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PFT in Lebensmitteln und Futtermitteln

Besonders hohe Belastungen mit Perfluorierten Tensiden (PFT) sind in NRW erstmalig im Jahr 2006 in Einzugsgebieten von Möhne und Ruhr festgestellt worden. Die Stoffe waren im Hochsauerland aufgrund krimineller Abfallverbringungen, als „Biodünger“ getarnt, über landwirtschaftliche Nutzflächen in die Schutzgüter Boden, Grundwasser, Oberflächengewässer und nicht zuletzt auch in das Trinkwasser gelangt. Durch die Anreicherung des Schadstoffs entlang der linearen Nahrungsketten entstand auch im Rahmen der Lebensmittelsicherheit Handlungsbedarf.

Im Verlauf der behördlichen Ermittlungen im Schadensfall an Möhne und Ruhr sowie im Weiteren auch zu PFT-Belastungen anderer Ursachen wurden zahlreiche Untersuchungen der Probengüter Boden, Oberflächenwasser, Grundwasser, Trinkwasser, Abwasser, Klärschlamm, Fische, Lebens- und Futtermittel durchgeführt. Im Bereich Lebensmittel zählen ein Fisch-Monitoring der betroffenen Gewässer, ein Kartoffel-Monitoring, Muttermilchuntersuchungen sowie Analysen bei Milch, Schlachtvieh und Wildschweinen zu den untersuchten Medien.

Fische

Forellen, Rotaugen, Hechte, Zander, Welse, Aale und andere Fische, die aus den nordrhein-westfälischen Flüssen, Seen und Teichanlagen (Oberflächengewässer) stammen, wurden im Rahmen eines Monitoring-Programms auf PFT und verschiedene Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber untersucht.

Untersuchungen im Jahr 2008 von Fischen aus den Ville-Seen im Rhein-Erft-Kreis haben zum Teil deutlich erhöhte PFT-Konzentrationen gezeigt.

Infolge der daraufhin eingeleiteten Maßnahme zur Schließung der Eintragsquelle sind die PFT-Belastungen der Seen inzwischen deutlich zurückgegangen. Infolgedessen wurden die Untersuchungen der Fische im Jahr 2010 wiederholt. Das strikte Angelverbot konnte an zwei von drei Seen aufgehoben werden. Bezüglich Concordia- und Köttinger See ist nach Empfehlung des LANUV/MKULNV (08/2010) ein Fischverzehr aufgrund der PFOS-Belastungen bis zu 5x pro Monat bedenkenlos möglich; Fische aus dem Roddersee sind für den Verzehr aufgrund der anhaltenden Quecksilberbelastung weiterhin nicht geeignet.

  • Aufhebung des Angelverbots im August 2010 (Presseinformation der Stadt Köln vom 18.08.2010)

Untersuchungen von Fischen verschiedenster Herkunft, die im Handel verkauft werden, finden sich unter den Sonstigen Warengruppen.

Fisch-Monitoring

Im Rahmen des Fisch-Monitoring werden an 65 Probeentnahmestellen verschiedene Fischarten aus den Oberflächengewässern entnommen. Die Probenentnahmen finden an feststehenden Gewässergüte-Messstellen statt und berücksichtigen auch bekannte PFT-Belastungsschwerpunkte.

Untersuchungsergebnisse im April 2008 von unterschiedlichen Fischarten zeigten Werte von 3,1 µg/kg PFOS bei einer Forelle aus der Lenne und bis 804 µg/kg PFOS bei einer Bachforelle aus dem Rahmeder Bach (siehe LANUV-Pressemitteilung Angelverbot im Rahmeder Bach bleibt bestehen).

Im Juli 2008 wurden Döbel und Bachforellen bei Germaniahütte, aus der Inde bei Eschweiler, aus der Möhne bei Heidberg und aus der Wupper bei Solingen entnommen. Der niedrigste gemessene Gehalt von PFOS lag bei 0,6 µg/kg, der Höchstwert bei 131 µg/kg PFOS.

Die dem LANUV vorliegenden PFT-Messwerte zu Fischuntersuchungen werden online zur Verfügung gestellt. Die Daten werden laufend aktualisiert und fortgeschrieben.

Verzehrsempfehlungen

Nach bekannt werden der PFT-Problematik im Raum Arnsberg und Soest wurden seit Juli 2006 insgesamt 510 Fische untersucht. Auf der Grundlage der ersten Untersuchungsergebnisse wurde bereits im August 2006 vom damaligen MUNLV eine Verzehrsempfehlung veröffentlicht, die sich an dem im jeweiligen Gewässerabschnitt am stärksten belasteten Fisch orientierte. Es wurde berechnet, wie oft Fisch mit dieser PFOS- Belastung pro Monat konsumiert werden darf, ohne dass es zu einer Gefährdung des Verbrauchers kommt.

