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Pflanze/Tier/Pilz des Monats


Mistel

Monat Dezember – Mit der Mistel in die Weihnachtszeit

Pflanze des Monats Dezember des Landesamtes für Natur, Umwelt  und Verbraucherschutz (LANUV) ist die Laubmistel. Viscum album, wie die Fachleute sie nennen, wird in England als klassische Weihnachtsdekoration über die Tür gehängt. Am Weihnachtstag darf dann jeder Mann die Frau küssen, die er unter dem Mistelzweig antrifft. Wie das Weihnachtsfest, gilt die Mistel im Christentum als Symbol des Friedens und der Vergebung. Unter dem Mistelzweig, auch Donnerkraut oder Hexenbesen genannt, schlossen selbst erbitterte Feinde Waffenstillstand.

Auch in unseren Breiten wird die Mistel mit dem Weihnachtsfest in Verbindung gebracht und wird als Schmuckreisig immer beliebter. Oft ist sie Teil eines Adventskranzes oder Weihnachtsgesteckes. Da die Pflanze lokal selten sein kann, darf sie der freien Natur jedoch nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörden entnommen werden. Deshalb ist es besser, Mistelzweige in der Gärtnerei zu kaufen.

In der Natur ist die Laubmistel bei uns meistens auf Pappeln, Weiden, Linden und Obstbäumen zuhause. Sie wächst vor allem im südlichen Münsterland, Weserbergland, in der Kölner Bucht und am Niederrhein. Die gelbgrüne Pflanze mit den länglichen, immergrünen Blättern lebt als Halbschmarotzer: Die Zweige der Mistel bilden auf den im Winter unbelaubten Bäumen typische, weithin sichtbare Kugelformen, die den Nestern von Saatkrähen ähneln. Zur Vermehrung der Mistel zeigt sich die Natur erfinderisch: Die weißen erbsengroßen Beeren sind klebrig und können an Vogelschnäbeln haften bleiben. Nascht dort etwa eine Misteldrossel und säubert ihren Schnabel an der Baumrinde, können Samen hängenbleiben, die keimen und feine Wurzeln ins Holz treiben. Später entsteht daraus mit dem Austreiben der Mistelblätter die kugelähnliche Form.

In kleineren Mengen schaden Misteln den Bäumen nicht. Sie zapfen nur Wasser und Mineralstoffe ab, die der Baum aus der Erde zieht. Zucker und Kohlenstoff dagegen kann die Mistel über ihre ledrigen Blätter selbst herstellen. Für die Befruchtung sorgen im April oder Mai vor allem Fliegen. Diese können nektarlose und nektarhaltige Blüten nicht unterscheiden und bestäuben alle Pflanzen gleichmäßig. Und falls es im Frühjahr noch zu kalt für Insekten ist, bestäubt der Wind.

Foto: M. Woike. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Biber

Monat November – Baumeister Biber ist in Nordrhein-Westfalen wieder im Kommen

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat den Biber zum Tier des Monats November gewählt. Wenn sich das Laub der Ufergehölze lichtet, geben Flüsse, Seen und Teiche so manches Geheimnis preis. An manchen Gewässern im Rheinland ist dann der zuvor getarnte Biberbau gut zu sehen. Und vielleicht bekommt man in der Dämmerung seine putzigen Bewohner zu Gesicht. Denn jetzt werden sie noch einmal richtig aktiv, um sich Winterspeck anzufressen, Vorräte anzulegen und ihre Baue und Dämme winterfest zu machen.

Die heutigen Biber im Landesteil Nordrhein stammen allesamt von wieder eingebürgerten Verwandten ab. Früher war das Nagetier mit dem platten Schuppenschwanz in Europa weit verbreitet, unter anderem an Rhein, Ems und Weser. Das dichte braune Fell und das schmackhafte Fleisch waren bei unseren Vorfahren sehr beliebt. Ein Sekret des Pelztieres galt als Allheilmittel und wurde sogar mit Gold aufgewogen. Die starke Bejagung führte schließlich zu seiner Ausrottung. 1877 wurden an der Möhne die letzten Biber gesichtet. Da fiel es nicht mehr ins Gewicht, dass auch Biber- Le-bensräume, die fruchtbaren Auen, zunehmend vom Menschen beansprucht wurden.

Heute ist der gut einen Meter lange Biber in NRW wieder im Kommen. 1981 wurden im Eifeler Hürtgenwald drei aus Polen importierte Biberpärchen ausgesetzt, die sich an der Rur ausbreiteten. Inzwischen zählt die Population etwa 300 Tiere. Einen weiteren Bestand von Elbe-Bibern mit etwa 30 Exemplaren gibt es seit 2002 im Kreis Wesel. Heute lebt das Nagetier verbreitet wieder im Bereich der Rur und an einigen Flüssen, Bächen und Seen der Kreise Düren, Aachen, Heinsberg, Viersen, Kleve und Wesel, mit „tierisch“ guten Kontakten zu Verwandten in den Niederlanden. Auch an der Lippe sollen Tiere ausgesetzt werden.

Der Nager fasziniert viele Menschen und steigert den Erlebniswert einer Landschaft. Denn er ist ein wahrer Baumeister, der seinen Lebensraum aktiv gestaltet. Da dem “Vegetarier“ die Sommernahrung an Kräutern, Pflanzen oder Feldfrüchten ausgeht,fällt er ab Herbst ufernahe Bäume, um Rinde und Zweige zu fressen und sich ein Depot zu flechten, das wie ein Floß im Wasser liegt. Ebenfalls „in Eigenleistung“ sind Bau und Damm konstruiert. Der angestaute See hält den Wasserspiegel konstant und den Eingang des Baus stets unter Wasser. Die Höhle liegt am Ufer oder im Wasser. Das Bauprogramm des größten Nagetiers Europas ergänzen Fluchtröhren oder Gänge zu Nahrungsquellen, zum Beispiel gewässernahe Äcker.

Wer so die Landschaft umgestaltet, ohne den Menschen zu fragen, hat jedoch nicht nur Freunde: In der Nähe des Biberreviers können vereinzelt Wiesen, Felder und Wege überschwemmt, Dämme, Bahntrassen und Äcker unterhöhlt oder auch Obstund Ziergehölze von Bibern gefällt werden. Manchmal blockieren umgefallene Bäume auch Verkehrswege. Deshalb erarbeitet zurzeit eine landesweite Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Naturschutz, Jagd, Fischerei, Straßenbau sowie der Land-, Forstund Wasserwirtschaft effiziente Lösungen. Ein guter Weg, Konflikte zu vermeiden, besteht darin, 25 Meter breite Uferstreifen aus der Nutzung zu nehmen und an ufernahen Nutzgehölzen Drahtmanschetten anzubringen.

Foto: Peter Schütz. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Waldrebe

Monat Oktober – Zeit für die Gewöhnliche Waldrebe

Pflanze des Monats Oktober des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba). Die attraktive Kletterpflanze ist eine der wenigen einheimischen „Lianen“ und steht im Blickpunkt, weil sie jetzt viele interessante Aspekte zeigt: Auffallend sind ihre wollknäuelartigen Fruchstände, die ganze Büsche und Bäume wie in Watte hüllen können. Sie bestehen aus zahlreichen Nüsschen mit lang behaarten Griffeln, die bei näherem Betrachten wie filigrane Kunstwerke aussehen. Aber auch die kleinen weißen Blüten und das Blattgrün sind im Herbst noch an vielen Exemplaren zu sehen. Schließlich ist es jetzt an der (Jahres-) Zeit, die sehenswerte und nützliche Schlingpflanze anpflanzen.

Die Gewöhnliche Waldrebe wächst auf frischen bis feuchten Böden und ist vor allem in Auwäldern und an Waldrändern anzutreffen. Dort rankt sich das Nonnen- oder Narrenseil, wie sie in Süddeutschland auch genannt wird, an Büschen und Bäumen bis zu zehn Meter in die Höhe und überwuchert sie gelegentlich. Was Efeu mit Hilfe von Haftwurzeln, Rosen mit Stacheln und Wilder Wein mit Haftscheiben gelingt, schafft die Waldrebe mit ihren Blattstielen. Diese drehen sich um die Zweige der Trägerpflanze, verholzen und bilden später ideale Rankhilfen für andere „Kletterer“. Beschattung und Gewicht der Waldrebe können der Wirtspflanze ebenso schaden wie die Rebäste, die dünnere Äste der Wirtspflanze abwürgen und zum Absterben bringen können.

Dennoch ist der Nutzen der Gewöhnlichen Waldrebe groß: Die sommergrüne Schlingpflanze bietet Nahrungsquelle und Niststätte für viele heimische Tierarten.Im Wald bietet sie dem Wild komplette Deckung. Sie kaschiert kahle Hausfassaden, Mauern oder Lärm-, Sicht- und Windschutzwände und zaubert so lebendiges Grün in die Stadt. Auch verbessert sie das Kleinklima, indem sie Sauerstoff produziert, Kohlendioxyd aufnimmt, Staub bindet und Wände vor Wind, Regen und starker Sonnenstrahlung schützt.

Wer die Gewöhnliche Waldrebe in seinen Garten holen möchte, sollte sie im Herbst an einem nicht zu trockenen, nährstoffreichen Standort in Ost- oder Westlage pflanzen. Nach Süden kann es ihr zu heiß, nach Norden zu kalt werden. Zum Klettern benötigt die Pflanze ein Gerüst, Zweige, Bambusstäbe oder Drähte mit Abstand zur Wand. Der Aufwand lohnt sich. Man tut etwas für die heimische Insekten- und Vogelwelt und kann sich im Verlauf des Folgejahres über kletternde Lianen, üppiges Grün, weiße Blüten und wollige Früchte freuen.

Lianen wusste schließlich Tarzan schon zu schätzen. Auch Kinder hangeln sich gerne von Liane zu Liane oder errichten Laubhütten aus Waldreben-Sprossen. Aus den biegsamen Ranken kann man Körbe flechten oder Blumenkränze basteln. Dabei sollte man aber Handschuhe anziehen, denn die Waldrebe ist giftig und kann Juckreiz und Hautrötungen hervorrufen.

Foto: Gisela Tubes. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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WespenspinneSie lebt am seidenen Faden: Die Wespenspinne ist Tier des Monats


Die Wespenspinne ist Tier des Monats September des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Auch Zebraspinne genannt, gehört sie mit ihrem gelbschwarz gebänderten Hinterleib zu den attraktivsten Spinnenarten in Nordrhein-Westfalen. Klar dominant ist das Weibchen, das meistens in der Mitte des kunstvoll gesponnenen Radnetzes sitzt und mit bis zu 15 Millimetern Körperlänge etwa dreimal so groß ist wie das Männchen. Und dessen Leben hängt im Spätsommer oft am seidenen Faden.

Nähert sich das Männchen dem Weibchen zur Paarung, gerät das Netz in Schwingung. Nach dem Kontakt kennt die Wespenspinnenfrau keine Gnade. Sie tötet das Männchen blitzschnell, spinnt das Opfer ein und frisst es. Diesem Schicksal entgehen nur wenige Männchen. Die den Angriff überleben, haben nichts dazugelernt: Sie versuchen es bei der Angebeteten noch einmal, um dann endgültig von ihr getötet zu werden. Etwa vier Wochen nach der Paarung legt das Wespenspinnenweibchen die Eier ab, umhüllt sie mit einem Kokon und stirbt bald darauf ebenfalls.

Die Wespenspinne war früher in Südeuropa zu Hause und in Deutschland nur in der Oberrheinischen Tiefebene, im Rhein-Main-Gebiet und in der Umgebung von Berlin bekannt. Da Spinnen auf kleinste Veränderungen reagieren, könnte ihr Zug nach Norden auf Klimaveränderungen zurückzuführen sein. Die Wespenspinne braucht nämlich warme Standorte mit viel Sonne und strukturreicher niedriger Vegetation. Ansonsten sind ihre Ansprüche an den Lebensraum eher gering. Die Spinne lebt in trockenen Heiden und Kiesgruben, auf Brachflächen, an Wegrändern, aber auch auf nassen Wiesen.

Dort spinnt sie ihr Netz in Bodennähe. Die Wespenspinne biegt Grashalme und Blätter zur Seite und baut ein senkrechtes Radnetz, in dem sich Heuschrecken, Schnaken, Fliegen und Bienen verfangen. Auf einem Hektar Trockenrasen können Wespenspinnen pro Jahr rund 4,5 Millionen Insekten vertilgen, was einer Masse von rund 80 Kilogramm entspricht. Diese Zahlen zeigen, dass Spinnen eine große Bedeutung für die Begrenzung von Insektenplagen haben können.

Der Mensch dankt es ihnen nicht. Natürliche Feinde wie Spitzmäuse, Frösche, Vögel oder Wespen dezimieren die Wespenspinnen in geringerem Maße als mechanische Geräte oder Tritte, etwa bei der Mahd, der Ernte, beim Befahren von Wegrändern oder beim Spaziergang. Übrigens kann ein Biss der Wespenspinne die Haut verletzen. Reagiert der Betroffene nicht allergisch, sind Biss und Gift für ihn harmlos.

Foto:Gunther Hellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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HerzgespannDas Echte Herzgespann
Überflüssiges „Un“kraut oder erhaltenswerter Schatz der Dörfer?


Pflanze des Monats August des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucher-schutz (LANUV) ist das Echte Herzgespann. Der bis zu anderthalb Meter hohe Lippenblütler hat kleine rötliche, in Quirlen angeordnete Blüten und leicht behaarte Blätter. Im Jahre 1485 wurde die Pflanze im „Hortus Sanitatis“, dem ersten Heilkräuterbuch in deutscher Sprache, erwähnt und spielte über Jahrhunderte in der Volksmedizin eine wichtige Rolle, ehe sie weitgehend in Vergessenheit geriet.

