Die Roten Listen der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Deutschland und den einzelnen Bundesländern haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Naturschutzinstrumente entwickelt. Rote Listen dienen als Entscheidungshilfe für den Gebietsschutz, bei Eingriffen, bei Biotoppflege- und Entwicklungsmaßnahmen und bei der Entwicklung von Leitbildern für die Landschaft. Sie sind eine rechtsrelevante fachliche Grundlage für die Beurteilung der Gefährdung von Arten und Biotopen und werden deshalb häufig in den Naturschutz betreffenden rechtlichen Auseinandersetzungen als unverzichtbare Beurteilungsbasis herangezogen.
Diese 3. Fassung der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen gibt Hinweise über den Zustand unserer Landschaft aufgrund der in den Einzellisten dargestellten Gefährdung der Pflanzen- und Tierarten. Die Roten Listen sind das Ergebnis von Langzeitbeobachtungen der Bestandsentwicklung der Pflanzen- und Tierarten einer Region. Sie lassen gleichzeitig Rückschlüsse über die Auswirkungen der verschieden stark ausgeprägten menschlichen Eingriffe in die Lebensräume der Pflanzen- und Tierarten zu. Hier können auch die Erfolge der Naturschutzarbeit abgelesen werden. Gleichzeitig können die Listen als Entscheidungshilfe dienen, um Maßnahmen des Naturschutzes anzupassen oder zu verstärken. Die meisten unserer gefährdeten Arten sind „Überlebende" einer weniger intensiv genutzten Kulturlandschaft, wie sie etwa bis 1960 noch vorhanden war. Ohne das Rad des technischen Fortschritts zurückdrehen zu wollen, sind wir dennoch gefordert, einen Teil der traditionellen Kulturlandschaft zu erhalten oder zurückzugewinnen, um die biologische Vielfalt zu sichern, wie es die Vereinbarung von Rio fordert. Denn von der Qualität des Wassers, des Bodens oder der Luft in diesen Lebensräumen hängt letztlich auch unser eigenes Leben ab.
Die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass es keinen Anlass zur Entwarnung gibt. Erneut gelten einige Pflanzen und Tiere als ausgestorben. Insgesamt hat auch die Anzahl der gefährdeten Arten leicht zugenommen, wobei Tiere oft stärker gefährdet sind als Pflanzen. Nur bei einzelnen Tier- und Pflanzenarten ist ein gegenläufiger Trend erkennbar. Hier werden erste Erfolge der Naturschutzmaßnahmen sichtbar. Diese Bilanz lässt nur einen Schluss zu: Politik und Gesellschaft sind dazu aufgerufen, unsere Fauna und Flora nach Kräften zu erhalten, um nachhaltige Ergebnisse zugunsten der Pflanzen- und Tierwelt zu erzielen. Diese Rote Liste mit 20 Einzellisten liegt nicht nur in stark erweiterter, sondern auch in verbesserter Auflage vor. Sie kann sich auf eine breitere Datenbasis stützen, da die meisten Artengruppen wesentlich intensiver kartiert werden konnten. Die Mehrzahl der Daten geht auf ehrenamtliche Kartierer zurück. Über 1000 Personen haben die Natur unermüdlich beobachtet. Ihre wertvollen Ergebnisse haben die neue Fassung der Roten Liste erst ermöglicht. Ein Teil der Erhebungen stammt aus Diplom- und Doktorarbeiten, ein Teil aus den Arbeiten der Biologischen Stationen im Rahmen ihrer Gebietsbetreuungen und ein Teil aus Eigenerhebungen dieses Hauses.
Möge dieses Handbuch für ein Jahrzehnt zu fruchtbarer Naturschutzarbeit beitragen und gleichzeitig herausfordern, die Beobachtungstätigkeit fortzuführen.
Die aktuelle Rote Liste (2009) der Brutvögel NRW finden Sie bei der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft.
obere Reihe von links nach rechts:
untere Reihe von links nach rechts: