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PFT in Boden und Grundwasser

Perfluorierte Tenside (PFT) waren im Hochsauerland aufgrund krimineller Abfallverbringungen als „Biodünger“ getarnt auf landwirtschaftliche Nutzfläche aufgebracht worden.

Inzwischen richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf Altstandorte und Altablagerungen sowie Standorte, die mit Löschschaummitteln kontaminiert worden sind. Bei Altstandorten sind vorrangig ehemalige Betriebe mit Chrom-Galvanikbädern von Bedeutung. Daneben kann in besonderen Fällen auch bei Altstandorten der Textilverarbeitung, Papierherstellung sowie Foto- und Filmindustrie die Notwendigkeit zur Einbeziehung von PFT in Untersuchungen geboten sein. Lokal können bei relevanten Altstandorten sowie bei Schäden aufgrund des Einsatzes PFT-haltiger Feuerlöschschaummittel hohe PFT-Belastungen im Boden sowie im Grundwasser und damit verbundenen Gewässern festgestellt werden. In betroffenen Böden konnten PFT-Konzentrationen im 1- bis 2-stelligen mg/kg-Bereich  (Milligramm- pro-Kilogramm) festgestellt werden und in Grundwässern und Grundwasserseen (Baggerseen) im 1- bis 2-stelligen µg/L-Bereich (Mikrogramm-pro-Liter). Bei löschschaummittel-bedingten Boden- und Grundwasserverunreinigungen ist meistens PFOS die Hauptkomponente, begleitet von diversen weiteren PFT gemäß Analysenspektrum des LANUV zuzüglich H4PFOS. Weitere polyfluorierte Tenside sind zu vermuten, bzw. konnten bei speziellen Löschschaum-Analysen festgestellt werden.

Bodenmonitoring

Im Rahmen des risikoorientierten Boden- und Gewässermonitorings sind umfangreiche Bodenuntersuchungen an Flächen durchgeführt worden, die mit dem als Biodünger getarnten Abfallgemisch „Terrafarm“ beaufschlagt worden sind.

Im ersten Schritt wurde im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg durch die IFUA Projekt GmbH, Bielefeld, ein pilothaftes Flächenmonitoring durchgeführt (Abschlussbericht). Dazu sind zunächst sieben landwirtschaftlich bzw. für die Weihnachtsbaumkultur genutzte Flächen im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest ausgewählt worden.

Im Rahmen des Pilotflächenmonitorings wurde die 10 Hektar große Maisfläche in Brilon-Scharfenberg mit Konzentrationen von mehr als 6.000 Mikrogramm pro Kilogramm und (nach damaliger Schätzung) einem PFT-Depot von etwa 390 Kilogramm festgestellt, für die sofort eine Sanierung eingeleitet wurde.

Bei zwei der übrigen sechs Flächen des Pilotmonitorings lag der Gehalt in den Bodenproben unterhalb der Bestimmungsgrenzen für PFOA und PFOS (10 µg/kg TS); im Oberboden der verbleibenden vier Standorte wurden PFT-Gehalte von 13 bis 200 µg/kg (Summe PFOA+PFOS) ermittelt. In allen Boden- und Materialproben lagen die PFOS-Gehalte oberhalb derjenigen von PFOA; im Mittel beträgt das Verhältnis PFOS : PFOA etwa 6 : 1.

Auf Basis von Erkenntnissen aus der Gewässerüberwachung und infolge der Erkenntnisse aus den Versuchen zum PFT-Transfer aus dem Boden in Futterpflanzen wurde das risikoorientierte Bodenmonitoring weiter fortgesetzt.

Dazu haben die betroffenen Kreise Flächen systematisch beprobt, die mit dem Abfallgemisch der Fa. GW Umwelt beaufschlagt wurden. Die Probenaufbereitung und Analytik wurde durch das LANUV unterstützt. Aus der nachfolgenden Tabelle gehen die Anzahl der durchgeführten Bodenuntersuchungen und die Einteilung in Klassen der PFT-Gehalte hervor (Stand August 2010). Bei den beiden in der höchsten Belastungsklasse dargestellten Flächen in Scharfenberg (Hochsauerlandkreis) und Rüthen (Kreis Soest) bestand Handlungsbedarf zur Gefahrenabwehr. Daher wurden hier Sanierungsmaßnahmen ergriffen.