Der Fachausdruck „Leonurus cardiaca“, den schon der griechische Philosoph The-ophrast im 4. Jhdt. v. Chr. kannte, weist auf die Anwendung des Echten Herzgespanns bei Herzbeschwerden hin. Dass es die Durchblutung und Beruhigung des Herzmuskels tatsächlich fördert, belegen aktuelle Forschungsergebnisse der Universität Leipzig. Darüber hinaus wird es in der Volksmedizin bei Magenkrämpfen, Blähungen, Kropf, Angstzuständen, Hitzewallungen und Schlaflosigkeit empfohlen. Daneben ist die Pflanze aber auch eine gute Nektarpflanze für Bienen.

Das Echte Herzgespann ist eine relativ kurzlebige Staude, die sich immer wieder neu aussäen muss. Offene und nährstoffreiche Standorte sind dafür wichtig. Solche Bedingungen boten früher vor allem Dörfer mit ihren Viehweiden und Hühnerhöfen, Brachflächen, offenen Wegrändern und Mauerfüßen, Zäunen und Hecken. Doch diese einst so typischen dörflichen Elemente werden immer seltener. Es ist an der Zeit, dem Echten Herzgespann, das auch stellvertretend für andere, früher charakteristische und häufige Dorfpflanzen stehen kann, wieder mehr Beachtung zu schenken. Der Fortbestand dieses „Kulturfolgers“ ist eng mit dem Strukturwandel in unseren Dörfern verknüpft: Das Vieh ist weitgehend aus dem Dorfkern verschwunden. Hofflächen, Plätze, Straßen und Wege wurden versiegelt, pflegeleichte Kurzrasen oder Pflanzungen mit Bodendeckern nach städtischem Vorbild angelegt. Aus Heilkräutern wurden „Un“kräuter, für die man sich nicht mehr interessierte. Mangels Lebensraum ist das Echte Herzgespann heute stark gefährdet und vielerorts längst verschwunden.

Dabei kann es auch heute in Dörfern noch Platz für diese dem Menschen einst so wichtige Arten geben. Das Landesamt appelliert, die Standorte des Echten Herzgespanns gezielt zu erhalten. Dazu sollte auf weitere Versiegelungen und auf die Anpflanzung von Bodendeckern verzichtet und Hecken und Mauern erhalten werden. Freiflächen, auf denen dorftypische Pflanzen wachsen, auch Wege- und Straßenränder, sollten grundsätzlich nicht mit Herbiziden behandelt und nicht zu häufig gemäht werden.

Übrigens wird in manchen Gartencentern das Herzgespann heute wieder als Garten- bzw. Bienenfutterpflanze angeboten, allerdings in einer anderen, viel stärker behaarten Unterart, die bei uns früher nicht vorkam. Wäre es da nicht viel besser, auf die Erhaltung der letzten Vorkommen des heimischen Echten Herzgespanns zu achten?

Foto: Uwe Raabe. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemittei-lung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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WaldeidechseDie Waldeidechse – ein häufiges, aber außergewöhnliches Reptil


Tier des Monats Juli des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) ist die Waldeidechse. Je nach Landschaft wird sie von den Einheimischen auch Moor- oder Bergeidechse genannt. Wo Licht und Sonne hinkommen, kann man das Reptil beobachten: an Wald-, Weg- und Moorrändern, Bahndämmen, auf Lichtungen, Magerwiesen, naturnahen Gärten sowie auf Felsen und Mauern. Dem großen Spektrum an Lebensräumen ist es unter anderem zu verdanken, dass die Waldeidechse in Nordrhein-Westfalen häufig vorkommt.

Anders als bei den anderen heimischen Echsenarten, der Zaun- und Mauereidechse, zieht sich ein Längsstreifen über den graubraunen Rücken der kleineren Waldeidechse, der in Flecken aufgelöst sein kann. Die Flanken sind dunkler, vom Rücken getrennt durch einen hellen Streifen. Die gelbe oder orange Unterseite von Bauch und Schwanz ist beim Männchen kräftig, beim Weibchen blass gefärbt.

Außergewöhnlich verläuft die Geburt des Nachwuchses: Im Juli werden drei bis zehn Jungtiere in einer dünnen Hülle geboren, die schnell durchstoßen wird. Im Vergleich zu dieser Lebendgeburt hat es der Nachwuchs der Zaun- und der Mauereidechse ungleich schwerer. Er muss sich erst aus dem Ei „quälen“, ehe er die Freiheit genießen kann. Auch müssen die Eier dieser Arten zuvor rechtzeitig abgelegt und von der Sonne ausgebrütet werden.

Außergewöhnlich ist auch das Verbreitungsgebiet der Waldeidechse: Da keine wärmebedürftigen Eier ausgebrütet werden müssen, kann Zootoca vivipara bis in die kalten Polargebiete und Gebirge vordringen. So besiedelt das Tier des Monats das größte Areal unter allen Reptilienarten der Welt. Es reicht von der Westküste Irlands bis zur ostrussischen Insel Sachalin.

Außergewöhnlich ist schließlich das Fluchtverhalten. Während die heimische Verwandtschaft das Wasser scheut, springt die Waldeidechse bei Gefahr auch in Bäche und Tümpel. Allen Eidechsen dagegen ist gemein, dass sie hungrigen Feinden (Vögel, Katzen) entkommen können, indem sie ihren Schwanz an „Sollbruchstellen“ abwerfen und davonflitzen. Der Schwanz wächst wieder nach.

Auch die Waldeidechse leidet unter der Zerstörung ihrer Lebensräume. Die Mahd im Sommer an Straßen- und Wegeböschungen sollte man möglichst auf den November verschieben! Wärmespeichernde Steinhaufen, Tothölzer und Stubben sollten hier und da liegen bleiben. Besser ist es auch, dichtes Nadelholz durch lichten Laub- und Mischwald mit besonnten Waldrändern zu ersetzen, Lichtungen in Maßen und Wiesentäler überhaupt nicht aufzuforsten. Dass Artenschutz erfolgreich zu planen und praktizieren ist, zeigt das Beispiel der Restmoore: Diese Lebensräume der Waldeidechse sind in NRW konsequent unter Naturschutz gestellt worden, was auch anderen Tier- und Pflanzenarten geholfen hat.

Foto: Arno Geiger. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Guensel-Ajuga-reptansKriechender Günsel – weit verbreitet dank Doppelstrategie

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat den Kriechenden Günsel zur Pflanze des Monats erkoren. Der wenig attraktive Name, den man eher mit lästigem „Unkraut“ in Verbindung bringt, wird durch das positive Erscheinungsbild und interessante ökologische Aspekte mehr als wettgemacht.

Herrlich blaue Teppiche des Lippenblütlers leuchten im Mai und Juni an Wäldern, Wiesen und Büschen. Dabei bevorzugt die maximal 30 Zentimeter hohe Pflanze nährstoffreiche, etwas feuchte Böden. Mit Ausnahme der trockenen Gebiete der Köln-Bonner Rheinebene, Jülicher Börde und Schwalm-Nette-Platten ist sie überall in Nordrhein-Westfalen zuhause.


Nicht nur die äußeren Bedingungen kommen dem Kriechenden Günsel zugute. Er verfügt über viele Überlebenstrategien: Für die Bestäubung zum Beispiel sorgen Insekten; vor allem langrüsselige Bienen und Hummeln werden von den Blüten angelockt, nehmen den Blütenstaub auf und transportieren ihn zu anderen Blüten. Bleiben Insekten aus – etwa durch verspäteten Frühlingsbeginn, hilft sich die Pflanze mit spontaner Selbstbestäubung.

Auch für die Ausbreitung der Samen gibt es eine Doppelstrategie: Die überirdischen Ausläufer der Pflanze bringen Samen in den „Nahbereich“. Um die Verbreitung auf weiter entferntem „Neuland“ kümmern sich dagegen Ameisen, die Samen aufnehmen und davontragen. So kommt es vor, dass der Kriechende Günsel selbst auf Bäumen und an Felsen zu finden ist.

Wer so eng mit Insekten in Beziehung steht, bringt gerne eine Gegenleistung. Das Interesse der Ameisen an den Samen wird erst durch ölhaltige Anhängsel geweckt,die gerne verspeist werden. Und auch für die Bestäubung revanchiert sich der Günsel, kann sein Nektar doch in unseren oft blütenarmen Städten lebenswichtig für Insekten sein. Denn Koniferen und Kurzrasen in Parks sowie exotische oder degenerierte Gewächse in Gärten und auf Balkonen produzieren nur wenig Nektar.

Tritt dann Nahrungsmangel ein, können zum Beispiel ganze Hummelvölker sterben, wie es in Lindenalleen beobachtet wird: Gegen Ende der Lindenblüte geht den Bäumen der „Saft“ aus, auf den die Insekten angewiesen sind. Fehlt es dann an anderen Nahrungsquellen, gehen viele Hummeln zugrunde. Deshalb sollten kleine „wilde Ecken“, in denen Kriechender Günsel, Löwenzahn, Distel oder Klee wachsen, auch in der Stadt ihren Platz finden und nicht dem „Ordnungswahn“ zum Opfer fallen.

Als Heilkraut wird der Kriechende Günsel bei Halsschmerzen (als Tee) und Wunden (als Umschläge) gehandelt. Wohl eher auf Aberglauben beruht die Annahme, dass Inhaltsstoffe dieser Pflanze die Leber reinigen und nach durchzechter Nacht den „Kater“ vertreiben.

Foto:G. Hellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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SchwebfliegeGanz schön (und) ungefährlich: die Schwebfliege

Tier des Monats Mai des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) ist die Schwebfliege. Wenn im Mai die Gartensaison beginnt und der Mensch sich auf Sonne, Wärme, Kuchen und Cola freut, sind lästige „Mitesser“ nicht weit. Hierzu können neben Bienen und Wespen auch die von Frühjahr bis Herbst aktiven Schwebfliegen gehören.

Die Familie der Schwebfliegen, die in Europa mit etwa 500 Arten vertreten sind, löst beim Menschen zwiespältige Gefühle aus: Bewundernd nimmt er zur Kenntnis, dass diese Insekten schön gezeichnet sind und in der Luft „stehen“ können. Doch sobald sie sich der Erdbeertorte oder Limoglas nähern, werden sie zum Feind erklärt und gnadenlos verscheucht. Eine Rolle spielt dabei sicherlich die Warnfärbung der Schwebfliege, die vor den Angriffen vieler Vögel schützt und auch dem Menschen Respekt einflößt. So zieren zum Beispiel zwei schwarze Binden den gelben Hinterleib der Hornissenschwebfliege. Nimmt man die gelbe Maske und die gelbbraun geäderten Flügel hinzu, sieht sie der gefürchteten Hornisse täuschend ähnlich. Und das Wissen darüber, dass das Schwebfliegen-Weibchen seine Eier in Wespen- oder Hornissennestern ablegt, trägt auch nicht gerade zur Beruhigung bei.

Dennoch muss man sich nach der Berührung mit Schwebfliegen keine Sorgen machen. Denn im Gegensatz zur Hornisse, dessen Weibchen schmerzhafte Stiche setzen kann, haben Schwebfliegen keinen Stachel. Wie alle Insekten jedoch sind sie wichtig für das ökologische Gefüge, denn sie sammeln Pollen und Nektar und bestäuben viele Pflanzen. Neun von zehn aller weltweit bekannten Blütenpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ihnen verdankt der Mensch direkt oder indirekt etwa ein Drittel seiner Nahrung!

Die Hornissenschwebfliege zum Beispiel landet gerne auf Wiesenkerbel, Hahnenfuß, Baldrian und Hartriegel, im Sommer dann auf Wasserminze, Dost, Skabiosen und Liguster. Ihre Larven tragen zur Hygiene in der Natur bei, indem sie unter Wespen- und Hornissennestern liegende Kadaver von Insekten fressen. Später verpuppen sich die Larven im Boden. Schwebfliegen sind also schöne, interessante Insekten, die ohne Probleme im Garten toleriert werden sollten. Will man sie von den Verlockungen des Terrassentischs fernhalten, sollte man die Doldenblütler in entsprechender Entfernung pflanzen. Dort kann man sie in Ruhe beobachten und fotografieren.

Foto:G. Hellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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AronstabDer Aronstab - Fliegenfalle mit Rückfahrkarte

Pflanze des Monats April des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW ist der Aronstab. Sieht man zurzeit nur seine pfeilförmigen grünen Blätter aus dem braunen Laub des Vorjahres ragen, so ändert sich das in den nächsten Wochen: Erscheint die Pflanze dann in voller Größe am Boden, hat der Frühling den Winter endgültig verdrängt.

Der Aronstab fühlt sich in feuchten Laubwäldern wohl, solange die Sonnenstrahlen ihr Licht noch auf den Boden werfen können. Aus einem Nest pfeilförmiger Blätter schiebt sich der Blütenstand heraus und entwickelt sich zu einer raffinierten Fliegenfalle: Die aasartigen Duftstoffe des braunrötlichen Kolbens ziehen Fliegen und andere Insekten an. Der Kolben und das grünweiße Hüllblatt des Aronstabs sind mit Öltröpfchen überzogen und glatt wie eine Rodelbahn. Wie in einen Kessel rutschen die angelockten Insekten herunter und sitzen in der Falle. Sie bestäuben die weiblichen Blüten des Aronstabs durch mitgebrachte Pollen. In der Nacht streuen die männlichen Blüten ihre Pollen auf die gefangenen Insekten. Das Hüllblatt verwelkt und öffnet den Weg zurück in die Freiheit. Mit nektarhaltiger Feuchtigkeit versorgt, steuern die Insekten die nächste Pflanze an...

Mit dem Verwelken des Hüllblattes ist das Leben des Aronstabs noch nicht beendet. Im Juni besetzen leuchtend rote Beeren den Kolben. So verführerisch sie auch aussehen: Sie sind giftig wie alle anderen Pflanzenteile. Neben der Oxalsäure, die auch im Rhabarber oder im Waldsauerklee enthalten ist, birgt der Aronstab noch andere Giftstoffe. Daher sollte schon der bloße Hautkontakt vermieden werden.