Daraus resultierten die nach wie vor gültigen Verzehrsempfehlungen:

Gewässer Empfohlener max. Fischverzehr
(300g je Mahlzeit)
Bereich der Ruhrmündung 10 x pro Monat
Untere Ruhr/ Baldeneysee 6 x pro Monat
Möhne unterhalb des Möhnesees und
Möhnesee
3 x pro Monat
Möhne oberhalb des Möhnesees 1 x pro Monat

Die erhöhten PFT-Gehalte in Fischen waren Anlass für eine umweltepidemiologische Studie mit Möhneseeanglern.
Ziel der Studie war es herauszufinden, ob der Verzehr von Möhneseefischen zu einer erhöhten PFT-Belastung im Blut der Angler geführt hat.

Futtermittel

Futtermitteluntersuchungen auf PFT werden bereits seit 2006 durchgeführt.

Im Jahr 2008 wurde ein erweitertes Monitoring für Futtermittel durchgeführt. Wichtige Erkenntnisse hierfür ergaben sich aus der Untersuchung "Übergang aus PFT-belasteten Böden in Pflanzen" des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) vom Februar 2008.
In diesem Untersuchungsprogramm wurden Futtermittel von belasteten Flächen beprobt, um einen möglichen Zusammenhang zwischen den einzelnen PFT-Verbindungen im Boden und den Gehalten in Futtermitteln zu untersuchen. Die PFT-Gehalte im Oberboden der untersuchten Flächen (Kreis Soest) lagen über 500 µg/kg TS (Summe PFOA+PFOS).

Ergebnisse der in 2008-2009 durchgeführten Futtermitteluntersuchungen auf PFT-belasteten Standorten (Bodengehalte > 500 µg/kg kg TS Summe PFOA+PFOS)

 

tabelle

n.n. nicht nachweisbar; n.b.: nicht bestimmbar

 

Nachdem die Ergebnisse des erweiterten Untersuchungsprogramms gezeigt haben, dass PFT nur in wenigen Futtermittelproben in geringen Konzentrationen über der Nachweisgrenze detektiert werden konnten, werden in den kommenden Jahren nurmehr Futtermittel, welche auf besonders belasteten Flächen angebaut werden, auf PFT untersucht.

Im Rahmen des landesweiten Monitorings sollte zusätzlich die Frage geklärt werden, ob es auch zu einer Verunreinigung der Grundfuttermittel mit PFT kommen kann, wenn die Pflanzen auf nicht mit PFT bekannt belasteten Flächen angebaut werden. Hierzu wurden verteilt über Nordrhein-Westfalen 60 Proben von Futtermitteln genommen.

Die Verteilung der Futtermittel auf die jeweilige Nutzungsart war wie folgt:

  • Dauergrünland (insgesamt 27 Proben), davon: Weideaufwuchs (10), Wiesenheu (9) und Grassilage (8)
  • Ackerfutterbau (insgesamt 28 Proben), davon: Maissilage (22), Grassilage (6)

Des Weiteren wurden Zuckerrübenschnitzel als Nebenprodukt der Zuckerherstellung beprobt.

In diesen 2008 und 2009 durchgeführten Untersuchungen zu etwaigen PFT-Belastungen in Futtermitteln außerhalb mit Terrafarm beaufschlagter Böden wurden PFT-Verbindungen in keiner Probe nachgewiesen. Das Ergebnis des Monitorings zeigt, dass eine PFT-Hintergrundbelastung in Futtermitteln derzeit nicht messbar ist.
PFT kann in Nordrhein-Westfalen in Futtermitteln nicht landesweit nachgewiesen werden. Positive Nachweise beschränkten sich lediglich auf bekannte Belastungsflächen.

 

Bundesweite Futtermitteluntersuchungen 2009-2010

Um bundesweit weitere Informationen insbesondere zu einer etwaigen Hintergrundbelastung zu sammeln, wurden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und dem damaligen MUNLV bundesweite Untersuchungen angeregt. Das daraus resultierende Untersuchungsprogramm, das im Zeitraum 2009/2010 durchgeführt worden ist, wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert. Die Ergebnisse aus Nordrhein-Westfallen (23 Proben) waren alle ohne Befund. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2010) sieht in diesem Zusammenhang – auch unter Berücksichtigung der bis dahin im Rahmen dieses Untersuchungsprogramms gewonnenen Futtermittelproben aus den anderen Ländern - daher kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucherinnen und Verbraucher (BfR, 2010)2.