Sanierung

Sanierungsmaßnahme Brilon-Scharfenberg, Hochsauerlandkreis

Auf der im Rahmen des Pilotflächenmonitorings festgestellten Hochbelastungsfläche in Brilon-Scharfenberg wurde sofort eine Sanierung eingeleitet, die aus einer Fassung des belasteten Sickerwassers und anschließender Behandlung über Aktivkohle besteht. Mit Beginn der Sanierung im Januar 2007 wurde der Austrag von PFT-belastetem Sickerwasser aus dieser Fläche wirkungsvoll reduziert (Statusbericht Scharfenberg).

Seit Beginn der Sanierungsmaßnahme Brilon-Scharfenberg wird ein regelmäßiges Bodenmonitoring auf der Fläche durchgeführt. Dabei ist eine Abnahme der PFT-Belastung im Oberboden zu verzeichnen.

 

 

 

 

Sanierungsmaßnahme Rüthen, Kreis Soest

Im Rahmen der ergänzenden Bodenuntersuchungen im Anschluss an das Pilotflächenmonitoring auf der Basis von Erkenntnissen aus der Gewässerüberwachung ist in der Nähe der Ortschaft Rüthen im Kreis Soest eine weitere hoch belastete Fläche festgestellt worden. Diese etwa 2 Hektar große Fläche, bei der ein PFT-Depot von ca. 100 Kilogramm ermittelt wurde, ist mittels Entsorgung hochbelasteter Bodenpartien und anschließender Rekultivierung saniert worden.

 

Sanierungsmaßnahmen bei Altstandorten oder Schäden aufgrund von Löschschaumeinsatz

Aufgrund der vielfältigen Verwendung können PFT im Boden und Grundwasser bestimmter Altstandorte, Altablagerungen und aufgrund des Einsatzes von Feuerlöschschaummitteln relevant sein. Einzelne durchgeführte Untersuchungen haben auf Altstandorten mit Chrom-Galvanik-Bädern bestätigt, dass neben den ChromVI-Belastungen dort erheblich erhöhte PFT-Gehalte auftreten können. Erste Sanierungsmaßnahmen des Bodens und des Grundwassers auf Galvanikstandorten und auf Standorten mit Schäden aufgrund des Einsatzes von Löschmitteln laufen in Nordrhein-Westfalen bereits. Die Beuteilung einer Sanierungsnotwendigkeit und Ausrichtung der Maßnahmen beruhen auf einer Einzelfallbetrachtung. Dabei können die Bewertungsmaßstäbe für PFT-Konzentrationen in NRW orientierend herangezogen werden.

 

Transfer Boden-Pflanze

Im Auftrag des damaligen Minsteriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW hat das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie in Schmallenberg systematische Versuche an verschiedenen Nahrungs- und Futterpflanzen zur Beantwortung der Frage durchgeführt, ob PFT bei einer hohen Bodenbelastung über die Wurzeln von Pflanzen aufgenommen werden können (Bericht 2007).

Die Versuche an Gras, Silomais, Kartoffeln und Weizen zeigen, dass mit höherer Bodenbelastung auch die PFT-Gehalte in den Pflanzen steigen. Die Ergebnisse bestätigen damit bereits die im Jahr 2007 auf der hoch belasteten Fläche in Rüthen festgestellten erhöhten PFT-Gehalte im Silomais und wurden durch ergänzende Untersuchungen abgesichert (Bericht 2008).

Auch wenn aus Sicht der Lebensmittel- und Futterüberwachung noch keine abschließende Bewertung möglich ist, wurde das In-Verkehr-Bringen der Lebens- bzw. Futtermittel von diesen hoch belasteten Flächen unterbunden.

      LANUV NRW 2012

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