In früheren Zeiten galt der Aronstab als Heilmittel bei Gicht und Rheuma. Er wurde vermutlich abgekocht oder getrocknet, um seine Giftigkeit zu mindern. Auch als Zauberpflanze und Schönheitsmittel war die Pflanze offensichtlich stark gefragt. Tabernaemontanus, ein berühmter Kräuterexperte, veröffentlichte im Jahre 1588 ein Buch, in dem er über den Aronstab zum Besten gab: „Etliche Weiber brennen aus Kraut/Wurzel und Blumen vom Aron ein kräfftig Wasser, welches das Gesicht schön macht und die Runtzel vertreibt.“ Und manch´ junge Frau versuchte sich wohl mit Hilfe des Aronstabs ins rechte Licht zu setzen und reimte: „Zehrwurzelkruat (Aronstab), ich zieh dich in meine Schuh, ihr Junggesellen, lauft mir alle zu.“ Besonders wirksam soll dieser Spruch gewesen sein, wenn der Aronstab zu Christi Himmelfahrt gesucht wurde!

Foto:G. Hellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Buschwindröschen Das Buschwindröschen-
Schneeweißer Frühlingsbote unter kahlen Bäumen

Sein Drang, sich früh im Jahr zu zeigen, rückt das Buschwindröschen ins Licht der ersten Sonnentage – Grund genug für das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), den kleinen Frühblüher vorzustellen. Im März, wenn die Vegetation noch im Rückstand ist, bilden sich ganze Teppiche des Buschwindröschens am Fuße von noch kahlen Bäumen und Sträuchern. Das Vorkommen von Anemone nemorosa, so die wissenschaftliche Bezeichnung, gilt als Hinweis für historisch gewachsene Wälder und alte Hecken. Häufig findet man seine schneeweißen Sternblüten zusammen mit der Waldschlüsselblume.


Das Buschwindröschen wächst auf lockerem Lehmboden in Laub- und Mischwäldern. Seine Samen werden von Ameisen verbreitet. Da diese keine großen Strecken zurücklegen können, ist die 10 bis 25 Zentimeter hohe Pflanze mit den 6 bis 8 Blütenblättern in jungen Wäldern selten zu sehen. Sind die Samen allerdings einmal im Wald angekommen, bilden sich schnell zusammenhängende Bestände. Auch im heimischen Garten macht sich die Pflanze gut. Zehn Röschen, im Herbst mit einem Abstand von 20 bis 30 Zentimetern gesetzt, können schon nach zwei Jahren einen wunderschönen Frühjahrsteppich bringen. Gedüngt werden müssen die Bestände nicht. Im Fachhandel werden viele kultivierte Sorten angeboten.

Keinesfalls sollte man Buschwindröschen im Wald pflücken oder ausgraben, denn als Wildblumen gehören sie in die freie Natur, wo sie wichtige ökologische Aufgaben erfüllen. Für Bienen und Hummeln sind sie erster Eiweißlieferant im Jahr. Ameisen schätzen die ölreichen Bestandteile der abgefallenen Samen als Nahrung. Als „Gegenleistung“ sorgen Insekten und Ameisen für Bestäubung beziehungsweise Verbreitung.

Ein alter Aberglaube aus vergangenen Zeiten besagte: Wer ein Buschwindröschen pflückt und mit nach Hause nimmt, der hat noch im selben Jahr einen Toten zu beklagen. Ernster zu nehmen als diese abergläubische Überlieferung ist die tatsächliche Giftigkeit der Pflanze. Aus ihrem Wurzelstock wird das als Pfeilgift bekannte Anemonin gewonnen. Auch andere Pflanzenteile sind schwach giftig und können bei Berührung zu Hautrötungen führen. Beim Pflanzen im Garten ist also Vorsicht geboten! Vor allem Kleinkinder sollten Buschwindröschen nicht in den Mund nehmen, denn es können Beschwerden auftreten. Kritisch wird es allerdings erst beim Verzehr großer Mengen.

Will man die weißen Blütenteppiche der Wildpflanze in diesem Jahr bewundern, sollte man mit dem Waldspaziergang nicht zu lange warten. Denn die Pracht ist bald vergangen. Schon im Mai, wenn das Laubdach des Waldes dichter wird und nur noch wenig Licht auf den Boden lässt, verblüht das Buschwindröschen und zieht sich wieder in die Erde zurück.

Foto: G.Hein. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Wanderfalke Der Wanderfalke – ein „Sonnenvogel“ in NRW

Die alten Ägypter nannten ihn “Sonnenvogel“, weil sie glaubten, dass er jeden Morgen die Sonne an den Himmel zog: Der Wanderfalke ist Tier des Monats Februar des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW. Noch Ende der 70er Jahre galt die größte einheimische Falkenart als ausgestorben. Erst 1990 registrierten Vogelschützer wieder eine Brut in der Nähe von Olsberg. Im Jahre 2000 waren es in Nordrhein-Westfalen bereits 37 Brutpaare. Der erfreuliche Trend setzt sich offenbar fort: Heute gibt es in unserem Land immerhin etwa 100 Brutpaare des Wanderfalken, vor allem in der Industrielandschaft entlang des Rheins und im Ruhrgebiet, vereinzelt aber auch im Sauerland, Münsterland und in Ostwestfalen.

Was treibt den schönen Greifvogel hierzulande zur “Sonne“ zurück? Zum einen ist die Belastung mit Pestiziden zurückgegangen; auch wird der Wanderfalke kaum noch verfolgt oder getötet. Zum anderen greifen Maßnahmen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes. Durch die Anlage von Nisthilfen an Schornsteinen, Kirch- und Kühltürmen oder hohen Gebäuden erhielt der Wanderfalke entscheidenden Auftrieb. In seinen natürlichen Lebensräumen wie Felslandschaften oder Steinbrüchen ist er dagegen noch immer selten.

Der Wanderfalke erreicht im Sturzflug Geschwindigkeiten von 300 Kilometer pro Stunde. Sein kurzer Schwanz und seine spitz zulaufenden Schwingen unterscheiden ihn von anderen Greifvögeln. Im Februar beginnt die Balzzeit. Typisch sind dann die spielerischen Verfolgungsjagden zwischen Männchen und Weibchen. Das macht schon mal Appetit: Überfallartig stürzt der Greif auf  "Frischfleisch" wie Tauben, Stare, Mauersegler oder sogar Halsbandsittiche und packt sie im Flug. Aas dagegen verschmäht der Wanderfalke grundsätzlich.

Haben sich die Partner gefunden, wird ein Brutplatz gesucht! Nie bauen sie ein eigenes Nest, immer nutzen sie vorhandene Möglichkeiten wie Felsvorsprünge, Starkstrommasten, Wandhöhlen oder Nisthilfen. Der Wanderfalke ist gesetzlich geschützt. Damit der Greifvogel auch in seinem ursprünglichen Lebensraum, den Felslandschaften wieder heimisch wird, bemüht man sich in Klettergebieten während der Brut um Zonierungen oder Sperrungen.

Foto: FotoNatur/H.W. Grömping. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Blattlose Koboldmoos Das Blattlose Koboldmoos – ein merkwürdiges Pflänzchen

Pflanze des Monats Januar des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) Nordrhein-Westfalen ist das Blattlose Koboldmoos. Buxbaumia aphylla, so die wissenschaftliche Bezeichnung, bildet im späten Winter seine Sporen aus. Obwohl nur wenige Zentimeter groß, kann das Blattlose Koboldmoos flächenartige Teppiche bilden und so das Vegetationsbild bestimmen. Charakteristisch ist die bräunliche Sporenkapsel, die wie der Kopf eines Golfschlägers auf einem Stil sitzt.

Doch das Pflänzchen sieht nicht nur merkwürdig aus. Es hat wirklich etwas von einem Kobold, der klein und selten zu sehen ist, wie ein Geist verschwindet und manchmal „sauer“ reagiert, wenn man ihn ärgert: Wie der Kobold ist das Koboldmoos klein und selten, und verschwindet, sobald die Sporen ausgeblasen sind. Auch reagiert es „sauer“ auf Luftschadstoffe, unter deren Einwirkung die Bestände zurückgehen. Neben Blättern fehlt dem Blattlosen Koboldmoos das Gefäßsystem, das Wasser und Nahrung in den Mooskörper leitet. Die Würzelchen (Rhizoide), die nur dem Halt dienen, erfüllen diese Funktion nicht. Stattdessen saugt sich das gesamte Moos mit Feuchtigkeit und Nährstoffen voll. Blüten und Samen fehlen ebenfalls. Dafür entwickelt das merkwürdige Moos Kapseln mit Sporen, die im Frühjahr ausgeworfen werden und im Boden zu weiblichen und männlichen Pflanzen keimen.

Buxbaumia aphylla wächst auf kalkfreien, etwas feuchten Böden in ansonsten trockener Umgebung. Lichte Wälder, Waldränder, Wegeböschungen und verbuschte Heiden gehören zu den Lebensräumen. In Nordrhein-Westfalen ist das Koboldmoos selten geworden. Gesicherte Vorkommen gibt es nur in der Wahner Heide bei Köln und im Hochsauerland; weitere Standorte sind möglich. In der Gegend um Winterberg kann man das Koboldmoos jetzt auf den Skipisten sehen, sofern dort kein Schnee liegt. Auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen in NRW steht das Blattlose Koboldmoos als „vom Aussterben bedroht“. Damit geht es ihm etwas besser als dem streng geschützten Grünen Koboldmoos (Buxbaumia viridis), das in NRW seit langem verschollen ist. Bei Eingriffen in die Landschaft (z.B. beim Straßenbau) sind die Vorkommen deshalb in ganz Europa schon in der Planung zu berücksichtigen.

Das Blattlose Koboldmoos ist gefährdet, weil Nutzungsänderungen der Land- und Forstwirtschaft, Überdüngung und vor allem Nähstoffeinträge aus der Luft seinen Lebensraum einengen. Auf Umwelteinflüsse reagieren alle Moose sehr sensibel: Anhand von Bestandsentwicklungen kann nachgewiesen werden, ob sich die Lebensbedingungen der Moose verschlechtert oder verbessert haben. In den letzten Jahren zeigt sich das Blattlose Koboldmoos wieder öfter, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Belastung der Luft mit Schwefeldioxid im Land abgenommen hat.

Foto: Dr. H. Bellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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EichhörnchenDas Eichhörnchen, ein eifriger Sammler, der Feind und Frost trotzt

Tier des Monats Dezember des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist das Eichhörnchen. Im Spätherbst, wenn die Tage deutlich kürzer werden und an Bäumen und Sträuchern die Samen gereift sind, wird das gut 20 Zentimeter große Nagetier seinem Ruf als eifriger Sammler gerecht. Mal oben (im Baum), mal unten (am Boden), huscht das Eichhörnchen mit atemberaubender Schnelligkeit hin und her und sucht nach Nüssen, Eicheln oder Körnern, um sie im Boden oder in Baumhöhlen als Vorrat zu verstecken.

Das kleine Pelztier trotzt Feind und Frost. Dem Habicht entgeht der flinke Nussknacker, indem er spiralförmig den Baumstamm hinaufflitzt und im Geäst oder in einer Höhle verschwindet. Den Marder jedoch muss das Eichhörnchen fürchten. Oft endet die Jagd erst im Baumwipfel. Meistens entwischt das Eichhörnchen. Den buschigen Schwanz als Fallschirm und Steuer benutzend, fliegt es auf den Boden zurück. Der Marder dagegen, der nicht gut springen kann, muss wieder herunterklettern und die Verfolgung neu aufnehmen.

Auch an den Menschen gewöhnt sich das Eichhörnchen sehr schnell. Vor allem in Parks und Gärten kommt der Mensch mit den putzigen, manchmal sogar handzahmen Tieren in Kontakt. Auf Grund der unterschiedlichen Brauntöne des Fells sind sie gut zu unterscheiden. Im Winter zeigt das Eichhörnchen ein dichtes und langhaariges Gewand. Seine langen Ohrpinsel stehen ihm dann buchstäblich zu Berge und auch sein buschiger Schwanz ist nicht zu übersehen. Mischwälder sind der bevorzugte Lebensraum. Hoch oben im Baum ruht das Eichhörnchen oft tagelang in seinem Kugelnest (Kobel). Es hält jedoch keinen Winterschlaf wie der Igel. Der Hunger treibt es schon bald wieder hinaus in die Kälte. Zielsicher sucht die gut entwickelte „Spürnase“ die Vorräte auf und buddelt die Nahrung wieder aus. Geschickt knackt es die Schalen und zermalmt die Kerne mit seinen kräftigen Backenzähnen. Wird die Stelle eines Nahrungsdepots mal vergessen, freuen sich andere Tiere. Oder es wachsen daraus Baumkeime, die im Frühjahr an die Oberfläche kommen.

Um kleine Pausen zu machen, schlüpft das Eichhörnchen gerne in „Zweit- und Drittwohnungen“, zum Beispiel alte Krähen- oder Elsternhorste. Doch bei Frost geht’s schnell zurück ins warme, mit Gras, Moos und Federn ausgepolsterte Nest. Energiebewusst verstopft es dann den zur Wetterseite gerichteten Eingang mit Zweigen. Im Kobel werden Anfang Februar zwei bis fünf Junge geboren, denen im Sommer ein zweiter Wurf folgen kann.

Damit das Eichhörnchen in unseren dicht besiedelten Städten bleibt, empfehlen die Fachleute des LANUV, in Parks, Grünanlagen und Friedhöfen heimische Gehölze zu fördern. Werden dann noch alte Vogelhorste in Ruhe gelassen und Böden geschont, fühlt sich das putzige Eichhörnchen auch weiterhin bei uns wohl.

Foto:Rolf Behlert. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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KnollenblätterpilzDer "Gelbe" – ein essbarer Knollenblätterpilz?

Das LANUV empfiehlt Pilzsammlern: Stehen lassen!

