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Umweltindikatoren NRW
Seit 2006 veröffentlicht das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW regelmäßig mindestens alle vier Jahre einen Umweltbericht. Fester Bestandteil des Berichts ist ein Satz von Umweltindikatoren, der darüber hinaus im Internetangebot des LANUV veröffentlicht ist. Entsprechend dem Erhebungsturnus wird auf Basis der jeweils verfügbaren Daten der Indikatorensatz im Internet einmal im Jahr aktualisiert, zuletzt im Mai 2011.
Was sind Umweltindikatoren?
Die detaillierte und verständliche Bewertung der mittelfristigen Entwicklung unserer Umwelt sowie der Wirksamkeit der ergriffenen Umweltschutzmaßnahmen erfordert eine komprimierte Darstellung mit aussagekräftigen Kennzahlen und Schlüsselgrößen.
Dies ist die Aufgabe von Umweltindikatoren.
Umweltindikatoren sind Mess- und Kennzahlen, mit denen sowohl die aktuelle Umweltsituation, als auch Entwicklungstrends übersichtlich dargestellt und bewertet werden können. In diesem Bericht wird ein System von Umweltindikatoren für Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Es besteht aus 23 Kennzahlen, die den Zustand der Umwelt in einer komprimierten Form abbilden.
Indikatoren und Kennzahlen werden in vielen Bereichen verwendet. Beispielsweise sind das Brutto-lnlandsprodukt (BIP) und die Arbeitslosenquote bekannte Indikatoren zur Beschreibung der volkswirtschaftlichen Situation und Entwicklung.
Durch Umweltindikatoren werden wichtige Teilaspekte der Umweltqualität, wie z. B. die Luftqualität oder die Gewässergüte, ebenso messbar wie die Prozesse, die auf die Qualität der Umwelt wirken, wie z. B. Emissionen, Energie- und Rohstoffverbrauch oder die Inanspruchnahme von Freiflächen.
Eine Beschreibung des Umweltzustandes durch Umweltindikatoren erhebt nicht den Anspruch, ein vollständiges Bild zu zeichnen. Vielmehr sollen relevante Teilaspekte hervorgehoben werden, deren Zustand und Entwicklung von besonderem Interesse ist. Durch die Verwendung von Indikatoren wird die große Menge an Informationen verdichtet und die hohe Komplexität vereinfacht.
Über die Entwicklung von Umweltindikatoren
Mit der Unterzeichnung der Vertragswerke zur nachhaltigen Entwicklung der UN-Konferenz in Rio de Janeiro 1992 hat sich die Staatengemeinschaft auf langfristige Ziele festgelegt.
Die Agenda 21 fordert, dass der Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen möglichst durch regelmäßig erhobene statistische Größen, also Indikatoren, verfolgt wird. Der bekannteste in diesem Zusammenhang zu nennende Indikator ist der CO2-Ausstoß, für den die Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls vereinbart haben, bis zum Jahr 2012 eine Verringerung um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu erreichen.
In der Folge wurden auf nationaler und internationaler Ebene verschiedene Indikatorensysteme zur Bewertung der nachhaltigen Entwicklung aufgebaut. Einen großen Einfluss auf die Struktur dieser Systeme hatte das OECD Modell, das zwischen Belastungs-, Zustands und Maßnahmenindikatoren unterscheidet. Weitere Indikatorsysteme wurden von der Kommission für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (CSD) und der europäischen Umweltagentur (EEA) vorgelegt.
Das Statistische Bundesamt hat mit der Umweltökonomischen Gesamtrechnung ein auf den Daten der amtlichen Statistik basierendes Indikatorensystem entwickelt. Dieses System steht neben der ebenfalls vom Statistischen Bundesamt betriebenen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und dient zur Bewertung der mit der ökonomischen Entwicklung verbundenen Umweltinanspruchnahme.
Die Notwendigkeit, unterschiedliche Indikatorensysteme zu entwickeln, ergibt sich aus ihrem Verwendungszweck und aus der jeweils gegebenen Datenverfügbarkeit. In Deutschland liegen z. B. durch die amtliche Statistik für viele Fragestellungen Daten vor, die zwar eine repräsentative Aussage auf der Bundesebene erlauben, nicht aber auf der Ebene der einzelnen Länder.
Die Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Klima, Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit" (BLAG KliNa) erstellt daher im Auftrag der Umweltministerkonferenz in regelmäßigen Abständen einen Bericht Kernindikatoren zur nachhaltigen Entwicklung der Umwelt".
Diese Kernindikatoren sind auch auf der Ebene der Bundesländer anwendbar, da sie sich auf einheitliche Methoden beziehen und nur solche Daten nutzen, die in den Ländern tatsächlich vorhanden sind. Die den fünf Themenfeldern
- Klimaschutz und Energiepolitik,
- Umweltverträgliche Mobilität,
- Umwelt, Ernährung und Gesundheit,
- Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft sowie
- Flächennutzung und Bodenbewirtschaftung
zugeordneten Kernindikatoren bilden die gemeinsame Grundlage für die Indikatorenberichterstattung in den Ländern.
