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Atmosphärische Transportprozesse

Landwirtschaftlichen Anlagen weisen meist vergleichsweise niedrige Austrittshöhen der Emissionsquellen auf. Literaturwerte für die Umsetzungszeiten von Ammoniak (NH3) zu Ammonium (NH4+) liegen im Bereich von einigen Stunden bis Tagen, sodass bei den in NRW üblichen Windgeschwindigkeiten davon ausgegangen werden kann, dass das emittierte NH3 im unmittelbaren Umkreise der Anlage zu erhöhten NH3-Konzentrationen (Immissionen) führt. (Siehe Ausbreitungsrechnung)

Abgesehen von Großbritannien und den Niederlanden wo die NH3-Konzentrationen an mehreren Messstellen kontinuierlich bestimmt wird, existieren in den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, bisher noch keine Messnetze, die flächendeckende Aussagen zulassen. Bei Aussagen zur Höhe der NH3-Konzentrationen einzelner Regionen handelt es sich somit meist um grobe Abschätzungen auf der Basis von Einzelmesswerten. Im allgemeinen wird davon ausgegangen, dass mittlere NH3-Konzentrationen in der Regel unter 10 µg/m³ liegen, in Gebieten mit hoher Viehdichte oder aber auch im Einflussbereich von Quellen werden jedoch deutlich höhere Werte erreicht, kurzzeitige Spitzenkonzentrationen, z.B. nach dem Ausbringen von Gülle, können einige hundert µg/m³ erreichen.

Die Ablagerung (Deposition) von NH3 und seinen Folgeprodukten erfolgt sowohl trocken (NH3; NH4+) als auch nass (hauptsächlich NH4+).

(QUELLE: Ammonia in the UK, DEFRA 2002, abgeändert)

Da NH3 der einzige, in höheren Konzentrationen vorkommende basische Bestandteil der Atmosphäre ist, bewirkt NH3 die Neutralisation von sauren Luftschadstoffen, die durch die Oxydation von SO2 und NOx in der Atmosphäre entstehen. Die dabei entstehen Salze ((NH4)2SO4, NH4NO3, NH4NO2) liegen in der Atmosphäre hauptsächlich als feine Aerosolpartikel mit einem Durchmesser < 2,5 µm vor. Diese Partikel haben sehr geringe Depositionsgeschwindigkeiten und werden daher über weite Strecken mit den Luftströmungen verfrachtet, bevor sie als nasse oder trockene Deposition zurück zur Erdoberfläche gelangen. Auf der Basis von Risikoabschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die EU 1999 in der 1. Tochterrichtlinie zur Luftqualität angesichts der gesundheitlichen Wirkungen auf das Atem- und Herz- Kreislaufsystem strenge Grenzwerte für PM 10 festgelegt, die bis 2005 in Europa einzuhalten sind. Derzeit kommt es in Deutschland und NRW noch zu vielfachen Überschreitungen der Grenzwerte. Da 30-40 % der Partikel aus sekundären Aerosolen (v.a. NH4NO3 und (NH4)2SO4) bestehen, die aus NOx bzw. SOx und NH3 Emissionen entstehen, kommt der Landwirtschaft als Haupt NH3-emittent hierbei eine bedeutende Rolle zu.

      LANUV NRW 2007

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