Pilz des Monats Oktober des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) ist der Gelbe Knollenblätterpilz. Wenn im Herbst die Pilzsucher wieder ihre Körbchen füllen, kann es bei der Bestimmung von Pilzen zu gefährlichen Verwechselungen kommen. Zahlen der Informationszentrale gegen Vergiftungen des Landes Nordrhein-Westfalen belegen, dass das Pilzesammeln oft genug mit einem Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus endet: In den letzten 10 Jahren sind bei der Zentrale über 2600 Anrufe wegen des Verdachts auf Pilzvergiftungen eingegangen.

Der Gelbe Knollenblätterpilz zeigt, wie schwer es manchmal auch für Fachleute ist, die Gefährlichkeit von Pilzen einzuschätzen. Amanita citrina, so der wissenschaftliche Name, ist typisch für saure Böden in Buchenwäldern Europas. Er kommt auch unter Fichten vor, wo ihm der giftige Fliegenpilz und der nicht giftige und wohlschmeckende Maronen-Röhrling manchmal Gesellschaft leisten. Bis auf die gelblich-weiße Hutfarbe erinnert seine Erscheinung an den bekannten Fliegenpilz, mit dem er nicht nur die Form, sondern auch die weiße Farbe des Fleisches und die frei stehenden, weißen Lamellen gemeinsam hat.

Der Gelbe Knollenbätterpilz ist ein zweifellos attraktiv aussehender Pilz und nicht giftig. Dennoch ist er kein empfehlenswerter Speisepilz, besonders aus einem Grund: der Verwechslungsgefahr!

Oft “outet sich“ nämlich die gelbe Variante allein durch ihren Kartoffelkeim-Geruch und ihren rettich- oder rübenartigen Geschmack. Auf die Hutfarben kann man sich im Zweifel nicht verlassen! Sie können witterungs- und standortbedingt stark variieren: Während weiße Formen des Gelben Pilzes häufig sind, kann auch der Grüne Knollenblätterpilz gelegentlich in weißem Gewand auftreten. Und da weitere Verwandte wie der Frühlings- und der Kegelhütige Knollenblätterpilz ebenfalls giftig und leicht zu verwechseln sind, empfiehlt das LANUV NRW den Pilzsammlern: Lassen Sie den Gelben Knollenblätterpilz im Wald stehen!

Für denjenigen, der es gewohnt ist, gelbe Knollenblätterpilze zu sammeln, ist die klare Unterscheidung von existenzieller Bedeutung, wie zahlreiche tragische Vergiftungsfälle beweisen. In Osteuropa, z.B. Russland, werden Gelbe Knollenblätterpilze traditionell gesammelt. Da dort der Grüne Knollenblätterpilz unbekannt ist, kommt es bei Pilzsammlern aus entsprechenden Ländern in Deutschland immer wieder zu folgenschweren Verwechslungen.

Wie ist es denn um den Speisewert dieses Pilzes bestellt?

Da der Pilz lange Zeit nicht als eigene Art, sondern lediglich als Variante des Grünen Knollenblätterpilzes angesehen wurde, stufte man ihn dementsprechend als lebens-bedrohend giftig ein. Später erkannte man, dass der gekochte Pilz ohne nachteilige Folgen gegessen werden kann. Erstaunen lösen die in Pilzbüchern unterschiedlichen Bewertungen über den Gelben Knollenblätterpilz aus. Sie reichen von „nach Erhitzung essbar“, „schmeckt nicht besonders gut“, „kein Speisepilz“, „vermutlich nicht giftig“ bis zu „schwach giftig“ und „giftverdächtig“.

Was man heute weiß: Der Gelbe Knollenblätterpilz enthält das „Krötengift“ Bufotenin, das durch Erhitzen zersetzt wird und damit seine Wirkung verliert. Die Symptome des Bufotenins gleichen typischen Halluzinogenen wie LSD. Sie ist allerdings schwächer ausgeprägt, hält kürzer an und wird von erheblichen Nebenwirkungen, wie Brechreiz, Schwindelgefühlen und Verwirrungszuständen begleitet. Ebenfalls enthält er - in allerdings sehr geringen Mengen - das hochgiftige Alpha-Amanitin, das sich bei Erhitzen nicht zersetzt und für die lebensgefährlichen Vergiftungen des Grünen Knollenblätterpilzes mitverantwortlich ist.

Foto: F.Jungschlaeger. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen beantworten Gunther Hellmann (02361-305-3559) und Felix Jungschlaeger (02361-305-3296).

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FeldenzianDer Feldenzian ist Pflanze des Monats September

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat den Feldenzian zur Pflanze des Monats gewählt, denn er ist in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedroht. Von Jahr zu Jahr finden sich im Spätsommer weniger Exemplare dieser früher einmal im westfälischen Teil gar nicht so seltenen Art.

Gentianella campestris, so der Fachausdruck, wird bis zu 30 Zentimeter hoch und hat purpurne Blüten mit vier Blütenblättern. Einzeln oder in kleinen Trupps sieht man ihn jetzt in den Mittelgebirgen auf sehr magerem Grün- oder Heideland. Dieser scheinbar bescheidene Anspruch an den Boden wird ihm jedoch zum Verhängnis. Denn eine Düngung seiner Flächen schadet dem Feldenzian ebenso wie das Einstellen der Nutzung: Lässt man das Grün- oder Heideland unbewirtschaftet, verdrängen ihn stärkere Pflanzen, Büsche und Bäume.

Hinzu kommt, dass die Samen des Feldenzians im Boden nur kurze Zeit keimfähig bleiben. Im Vergleich dazu können sich zum Beispiel die Samen des Mohns oder der Kornblume 30 Jahre und länger halten. So wundert es nicht, dass Gentianella campestris in doppeltem Sinne zu einer Randerscheinung geworden ist: Er ist extrem selten und wächst nur noch in Grenzbereichen zum Bundesland Hessen. Bekannte Vorkommen gibt es in der Nähe von Brilon und Bad Berleburg. Da die Pflanze jedoch leicht zu übersehen ist, sind wenige weitere Stellen denkbar. Auch der Rückgang anderer Enzianarten, des Kreuz- und des Lungenenzians, ist leider noch nicht gestoppt. Schon lange ausgestorben ist der Sumpfenzian.

Enzianen helfen heißt, ihre Lebensräume zu erhalten. Das zeigt die Entwicklung des Fransen- und des Deutschen Enzians: Durch gezielte Maßnahmen der Landschaftsbehörden und des ehrenamtlichen Naturschutzes geht es beiden Arten heute deutlich besser. Eine ähnliche Entwicklung sollte auch beim Feldenzian möglich sein. Die Eigentümer erklären sich bereit, ihre Enzian-Flächen nur noch extensiv zu bewirtschaften oder an geeignete Naturschutzinstitutionen zu verkaufen. Die wertvollen Bereiche werden dann regelmäßig beweidet oder gemäht und ab und zu auch entbuscht. Das Landesumweltministerium unterstützt diese Maßnahmen im Rahmen von Verträgen. Der Erfolg kann sich sehen lassen: In Bad Berleburg wurden im Jahre 2004 immerhin über 250, in Brilon 2005 über 300 Exemplare gezählt.

Foto: R. Götte. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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MosaikjungferDie Blaugrüne Mosaikjungfer ist Tier des Monats August

Man braucht keine exotischen Schauplätze, um Natur hautnah erleben zu können. Ein kleiner Teich im Garten reicht aus, und man kann heftiges Werben, muntere Tanzbewegungen und blitzschnelle Luftangriffe beobachten: Da fliegt zum Beispiel die Blaugrüne Mosaikjungfer, Tier des Monats August des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Die Libelle mit dem gescheckten Hinterleib gehört neben der Großen Königslibelle zu den häufigsten und mit einer Spannweite von bis zu 11 Zentimetern auch zu den größten Edellibellen in Nordrhein-Westfalen.



Im August taucht das Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer wie ein Blitz aus heiterem Himmel über Teichen und Seen auf und sucht nach einem paarungswilligen Weibchen. Es imponiert durch elegante Flugbewegungen und bleibt zuweilen rüttelnd in der Luft stehen. Stören konkurrierende Artgenossen, verteidigt das Männchen die Lufthoheit mit heftigen Attacken. Und wenn vom anstrengenden Zickzackkurs Appetit aufkommt, werden Mücken, Fliegen und kleinere Libellen blitzschnell erbeutet.

Oft fliegt die Großlibelle dicht am Kopf des Menschen vorbei und man hört das bedrohlich tiefe Surren der Flügel. Überlieferte Namen wie „Teufelsnadeln“ oder „Augenstecher“ vergrößern den Respekt vor der Blaugrünen Mosaikjungfer noch. Doch Angst ist völlig unangebracht, denn stechen kann sie nicht. Vor allem nachmittags, wenn sich die Libelle an Pflanzen in Bodennähe niederlässt, um sich zu sonnen oder zu putzen, kann man sie gut beobachten: Ihre schillernden Farben, filigranen Flügel und der zarte Körper weisen eher auf die wissenschaftliche Bezeichnung Aeshna cyanea hin, was etwa “Blauschimmernde Schamhaftigkeit“ heißt.

Haben sich die Libellenpartner gefunden, bilden die Mosaikjungfern am Wasser oder im Gebüsch das Paarungsrad. Bald danach legt das Weibchen die Eier auf Wasserpflanzen ab. Das Männchen verschwindet nach der Paarung. Dabei entfernt es sich oft weit vom Gewässer.

Von den 66 in NRW bodenständigen Libellenarten sind nur 23 nicht gefährdet. Hierzu gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer. Damit das so bleibt, sollten die Wasserqualität der Stillgewässer weiter verbessert, Grundwasserabsenkungen vermieden und ein natürlicher Uferbewuchs erhalten werden. Das gilt auch für den eigenen Teich. Fische sollte man dort nicht einsetzen, denn sie fressen gerne die auf dem Teichgrund lebenden Libellenlarven. Und wenn Dünger und Pestizide im Garten tabu sind, steht dem Besuch oder der Paarung der Blaugrünen Mosaikjungfer nichts im Wege.

Foto: G. Hellmann. Der Abdruck des Fotos ist nur bei Nennung des Autors in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei. Fragen beantwortet Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Goldammer Juli 2008
Die Goldammer ist Tier des Monats Juli

Der Singvogel ist LANUV - Tier des Monats Juli - Wer möchte nicht so überschwänglich empfangen werden, wenn er sich im Sommer auf eine Radtour oder einen Spaziergang macht? „Wie...wie...wie hab ich dich lieb“, deutet der Volksmund den Gesang der Goldammer. Und ihr Spitzname „Bauernkanari“ weist schon darauf hin, wo sie sich gerne aufhält: in einer mit Gehölzen, Hecken und Büschen durchsetzten Feldlandschaft. Auch an Waldrändern und auf Obstwiesen ist die Goldammer zu sehen. In dichter besiedelte Bereiche wagt sich der Singvogel nur im Winter, um Nahrung zu suchen.

Das Tier des Monats des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ähnelt in Größe und Aussehen dem Sperling, genießt aber höheres Ansehen durch seinen Gesang und sein leuchtend gelbes Gefieder an Kopf und Unterseite. Auf dem Speiseplan der Goldammer steht vor allem weiches Futter, z.B. Früchte, Insekten, Raupen und Spinnen. Im Winter sieht sich der Vogel dann nach Samen und Getreidekörnern um. Noch ist der Gesangskünstler in Nordrhein-Westfalen recht zahlreich vertreten. Dennoch führen die Fachleute des Landesamtes die Goldammer auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten, da die Bestände des Vogels zurückgehen: Wurden im Jahre 1999 noch 185.000 Brutpaare gezählt, so waren es 2007 nur 170.000. In den Niederlanden und Belgien steht die Goldammer bereits auf der Roten Liste. Das liegt hauptsächlich an der Zerstörung und Verschlechterung des Lebensraums: In den vergangenen Jahrzehnten wurden zu viele Hecken und Gehölze gerodet, Feldraine umgepflügt und Düngemittel eingesetzt, um auf größeren und maschinengerechten Äckern bessere Erträge erzielen zu können.

Um den Anfängen einer Gefährdung der Goldammer zu wehren, führt das Landesamt Bestandszählungen durch. Das Tier wurde in eine Liste von 10 Vogelarten aufgenommen, die für den Lebensraum „Agrarlandschaft“ repräsentativ sind und deren Bestandsentwicklung als „Fieberthermometer“ des ökologischen Zustands dienen soll. '

Seit mehreren Jahren wird diese Entwicklung überprüft. Die Zunahme der Arten deutet auf eine Verbesserung, die Abnahme auf eine Verschlechterung des Lebensraums hin. Auf das Zahlenwerk müssen Naturschutzmaßnahmen folgen: Feldgehölze und Hecken sollten neu angepflanzt, Pestizide und Dünger reduziert, Streuobstwiesen erhalten, Stoppelfelder später bearbeitet und Wiesen später gemäht werden.

Foto: Heinrich König. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (02361 305-1337); Mobil: 0173/5413406
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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adonaes Juni 2008
Das Sommer-Adonisröschen ist Pflanze des Monats Juni

Schön wie Adonis ist die Pflanze des Monats Juni des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Das seltene Sommer-Adonisröschen leuchtet in der Regel scharlachrot und kann in der heutigen Agrarlandschaft sicher als Attraktion bezeichnet werden. Bis zu 50 Zentimeter hoch, wächst es vorwiegend auf Getreideäckern mit kalkhaltigen Böden. Das Hahnenfußgewächs wird auch “Teufelsauge“ genannt, was einerseits auf die Giftigkeit, andererseits wieder auf die Schönheit der Pflanze hinweist. Ihre Blätter nutzte man in der Volksmedizin zur Herztherapie.