Die Kernindikatoren werden durch die Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) in Abstimmung mit der BLAG KliNa kontinuierlich weiterentwickelt.
Umweltindikatoren für Nordrhein-Westfalen
Der hier vorgestellte Indikatorensatz umfasst 23 Indikatoren. Davon gehören 18 zu den von der Umweltministerkonferenz empfohlenen Kernindikatoren.
Die Auswahl der Indikatoren erfolgte zum einen aufgrund ihrer jeweiligen Relevanz für NRW und zum anderen aufgrund der Verfügbarkeit der für ihre Berechnung erforderlichen Daten.
Der fachlich wünschenswerte Indikator Stickstoffüberschuss (Flächenbilanz)" wurde wegen der Diskussionen über das Berechnungsverfahren durch die LIKI auf die Machbarkeit 3 (Indikator ist fachlich bedeutsam, aber nicht anwendungsreif; bedürfte erheblicher Anstrengungen zur fachlichen, methodischen oder datenbezogenen Klärung) zurück gestuft, bis das Berechnungsverfahren vereinheitlicht und auf eine abgestimmte methodische Grundlage gestellt ist. Aus diesem Grunde wurde der Indikator bis auf weiteres aus dem Indikatorensatz für NRW herausgenommen.
Um Entwicklungen dauerhaft bewerten und dabei Erfolge ebenso wie Fehlentwicklungen aufzeigen zu können, müssen die Datenerhebungen über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden.
Die Darstellung der Indikatoren beginnt für jeden einzelnen Indikator mit einer Erläuterung von Hintergrund und Bedeutung des Indikators. Soweit politische Zielvorgaben für den Indikator vorliegen, werden diese dargestellt. Daneben wird der aktuelle Zustand und die Entwicklung der letzten Jahre bewertet.
Es folgen die graphische Darstellung der Ergebnisse der letzten zehn Jahre und die Definition des Indikators. Bei Bedarf können weitere Grafiken mit der Darstellung aller Daten für den jeweils gesamten Zeitraum der Beobachtung eingesehen werden.
Trendermittlung
Die Grundlage der Bewertung ist die Trendermittlung mittels einer objektiven und statistisch fundierten Berechnungsmethode. Die für die Trendanalyse hier angewendete Methode wurde im Geschäftsbereich Statistik des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen" in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Umweltökonomische Gesamtrechnung der Länder (AK UGRdL) und der Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) entwickelt.
Dabei wurde eine Methode aus dem Gebiet der Zeitreihenanalysen, namens Autoregressives Fehlermodell der ersten Ordnung" (kurz FOAEM nach der englischen Bezeichnung First Order Autoregressive Error Model") verwendet, welche an die besonderen Eigenschaften der Umweltindikatoren angepasst wurde.
Bei diesem Verfahren werden die Werte des letzten Zehnjahreszeitraums herangezogen und auf linearen Trend getestet. Es wird also für jeden Indikator untersucht, ob sich in diesen zehn Jahren statistisch eine lineare Entwicklung belegen lässt. Im Hinblick auf die Zuverlässigkeit der Ergebnisse wurde jedoch bei Vorliegen von weniger als sieben Werten keine Trendanalyse durchgeführt.
Bei den Indikatoren, bei denen eine lineare Entwicklung identifiziert wurde, erscheint in der dazugehörigen Grafik eine Gerade, die sogenannte Trendlinie, die die festgestellte Entwicklung veranschaulicht.
Bei der Trendanalyse wurde sich, mit einer Ausnahme, bewusst auf den letzten zehn Jahreszeitraum beschränkt, um eine möglichst aktuelle Entwicklung der Indikatoren abzubilden. Die Aktualität der Information wurde also gegenüber einer umfassenden Historie bevorzugt.
Die aktuellen Indikatoren im Überblick:
- Luftqualität
- 01-Stickstoffoxidemissionen
- 02-Ozonkonzentration im städtischen Hintergrund
- 03-Feinstaubkonzentration im städtischen Hintergrund
- 04-Stickstoffdioxidkonzentration im städtischen Hintergrund
- 05-Schwermetalleintrag an ländlichen Stationen
- Energie und Klima
- 06-Primärenergieverbrauch
- 07-Energieproduktivität
- 08-Rohstoffproduktivität
- 09-Kohlendioxidemissionen
- 10-Kohlendioxidemissionen des Verkehrs
- 11-Energieverbrauch der privaten Haushalte
- 12-„Apfelblüte“ - Auswirkung der Klimaveränderung
- Abfall
- Wasser
- Boden
- Naturschutz, Artenvielfalt
- Wald
LANUV NRW
2009




