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Pressemitteilung
Pflanze des Monats Februar 2010
Die Gewöhnliche Bartflechte:
Geheimnisvolles Doppelwesen und Zeiger für Luftqualität
Pflanze des Monats Februar des Landesamtes für Natur,
Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) ist die Gewöhnliche Bartflechte (Usnea filipendula).
Sie ist die häufigste unter zehn in Nordrhein-Westfalen bekannten Bartflechtenarten,
die für den Laien kaum zu unterscheiden sind. Bartflechten bevorzugen vor allem luftfeuchte
alte Wälder. Dort sieht man sie meist im Winter an den dann unbelaubten Bäumen.
Wie gelblich-braune Bärte hängen sie an Stämmen und Ästen herunter und können dem
Wald ein zauberhaftes Aussehen verleihen. Aber auch in Städten an Rhein und Ruhr wurden
Bartflechten nach langer Abwesenheit wieder nachgewiesen.
Bartflechten sind keine Schmarotzer. Sie zapfen Bäume nicht an, um Wasser und Mineralien
aufzunehmen, sondern nutzen die Stämme und Äste nur als Unterlage. Geheimnisvoll mutet
die Lebensform an. Wie alle Flechten sind sie ein Doppelwesen aus Pilz und Alge. Die Alge
produziert Energie durch Photosynthese und versorgt den Pilz mit Kohlehydraten, dieser
liefert der Alge Mineralstoffe und Feuchtigkeit.
Obwohl viele Flechten lange leben und selbst in extreme Lebensräume vordringen, zeigen
sie Schwächen. Sie haben keine Schutzhülle. So können Schadstoffe mühelos eindringen,
sie schädigen und schließlich absterben lassen. Was der Flechte schadet, liefert den Umweltexperten
Erkenntnisse: Wo Flechten selten sind oder gar fehlen, "herrscht schlechte
Luft". Insofern stellen sie wichtige Zeigerpflanzen dar.
Bartflechten reagieren besonders empfindlich auf Luftverschmutzungen. Vor 150 Jahren
noch häufig, wurden sie durch Rodung alter Baumbestände, großflächige Aufforstung mit
Nadelholz, vor allem aber durch den zunehmenden Schwefel- und Rauchgasgehalt der Luft
zurückgedrängt. In den 1980er Jahren galten Bartflechten schließlich als Rarität: Fünf Arten
waren noch im Sauerland und in der Eifel zuhause, die anderen fünf längst ausgestorben.
Im Ballungsraum an Rhein und Ruhr entstanden "Flechtenwüsten". Bart- und andere Flechten
mussten unter besonderen Schutz gestellt werden.
Heute ist der Schwefelgehalt der Luft durch Entschwefelungs- und Filteranlagen erheblich
gesunken. Auch die Forstwirtschaft hat umgedacht, fördert wieder mehr Laubwald und
schont alte Baumbestände. Viele Flechten sind zurückgekommen. Dennoch bleibt abzuwarten,
wie sich die immer noch hohe Stickoxidbelastung auswirkt. Auch bei diesem Luftschadstoff
zeigen Flechten, was sie "können". Die Rückkehr der Blattflechte Hyperphyscia adglutinata
in die Ballungsräume belegt zum Beispiel, dass weniger Schwefel als früher in der Luft
ist. Diese Flechte gilt aber auch als Anzeiger, dass Stickoxide die Luftqualität weiter belasten;
denn davon verträgt sie eine ganze Menge. Ein Grund mehr für weitere Anstrengungen
zur Luftreinhaltung.
Downloads
- Pressemitteilung
- Bild "Bartflechte", 300 dpi
Fotograf: Dorothee Killmann
Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei.
Kontakt
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).
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