Bei so vielen Vorzügen sollte man eigentlich keine Feinde haben! Doch das Sommer Adonisröschen, das im Mittelalter aus dem Orient nach Europa eingeschleppt wurde, war bald als Unkraut gefürchtet. Neben anderen Wildkräutern macht es dem Getreide Konkurrenz im Kampf um Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe. Um bessere Erträge erzielen zu können, begannen die Bauern mit der Bekämpfung. Mechanische Maßnahmen wie Hacken und Striegeln drängten die unerwünschten Kräuter zwar zurück, gefährdeten sie aber noch nicht in ihrem Bestand. Erst mit der Saatgutreinigung und dem intensiven Einsatz von Chemie und Düngemitteln blieben viele Wildkräuter auf der Strecke. „Bunte Äcker – schlechte Ernten“, hieß es in einer Werbeanzeige für Herbizide der 60er Jahre. Die Folgen dieser Philosophie zeigten sich bald: Das Sommer-Adonisröschen kam 1979 auf die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, auf der es bis heute geblieben ist.

So finden sich häufigere Vorkommen nur in der Kalkeifel und wenige Exemplare in den Hellwegbörden bei Soest und am Rande der Warburger Börde. Dass es die Pflanze des Monats überhaupt noch in Nordrhein-Westfalen gibt, ist Maßnahmen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes zu verdanken. Vor 25 Jahren wurde vom NRW - Umweltministerium das “Schutzprogramm für Ackerwildkräuter“ gestartet, dessen Ziele und Maßnahmen sich heute im „NRW-Programm Ländlicher Raum 2007 – 2013“ wiederfinden: Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes verpflichten sich Landwirte, Ackerränder nur noch extensiv zu bewirtschaften. Hierfür erhalten sie Ausgleichszahlungen.

Seinen Namen hat das Sommer-Adonisröschen vom griechischen Gott Adonis, der im Kampf mit einem Eber tödlich verwundet wurde. Überall dort, wo das Blut des stattlichen Helden auf den Boden tropfte, wuchs ein Röschen. Im „wirklichen Leben“ klappt dieser Vorgang natürlich nicht. Auch darf das Wildkraut nicht einfach irgendwo ausgegraben werden, denn es steht unter Naturschutz. In Gärtnereien kann man sich Saatgut mehrerer Arten des Adonisröschens kaufen.

Foto: Robert Flogaus-Faust. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (02361 305-1337); Mobil: 0173/5413406
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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maifisch

Mai 2008
Comeback für den Maifisch

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) hat den Maifisch zum Tier des Monats ernannt. Mit Hilfe der Fischökologen des Landesamtes soll dem heringsartigen Fisch ein Comeback gelingen. Dazu werden in den nächsten Jahren im Rhein und seinen Nebenflüssen etwa fünf Millionen Maifischlarven ausgesetzt. Sie stammen aus den Flüssen Garonne und Dordogne in Südfrankreich. Um den Erfolg der Maßnahmen später zu überprüfen werden alle Fische markiert. Und da der Lebensraum des Maifisches an den Grenzen Nordrhein-Westfalens nicht aufhört und das Projekt finanziert werden muss, sitzen bei der Wiederansiedlung dieser Fischart viele Partner mit im Boot, unter anderem aus Frankreich, Holland und dem Bundesland Hessen.

Der Maifisch gehört zu den Wanderfischen, die wie der Lachs lange Distanzen zurücklegen. Er kann 70 Zentimeter lang und 4 Kilogramm schwer werden. Im Mai schwimmen die Fische aus dem salzigen Atlantik in das Süßwasser des Rheins und seiner Nebenflüsse. Stromaufwärts suchen sie sich kiesige Abschnitte und führen an der Wasseroberfläche einen beeindruckenden Liebestanz auf. Die Eier werden später ins Wasser abgelassen, wo sie auf den Grund des Gewässers fallen. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und schwimmen, noch bevor sie ihr erstes Lebensjahr vollendet haben, in den Atlantik. Dort bleiben sie drei bis fünf Jahre, nehmen Nahrung auf, um dann als ausgewachsene Fische wieder in Richtung Rhein zu schwimmen.

Noch vor 150 Jahren war der Maifisch einer der wichtigsten Fische im Rhein. Zu Hunderttausenden schwamm er aus dem Atlantik stromaufwärts in Rhein, Main, Neckar und Mosel. Überlieferungen nach war er praktisch mit den Händen zu greifen und sicherte den Berufsfischern im Frühjahr ein regelmäßiges Einkommen. Maifische galten als Delikatesse, die in jedem Wirtshaus angeboten wurde. Der Maifischmarkt in Düsseldorf und die Maifischgasse in Köln-Poll zeugen noch heute von der Bedeutung dieser Fischart. Heute gehört der Maifisch zu den Arten, die in Europa vom Aussterben bedroht sind. Die Verschmutzung und der Ausbau der Fließgewässer sowie die Überfischung haben dieser Fischart so zugesetzt, dass sie kaum noch zu sehen ist.

Das könnte sich in Zukunft ändern: Maßnahmen des Umweltschutzes haben bewirkt, dass unsere Gewässer deutlich sauberer geworden sind. Viele Flüsse sind für Wanderfische durch den Bau von Bypass-Systemen auch wieder durchgängig. Vieles also hängt in den nächsten Jahren vom Erfolg der Besatzmaßnahmen ab, um dem Maifisch zum Comeback zu verhelfen.

Foto: Peter Beeck. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei. Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet Dr. Heiner Klinger (02723-77940)
Pressestelle: Dr. Babette Winter (02361 305-1337); Mobil: 0173/5413406
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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C-FalterApril 2008
Der C–Falter – ein Frühaufsteher mit wechselndem Outfit

Zu den ersten Schmetterlingen, die sich jetzt ins Freie wagen, gehört der C-Falter. Er ist Tier des Monats April des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Die kalte Jahreszeit hat der schöne Schmetterling in Winterstarre verbracht - nah beim Menschen, etwa in einem Keller, Geräteschuppen oder Dachboden, oder draußen in einer Felsspalte oder einem Strauch. Sobald die ersten Sonnenstrahlen im Spätwinter die Luft erwärmen, kommen Stoffwechsel und Atmung des C–Falters wieder „auf Touren“ und er sucht sich Nahrung.

Markenzeichen des braunen Falters mit den schwarzen Flecken ist ein kleiner weißer C– förmiger Haken auf der Unterseite der Hinterflügel. Auf den ersten Blick sieht der bis zu fünf Zentimeter große Falter ziemlich zerzaust aus, so als ob während der Ruhephase ein Tier an ihm geknabbert hat. Schaut man genauer hin, wird klar, dass die Zacken an den Flügelrändern symmetrisch sind und die Natur ihn so geschaffen hat.

Polygonia c – album, so der wissenschaftliche Name, fliegt vor allem an Waldwegen und –rändern sowie auf Obstwiesen. Aber auch im dicht besiedelten Bereich des Rhein-/Ruhrgebietes ist er an Hecken und Büschen zu sehen. Zurzeit muss er sich noch mit dem Nektar von Schlehe, Weide oder Schneeball begnügen. Reicher gedeckt ist der Tisch für die nächste Generation, die im Juni aus der Puppe schlüpft. Diese Frühjahrsform des C– Falters ist deutlich heller gefärbt als die dann wieder folgende Überwinterungsgeneration. Der Wechsel des Outfits hat mit dem Einfluss von Licht und Temperatur im Raupenstadium zu tun: Die im Sommer lebenden Raupen genießen größere Tageslängen und bringen nach Ende der Verpuppung dunklere Nachkommen zur Welt als die im Frühjahr lebenden Raupen.

Anpassungsfähig wie er ist, wird uns der Anblick dieses Edelfalters auch in Zukunft erfreuen. Eine „Schwachstelle“ jedoch hat er: Die Nahrung der Sommerraupen beschränkt sich weitgehend auf die Blätter der Großen Brennnessel. Vom Menschen zum „Unkraut“ erklärt, ist die Pflanze weitgehend aus unseren Gärten verschwunden. Damit haben auch die Raupen von Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleinem Fuchs eine wertvolle Nahrungsgrundlage verloren. Weniger Raupen im Garten kann dann auch heißen, dass Singvögel weniger Futter finden.

Deshalb sollte man in seinem Garten eine „wilde Ecke“ dulden, in der Brennnesseln, Disteln und andere „Unkräuter“ eine Chance haben. Wildkräuter, Stauden, Gehölze und eine Blumenwiese ziehen Schmetterlinge wie den C–Falter magisch an. Von den meisten Faltern verschmäht werden dagegen viele exotische Pflanzen. Und Gift hat aus vielen ökologischen Gründen in den Gärten nichts zu suchen. Ein Merkblatt über „Schmetterlinge im Garten“ kann kostenlos beim LANUV bestellt werden.

Foto: G. Hellmann. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (02361 305-1337); Mobil: 0173/5413406
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Wildkatze Februar 2008
Die Wildkatze - Rückkehr auf leisen Sohlen!

Tier des Monats Februar des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist die Wildkatze. Jetzt ist ihre Paarungszeit, die etwa bis Ende März geht. Von der Hauskatze unterscheidet sich die etwas größere Wildkatze durch das verwaschen getigerte Fell, die fleischfarbene Nase und den schwarz geringelten Schwanz mit stumpfem Ende. Über Jahrtausende gehörte sie zum festen Arteninventar nordrhein-westfälischer Wälder. Heute hält der Naturfreund meist vergeblich Ausschau nach der Wildkatze. Felis silvestris, wie die Fachleute sie nennen, ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und gilt als vom Aussterben bedroht. Doch es gibt Anzeichen, dass das scheue Tier auf leisen Sohlen zurückkommt.

In der Nordeifel, wo die dämmerungs- und nachtaktive Wildkatze nie ganz verschwunden war, sind die Bestände stabil. Im letzten Jahrzehnt war sogar eine leichte Zunahme festzustellen, weil Windwurfflächen und naturnahe Waldbewirtschaftung günstigere Nahrungsbedingungen schufen. Auch wurden die Katzen weniger bejagt. So tummeln sich in den großen zusammenhängenden Wäldern um Bad Münstereifel, Schleiden, Schmidtheim und Hürtgenwald heute etwa 200 bis 250 Wildkatzen. Zusammen mit weiteren Exemplaren in Rheinland-Pfalz und im nördlichen Saarland bilden sie mit insgesamt 3.000 Tieren die größte Wildkatzenpopulation in Deutschland. Man geht davon aus, dass eine Population überleben kann, wenn sie aus mindestens 500 fortpflanzungsfähigen Tieren besteht. Auch aus dem östlichen und südlichen Westfalen gibt es wieder Hinweise auf einzelne Wildkatzen.

Unsere Vorfahren vermuteten übrigens, dass Wildkatzen Hirschkälber und Rehe töten und Menschen ernsthaft verletzen konnten. In Wirklichkeit sind die als Einzelgänger lebenden Tiere harmlos. Sie jagen vor allem Mäuse; ab und zu stehen Kleinvögel, Amphibien, Fische und kleine Reptilien auf dem Speiseplan. Einmal zum Schädling ernannt, stellte man die Wildkatze jedoch auf eine Stufe mit Braunbär, Wolf und Fuchs und tötete sie mit Kugeln, Giftködern oder Tellereisen. Obwohl der Wert des Pelzes nie eine große Rolle spielte, wurden sogar Fang- und Abschussprämien gezahlt. Auch der Rückgang der Wälder und die Umwandlung in Nadelholzwälder machte der Wildkatze zu schaffen, die erst 1934 in Deutschland unter strengen Schutz gestellt wurde.

Der Wildkatze „auf die Sprünge helfen“ heißt, die noch unzerschnittenen und naturnahen Wälder Nordrhein- Westfalens zu erhalten oder, wo es geht, wiederherzustellen: Die Tiere brauchen ein ausreichendes Angebot an bodennahen Baumhöhlen, Wurzeltellern, trockenen Felsquartieren, dichtem Unterholz sowie verlassenen Fuchs- oder Dachsbauen, um sich tagsüber und bei Gefahr zu verstecken und die Jungen aufzuziehen. Nahrung suchen sie vor allem an Waldrändern, auf Windwurfflächen und Lichtungen sowie benachbarten strukturreichen Wiesen, Feldern und Brachen. Auch Bäche und Wasserstellen müssen vorhanden sein. In stark besuchten Erholungsgebieten wie dem Naturpark Eifel sollten Wanderwege so verlaufen, dass die scheuen Wildkatzen nicht gestört werden. Konzepte gibt es. Sie zu realisieren, ist Aufgabe der amtlichen Naturschützer.

Foto: Peter Schütz. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (02361 305-1337); Mobil: 0173/5413406
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

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Wasseramsel Dezember 2007
Die Wasseramsel - Im Tauchgang auf Insektenfang

Im Dezember erscheint uns die "entblätterte" Landschaft zwar grau in grau, sie gibt aber auch die Sicht auf bisher Verborgenes frei. Mit etwas Glück erblickt man beim Spaziergang die Wasseramsel, einer der wenigen im und am Bach lebenden Singvögel. Ihr Tag verläuft während der Vegetationsperiode im (Sicht-) Schutz des dichten Uferblattwerks quellklarer Bäche. Fällt das Laub, ist der Vogel häufiger zu sehen. Das Tier des Monats des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) kann als einziger Singvogel schwimmen und tauchen.

Mit etwa 18 Zentimeter Größe ist die Wasseramsel kleiner als die bekanntere Amsel (Schwarzdrossel). Kehle und Brust sind auffällig weiß, der Kopf schimmert schokoladenbraun. Oft sitzt der Vogel auf wasserumspülten Steinen im Bach. Sucht er Nahrung, stürzt er kopfüber ins kühle Nass. Er kann bis auf den Grund tauchen und dort sogar laufen, um im Kiesbett Insekten, Larven, Flohkrebse und Würmer aufzupicken. Auch kleine Fische verschmäht die Wasseramsel nicht. Nach 10 bis 30 Sekunden taucht sie wieder auf.