 

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2 Bundesinstitut für Risikobewertung BfR (2010): Expertengespräch bestätigt: PFC-Belastung des Verbrauchers durch Lebensmittel sehr gering. Information Nr. 015/2010 des BfR vom 30. März 2010.

Schlachttiere

Untersuchungen

Eine Schwerpunktuntersuchung im Rahmen des nationalen Rückstandkontrollplans im Jahr 2007 hat bei Rindern positive Nachweise von PFT ergeben. Von 425 untersuchten Schweinefleischproben wurde in 4 Fällen PFT gefunden. Von 248 Rinderproben wurde in 19 Fällen PFT gefunden.

Ein Großteil der Proben wurde nicht nur auf die beiden Markersubstanzen PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) untersucht, sondern auch auf weitere PFT: Perfluorhexansäure, Perfluorheptansäure, Perfluornonansäure, Perfluordekansäure und Perfluordodekansäure. Diese Verbindungen waren in keiner der Proben nachweisbar.

Der Maximumwert an PFOS wurde mit 1332 µg / kg Niere bei einem aus dem Landkreis Celle stammenden Mastrind nachgewiesen. Die zugehörige Muskulatur enthielt 154 µg PFOS / kg. Dieser Maximalwert ist jedoch aus allen 673 Proben ein herausragender Einzelfall. Die Befunde wurden an die zuständigen Behörden in Niedersachsen weitergeleitet.

Die höchsten gemessenen Gehalte zeigt folgende Tabelle:
Proben-
nummer
Tierart Matrix Gehalt
[µg / kg]
PFOS PFOA
2591 Mastrind * Niere 1332 0,2
Muskulatur 154 -
928 Kuh Niere 3,4 -
1138 Mastschwein Niere 2,6 -
1686 Mastrind Niere 1,5 -
125 Schwein Niere - 1,4
* Einzelfall

In einem Zeitraum von Mai bis Mitte September 2008 wurden weitere Schlachtrinder - hauptsächlich im Kreis Soest - auf PFT untersucht. Dabei wurden neben Muskelfleisch und Nieren auch Blut, Lebern, Kot- und Urinproben analysiert. Maximal wurde ein Wert von 463 µg/kg PFOS in der Leber ermittelt. Die PFT Belastung im Muskelfleisch ging bis maximal 9,2 µg/kg PFOS.

Risikobewertung

Auf Basis eines vorläufigen Wertes für die zulässige tägliche Aufnahme (TDI= tolerable daily intake) von PFOS in Höhe von 0,1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht wurde die PFOS-Belastung des Muskelfleisches in Höhe von 9,2 µg/kg gesundheitlich bewertet.

Bei einer solchen Belastung des Muskelfleischs ist bei einem durchschnittlichen täglichen Verzehr von 70,8 Gramm mit einer täglichen Zufuhr von ca. 10% des zulässigen TDI zu rechnen. Die zugrunde gelegte Verzehrsmenge bezieht sich auf die Bevölkerungsgruppe mit dem umfangreichsten Rindfleischkonsum, d. h. Männer im Alter zwischen 51 und 64 Jahren, bei einem Körpergewicht von 70 kg.

Ein Verzehr dieses Muskelfleisches ist unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse auch bei lebenslanger Aufnahme unbedenklich. Die in der Regel höher belasteten Innereien waren nicht für den Verzehr geeignet. Sie wurden beseitigt und gelangten nicht in den Handel.

Sonstige Warengruppen

Im Jahr 2006 wurde Kuhmilch von verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben in den Regierungsbezirken Arnsberg und Detmold mit negativem Ergebnis auf PFT untersucht.

Es folgten Untersuchungen von Kartoffeln aus NRW und Fischen aus dem Handel. Von 26 Kreisbehörden wurden 52 Kartoffelproben im Jahr 2007 entnommen. Die Untersuchungsergebnisse lagen alle unterhalb der Nachweisgrenze von 0,05 µg/kg PFOS und 0,05 µg/kg PFOA.

Im Jahr 2007 sind insgesamt 385 Proben von „Wildschweinlebern“, „Fischen und Fischzuschnitten“ und „Wurzelgemüse“ untersucht worden. Bei der Analyse auf PFT erwiesen sich als positiv 262 Proben der Warengruppe „Wildschweinlebern“(90,8%), 25 der Warengruppe „Fische und Fischzuschnitte“(22,7%) und keine der Warengruppe „Wurzelgemüse“.

Verzehrsempfehlungen

 

 

      LANUV NRW 2011

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