufgenommen, das sich im
Aufbau befindet.
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