Um diese einzigartigen Fähigkeiten nutzen zu können, muss die Wasseramsel anderen Singvögeln eine Menge voraushaben: Nasen und Ohren sind per Membran verschließbar, die Knochen schwerer, da zum Teil mit Mark gefüllt. Dichtes Gefieder, kräftige Zehen und spitze Krallen erlauben es der Wasseramsel, beim Tauchen der Strömung zu widerstehen. Darüber hinaus ist Cinclus cinclus, wie die Fachleute den Vogel nennen, auch noch musikalisch. Allerdings wird sein leises, melodisches "Schwätzen" meist vom Rauschen des Bachs übertönt. Bei Gefahr jedoch meldet sich der Singvogel mit einem lauten lang gezogenen Ruf und fliegt davon.

Die Wasseramsel meidet verschmutzte und ausgebaute Gewässer. An befestigten Ufern fehlen ihr zum Nisten die nischenreichen, wurzeldurchsetzten Steilhänge. Betonierte Bachsohlen bieten keine Nahrung. Auch die Beseitigung von Nischen an Brücken, Wehren und Mühlen haben dem "Wasserschwätzer" das Brutgeschäft verdorben. In den letzten 15 Jahren aber verspüren die Bestände durch gezielte Maßnahmen des Naturschutzes Aufwind. In der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten von 1996 konnte der Name der Wasseramsel gestrichen werden, weil die Bäche und Flüsse in NRW sauberer und viele Ufer durch Maßnahmen des Gewässerauenprogramms wieder naturnäher geworden sind. Zum Erfolg beigetragen haben auch die zahlreichen Nistkästenaktionen ehrenamtlicher Naturschützer. Und deshalb ist die Liste der Gewässer, an denen man die Wasseramsel sehen kann, heute wieder beachtlich lang. Dazu gehören Ruhr, Wupper, Volme, Düssel, Rur, Wapel, Agger, Diemel und andere unverbaute, saubere Bäche.

Foto: R.Behlert. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-559).

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Grünspecht November 2007
Der Grünspecht - im Aufwind trotz "einseitiger Ernährung"

Zu Beginn der kalten Jahreszeit, wenn die Vegetation langsam zurückgeht, sind einige Tierarten besonders gut zu beobachten. Zu ihnen gehört der Grünspecht, Tier des Monats des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Im Frühjahr und Sommer bevorzugt diese Spechtart die laubholzreichen Waldränder und Obstwiesen und ist für den Menschen weitgehend unsichtbar. Ab Herbst jedoch taucht der vorwiegend am Boden lebende Grünspecht häufig auf den kurz gehaltenen Rasenflächen der Stadtparks und Gärten auf.

Mit seinem grüngelb gefärbten Gefieder, der schwarzen Räubermaske und der knallrot leuchtenden Kopfhaube gehört der Grünspecht zu den prächtigsten Vögeln in Nordrhein-Westfalen. Dass er in die Siedlungen kommt, hängt mit „einseitiger Ernährung“ zusammen. Dafür muss er, wie der Mensch auch, manchmal büßen. Der bis zu 30 Zentimeter große Bodenspecht lebt nämlich fast nur von Ameisen - und die sind rar in der kalten Jahreszeit. Im Sommer auf extensivem und kurzrasigem Grünland in Massen aktiv und leichte Beute, ziehen sich die kleinen Krabbeltiere in den Boden zurück und fallen in Winterstarre. Der Grünspecht hat es jetzt schwerer, Nahrung zu finden. Deshalb pickt er auf den Kurzrasen der Städte nach Wiesenameisen. Manchmal fliegt er in stadtnahe Wälder, wo er sich – auch durch dünnere Schneelagen – in den Bau der Roten Waldameise gräbt, um Ameisen und Larven zu vertilgen.

Wer so stark von einer Nahrungsart abhängig ist und sogar die bequemen Futterstellen des Menschen meidet, bekommt Probleme, wenn es kalt wird. Deshalb gehörte der Grünspecht lange zu den „Sorgenkindern“ der LANUV-Experten. In den strengen Wintern 1962/63 und 1978/79 gingen seine Bestände erheblich zurück. Zudem verlor Picus viridis, wie die Fachleite ihn nennen, in zurückliegenden Jahrzehnten viele Brutplätze und Nahrungsquellen, weil Wälder intensiver genutzt, alte Bäume schneller entfernt, Waldsäume beseitigt und Pestizide und Nährstoffe in Parks und Gärten eingetragen wurden. Deshalb steht der Grünspecht schon seit 20 Jahren auf der vom LANUV herausgegebenen Roten Liste der gefährdeten Vogelarten Nordrhein-Westfalens.

Doch seit den 90er Jahren stellen die Vogelschützer eine Trendwende fest: Der Brutbestand des Grünspechtes steigt deutlich an. Im Jahre 1998 wurden bei Untersuchungen über 1.000, im Jahre 2007 schon etwa 13.000 Brutreviere gezählt. Für den Bestandsanstieg verantwortlich sind die milden schneearmen Winter im letzten Jahrzehnt sowie eine naturnähere Bewirtschaftung von Wäldern, Parks und Gärten, in denen Totholz wieder eine Chance hat und Giftstoffe tabu sind. Auch die Klimaerwärmung spielt eine Rolle. Dafür spricht auch, dass der Grünspecht heute vor allem in den unteren Lagen der Mittelgebirge und im Ballungsraum Rhein/Ruhr zuhause ist. Es besteht also Hoffnung, dass der prächtige Vogel dort in Zukunft häufiger zu sehen ist.

Foto: M.Woike. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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Hundsrose Oktober 2007
Der Schwefelporling – Holzvernichtung zum Wohle der Natur

Der Schwefelporling ist Pilz des Monats Oktober des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Mit seinen großen flachen Hüten, die aussehen wie Dachziegel, und den orange-gelblichen Oberseiten ist dieser prächtige Pilz schon von weitem leicht zu erkennen. Seine leuchtend gelben Fruchtkörper erscheinen bis in den Herbst vor allem an den Stämmen und Ästen älterer Eichen, aber auch an Weiden, Kastanien, Robinien, Apfel- und Pflaumenbäumen. Nur gelegentlich ist der Pilz an Nadelbäumen zu finden. Es gibt unter den Schwefelporlingen durchaus Schwergewichte: Große überlappende Ansammlungen von bis zu 40 Zentimeter breiten Pilzhüten können ein Gewicht von 20 Kilogramm erreichen.

Verschont der Schwefelporling vitale Bäume, so kann er alten oder verwundeten Bäumen (etwa durch Astabrisse) „den Rest geben“. Er dringt bis in das harte Kernholz des Stammes und der dickeren Äste ein und verwandelt es in eine braunrote, würfelig zerfallende Masse. Am Ende höhlt der Pilz fast den ganzen Baum aus. Bäume, die bereits Fruchtkörper des Pilzes aufweisen und zum Beispiel in Parkanlagen, Obstwiesen, Gärten oder an Straßen und viel begangenen Waldwegen stehen, können für Mensch, Tier und Material eine Gefahr darstellen und sollten auf ihre Verkehrssicherheit geprüft werden. Ein Entfernen des Fruchtkörpers ist wirkungslos, da sich der Pilz bereits im Innern des Baumes ausgebreitet hat.

Diese Art von Holzvernichtung geschieht jedoch zum Wohle der Natur: Zum einen wird das vom Schwefelporling zerstörte Holz mit den darin gebundenen Stoffen wieder dem Boden und damit weiterer Zersetzung und dem Naturkreislauf zugeführt. Zum anderen schafft der Schwefelporling Höhlen, die „es in sich haben“. Er verschont bei vielen Bäumen die äußeren saftführenden Bereiche (Splintholz). Dadurch kann ein vom Pilz befallener Baum noch lange Zeit, nicht selten Jahrzehnte, weiterleben und in seinem letzten Lebensabschnitt ein Heim für viele, ganz besonders auch gefährdete Tierarten bieten. In Höhlen alter Bäume brüten Hohltauben, Wald- und Steinkäuze sowie Fledermäuse. Auch Spechte tun sich leichter mit dem Höhlenbau, wenn das Kernholz des Baumes bereits vom Pilz heimgesucht worden ist. Darüber hinaus bieten Baumhöhlen einer stattlichen Anzahl zum Teil sehr seltener Insektenarten eine unentbehrliche Lebensgrundlage. Spezialisierten Käferarten zum Beispiel verschafft der Schwefelporling nicht nur ein sicheres Heim, sondern auch die Nahrungsgrundlage. Alte Bäume mit Höhlen befinden sich oft lange Zeit in einem stabilen und dynamischen Gleichgewicht zwischen Holzzuwachs und Holzabbau und können sich damit zu wertvollen Lebensgemeinschaften entwickeln.

Im Rohzustand ist der Schwefelporling übrigens leicht giftig. Richtig zubereitet, gelten junge, zarte Exemplare des in Nordamerika und Italien als „Waldhuhn“ (chicken of the woods, pollo del bosco) bezeichneten Pilzes jedoch als Delikatesse. Dazu werden sie in drei Minuten blanchiert, gebraten, gekocht oder wie ein Schnitzel paniert. Das Fleisch des Schwefelporlings soll dem Hähnchenfleisch in Struktur und Geschmack sehr ähnlich sein.

Foto: F.Jungschlaeger. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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Hundsrose September 2007
Vitamincocktail vom Strauch: Die Hundsrose hilft Mensch und Natur

Pflanze des Monats September des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist die Hundsrose (Rosa canina). Ihre weißen bis rosafarbenen Blüten sind nur für kurze Zeit im Juni zu bewundern. Die leuchtend roten Früchte dagegen, auch Hagebutten genannt, fallen im Herbst an bis zu fünf Meter hohen Sträuchern auf und halten sich dort bis in den späten Winter. Es sind Scheinfrüchte, die aus vielen kleinen Nüsschen bestehen und von allen Rosenarten entwickelt werden. Die leuchtend roten Hagebutten sind nicht nur bekannt, sondern auch gefürchtet. Wer erinnert sich nicht an den unerträglichen Juckreiz durch Hagebutten-Borsten, die einem Freund oder Feind in den Nacken warf?

Neben der Hundsrose, die in NRW die häufigste Art ist, gedeihen hier weitere 20 Wildrosenarten mit zum Teil ähnlichen Früchten. Selbst Experten können diese Rosen oft nur anhand der Hagebutten sicher bestimmen. Feld-, Apfel-, Pimpinell-Rose, ferner die Elliptische, die Kleinblütige und die Verwachsengriffelige Rose stehen sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Selbstverständlich dürfen Hagebutten gleich welcher Art nicht in Naturschutzgebieten gesammelt werden. Sträucher in der Nähe schadstoffbelasteter Stra&szig;en oder frisch gespritzter Felder sollte man meiden. Auch ist maßvolles Sammeln angebracht, damit für die Tiere noch genügend Früchte übrig bleiben.

Wer etwas für sich und die Natur tun will, kann an seiner Grundstücksgrenze eine Hecke pflanzen, in der zum Beispiel neben Holunder, Vogelbeere und Wildkirsche auch die Hundsrose Platz findet. Hecken binden bisher kahle Höfe, Plätze und Gebäude in die Landschaft ein, verbessern das Kleinklima, schaffen Unterschlupf, Nist- und Brutplätze und geben vielen Tieren auch im strengen Winter Nahrung: Buchfink, Amsel, Kernbeißer und Grünling werden es Ihnen danken. Denn für diese und andere Vögel sind die roten Früchte der Hundsrose ein "gefundenes Fressen". Dabei werden die Dornen der Sträucher gleich mitgenutzt: Dort spießt der Neuntöter Mäuse und Insekten auf und legt sich einen Nahrungsvorrat an.

Foto: R. Götte. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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Sumpf-JohanniskrautAugust 2007
Sumpf-Johanniskraut in NRW: Verantwortung für eine sehr seltene Pflanze

Pflanze des Monats August des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist das Sumpf-Johanniskraut. Es blüht im August und September an Weihern in Feuchtheiden, hat gelbe fünfzählige Blüten und kann bis zu 30 Zentimeter groß werden. Früher war die hübsche Pflanze in Deutschland weit verbreitet, heute ist sie sehr selten geworden. Der Schwerpunkt der aktuellen Vorkommen liegt in Nordrhein-Westfalen. Größere Bestände findet man mit Ausnahme der Grafschaft Bentheim (Niedersachsen) nur noch im Nordwesten des Münsterlandes und am Niederrhein. In Bayern, Sachsen und Hessen gilt das Sumpf-Johanniskraut als ausgestorben, bundesweit als stark gefährdet. Die Bundesartenschutzverordnung aus dem Jahre 2005 weist die Pflanze als "besonders geschützte Art" aus. Daher trägt NRW eine große Verantwortung für das Überleben dieser botanischen Kostbarkeit in Deutschland.

Hypericum elodes, wie die Fachleute das Sumpf-Johanniskraut nennen, ist eine Zeigerpflanze. Wo seine Bestände abnehmen, beginnen Heideweiher, langsam aber sicher ihre Substanz zu verlieren und vielleicht ganz zu verschwinden. Das führt zum Verlust weiterer seltener Pflanzen und Tiere wie Sonnentau, Glockenheide, Wasser-Lobelie oder Moorfrosch und Große Moorjungfer. Auch in NRW drohte das Sumpf-Johanniskraut bis in die 90er Jahre von der botanischen Landkarte zu verschwinden: Es bevorzugt offene, nährstoffarme Böden und steht gerne im Wasser. Einige Exemplare bleiben sogar ganz unter der Wasseroberfläche und entwickeln dann keine Blüten. Doch viele Heideweiher wurden in der Vergangenheit zugeschüttet, entwässert, beackert oder in Fischteiche umgewandelt. Nährstoff-, Stickstoff- und Säureeinträge veränderten die Wasserqualität der Weiher und drängten das Sumpf-Johanniskraut zurück. In der ersten Roten Liste der gefährdeten Pflanzen in NRW aus dem Jahre 1979 wurde Hypericum elodes als "vom Aussterben bedroht" eingestuft.

Maßnahmen des ehrenamtlichen und amtlichen Naturschutzes haben dazu geführt, dass das Sumpf-Johanniskraut in NRW heute noch vorkommt und sich die Bestände erholt haben. Feuchtheiden wurden wieder vernässt, Dränagen entfernt, alte Heideweiher wiederhergestellt, neue Kleingewässer und Blänken angelegt und Pufferzonen als Abgrenzung zu intensiv genutztem Grün- und Ackerland geschaffen. Gelungene Beispiele hierfür findet man zum Beispiel in restaurierten Heideweihern bei Telgte östlich von Münster sowie in den Naturschutzgebieten Wahner Heide bei Köln, Schnakenpohl bei Lübbecke und Lüsekamp/Boschbeek bei Viersen. Weitere Bestände wachsen in den Sandgebieten des Niederrheins und des nordwestlichen Münsterlandes. Die Gebiete sind auch dem vom Landesamt herausgegebenen "Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Nordrhein-Westfalen" zu entnehmen, dessen Titelseite ein Bild des Sumpf-Johanniskrauts zeigt.

Wer übrigens in der Apotheke ein Johanniskraut-Mittel verlangt, um mit natürlichen Mitteln nervliche Anspannung oder Verstimmung zu heilen, bekommt ein Präparat des Echten Johanniskrauts (Hypericum perforatum). Die anderen elf Arten der Gattung, also auch das Sumpf-Johanniskraut, können zwar als Zierpflanze gekauft werden, sind aber in der Naturheilkunde ungebräuchlich.

Foto: Chr. Rückriem. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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TagpfauenaugeJuli 2007
Kleider machen Falter: Das Tagpfauenauge zieht die Blicke auf sich

Das Tagpfauenauge ist Tier des Monats Juli des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Der Schmetterling gehört zu den schönsten, größten und -neben dem Kohlweißling und dem Kleinen Fuchs- zu den häufigsten Tagfaltern in Nordrhein-Westfalen. Im Juli schlüpfen die jungen Tagpfauenaugen aus der Puppenhülle und lösen die Elterngeneration ab, die in einer Garage, einem Keller oder hohlen Baum überwintert hat und nach der Eiablage gestorben ist.

Das bunt gefärbte "Falterkleid" beeindruckt: Gerne sonnt sich das Tagpfauenauge mit aufgeklappten Flügeln auf dem in voller Blüte stehenden Sommerflieder. Die Oberseite zeigt rotbraune Töne mit schwarzen Flecken und wird dominiert von vier großen, bläulich schillernden "Pfauenaugen", die hell umrandet sind. Wenn das Tagpfauenauge seine Position zum Licht wechselt, verändert sich der Blauton. Die Flügel bestehen aus extrem dünnen Schichten, die wie Dachpfannen aufeinander liegen. Das auftreffende Licht wird von jeder einzelnen Schicht reflektiert, so dass die zurückgeworfenen Strahlen sich überlagern oder verstärken können. Nur wenige andere, in NRW heimische Schmetterlinge zeigen diesen Effekt, zum Beispiel der Schillerfalter, der Kleine Ampferfeuerfalter und einige Bläulingsarten. Bei so viel Glanz ist es verständlich, dass das Tier des Monats in der Werbung verwendet wird und auch von Kindern gerne gemalt wird.

Aber nicht nur die Ästhetik des Tagpfauenauges gefällt. Da die Elterngeneration bereits im März ihr Versteck verlässt, ist sie für die Verbreitung von Frühblühern wichtig. Unter anderem werden Veilchen, Leberblümchen und Taubnesseln, aber auch Salweiden-, Schlehen- und Seidelbastgehölze angeflogen. Der Schmetterling findet dort Nektar und nimmt Blütenstaub auf, den er "als Gegenleistung" zur nächsten Blüte transportiert. Die ab Juli fliegende Generation besucht Flieder, Disteln, Klee und andere Pflanzen. Die Raupe des Tagpfauenauges ernährt sich von Brennnesseln, die angesichts der Zunahme stickstoffreicher Böden in NRW üppig gedeihen. Aus diesem Grunde ist der Falter nicht gefährdet. Aber er hat natürliche Feinde: Vögel, Fledermäuse, Eidechsen, Spinnen, Schlangen und Ameisen vertilgen Unmengen an Eiern, Raupen und Puppen von Schmetterlingen und verschmähen auch die Falter nicht. Zum Schutz bleiben dem Tagpfauenauge zwei Strategien: Entweder es tarnt sich, indem es die Flügel zusammenklappt und mit seiner schwarzen Unterseite kaum auffällt. Oder es öffnet plötzlich die Flügel, und schreckt Fressfeinde durch seine schockfarbene Oberfläche ab.

Fachleute vermuten, dass das wärmere Klima im Spätsommer eine weitere Generation von Tagpfauenaugen hervorbringt. Um den schönen Schmetterling in den Garten zu locken, reicht es manchmal schon, einige "unordentliche" Ecken mit Brennnesseln zu dulden und einen Blumenkasten oder ein Wildkrautbeet anzulegen, an denen der Falter Nektar findet. Auch Gartenstauden, Gehölze oder eine kleine Blumenwiese sind geeignet. Vom Falter verschmäht werden dagegen viele exotische Pflanzen. Und auch Gift hat aus vielen ökologischen Gründen in den Gärten nichts zu suchen. Ein Merkblatt über "Schmetterlinge im Garten" kann kostenlos beim LANUV bestellt werden.

Foto: G. Hellmann. Der Abdruck ist bei Nennung des Autors kostenfrei.
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WaldvögeleinJuni 2007
Attraktiv, aber gefährdet - das Rote Waldvögelein

Orchideen stehen in der Gunst der Bevölkerung ganz weit oben. Zumeist denkt man an farbenprächtige exotische Züchtungen aus dem Gartenbaubetrieb, die im eigenen Garten angepflanzt werden oder als Topfblume das Wohnzimmer zieren. Nicht vielen Blumenliebhabern ist bewusst, dass in einem Industrieland wie Nordrhein-Westfalen immerhin 44 heimische Orchideenarten wachsen. Die meisten dieser durchweg attraktiven Orchideen stehen im Juni in Blüte.

Stellvertretend hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) das Rote Waldvögelein zur Pflanze des Monats gewählt. Die Orchidee gefällt durch ihre rotvioletten Blüten, die sich auf den dunklen Waldböden deutlich abheben und von vielen Insekten angeflogen werden. Von der Blüte ist auch der Name abgeleitet: Die seitlichen Kelchblätter ähneln ausgebreiteten Vogelflügeln, die vorgestreckte Lippe einem Schnabel. Als Lebensraum bevorzugt die Pflanze trockenwarme, kalkhaltige Standorte des Buchenwaldes. Dort wächst sie an halbschattigen Stellen, Säumen und Böschungen.

Wo das Rote Waldvögelein vorkommt, ist die Natur noch in Ordnung, denn es ist empfindlich gegen viele Einflüsse. Leider gehört die Orchidee zu den 38 von 44 Artgenossen, die auf der Roten Liste stehen. Die Aufforstung oder Umwandlung des Waldes zu Nadelholzplantagen, der Einsatz schwerer Forstmaschinen, Gesteinsabbau und übermäßiger Verbiss in Revieren mit zu hoher Wilddichte haben dem Roten Waldvögelein das (Über-) Leben in der Vergangenheit schwer gemacht. Eingewehte Dünge- und Pflanzenschutzmittel setzen den Beständen ebenfalls zu: Die Wurzeln der Orchidee bilden eine Lebensgemeinschaft mit Pilzen, die ihr Wasser und Mineralien zuführen. Eine hohe Stickstoffzufuhr schadet den Pilzen und damit auch der Orchidee. Verluste entstehen auch dadurch, dass diese attraktiven Pflanzen immer wieder gepflückt oder ausgegraben werden, was nicht nur verboten, sondern auch zwecklos ist: Da im eigenen Garten die zur Symbiose erforderlichen Pilze zumeist fehlen, überleben die Orchideen die Umpflanzaktion nicht.

Alle diese Einflüsse haben dazu geführt, dass das Rote Waldvögelein heute nur noch in Naturschutzgebieten des Weserberglands, des nördlichen Sauerlandes sowie der Eifel zu finden ist. In den letzten Jahren jedoch haben viele Eigentümer umgedacht und bewirtschaften ihre Wälder zunehmend naturnah. Der Laubholzanteil steigt, heimische Baumarten werden bevorzugt und lichte Stellen vor Verbuschung geschützt. Zu diesem Sinneswandel zugunsten der Orchideen hat auch das von Fachleuten des LANUV entwickelte und geförderte Mittelgebirgs-, später Kulturlandschafts­programm NRW, beigetragen. Über Verträge mit den Grundeigentümern werden die Ziele des Naturschutzes umgesetzt. Der Erfolg macht Mut: Im Vergleich zur Roten Liste von 1986 konnten im Jahre 2000 die Zukunftschancen von 16 Orchideenarten optimistischer bewertet werden. Eine günstigere Prognose für das Rote Waldvögelein kann vielleicht schon gestellt werden, wenn der Mensch das Prinzip beachtet: Anschauen und bewundern ja, aber bitte stehen lassen.

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Mai 2007
Ständig in Wohnungsnot - die Gelbbauchunke

Erste Artenschutzmaßnahmen laufen

Allen Unkenrufen zum Trotz, noch gibt es sie: die Gelbbauchunke, Tier des Monats Mai des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Doch die Paarungsrufe des kleinen Froschlurchs, die einem "uuh...uuh...uuh" gleichen, kann man im übertragenen Sinn auch als Hilferufe deuten. Vor 100 Jahren noch überall im Rheinisch-Westfälischen Schiefergebirge anzutreffen, ist die Gelbbauchunke heute vom Aussterben bedroht. In den letzten 15 Jahren konnten die Fachleute in Nordrhein-Westfalen nur 24 heimische Restvorkommen nachweisen: im Raum Aachen, in der südlichen Kölner Bucht, im westlichen Siegerland, Bergischen Land und nördlichen Sauerland sowie in den Hellwegbörden und an einem Standort im Weserbergland. Ein Individuentausch zwischen diesen Populationen findet kaum noch statt.


Dabei verfügt die bis zu fünf Zentimeter lange Gelbbauchunke eigentlich über gute Abwehrstrategien. Die warzige Körperoberseite ist lehmfarben braun und in einer Lehmpfütze oder Wasserlache kaum zu sehen, vor allem, wenn das Tier bei Gefahr abtaucht und den Boden aufwirbelt. Auch an Land weiß sie sich zu wehren. Greifen Amsel, Elster, Eichelhäher oder Schwarzstorch an, dreht sich Bombina variegata, wie die Fachleute sie nennen, blitzartig auf den Rücken. Sie schreckt den Feind mit ihrer gelbschwarzen Unterseite ab (Unkenreflex, Kahnstellung), wobei sie durch eine vermehrte Sekretion von Hautgiften "aufschäumt". Diese Stellung wird einige Minuten beibehalten, bis der Fressfeind verschwunden ist.

Auch die Wohnungsansprüche der Gelbbauchunke sind nicht allzu exklusiv. Ein paar besonnte, vegetations- und fischfreie Kleingewässer in lichten Wäldern, Auen- und Quellwiesen. Gerne zieht sie auch in Steinbrüche, Sand-, Kies- und Tongruben, wo sich ausgefahrene Wagenspuren nach Regenfällen in Pfützen verwandeln. Selbst in Wildschweinsuhlen oder Panzerspuren auf Truppenübungsplätzen legt das Weibchen seine Eier ab. Da viele Tümpel nur zeitweise Wasser führen, hat die Natur der Unke Anpassungsfähigkeit verliehen. Nach nur einer Woche schlüpfen die Kaulquappen, nach wenigen Wochen verlassen die Jungtiere das Kleingewässer und gewinnen oft genug den Wettlauf mit der Zeit.

Doch was nutzen alle Fähigkeiten, wenn die Wohnungen fehlen? In den meisten Auen sind die Überschwemmungstümpel durch Bebauung, Gewässerausbau und Gewässerbegradigungen veschwunden. Es gibt in NRW nur noch einen einzigen Flußauenstandort der Gelbbauchunke. Auch unbefestigte Feld- und Waldwege mit wassergefüllten Wagenspuren gehören der Vergangenheit an. Die Kies- oder Sandgruben werden heute meistens wieder verfüllt und rekultiviert.

Das Überleben der Gelbbauchunke ist ohne intensive Schutzmaßnahmen nicht mehr möglich. Deshalb haben Fachleute des LANUV die meisten Vorkommen als so genannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete grundgeschützt. Sie beginnen nun an einigen Standorten, der Unke wieder eine Zukunftsperspektive zu geben, indem Stellen für Kleingewässer gesucht, neue Tümpel angelegt und Schatten werfende Ufergehölze zurückgeschnitten werden. Hierbei kooperiert das LANUV mit Flächeneigentümern, Förstern, Abgrabungsunternehmern, Biologischen Stationen und Naturschutz­vereinen. Auch Sponsoren unterstützen die Artenschutzmaßnahmen, die zur Zeit im Rhein-Sieg-Kreis, im Rheinisch-Bergischen-Kreis sowie den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Soest und Minden-Lübbecke laufen. Auf diese Weise ist zum Beispiel im letzten Jahr ein Biotopvernetzungsplan im Bereich der Bergischen Heideterrassen erarbeitet worden, dessen Umsetzung in diesem Jahr beginnt.

Foto 1: Kopf einer Gelbbauchunke. Autor: K.P.Zsivanovits
Foto 2: Gelbbauchunke in Kahnstellung.
Autor: G.Hellmann
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BärlauchApril 2007
Bärenstarker Bärlauch - am "Duft" kann man ihn erkennen

In diesen Wochen wachsen in den Wäldern und Parks Nordrhein-Westfalens die Waldblumen um die Wette. Auch der Bärlauch, Pflanze des Monats April des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), bedeckt mit seinen weißen Blütenteppichen die humusreichen, feuchten Waldböden. Schwerpunkte der Verbreitung sind die Kalkbuchenwälder des Teutoburger Waldes, des Sauerlandes und der Eifel. Weitere nennenswerte Vorkommen findet man in den Beckumer Bergen und den Baumbergen im Münsterland. Am Niederrhein kommt der Bärlauch fast gar nicht, in anderen Gegenden relativ selten vor. Landesweit ist die Pflanze aber nicht gefährdet.

Bärlauch wird bis zu 30 Zentimeter hoch und bringt in Dolden angeordnete, sternförmige Blüten hervor. Dort lassen sich an schönen Tagen Schmetterlinge wie Zitronenfalter und Tagpfauenauge sowie andere Insekten nieder, um Nektar zu saugen. Einige Bärlauchsamen werden von Ameisen gesammelt. Auf dem Weg zum Ameisenbau geht ein Teil der Beute verloren und sorgt für Verbreitung der Pflanze. Zum Kennenlernen dieser reizvollen Naturereignisse rund um den Bärlauch bleibt dem Naturfreund allerdings nur Zeit bis Mai. Wenn sich das Blätterdach der Laubäume langsam schließt und weniger Licht durchlässt, hat der Bärlauch einen großen Teil seines Lebenszyklus abgeschlossen und zieht sich wieder in den Boden zurück. Wo Bärlauch im großen Verband wächst, riecht es intensiv nach Knoblauch, umso mehr, wenn man die Blätter zerreibt. Nicht ohne Grund haben unsere Vorfahren die Pflanze auch Waldknoblauch und Wilder Knofel genannt. Der Name Bärlauch dagegen geht auf den Braunbär zurück, der sich nach dem Winterschlaf damit den Bauch vollschlägt. Die alten Germanen sollen es den Bären nachgemacht haben. Sie glaubten, durch den Verzehr von Bärlauch bärenstark zu werden. .

Auch heute weiß der Mensch das Kulinarische an Allium ursinum, so die wissenschaftliche Bezeichnung, wieder zu schätzen. Bärlauch ist eine bekannte Gemüse- und Gewürzpflanze, die sich in der Frühjahrsküche zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Feingeschnitten, kann man die frischen Blätter in Salaten, Quark, Suppen, als Brotbelag oder zu Nudelgerichten verwenden und profitiert auf diese Weise vom hohen Vitamin C-Gehalt der Pflanze. Groß ist das Anwendungsspektrum von Bärlauch in der Heilkunde: Er wirkt blutdrucksenkend und gefäßerweiternd, hilft unter anderem gegen Darm-, Hals- und Erkältungskrankheiten und regt den Appetit an. .

Vorsicht ist geboten, wenn man den Bärlauch in der Natur sammelt und in der Küche verwenden will. In größeren Bärlauchverbänden wachsen oft auch andere Frühblüher. So landen auf dem Teller schon mal die ähnlich aussehenden, aber giftigen Blätter des Maiglöckchens oder der Herbstzeitlose, die allerdings nicht nach Knoblauch riechen. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder sogar Herz-Kreislauf-Versagen sind dann die Folge. Auch können an Bärlauchblättern Eier des gefährlichen Fuchsbandwurms haften. Für Kenner aber dürfte ein maßvolles Sammeln im Wald -außer in Naturschutzgebieten- kein Problem sein. Um Verwechselungen auszuschließen sollte man jedoch immer seinen Geruchssinn bemühen. Dann schmeckt die Bärlauch-Suppe hinterher umso besser. .

Foto: G. Hellmann.
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Der ZitronenfalterMärz 2007
Der Zitronenfalter: Aus der Kältestarre in die Frühlingssonne

Tier des Monats März des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist der Zitronenfalter. Im März erwacht er aus der Kältestarre und fliegt, nachdem er seinen Kreislauf wieder hochgefahren hat, in die Frühlingssonne. Gonepteryx rhamni, wie ihn einst der schwedische Naturforscher Linné taufte und seitdem die Wissenschaftler nennen, ist der einzige Tagfalter in Nordrhein-Westfalen, der den Winter im Freien verbringt. Scheinbar ungeschützt, Temperaturen bis zu minus 20 Grad trotzend, hängt er in einem Strauch oder Baum. Die grünlichen Flügel mit den deutlich sichtbaren Adern sind von dauergrünen Blättern am Zweig (zum Beispiel Efeu) nicht zu unterscheiden. Für Tarnung ist also gesorgt.

Doch Tarnung und Winterstarre allein reichen nicht aus, um Kälte und Frost auszuhalten. Der Zitronenfalter produziert Stoffe, die so gar nicht zu dem kleinen Insekt zu passen scheinen: Unter anderem mit Hilfe von Glycerin schafft es der Schmetterling, den Gefrierpunkt im Körper herunterzufahren, sich also zu "konservieren". Im März wacht er dann wieder auf und sucht sich Nahrung an Schlüsselblumen, Leberblümchen oder Lerchensporn, um Kraft zu tanken. Im Gegenzug sorgt der Falter für die Bestäubung dieser Pflanzen. Sobald er gelandet ist, gibt sich der Zitronenfalter "bedeckt", denn er hält immer die Flügel geschlossen. Der Falter kann - im Gegensatz zu seinen Artgenossen - bis zu einem Jahr alt werden und ist damit der Methusalem unter den Schmetterlingen. Im April sorgt er für Nachwuchs; dann findet die Eiablage statt. Raupe und Puppe entwickeln sich schnell, so dass bereits im Juli die Falter der Folgegeneration ihre Puppenhülle sprengen, Blut in die Adern pumpen und losfliegen.

Wohl fühlt sich der Zitronenfalter an Waldrändern, in lichten Wäldern, Buschgeländen, Parks und Gärten. Dort kann der Spaziergänger das leuchtend gelbe Männchen oder blassgrüne Weibchen bei schönem Wetter beobachten. Gonepteryx rhamni ist nach Erkenntnissen des Landesamtes zwar seltener geworden, steht aber nicht auf der Roten Liste bedrohter Arten von NRW. Die Bestände des Falters gehen dort zurück, wo Faulbaum- oder Kreuzdornsträucher fehlen, an denen die Eier abgelegt werden und die grünen Raupen ihr Futter finden. Beeinträchtigt werden diese Sträucher zum Beispiel bei forstlicher Nutzung, Viehverbiss oder Einwirkung von Dung und Pestiziden. Forst- und Landwirte sollten deshalb Sträucher und Kräuter an Waldrändern und in Lichtungen schonen. Das hilft auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten.

Wer einen Garten besitzt, sollte auf Insektengifte verzichten. Auch darf der Kurzrasen ruhig einmal zur Wiese heranwachsen: Flockenblumen, Lichtnelken, Johanniskraut und Wiesensalbei bieten dem Zitronenfalter und anderen schönen Schmetterlingen reichlich Nahrung. Auch ein Blumenbeet mit Krokus, Lavendel, Fetthenne und Steinkraut helfen mit, die "fliegenden Seelen", wie die alten Griechen Schmetterlinge nannten, in die Gärten zu locken.

Foto: Gunther Hellmann.
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Der WaldkauzFebruar 2007
Der Waldkauz hat eine Zukunft in Nordrhein-Westfalen!

Er ist schon ein komischer Kauz: Wenn es im Februar so richtig ungemütlich wird und andere Tierarten noch Winterschlaf halten, kommt der Waldkauz in Form. Dann beginnt das Männchen seinen schaurigschönen Balzgesang: Ein langgezogenes heulendes Pfeifen, wie man es aus Kriminalfilmen kennt, wenn zu nächtlicher Stunde Gefahr droht. Haben sich Männchen und Weibchen des Waldkauzes gefunden, suchen sie einen geeigneten Brutplatz. Gerne, so das LANUV, ziehen sie als "Nachmieter" in alte Baumhöhlen, zum Beispiel Schwarzspechthöhlen ein. Oft lässt sich der Waldkauz aber auch in der Nähe des Menschen, etwa einer Scheune, Ruine oder einem Kirchturm nieder. Im Februar oder März legt das Weibchen seine ersten Eier ab und beginnt mit der Brut.

Der bis zu 40 Zentimeter große Vogel gilt als reviertreu und bevorzugt reich strukturierte Landschaften mit ganzjährig gutem Nahrungsangebot. In lichten Altholzbeständen von Laub- und Mischwäldern fühlt er sich ebenso wohl wie in Parks, Friedhöfen und Gärten. Die Zeit des Balzgesangs bietet dem Naturfreund eine seltene Chance, den Waldkauz zu lokalisieren. Dann kann man den Vogel vielleicht beobachten, wenn er ein Sonnenbad nimmt. Ansonsten entzieht er sich unseren Blicken und sitzt still auf einem Ast hoch oben im Baum. Sein perfektes Tarnkleid tut ein Übriges: Das rost- bis graubraune Gefieder mit den kräftigen dunklen Längsstreifen und schwächeren Querbinden ist von der Baumrinde kaum zu unterscheiden.

Nach Beginn der Dämmerung jedoch wird Strix aluco, wie die Experten den Waldkauz nennen, aktiv. "Von hoher Warte" aus fliegt er los und jagt nach Beute. Lautlos nähert er sich zum Beispiel schlafenden Singvögeln und greift sie. Ratten, Mäuse und Maulwürfe, aber auch Fische und Käfer ergänzen das üppige Nahrungsspektrum des Eulenvogels. Er steht in der Nahrungskette des Waldes ganz oben: Jedes Massenaufkommen einer Beuteart nutzt der Wartenjäger aus und sorgt dafür, dass keine Art überhand nimmt.

Nur Habicht und Uhu können dem Waldkauz gefährlich werden. In Nordrhein-Westfalen kommt er flächendeckend vor. Die Experten des LANUV schätzen den Bestand auf 17.000 Brutpaare, das sind fast 20-25 Prozent des Gesamtvorkommens von Deutschland. Aus dieser guten Bilanz ergibt sich für den Naturschutz in NRW eine besondere Verantwortung. So wird darauf geachtet, dass in den Wäldern ein ausreichendes Angebot an Höhlenbäumen besteht und damit Brutplätze erhalten bleiben. Auch wird nicht mehr jeder Dachboden bei Renovierungen hermetisch versiegelt. Der Waldkauz hat also eine Zukunft in NRW!

Foto: Dr.Martin Woike.
Der Abdruck ist bei Nennung des Autors und in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (0201/7995-1337)
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).



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Die EibeJanuar 2007
Die Eibe - Plädoyer für eine gefährdete Baumart

Pflanze des Monats Januar des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ist die Eibe. Der immergrüne Baum oder Strauch, der auf kalkhaltigen und nährstoffreichen feuchten Böden wächst, gilt als ältestes heimisches Nadelgehölz. Bis in den Winter trägt die Eibe ihre kleinen roten Früchte - und die "haben es in sich": Sie sind wichtige Nahrung für mehr als 20 Vogelarten, zum Beispiel Amsel, Singdrossel, Buchfink, Meise, Eichelhäher oder Rotkehlchen. Die Vögel revanchieren sich gerne für die leckeren Früchte. Sie verdauen nur den Samenmantel; den Eibensamen scheiden sie unverwertet, aber keimfähig, wieder aus. Nur durch dieses "Geschäft auf Gegenseitigkeit" schafft es die bis zu 20 Meter hohe Eibe, sich zu verbreiten.

Doch Taxus baccata, so ihr wissenschaftlicher Name, kann Fluch und Segen zugleich sein. Ungefährlich für Vögel, Rehe und Rothirsche, bekommt sie anderen Tieren überhaupt nicht. Rinde, Holz, Samen und Nadeln enthalten das giftige Taxin, das den Baum selbst vor pflanzenfressenden Insekten schützt. Auf Mensch, Pferd, Rind und Schwein jedoch wirkt es tödlich: Manch finsterer Geselle mischte früher das Gift ins Getränk eines Widersachers. Fuhrleute und Viehzüchter versuchten, Eiben an Viehweiden systematisch auszurotten. Hoch im Kurs dagegen stand das harte, aber elastische "Ebenholz": Man stellte daraus Armbrüste, Bögen, Flöten und Kleinmöbel her, die im Mittelalter auch nach Holland und England exportiert wurden. Ortsnamen wie Ibbenbüren weisen auf die Bedeutung der Eibe in früherer Zeit hin.

Durch Übernutzung gingen ihre natürlichen Bestände also schon vor langer Zeit zurück, zumal der Baum nur langsam nachwächst und frostempfindlich ist. Heute steht die Eibe in NRW auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und kommt nur einzeln oder in lockeren Gruppen vor. Natürliche Vorkommen gibt es noch in den Wäldern bei Höxter und Beverungen. Die Ökologen des LANUV raten, solche Bestände zu erhalten und zu pflegen. Wo alte Eiben in Wäldern wachsen, sollten sie verjüngt werden. Junge Eiben sollten in lichteren Beständen, in ausreichender Entfernung zu Schatten werfenden Buchen, stehen. Sie müssen mindestens 15 Jahre durch Schutzhüllen oder Gatter vor Wildverbiss geschützt werden.

In kultivierter Form ist die Eibe häufig in Gärten, Parks und Friedhöfen zu finden. Eine Eibenhecke zu pflanzen, macht Sinn: Sie bietet Sicht- und Windschutz und gefällt durch ihre roten Früchte. Außerdem lässt sie sich gut in Form schneiden und lockt viele Vögel an, die neben der Nahrung auch Nistplätze finden. Für Industrie und Medizin ist die Eibe ebenfalls interessant: Das harzfreie Holz wird zur Herstellung hochwertiger Möbel und Bauhölzer verwendet; der Wirkstoff Taxol ist in der Homöopathie und der Krebstherapie gefragt.


Foto: Peter Schütz.
Der Abdruck des Fotos ist bei Nennung des Autors in Verbindung mit dieser Pressemitteilung kostenfrei.
Pressestelle: Dr. Babette Winter (0201/7995-1337)
Fragen zu dieser Pressemitteilung beantwortet: Gunther Hellmann (02361-305-3559).

      LANUV NRW 2007

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